Alle Artikel in: Geschichte

Wirtschaftsgeschichte & Co.

Auch eine Wasserstoffbombe ist in der Spionage-Ausstellung zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt

Stalins Jagd nach der Atombombe

Deutsches Know-how und deutsches Uran ebneten der SU den Weg zur Atommacht Die jüngsten Verhandlungen zwischen Donald Trump und Kim Jung Un über das Nuklearwaffen-Programm in Nordkorea mag Anlass sein, einmal auf die Anfänge des Atombombenrüstens zurückzuschauen: Am 6. August jährt sich der Tag des Einsatzes der Atombombe in Hiroshima von 1945 und ebenfalls im August, aber vier Jahre später, stieg auch die Sowjetunion zur Atommacht auf. Oiger-Gastautor Gerhard Barkleit hat diese Entwicklung analysiert. Das nukleare Patt Semipalatinsk. Es geschah am 29. August des Jahres 1949. Die Sowjetunion zündete in den Weiten der kasachischen Steppe ihre erste Atombombe. Diese entsprach in allen wesentlichen Komponenten jenem Typ, den die Vereinigten Staaten von Amerika am 16. Juni 1945 unweit der Grenze zu Mexiko getestet und am 9. August über der japanischen Stadt Nagasaki abgeworfen hatten. Für den „exakten“ Nachbau des amerikanischen Prototyps hatte der deutsche Physiker Klaus Fuchs den Sowjets die notwendigen Unterlagen geliefert.

Verfahrenstechjnik-Student Friedrich Weise fährt einen Citroen Dyane 4 aus dem Jahr 1969. Die "große Ente" kommt auf 24 PS und Tempo 130. Foto: Heiko Weckbrodt

Oldtimer an der TU Dresden: „Uns geht es ums Reisen, nicht ums Ankommen“

Zur 7. Oldtimer-Ausfahrt der Uni erwarten die Orgas 78 Oldtimer Dresden, 28. Mai 2018. „Nag-Nag. Nagnagnag. Nagnagnagnagnag…“ Wenn Friedrich Weise den Zündschlüssel dreht und Gas gibt, ist unverkennbar: Der Oldtimer, den der TU-Technikstudent da angeworfen hat, ist mit dem Spitznamen „Ente“ verknüpft – auch wenn der fachkundige Franzmann genauer von einem „Citroen Dyane 4“ sprechen würde, der größeren Schwester der Ente. „Hat keinen Sinn, das Radio anzumachen“, sagt der junge Oldtimer-Fan, als er den schweifenden Blick des Besuchers bemerkt. „Ab einem gewissen Tempo ist Dyane so laut, dass man eh nichts mehr versteht.“ Und dennoch wolle er den fast 50 Jahre alten Franzosen nicht missen: „Wenn man damit durch die Gegend fährt, kann man sich entspannen. Und alle Leute gucken und lächeln.“ Was auch an der spitznamengebenden Aufhängung der Grioß-Ente liegt: „Die Federung ist butterweich“, sagt der Student. „Wenn man da etwas rasch in die Kurve geht, neigt sich das Auto eben wie eine Ente.“

Wie übermächtig und wahrhaft gottgleich muss der König aui Zeitgenossen in all seiner onumentalität gewirkt haben? Die Visualisierung der Fragmente zur Kolossalstatue Psammetichs I. zeigt im Größenvergleich auch einen Mensch in Normalgröße, Foto: Christopher Breninek (Grafik)

Digitale Reko zeigt Pharao Psammetich I.

Ägyptologe aus Kairo hat altes Puzzle am Computer zusammengesetzt Kairo/Leipzig, 15. April 2018. Der ägyptische Pharao Psammetich I. (664–610 v. u. Z.), der erst ein Vasall der assyrischen Invasoren und später ein Wiedervereiniger Ägyptens war, ist mit digitaler Hilfe wiederauferstanden: Basierend auf Fragmenten, die ein deutsch-ägyptisches Forscherteam in Kairo ausgrub, hat der Nachwuchs-Ägyptologe Christopher Breninek von der Uni Leipzig nun die Kolossalstatue des Pharaos im Computer rekonstruiert.

3D-Modell des antiken Pergamon, Blick auf den Bezirk des Großen Altars Visualisierung (bearbeitet): Lehrstuhl Darstellungslehre, Prof. Dominik Lengyel, BTU Cottbus

Pergamon in 3D wiederauferstanden

Neue Ausstellung im Antikenmuseum Leipzig zeigt eine räumliche Computer-Rekonstruktion der antiken Stadt Pergamon/Leipzig, 13. April 2018. Über antike Metropolen wie Rom, Athen oder Alexandria zu lesen ist das eine – etwas ganz anderes, die wie ein Zeitgenosse zu sehen, zu durchschreiten. Für das antike Pergamon machen Forscher der Unis Leipzig, Cottbus sowie das Deutsche Archäologische Institut dies nun möglich: Sie haben die untergegangene Stadt, die bis heute vor allem durch ihren riesigen Altar bekannt ist, in einem 3D-Computermodell nachgebaut. In einer Sonderausstellung im Antikenmuseums der Universität Leipzig können Besucher ab dem 21. April diese Rekonstruktion in einem 3D-Film vom Stadttor bis zur Akropolis erkunden. Das hat die Uni Leipzig heute angekündigt.

Beizeiten hat das vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) in Dresden damit begonnen, Quellen und Forschungsergebnisse digital zugänglich zu machen. Dazu gehören auch diese gesammelten Erinnerungen an Urlaube zu DDR-Zeiten. Abb.: Bildschirmfoto (hw) von isgv.de

Forschungsdesign 4.0: Wollen wir alles in Netz stellen?

Konferenz in Dresden widmet sich der Frage, wie die Digitalisierung das wissenschaftliche Arbeiten verändert Dresden, 4. April 2018. Das Internet und die Digitalisierung haben nicht nur den Einzelhandel durcheinandergewirbelt, die Welt zu einem digitalen Dorf geschrumpft und die meisten von uns in Smartphone-Zombies verwandelt, sondern sie ermöglichen zudem neue Forschungsansätze. „Auch für Wissenschaftler beginnen die meisten Recherchen heute mit einem Mausklick im Internet“, betont Ira Spieker vom “Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde” (ISGV) in Dresden. Durch diese Erstorientierung bei Google & Co. kann beispielsweise der Historiker beizeiten auf Befunde von Geologen, Ökonomen oder Archäologen stoßen, die sich aus ganz anderen Fachperspektiven seinem Forschungs-Steckenpferd genähert haben. Und diese Horizonterweiterung kann durchaus zu mehr interdisziplinärer Forschungsarbeit führen.

Die Kriegsmaschinen nach dem Sieg. Foto: Neue Visionen

Sachsen fördert Forschung über die Zäsur 1918

Die Welt nach dem großen Krieg Dresden, 20. März 2018. Wie hat der Ausgang des I. Weltkrieges die europäische Gesellschaft verändert? Wie sehr war 1918 auch eine Zäsur für Minderheiten, für Kino und Filmindustrie und für die Nahtstelle zwischen dem Deutschen Reich, Polen und der Tschechoslowakei? Diese und verwandte Fragen wollen sächsische Wissenschaftler in vier Forschungsprojekten ausloten. Das sächsische Wissenschaftsministerium (SMWK) fördert diese Untersuchungen unter dem Motto „1918 – Chiffre für Umbruch und Aufbruch“. Die Projekte starten in diesem Jahr und laufen bis Ende 2020. bis Ende 2020 mit 1,4 Millionen Euro.

Welche Welt werden diese Augen noch sehen? Neugeborene haben laut Lebenserwartungsprognose inzwischen gute Chancen, das 22. Jahrhundert zu erleben. Foto (bearbeitet): Ralf Dießelmann

Die Babys von heute sehen das 22. Jahrhundert

Lebenserwartung in Deutschland auf 83 und 78 Jahre gestiegen Wiesbaden, 26. März 2018. Raumschiffe, die zu fernen Sternen fliegen, oder doch eher evolutionäre Entwicklungen vom Kaliber “autonomes Fahren” und “Smartphone”? Die meisten von uns werden wohl nicht erfahren, was das nächste Jahrhundert bringen wird. Anders sieht es für das Baby von heute aus: Ein Mädchen, das jetzt geboren wird, hat gute Chancen, das 22. Jahrhundert zu sehen. Das geht aus der neuen Lebenserwartungs-Prognose hervor, die das statistische Bundesamt (Destatis) heute in Wiesbaden veröffentlicht hat. Demnach ist die durchschnittliche Lebenserwartung gegenüber der letzten Prognose um zwei Monate gestiegen: für neugeborene Mädchen auf 83 Jahre und zwei Monate und für neugeborene Jungs auf 78 Jahre und vier Monate.

Diesen etwa 400.000 Jahre alte Schaber haben die Wissenschaftler während der Probennahme für die Lumineszenz-Datierung im Kieswerk Schladebach in Sachsen-Anhalt geborgen. Foto. MPI f. evolutionäre Anthropologie

Mitteldeutschland seit 400.000 Jahren besiedelt

50.000 Jahre zuvor war Region noch mit kilometerdickem Eis überzogen Leipzig, 25. März 2018. Das heutige Mitteldeutschland war früher vereist als bisher angenommen: Vor etwa 450.000 Jahren – und damit rund 100.000 Jahre früher als bisher geschätzt – waren weite Teile Europas mit kilometerdicken Eisgletschern überzogen und damit völlig unbewohnbar. Das haben Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (EVA) herausgefunden.

Diese Gefäße wurden offensichtlich sozial höher Gestellten ins Grab beigegeben. Inzwischen sind diese Fundstücke restauriert. Foto: LEAG

3400 Jahre altes Bronzezeit-Dorf am Tagebau Nochten ausgegraben

Landesarchäologen wollen alles dokumentieren, bevor die Kohlebagger kommen Nochten, 18. März 2018. Die sächsischen Landesarchäologen graben derzeit im Vorfeld der Braunkohlebagger von Nochten eine 3400 Jahre alte, komplexe Bronzezeit-Siedlung aus. Heute haben sie die bisherigen Befunde erstmals gemeinsam mit dem Lausitzer Energieunternehmen LEAG vorgestellt. Sie stuften die Entdeckung in der Lausitz als sensationell ein: „Erstmals wurde auf engstem Raum eine vollständige bronzezeitliche Siedlungslandschaft entdeckt“, betonten sie.

So etwa stellen sich die Kreativwirtschaftler eine Zukunft der Robotron-Kantine Dresden als Open Future Lab vor. Der Umbau würde allerdings (mindestens) 14,5 Millionen Euro kosten. Visualisierung: wir-gestalten-dresden.de

4 Zukunftsoptionen für Robotron-Kantine Dresden

Kreativwirtschaftler stellen ihr „Open Future Lab“-Konzept vor Dresden, 4. Februar 2018. Die Kantine des früheren DDR-Computerkombinats Robotron in der Dresdner Innenstadt soll für 14,5 Millionen Euro zum „Open Future Lab“ umgebaut werden. Einen entsprechenden – allerdings unfinanzierten – Vorschlag wollen Vertreter des „Branchenverbands der Dresdner Kultur- und Kreativwirtschaft“ morgen im Kraftwerk Mitte vorstellen. Die Kantine soll demnach Veranstaltungssäle, Labore und Ausstellungsräume bekommen, in denen sich Forscher, Künstler, Jungunternehmer und Dresdner Bürger austauschen können.

Pol Pot nach seiner Gefangennahme (links) und als "Bruder Nummer 1" (links auf dem rechten Bild). Abb.: Absolut Medien

Charmante Mörder: Doku über Pol Pot auf DVD

Wie die Roten Khmer Kambodscha in eine idealisierte Steinzeit zurückzuwerfen versuchten Zwischen 1975 und 1979 errichteten die „Roten Khmer“ ein steinzeit-kommunistisches Terrorregime in Kambodscha: Sie entvölkerten die großen Städte, erschlugen Lehrer und andere Intellektuelle, löschten ganze Familien aus, schafften das Geld ab, sie schlossen Schulen, Krankenhäuser und Banken. Aus Pagoden machten sie KZs. Die volle Bilanz des Schreckens wurde erst offenbar, als die Vietnamesen einmarschierten und die Führungsclique um den „ersten Bruder“ Pol Pot vertrieben: Die roten Khmer hatten bis dahin schätzungsweise 1,7 Millionen von einst sieben Millionen Kambodschanern ermordet oder verhungern lassen. Der Filmemacher Adrian Maben hat den Aufstieg, den Fall und die Nachwehen des Pol-Pot-Regimes in einer dreiteiligen Dokumentation “Pol Pot und die Roten Khmer” festgehalten, die nun auf DVD erschienen sind.

Das Bildschirmfoto zeigt das Suchportal des Stadtarchivs Dresden. Hier zu sehen ist die Basteibrüce in der Sächsischen Schweiz in einer digitalisierten Ansicht von einer Postkarte, die wiederum auf einer um 1930 entstandenen Radierung von Artur Henne basiert. Gewissermaßen handelt es sich hier also um die Kopie der Kopie. Screenshot: hw

Stadtarchiv Dresden stellt Archivgut ins Netz

Als erstes gehen die Findbücher online, dann schrittweise mehr und mehr digitalisierte Karten, Fotos und Unterlagen Dresden, 26. Januar 2018. Das Stadtarchiv Dresden hat einen Teil seiner Findbücher und Archivalien für die Volltextsuche im Internet freigegeben. Historiker, Heimat- und Familienforscher und andere Nutzer können über das Portal archiv.dresden.de die Fundstellen – und teilweise auch Voransichten – von rund 170 000 Archivalien aus der über 800-jährigen Geschichte Dresdens recherchieren. „Darüber hinaus sind die ersten 5200 digitalisierten Archivalien kostenfrei abrufbar, darunter viele historische Landkarten“, informierte die Archivleitung.

Vor allem die modernen 300-mm-Fabriken von TSMC sind stark ausgelastet. Foto: TSMC

Chip-Aufholprogramm à la DDR gefordert

Deutsche Leitindustrien machen sich von USA und Taiwan zu abhängig, warnt der frühere Megabit-Entwickler Prof. Junghans Dresden, 26. Januar 2018. Sachsen, die Bundesregierung und die EU sollten ein großes Mikroelektronik-Programm auflegen, damit Europa und Deutschland endlich den Anschluss an die Weltspitze schafft. Das hat der Unternehmer und ehemalige Megabitchip-Entwickler Prof. Bernd Junghans bei einer Diskussionsrunde über die DDR-Mikroelektronik in Dresden gefordert, unterstützt von weiteren Altgranden der Dresdner Mikroelektronik. „Dafür muss man aber Mittel, Willen und gute Leute konzentrieren.“

Da ist die Freude groß: 1988 drückt Carl-Zeiss-Jena-Chef Wolfgang Biermann (Mitte) Erich Honecker den Megabit-Chip in die Hand. Abb.: ZMD-Archiv

Braucht Deutschland eine neue Halbleiter-Offensive?

Dresdner Entwickler des DDR-Megabitchips laden zur Diskussion über Mikroelektronik in Sachsen Dresden, 24. Januar 2018. Bis heute ist das DDR-Mikroelektronik-Programm umstritten: Zu teuer, sinnlos, eine Überforderung eines kleinen Landes, sagen die Einen. Die Anderen sagen: Megabit-Chip, 32-Bit-Programm und Co. waren für die ostdeutsche Volkswirtschaft im leistungsschwachen Ostblock alternativlos, waren letztlich die Keimzellen für den Aufschwung der sächsischen Halbleiter-Industrie nach der Wende – und auch heute brauche Deutschland eine ähnlich aktive Mikroelektronik-Wirtschaftspolitik. Die Entwickler des DDR-Megabit-Chips wollen über diese und andere Themen am 25. Januar ab 18 Uhr im Haus an der Kreuzkirche Dresden diskutieren. Die öffentliche Podiumsdiskussion widmet sich „Dresdner Lebensleistungen: Die Geschichten hinter der Entwicklung der Mikroelektronik in Sachsen“.