Alle Artikel in: Kommentar & Glosse

Montage: Alexander Eylert

Kommentar: Mühlen in Berlin und Brüssel mahlen für Mikroelektronik zu langsam

Dresden, 12. November 2021. Auf konkrete Beihilfe-Zusagen für Mikroelektronik-Projekte in Sachsen wollte sich Breton bei seiner Visite des Halbleiter-Standorts Dresden nicht einlassen. Das überrascht wenig, aber ohnehin liegt der Ball derzeit in Berlin, wo sich gerade eine neue Koalition über ganz anderen politischen Fragen zusammenzuraufen versucht. Bis zum Herbst hatten die deutschen und speziell auch die sächsischen Halbleiterunternehmen Zeit gehabt, ihre Konzepte für subventionswürdige Ausbauprojekte vorzulegen. Bisher konnten sie aber noch nicht einmal konkrete Förderanträge stellen geschweige denn Entscheidungen bekommen. Ob sich das bis zum Jahresende ändern wird, darf vorsichtig bezweifelt werden. Und so droht wohl die Gefahr, dass die Akteure außerhalb Europas wieder mal schneller handeln werden – und die deutschen Autofabriken weiter sporadisch ihre Taktstraßen wegen Chipmangels stoppen müssen.

Die Aufnahme zeigt aktive Zonen unserer Sonne. Solar Dynamics Observatory, NASA

Klimadebatte: Warum wir die Welt und nicht uns selbst retten

Ein Kommentar – und Versuch einer Provokation „Planet in Gefahr. Der Klimawandel bedroht unserer Welt. Können wir sie noch retten?“ Diese Panik erzeugende beziehungsweise verstärkende Schlagzeile schmückte die Seite 1 der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 15. August 2021. Angesichts der Tatsache, dass diese renommierte deutsche Zeitung über ein Wissenschaftsressort mit durchaus kompetenten Redakteuren verfügt, kann solch ein Aufmacher nur Kopfschütteln hervorrufen. Der reißerischen Frage, ob wir die Welt noch retten können, soll die These entgegengestellt werden, dass es erstens nicht möglich wäre und zweitens auch gar nicht nötig ist.

In modernen Autos verbauen die Hersteller immer mehr Elektronik - und davon profitieren auch wichtige Chipproduzenten wie die Infineon-Fabriken in Dresden. Foto: Infineon

Kommentar: Mikroelektronik ist systemrelevant für die Automobilindustrie

Kurzfristige Chip-Engpässe mögen überwindbar sind – die langfristigen Probleme bleiben Dresden, 29. Januar 2021. Aktuell spürt die Automobilindustrie, wie systemrelevant die Mikroelektronik für sie ist. Seit Dezember 2020 stockt die Lieferung von Halbleiterbauelementen an die Automobilindustrie und hat bereits zu massiven Produktionsausfällen in Europa geführt. Auch deutsche Unternehmen sind betroffen.

Gender-Sprache ist umstritten. Montage: hw

Machtfragen – Sprachmacht?

Ein Gastkommentar zur „Gender“-Forderung an das Unijournal Ende September 2020 forderte die neue Rektorin der TU Dresden die Redaktion des Dresdner Universitätsjournals auf, künftig alle Texte im UJ zu „gendern“. Damit wurde der bisherige Einsatz der UJ-Kollegen für das generische Maskulinum und gegen Sprachverhunzung per Dekret gestoppt. Diese Vorschrift auf dem Wege der Anweisung von oben erinnert an DDR-Verhältnisse, in denen aus Gründen ideologischer Wunschbilder und machtpolitischer Vorstellungen in die Sprache eingegriffen wurde und das Denken auf Linie gebracht werden sollte.

Prof. Dr. Gunther Schnabl. Foto: Swen Reichhold für die Universität Leipzig

„Schmerzhafte Krise droht“

Ökonom Schnabl: Corona-Virus ist nur der Auslöser Leipzig, 10. März 2020. Für die deutsche Wirtschaft droht eine „schmerzhafte Krise“. Das hat Prof. Gunther Schnabl eingeschätzt, der an der Uni Leipzig das Institut für Wirtschaftspolitik leitet. Um gegen zu steuern, sollte der Staat die Mehrwertsteuer dauerhaft senken und die Wirtschaft weniger regulieren, schlägt der Volkswirt vor.

5G-Antennenmast von Vodafone an der Overbeckstraße in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Kommentar: Vertrauenswürdige Elektronik nicht in Sicht

Streit um Spionage-Schlupflöcher bewegt Europa – das aber selbst eher reagiert als agiert Dresden, 17. Oktober 2019. In Deutschland die Sorge um vertrauenswürdige Elektronik. Wie sehr können sich Bürger und Staat beispielsweise darauf verlassen, dass die in Mobilfunknetzen verbaute Elektronik keine Abhör-Schlupflöcher für ausländische Geheimdienste beziehungsweise Wirtschaftsspione enthält? Auch von daher war ein internationaler Streit darüber entbrannt, um der chinesische Elektronik-Gigant „Huawei“ als Netzwerkausrüster für die Telekommunikation in den westlichen Ländern zugelassen werden darf. Vor allem die USA befürchten in der Huawei-Technik eingebaute Spionagemöglichkeiten für die chinesischen Geheimdienste.

Kommentar: Ist Chinas Kreditmacht ein Kolonialismus 2.0?

Kreditvergabe ist auch ein Baustein für die „Neue Seidenstraße“ Dresden, 2. Juli 2019. Wenn sich die Welt immer stärker bei China verschuldet, dann lässt das im Kontext der aktuellen Handelskriege von Trump und Xi zumindest aufhorchen. Kritiker mögen den Chinesen vorwerfen, diese exzessive Kreditvergabe seien ein fester Baustein des Projekts „Neue Seidenstraße“ – und dienten dazu, immer mehr Länder, vor allem rohstoffreiche, in eine kaum ablösbare wirtschaftliche Abhängigkeit zu bringen.

Huawei. Foto: Heiko Weckbrodt

USA verhängen Boykott gegen Huawei

Trump schlägt wieder zu: Bald keine Android-Smartphones von Huawei mehr? Washington/Bejing/Dresden, 20. Mai 2019. Der Streit um Huawei ist zum Wochenstart weiter eskaliert: Die US-Regierung hat das chinesische Elektronikunternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt und jede Kooperation verboten. Daraufhin haben Google, Intel, Qualcomm und weitere Technologiekonzerne angekündigt, die Zusammenarbeit mit Huawei einzustellen. Das geht aus Berichten der Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg hervor. Eine Folge ist demnach wohl auch, dass künftige Huawei-Smartphones nur noch begrenzt „Android“ und andere Google-nahe Software verwenden können.

Die US-Mikroelektronik - hier ein Intel-Wafer - dominiert mit 55 % Anteil ganz klar den Halbleiter-Weltmarkt. Europas Antel wrd auf nur 6 % geschätzt. Foto: Intel

US-Chipindustrie sorgt sich um Führungsposition

Verband SIA fordert mehr wirtschaftspolitische Unterstützung für die Halbleiter-Branche Washington, 9. April 2019. Manager und Wirtschaftspolitiker in den USA sorgen sich, dass ihr Land seine internationale Spitzenposition in der Mikroelektronik verlieren könnte. Denn China holt in diesem Sektor rasch auf. Zudem bereitet der Fachkräftemangel der Industrie wachsende Probleme – nicht zuletzt verstärkt auch durch den restriktiven Einwanderungskurs von Präsident Donald Trump (Republikaner). Ähnlich wie in Deutschland und Europa wird daher auch in den USA der Ruf nach einer aktiveren Industriepolitik lauter.

300-Millimeter-Scheibe mit aufprozessierten Test-Chips. Foto. Globalfoundries / Fraunhofer IPMS

Kein Umstieg auf 7-nm-Chips – US-Rüstungsindustrie fürchtet Rückstand

Kommentar: Militärwirtschaft sieht die Schlüsselrolle der Höchstintegration – Europas Politiker betrachten das eher ein Nebenthema Washington/Dresden, 26. Oktober 2018. Die US-Militärindustrie sorgt sich, weil der Auftragsfertiger Globalfoundries (GF) seine Chipproduktion in den USA nun vorerst doch nicht auf die nächste, leistungsfähigere Generation umstellen will, deren Strukturen nur noch sieben Nanometer (Millionstel Millimeter) messen. Das geht aus Berichten von „Semiconductor Engineering“ und „Heise“ hervor.

Neue Technologie-Großmacht China kann Beispiel für Europa sein

Bei Elektrobussen ist das Land schon Spitze – und arbeitet sich in immer mehr Technologiesektoren vor Dresden/Peking, 30. August 2018. China hat die meisten westlichen Industrienationen längst überholt: In der Bevölkerungszahl sowieso, aber auch in der Wirtschaftskraft, der Exportfähigkeit und der militärischen Schlagkraft. Und während viele im Westen immer noch abfällig über die chinesischen „Copy Cats“ spotten, die angeblich nur von Ideenklau leben, hat es das Reich der Mitte längst auch auf einigen wichtigen Technologie-Gebieten bereits an die Weltspitze geschafft. Dazu gehört beispielsweise die Elektro-Mobilität – die chinesischen Elektrobusse werden inzwischen auch von Flixbus und weiteren internationalen Kunden gekauft.

Wenn es um Prozessoren fürs autonome Fahren geht, beherrscht derzeit Nvida weitgehend den Markt - hier eine "Drive PX Pegasus"-Plattform für Roboter-Taxis. Produziert werden diese Chips weitgehend in Taiwan. Abb.: Nvdia

Taiwan weiterhin an der Spitze der Halbleitertechnologie

Taiwans Großfoundry plant 3-Nanometer-Chipfabrik Taipeh, 20. November 2017. Heute schon dominiert die taiwanesische Foundry TSMC die Weltspitze bei den modernsten Halbleitertechnologien mit kleinsten Strukturen von 5 Nanometern (nm). Jetzt legt TSMC nach und plant die weltweit erste Fabrik für Halbleiterchips mit Strukturbreiten bis herab zu drei Nanometer. Diese in Taiwan zu errichtende Fabrik soll bis zu 20 Milliarden US-Dollar kosten und voraussichtlich 2022 in Betrieb gehen.

Die Nachfrage nach dRAM-Speichern schwankt sehr stark. Diese Vlotilität hat schon manchem Unternehmen das Genick gebrochen. Foto: Heiko Weckbrodt

Südkoreas Halbleiterindustrie wächst rasant

62 % Umsatzplus erwartet Seoul, 10. Oktober 2017. Nach einem Bericht der „Korea International Trade Association“ werden die Halbleiterexporte Südkoreas in diesem Jahr voraussichtlich 90 Milliarden US-Dollar erreichen, was 62 % über dem Wert des Jahres 2016 liegt. Damit tragen die Halbleiterexporte mit rund der Hälfte zum Exportüberschuss Südkoreas bei.

Die US-Mikroelektronik - hier ein Intel-Wafer - dominiert mit 55 % Anteil ganz klar den Halbleiter-Weltmarkt. Europas Antel wrd auf nur 6 % geschätzt. Foto: Intel

Halbleitermarkt wächst stürmisch – Europa verliert Anschluss

15 % mehr Umsatz erwartet Dresden/Scottsville, 7. Juli 2017. Der Halbleitermarkt wächst in diesem Jahr um 15 % auf 419 Milliarden Dollar, hat das US-Markforschungsunternehmen „IC Insights“ prognostiziert. Die Ursache dieser starken Entwicklung ist der wachsende Anteil von Halbleitern am Gesamtwert von elektronischen Geräten.

Der A7-"Erprobungsträger" für autonomes Fahren beim Start im Silicon Valley. Foto. Audi

Europas Rolle schwindet auch beim Chipdesign

Kommentar: Wirtschaftspolitiker bemänteln nur eigene Untätigkeit Brüssel/Dresden, 5. April 2017. Seit längerem zeichnet sich ein Trend in der globalen Mikroelektronik-Industrie ab: Immer mehr Unternehmen der Halbleiterindustrie geben ihre eigene Fertigung auf, werden also zu fabrik-losen Unternehmen („fabless“). Sie konzentrieren sich auf den Entwurf von Chips und lassen diese dann bei sogenannten Foundries fertigen. Deren Rolle im gesamten Halbleitermarkt wächst rasant. Allein im vergangenen Jahr wurden damit erstmals Umsätze von über 60 Mrd.$ erzielt.