Alle Artikel in: Geschichte

Wirtschaftsgeschichte & Co.

War als Teil eines Ensembles von acht sowjetischen Wolkenkratzern in Moskau geplant, von denen nur sieben realisiert wurden: der Neubau der Lomonossow-Universität auf den Sperlingsbergen. Abb. aus: "Paläste des Volkes", Absolut Medien

DVD „Paläste des Volkes“: Der Pomp realsozialistischer Gottkönige

Doku-Reihe beleuchtet Monnumental-Architektur im Ostblock Schon zu Stalins Lebzeiten wurde dessen Vorliebe für gigantomanische Spitztürmchen-Komplexe als Zuckerbäckerarchitektur belächelt und als minderwertig abgetan. Ähnlich abfällig waren vor allem im Westen die Urteile über die pompösen Bauwerke anderer realsozialistischer Gottkönige – von Ceaușescus persönlichem Volkspalast in Bukarest bis zu Honeckers „Lampenladen“ in Ostberlin. Mit der Doku-Reihe „Paläste des Volkes“, die nun auf DVD erschienen ist, haben Boris Missirkov und Georgi Bogdanov die Genese, die Ideen und das postsozialistische Nachleben von vier dieser steinernen Zeitzeugnisse unter die filmische Lupe genommen: Stalins Neubau für die Lomonossow-Uni in Moskau, Titos jugoslawischen Regierungspalast in Belgrad, Todor Schiwkows „Nationaler Kulturpalast“ in Sofia und Nikolae Ceaușescus „Haus der Volkes“ in Bukarest.

Tja, was wollten uns die Künstler damit sagen? Steinzeit-Monolithen alias Hinkelsteine in der Bretagne. Abb. aus: "Rätsel der Steinzeit", Absolut Medien

DVD „Rätsel der Steinzeit“: Die Krieg kamen erst mit der Bronze

Doppel-Doku beleuchtet, wie und warum die Menschen vor etwa 8000 Jahren in die Monumental-Architektur einstiegen Steinzeit-Menschen gelten uns in vielen Redensarten heute als Primitivlinge. Tatsächlich aber gelang unseren Vorfahren vor rund 8000 Jahren ein enormer Zivilisations- und Technologiesprung. Davon künden bis heute Steinkreise, Säulen, Palast- und Tempelreste quer durch Europa, deren Zweck wir oft nicht bis zum Letzten verstehen, die uns aber Respekt einflößen: Diese oft viele Tonnen schweren Monolithen und “Hinkelsteine” zu bewegen und gar übereinander zu wuchten, und das ganz ohne Kran und Traktor, war eine enorme Leistung, die ein gewachsenes Verständnis von Werkzeugen, Hebelkraft und elementarer Physik spiegelt. Auf einer nun erschienenen DVD geht die Filmemacherin Barbara Puskas in zwei Dokumentationsstreifen diesen „Rätseln der Steinzeit“ nach.

Der sächsische König Friedrich August III. um 1907 in der Uniform seines Garde-Reiterregiments. Foto (Ansichtskarte): Kunstverlag Brück & Sohn aus Meißen, Wikipedia., CC1-Lizenz

Der König hat abgedankt, es lebe der Freistaat!

Staatsarchiv in Dresden erinnert mit Internet-Ausstellung an Gründung der Republik Sachsen vor 100 Jahren Dresden, 7. November 2018. „Seine Majestät der König hat auf den Thron verzichtet…“. Mit diesem Schreiben an sämtliche Ministerien gab das Außenministerium am 13. November 1918 bekannt, dass der letzte sächsische König, Friedrich August III., abgedankt hatte. Wenige Tage zuvor, am 10. November, hatte der „Vereinigte revolutionäre Arbeiter- und Soldatenrat von Groß-Dresden“ im Zirkus Sarrasani die Republik ausgerufen. In diesen Tagen feiert der Freistaat Sachsen daher sein 100. Jubiläum. Das sächsische Hauptstaatsarchiv hat aus diesem Anlass eine Sonderausstellung im Internet eröffnet.

Ausschreitungen gegen Juden vor der Synagoge in Dresden im November 1938. Foto: Heiko Weckbrodt

Der gedemütigte Tempeldiener, der Nazi und das Kind

Datenbank über Pogrome 1938 in Sachsen freigeschaltet Dresden, 2. November 2018. Sie wurden gedemütigt, in KZs verschleppt, ihre Wohnungen und Synagogen zerstört: Die gewalttätigen Ausschreitungen gegen Juden in Sachsen jähren sich in wenigen Tagen zum 80. Mal. Damit nicht vergessen wird, wie sehr sich ein selbsternanntes Kulturvolk an seinen Mitmenschen verging, hat der Dresdner Historiker Daniel Ristau nun in der “Sächsischen Landes- und Uni-Bibliothek” (SLUB) eine Internet-Datenbank freigeschaltet. Deren „Bruch|Stücke“ beleuchten die Judenverfolgungen im November 1938 in Sachsen.

Rund zehn laufende Kilometer Stasi-Akten verwahrt die Dresdner BStU-Außenstelle. Foto: Heiko Weckbrodt

Tod im DDR-Spritzgussautomaten

Dresden/Kaufbeuren, 15. Oktober 2018. Als Monteure im bayrischen Kaufbeuren im November 1977 einen Spritzgussautomaten aus der DDR einschalten wollen, entdecken sie die Leiche eines jungen Freitalers darin: Der 28-jährige Ingenieur hatte sich ein tödliches Fluchtversteck ausgesucht.

Ingenieur Ralf-Peter Nerlich füttert einen "Botax 80"-Taxibordrechner mit einem Programm, das gerade ein Wartburg-taxi simuliert. Foto: Heiko Weckbrodt

Für DDR-Taxis begann 1985 die Digitalzeit

Dresdner Entwickler übergeben Taxi-Bordcomputer an die Technischen Sammlungen Dresden, 12. Oktober 2018. 1985 begann im DDR-Taxigewerbe das Digitalzeitalter: Die Taxifahrer bekamen nach und nach das „Botax 80“ in den Wolga, Moskwitsch oder Wartburg montiert. Dieses in Dresden entwickelte Taxameter war mit ostdeutscher Mikroelektronik bestückt, berechnete die Entgelte und machte (weitgehend) Schluss mit Fahrpreis-Manipulationen. Das damalige Entwicklerkollektiv um Dr. Eberhard Treufeld vom früheren „Wissenschaftlich-Technischen Zentrum des Kraftverkehrs“ (WTZK) hat einen dieser alten Taxi-Bordcomputer nun restauriert und den Technischen Sammlungen Dresden (TSD) gestiftet. „Ein Dresdner Produkt, das gut in unsere Sammlung passt“, betonte Kustos Dr. Ralf Pulla. „Wir werden es bald in unser Abteilung Rechentechnik ausstellen.“

Auch Cicero - hier bei der Anklage von Catilina - teilte verbal rücksichtslos aus. Öffentliche Beleidigungen gehörten im antiken Rom gewissermaßen zum "guten Ton". Abb.: Fresko in der Villa Madama in Rom, 1888, Repro: Wikipedia, Public Domain

Antike Hassreden: Schon die alten Römer waren stolz auf ihre Beleidigungen

Dresdner Historiker: Schmähungen des Gegners schweißten Anhänger zusammen Dresden, 26. August 2018. Oft beklagen Internetnutzer, wie die Sitten im Internet verrohen,. Wer aber denkt, so etwas wie „Hate Speech“ (Hassrede) und andere Schmähungen („Invektiven“) habe es früher nicht gegeben, täuscht sich: Öffentliche Beschimpfungen, auch unter der Gürtellinie, gab es schon im antiken Rom, betont der Althistoriker Dr. Martin Jehne von der TU Dresden. „Heftige Abwertungen des politischen Gegners schweißten die Unterstützergruppe zusammen und sorgten für Aufmerksamkeit, Unterhaltung und Empörung – ähnlich wie Beleidigungen, Drohungen und Hate Speech heute im Internet.“

Henry Arnhold. Foto. TU Dresden

Bankier und Dresdner TU-Ehrensenator Henry Arnhold gestorben

Uni-Rektor Müller-Steinhagen kondoliert New York/Dresden, 24. August 2018. Der Bankier Henry Arnhold ist gestern in New York gestorben. Der Mäzen und Ehrensenator der TU Dresden wurde 96 Jahre alt. „Henry Arnhold hat uns immer wieder tief beeindruckt mit seiner Weisheit, seinem Engagement, seinem großen Herzen, seiner Fröhlichkeit und vor allem seinem Verzeihen-Können“, kondolierte TUD-Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen. „Im Namen aller Angehörigen der TU Dresden spreche ich seiner Familie und seinen Freunden unser tief empfundenes Beileid aus.“

Auf diesem Gemälde hat sich Joseph Mallord William Turner 1802 ausgemalt, wie der karthagische Feldherr Hannibal bei einem Schneesturm die Alpen überquert haben mag. Repro: The Yorck Project / Direct Media in der Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

„Geschichte Karthagos soll nicht verschwinden wie ihre Mauern“

Das Taschenbuch „Hannibal Minor. Die Geschichte Karthagos“ ist eine Abkehr von römischer Siegergeschichtsschreibung Ein Sensationsfund erschüttert die Welt der Geschichtsschreiber: Eine dänische Reederei entdeckt in der Seekiste des Kapitäns Stig Bastrup ein Bündel uralter Papyrusrollen. Den Text hatte augenscheinlich vor zwei Jahrtausenden ein antiker Exil-Karthager verfasst, der „kleine Hannibal“. Schlagartig verfügen die Historiker nun über eine erste originale Quelle, die das Leben in der antiken Händlerstadt in Nordafrika nicht mehr nur aus der Siegerperspektive der Römer, sondern aus dem Blickwinkel eines echten Karthagers ausbreitet. Der Berliner Historiker Olde Hansen, bekannt durch sein Sachbuch „Der Dritte Römisch-Karthagische Krieg: Die Zerstörung Karthagos 146 v. Chr.“ aus dem Jahr 2008, hat dieses faszinierende Opus nun unter dem Titel „Hannibal Minor. Die Geschichte Karthagos“ veröffentlicht und kommentiert.

Mit dem Bohnenmal gedenken Kant-Freunde des berühmten Philosophen. Foto. Barkleit

Kaliningrad zwischen Kant und Fußball-WM – Teil 4

Streit um Andenken: „Kant ist ein Trottel“ Dresden/Kaliningrad. Das frühere Königsberg und heutige Kaliningrad ist einer der Austragungsorte für die Fußball-WM 2018. Oiger-Gastautor Gerhard Barkleit hat sich vor der Weltmeisterschaft gen Russland aufgemacht, um hinter die Kulissen zu schauen. Nicht jedem passt die Rückbesinnung Ein Zeugnis der Bemühungen der Kaliningrader Gebietsregierung, auch außerhalb Königsbergs liegende wichtige Orte des Gedenkens an Kant finanziell zu fördern, ist im ehemaligen Judtschen zu besichtigen, heute Wessjolowka. Das ehemalige Pfarrhaus, in dem Kant einige Jahre als Hauslehrer lebte, soll bis 2024 „auf Hochglanz“ gebracht werden. Noch im Mai 2015 war das Haus dem Verfall preisgegeben und erste Proteste gegen eine Renovierung gab es auch. „Kant ist ein Trottel“, wurde auf Russisch an die Fassade geschmiert, von einer 17-jährigen Pädagogikstudentin, wie die Behörden ermittelten.1

Immanuel Kant. Repro: Becker, Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Kaliningrad zwischen Kant und Fußball-WM – Teil 3

Auf den Spuren von Immanuel Kant Dresden/Kaliningrad. Das frühere Königsberg und heutige Kaliningrad ist einer der Austragungsorte für die Fußball-WM 2018. Oiger-Gastautor Gerhard Barkleit hat sich vor der Weltmeisterschaft gen Russland aufgemacht, um hinter die Kulissen zu schauen. Die Kaliningrader sind stolz darauf, dass ihre Stadt für würdig befunden wurde, Austragungsort von Spielen der Fußballweltmeisterschaft zu sein. Die Tatsache, dass vier Vorrundenspiele der Fußballweltmeisterschaft in Kaliningrad ausgetragen werden, rückt diese Region zumindest vorübergehend nicht nur in den Blickpunkt von Fans der dort agierenden Länder, sondern der ganzen Welt. Dennoch ist und bleibt die Exklave eine von der Hauptstadt durch Ländergrenzen getrennte Provinz, die infolge ihrer 700-jährigen deutschen Vergangenheit eine besondere Sensibilität für alles Deutsche besitzt. Beides zusammen bildet einen idealen Nährboden für vorauseilenden Gehorsam von Behörden und Institutionen.

Foto: Barkleit

Kaliningrad zwischen Kant und Fußball-WM – Teil 2

Ein Koffer für Hannah Arendt Dresden/Kaliningrad. Das frühere Königsberg und heutige Kaliningrad ist einer der Austragungsorte für die Fußball-WM 2018. Oiger-Gastautor Gerhard Barkleit hat sich vor der Weltmeisterschaft gen Russland aufgemacht, um hinter die Kulissen zu schauen. In Teil 1 berichtete er über die ersten Eindrücke. Nach den Potemkinschen Dörfern warteten weitere Überraschungen in Kaliningrad. Die unangenehmen sind den gegenwärtigen Friktionen in den deutsch-russischen Beziehungen geschuldet.

Regionalflughafen bei Kaliningrad. Foto: Barkleit

Kaliningrad zwischen Kant und Fußball-WM

Das frühere Königsberg hat sich im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2018 im Eilverfahren aufgehübscht Dresden/Kaliningrad. Das frühere Königsberg und heutige Kaliningrad ist einer der Austragungsorte für die Fußball-WM 2018. Oiger-Gastautor Gerhard Barkleit hat sich vor der Weltmeisterschaft gen Russland aufgemacht, um hinter die Kulissen zu schauen. In Teil 1 berichtet er über die ersten Eindrücke.

Auch eine Wasserstoffbombe ist in der Spionage-Ausstellung zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt

Stalins Jagd nach der Atombombe

Deutsches Know-how und deutsches Uran ebneten der SU den Weg zur Atommacht Die jüngsten Verhandlungen zwischen Donald Trump und Kim Jung Un über das Nuklearwaffen-Programm in Nordkorea mag Anlass sein, einmal auf die Anfänge des Atombombenrüstens zurückzuschauen: Am 6. August jährt sich der Tag des Einsatzes der Atombombe in Hiroshima von 1945 und ebenfalls im August, aber vier Jahre später, stieg auch die Sowjetunion zur Atommacht auf. Oiger-Gastautor Gerhard Barkleit hat diese Entwicklung analysiert. Das nukleare Patt Semipalatinsk. Es geschah am 29. August des Jahres 1949. Die Sowjetunion zündete in den Weiten der kasachischen Steppe ihre erste Atombombe. Diese entsprach in allen wesentlichen Komponenten jenem Typ, den die Vereinigten Staaten von Amerika am 16. Juni 1945 unweit der Grenze zu Mexiko getestet und am 9. August über der japanischen Stadt Nagasaki abgeworfen hatten. Für den „exakten“ Nachbau des amerikanischen Prototyps hatte der deutsche Physiker Klaus Fuchs den Sowjets die notwendigen Unterlagen geliefert.

Verfahrenstechjnik-Student Friedrich Weise fährt einen Citroen Dyane 4 aus dem Jahr 1969. Die "große Ente" kommt auf 24 PS und Tempo 130. Foto: Heiko Weckbrodt

Oldtimer an der TU Dresden: „Uns geht es ums Reisen, nicht ums Ankommen“

Zur 7. Oldtimer-Ausfahrt der Uni erwarten die Orgas 78 Oldtimer Dresden, 28. Mai 2018. „Nag-Nag. Nagnagnag. Nagnagnagnagnag…“ Wenn Friedrich Weise den Zündschlüssel dreht und Gas gibt, ist unverkennbar: Der Oldtimer, den der TU-Technikstudent da angeworfen hat, ist mit dem Spitznamen „Ente“ verknüpft – auch wenn der fachkundige Franzmann genauer von einem „Citroen Dyane 4“ sprechen würde, der größeren Schwester der Ente. „Hat keinen Sinn, das Radio anzumachen“, sagt der junge Oldtimer-Fan, als er den schweifenden Blick des Besuchers bemerkt. „Ab einem gewissen Tempo ist Dyane so laut, dass man eh nichts mehr versteht.“ Und dennoch wolle er den fast 50 Jahre alten Franzosen nicht missen: „Wenn man damit durch die Gegend fährt, kann man sich entspannen. Und alle Leute gucken und lächeln.“ Was auch an der spitznamengebenden Aufhängung der Grioß-Ente liegt: „Die Federung ist butterweich“, sagt der Student. „Wenn man da etwas rasch in die Kurve geht, neigt sich das Auto eben wie eine Ente.“