Alle Artikel in: Bücherkiste

Sudička. Cover: Salomo Publishing

Roman „Sudička“: Dorfmädchen eint Slawen gegen Gefahr aus dem Westen

Dieter Kalka setzt vernichteter sorbischer Kultur ein literarisches Denkmal Mit „Sudička“ hat der Autor und Vielberufler Dieter Kalka der sorbischen Kultur des Mittelalters ein belletristisches Denkmal gesetzt. In seinem sagenhaften Roman schildert er den Aufstieg eines Dorfmädchens zur Königin von Wolin. Und er malt den Untergang dieser stolzen slawischen Händlerstadt unter dem Ansturm der Sachsen, Nordmannen und anderen Westvölker aus – der womöglich die Vorlage für die Ostsee-Sage vom untergegangenen Vineta war.

Auf diesem Gemälde hat sich Joseph Mallord William Turner 1802 ausgemalt, wie der karthagische Feldherr Hannibal bei einem Schneesturm die Alpen überquert haben mag. Repro: The Yorck Project / Direct Media in der Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

„Geschichte Karthagos soll nicht verschwinden wie ihre Mauern“

Das Taschenbuch „Hannibal Minor. Die Geschichte Karthagos“ ist eine Abkehr von römischer Siegergeschichtsschreibung Ein Sensationsfund erschüttert die Welt der Geschichtsschreiber: Eine dänische Reederei entdeckt in der Seekiste des Kapitäns Stig Bastrup ein Bündel uralter Papyrusrollen. Den Text hatte augenscheinlich vor zwei Jahrtausenden ein antiker Exil-Karthager verfasst, der „kleine Hannibal“. Schlagartig verfügen die Historiker nun über eine erste originale Quelle, die das Leben in der antiken Händlerstadt in Nordafrika nicht mehr nur aus der Siegerperspektive der Römer, sondern aus dem Blickwinkel eines echten Karthagers ausbreitet. Der Berliner Historiker Olde Hansen, bekannt durch sein Sachbuch „Der Dritte Römisch-Karthagische Krieg: Die Zerstörung Karthagos 146 v. Chr.“ aus dem Jahr 2008, hat dieses faszinierende Opus nun unter dem Titel „Hannibal Minor. Die Geschichte Karthagos“ veröffentlicht und kommentiert.

Der Umbauer: Prof. Thomas Bürger und die digitalen Sammlungen der SLUB im Hintergrund. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdner SLUB-Chef Bürger geht

  Abschiedsfest für einen digital-bibliophilen Generalissimus Dresden, 2. Juli 2018. Nach 15 Jahren an der Spitze der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden geht Generaldirektor Prof. Thomas Bürger in den Ruhestand. Tatsächlich übergibt er die Amtsgeschäfte zwar erst Ende Juli vollständig an seinen bisherigen Vize und Nachfolger Dr. Achim Bonte. Doch bereits gestern verabschiedeten die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) und weitere Gratulanten den Generaldirex schon einmal mit einem Festakt in den Ruhestand.

Elisabeth von Sachsen, gemalt von Lucas Cranach dem Jüngeren um 1564. Repro aus: H. Lilienfein: Lucas Cranach und seine Zeit, 1942, Wikipedia, gemeinfrei

Elisabeth von Sachsen: Giftmörderin oder Giftopfer?

Biografie zeichnet das Bild einer unglücklichen Kurfürstentochter, die jung in der Ferne starb Was passiert, wenn man eine eingefleischte Lutheranerin mit einem noch fanatischeren Calvinisten verheiratet? Das kann eine wunderbar inspirierende Verbindung sein – heute. Im 16. Jahrhundert hingegen mündete solch eine Ehe zwischen Elisabeth von Sachsen (1552-1590) und Pfalzgraf Johann Kasimir (1543 bis 1592) in einer Tragödie: Eines Giftmordkomplotts gegen ihren Gatten beschuldigt, starb sie im Alter von nur 37 Jahren fern der Heimat. Hans-Joachim Böttcher hat der unglücklichen Kurfürstentochter nun eine eigene, längst überfällige Biografie gewidmet.

Grit Strietzel und Jens Korch verlegen in der "Edition Wannenbücher" aus Chemnitz Kunststoffbücher für Erwachsene. Foto: Edition Wannenbücher

Badewannen-Bücher für Erwachsene

Chemnitzer „Edition Wannenbuch“ verlegt Kunststoffbücher mit Kurzgeschichten Chemnitz/Dresden, 2. Mai 2018. Die Zeit der großen Verlage in Sachsen ist mit der DDR untergegangen. Doch zahlreiche Kleinverlage haben ihre Nische gefunden – wie zum Beispiel die „Edition Wannenbuch“ aus Chemnitz: Der Kleinverlag editiert Kunststoffbücher für die Badewanne, allerdings nicht für Kinder, sondern für Erwachsene.

Sieht noch viel belletristisches Potenzial in und um Dresden: Verlegerin Katharina Salomo. Foto: Thomas Kretschel

„Am Ende bleibt zu wenig, um davon zu leben“

In Dresden gibt es über 40 Verlage – die Unternehmer haben oft noch Nebenjobs, um die Verlegerei zu finanzieren Dresden, 25. April 2017. Leipzig mag die traditionsreichste Verlagsstadt in Sachsen sein – doch auch in anderen Teilen des Freistaats gibt es eine reiche Landschaft aus vor allem kleinen Verlagen, die oft Nischen-Interessen bedienen. Allein in Dresden gebe es über 40 solcher Verlage, die viele Spezialinteressen bedienen – von Opern-Stories bis zu Nachwuchs-Poeten. Das haben der Dresdner Messechef Ulrich Finger und Verlegerin Katharina Salomo beim jüngsten Branchentreffen „Buchgeplauder“ in der Villa Augustin in Dresden eingeschätzt.

Grafik: Dresdner Buchverlag / Jörg Hausmann

Roman „Die Schwärmer“: Filterblasen lassen unsere Herzen erkalten

In seinem Debüt-Roman entwirft der Dresdner Autor Willi Hetze eine Zukunft, in der der Schwarm alles ist Moorstedt/Sybaris 7. Das Buch „Die Schwärmer“ erzählt über eine nahe Zukunft, in der sich die Menschen funkende Hirnimplantate einpflanzen, um sich zu einer Schwarmintelligenz zusammenzuschließen. Doch bald kämpfen sie mit bizarren Nebeneffekten ihres kollektiven Bewusstseins. In diesem seinem ersten Roman verarbeitet der Dresdner Autor Willi Hetze drängende Fragen unsere Gegenwart in einem Science-Fiction-Gewand: Wie dicht halten die Filterblasen in vermeintlich „sozialen“ Netzwerken? Warum fürchten wir Fremde? Wie sehr sollten wir unsere Technik vertrauen? Sichtlich sind viele dieser Topoi auf seine Heimat Dresden und Sachsen gemünzt.

Gruppenbild mit Krieger-Dame im Bahnhof Dresden-Neustadt: Autor Dieter Kalka (Mitte), umgeben von der streitbaren Sudička (die in ihrem anderen Leben Landschaftsarchitektin ist und Bianca Schöne heißt) und dem Ritter Burchardas de Rabinowe alias Jörg Friedrich Recknagel. Foto: Heiko Weckbrodt

Streitbares Sorbenmädchen und die Hirnimplantate des Schwarm-Zeitalters

Dresdner Buchverlag stellt sein Frühjahrsprogramm 2018 vor Dresden, 7. März 2018. Einen langen Bogen vom frühen Mittelalter bis in unsere womöglich bionische Zukunft schlägt der Dresdner Buchverlag mit seinem Frühjahrsprogramm 2018: Im Roman „Sudička“ setzt der Anthropologe und Ex-Heizer Dieter Kalka den vor-christlichen Sorben ein belletristisches Denkmal. In „Elisabeth von Sachsen und Johann Kasimir von der Pfalz“ porträtiert Historiker Hans-Joachim Böttcher ein tragisches Frauenschicksal in Zeiten religiöser Reformations-Eiferer – die titelgebende Prizessin wurde als Giftmörderin beschuldigt, eingekerkert und starb jung. Und im Roman „Die Schwärmer“ schließlich – rund 1000 Jahre nach „Sudička“ – reflektiert der Soziologe und Lyriker Willi Hetze eine unheilige Allianz aus Biotechnologie. Facebook und Albträumerei, inspiriert auch durch die Debatten um Fakenews und Filterblasen.

Bibliothekendirektor Arend Flemming (links) und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert haben in der Lounge der Zentralbbliothek das neue 3D-Navi-System vorgestellt. Foto: hw

Zentralbibliothek Dresden bekommt 3D-Navi

Regalgenaues Computermodell der Leihbücherei erstellt Dresden, 12. Januar 2018. Die im Mai 2017 eröffnete Zentralbibliothek im Kulturpalast Dresden wird aufgewertet: Sie bekommt sie ein computergestütztes 3D-Navigationssystem „Mapongo“. Darüber haben Bibliothekendirektor Arend Flemming und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) am Freitag informiert.

Umschlag: CSW-Verlag

Buch „Und dann kam Tetris“

Journalist Gehlen erzählt, wie ein Ostblock-Spiel den Westen eroberte und Lizenzkriege auslöste Der russische Mathematiker Alexei Leonidowitsch Paschitnow arbeitete in den 1980er Jahren an der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften. Er mochte Rätsel, Brettspiele – und Computer. Und so setzte er sich 1984 an einen Elektronik-60-Rechner der Akademie und programmierte ein Computerspiel, das sich lose an das Geometriespiel „Pentamino“ anlehnte: Aus jeweils vier Quadraten generierte er Formen, die vom oberen Bildschirmrand hinunterfallen. Am Spieler war es nun, die Formen im Fluge so zu drehen und anzuordnen, dass sich geschlossene Mauerreihen ergaben. Paschitnow nannte sein Spiel „Tetris“. Außerdem bat er seinen Kollegen Wadim Gerasimow, aus der Elektronika-Version eine PC-Variante zu programmieren. Der Rest ist Videospielgeschichte: Erst machte er mit Tetris die Akademiker in Moskau spielsüchtig, dann die ganze Welt. Wie das Ostblock-Spiel auf verschlungenen Wegen in den Westen gelangte, dort Millionen in seinen Bann schlug und einen Lizenz-Krieg auslöste, beschreibt der Journalist Christian Gehlen in seinem unterhaltsamen Taschenbuch „Und dann kam Tetris“.

Noomi Rapace als beinharte Hackerin Lisbeth Salander in der schwedischen Verfilmung von "Verblendung", des 1. Teils der Millennium-Reihe. Foto: Warner

Krimi „Verfolgung“: Salander im Frauenknast

Neues Buch aus der Millennium-Reihe: Hackerin und Journalist jagen alte Eugeniker und junge Islamisten David Lagercrantz hat nun den fünften Teil der schwedischen Krimiserie um die Ausnahme-Hackerin Lisbeth Salander und den Journalisten Mikael Blomkvist vorgelegt: „Verfolgung“ ist nach “Verschwörung” bereits der zweite Band, den Lagercrantz anstelle des früh verstorbenen Stieg Larsson geschrieben hat. Scharfe Kritik übt er darin an schwedischen Behörden, die Gewaltopfern zu wenig helfen, islamistischen Fundamentalisten und alten Eugenikern.

Studentenalltag in der DDR. Aus: Zwischen Humor und Repression

Aufrechter Gang war auch in der DDR möglich

Sammelband „Zwischen Humor und Repression“ skizziert in Zeitzeugenberichten den DDR-Alltag an der TUD und anderen Unis Die politisch gesetzten Grenzen und praktischen Spielräume an Universitäten zu DDR-Zeiten versuchen die Herausgeber Rainer Jork und Günter Knoblauch in ihrem neuen Sammelband „Zwischen Humor und Repression – Studieren in der DDR“ auszuloten. Darin schildern 84 ehemalige Studenten und Dozenten ihre Erlebnisse an der Technischen Universität Dresden (TUD) und weiteren ostdeutschen Unis vor der Wende. In verdienstvoller Fleißarbeit haben die Herausgeber diese subjektiven Erinnerungen durch zeitgeschichtliche Anmerkungen, Erläuterungen und einen Anhang über studentische Kultur in der DDR ergänzt.

Die meisten größerten Bibliotheken haben heute längst eBooks im Bestand. Die Dresdner wollen diese digitalen Medienbestände nutzen, um virtuelle Schulbibliotheken aufzubauen. Foto: Heiko Weckbrodt

eBuch stagniert in Deutschland, Hörbücher boomen

Jeder Vierte liest eBooks, fast jeder Dritte konsumiert Hörbücher Berlin/Frankfurt/Main, 5. Oktober 2017. Etwa jeder vierte Deutsche liest elektronische Bücher (eBooks). Das geht aus einer Umfrage von „Bitkom Research“ unter 2194 Bundesbürgern ab 14 Jahren hervor. Der Anteil der eBuch-Leser stagniert damit seit bereits drei Jahren. Dagegen nutzen immer mehr Deutsche Hörbücher – inzwischen greifen 31 Prozent der Bundesbürger die eingesprochenen Bücher.

Mario Sempf (vorn) und Thomas Zahn auf dem nachgebauten, etwas kleineren Schandesel am Pulverturm am Dresdner Neumarkt. Foto: Heiko Weckbrodt

Gedemütigt, verstümmelt, stranguliert: Die dunkle Seite des Barocks

Dresdner Buchverlags stellt Herbstprogramm mit blutigen Eskapaden Dresden, 14. September 2017. Das grausame Gesicht des vielgepriesenen augusteischen Zeitalters von Sachsen entrollen die Autoren und Experimentalhistoriker Mario Sempf und Thomas Zahn gerade im Dresdner Buchverlag. „Dresden identifiziert sich so gerne mit dem Glanz des Barocks“, weiß Mario Sempf. „Es gab aber auch dunkle Seiten im Barock.“ Die haben sie in den Aufzeichnungen des frühneuzeitlichen Schreiberlings Journalisten Krell vorgefunden, in ihrem neuen Büchlein „Blutiger Barock“ in einen modernen Duktus übertragen, auf 94 Seiten gestrafft und nun im Dresdner Buchverlag veröffentlicht.