Alle Artikel in: Kunst & Kultur

Künstlerische Aspekte von Technologie

Das Albertinum in Dresden. Foto: Frank Exß, DMG, DML-Lizenz

Große Kunst einfach erklärt

Studenten der TU Dresden entwickeln Audio-Führer in „leichter Sprache“ Dresden, 11. Juni 2018. Auch Menschen, die mit langgedrechselten Bandwurmsätzen nichts anfangen können, sollen die holde Kunst der Malerei genießen und verstehen können. Deshalb entwickeln Germanistik-Studenten der TU Dresden derzeit spezielle Audio-Führer, die Besucher in leichter Sprache ausgewählte Gemälde im Albertinum Dresden erläutern.

Eine Jungen-Gruppe hat aus Piezo-Keramiken und anderen "Smart Materials" diesen Roboter "Piezo Noise Maker" gebastelt, der vor allem eines tut: Krach machen. Im Sommer wollen die Initiatoren einen ähnlichen Workshop mit einer Mädchengruppe wiederholen - und sind schon gespannt, welchen Roboter die Mädels bauen. Foto: Heiko Weckbrodt

Möge die Tinkerei beginnen!

Neue „Forschungswerkstatt Smart Materials“ in Striesen lädt zum Hightech-Basteln ein – und lotet das Museum der Zukunft aus Dresden, 4. Mai 2018. Wo vor Kurzem noch olfaktorische Konzerte im Zuge der Sonderausstellung „Echtzeit“ vor sich hin stanken, machen sich jetzt die Geeks (englisch für „Laborratten“) breit: Künstler, Kuratoren, Ingenieure und Wissenschaftler haben den Goldmann-Saal im Obergeschoss der Technischen Sammlungen Dresden (TSD) in eine „Forschungswerkstatt Smart Materials“ verwandelt. Gelbe Steckdosenverteiler hängen nun von der Decke der alten Fabrikhalle, auf Werkbänken machen sich die Lötkolben heiß, ein Laser-Cutter ächzt. In einer Ecke schnappt eine fleischfressende Hightech-Pflanze nach arglosen Opfern. Am Eingang kloppt ein Roboter besinnungslos auf seine Piezo-Panzerung. Im Entdecker-Regal stapeln sich Molekül-Modelle, Mineralproben und Krimskrams-Beutel, sträuben sich synthetische Tierfelle. Sinn und Zweck des Ganzen: Schulklassen und andere TSD-Besucher können hier in den kommenden fünf Monaten mit Formgedächtnis-Legierungen, Piezo-Keramiken und anderen aufregenden neuen Materalien hightech-basteln – neudeutsch „tinkern“ genannt.

Veronese, Paolo: Die Madonna der Familie Cuccina, um 1571, Öl auf Leinwand, 167 x 416 cm, Gemäldegalerie Alte Meister, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Herbert Boswank

Zurück in die Renaissance

Mediengestalter der TU Dresden zeigen in der Veronese-Sonderschau, wie das Museum der Zukunft Zeitreisen organisiert Dresden, 23. März 2018. Wenn Professor Rainer Groh von der Informatik-Fakultät der TU Dresden über den Ausstellungsbetrieb der nahen Zukunft spricht, hat er recht klare Vorstellungen, wie der funktionieren könnte: „So wie man heute im Museum einen Audio-Guide am Einlass ausleiht, wird es in drei, vier Jahren ganz selbstverständlich sein, sich eine Datenbrille zu holen“, skizziert Rainer Groh seine Vision. „Dann geht man damit durch die Ausstellung. Wenn die Sensoren in der Brille erkennen, dass man schon minutenlang auf ein Exponat schaut, kann die Brille Hindergrundinformationen einblenden oder dazu raten, auch mal um die Statue herumzugehen oder etwas näher an das Gemälde heranzutreten. Das wird noch viel immersiver als heute sein: Wir werden uns gar nicht mehr dessen bewusst sein, dass uns die Technik die ganze Zeit begleitet.“

Die Robotron-Kantine in Dresden. Foto: Marco Dziallas, ostmodern.org

Dialog zwischen Kunst und Geschichte in der Robotron-Kantine

Wo einst DDR-Computerexperten speisten, sollen sich künftig Künstler, Forscher und andere Kreative austauschen und ihre Werke zeigen Dresden, 22. März 2018. Der Plan, die ehemalige Kantine des DDR-Computerkombinats Robotron in Dresden zu erhalten und zu einem Kunsthaus umzubauen, hat viele Unterstützer aus der Dresden Kulturszene erhalten. „Neben neuen Formen des Dialogs zwischen junger Kunst und Geschichte in einem Future Memory Lab soll die Robotronkantine als neuer Museumsstandort und Ort der Stadtgesellschaft Raum für die aktuellen Anliegen und Diskussionen der Bürgerschaft bieten“, hieß es in einer Einschätzung der Städtischen Museen Dresden. Deren Direktor Gisbert Porstmann sowie Kunsthaus- Leiterin Christiane Mennicke-Schwarz hatten heute 53-seitiges Konzept zur künftigen Nutzung des Gebäudes vorgestellt. Das Dokument wird dem Dresdner Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt.

Wenn er gerade keine Schaltungen entwirft, ist Prof. Frank Ellinger ein Party-Prof - und hat das schon im "Circuit-Song" unter Beweis gestellt. Bildschirmfoto aus Youtube-Video "Circuit-Song"

Dresdner Profs rappen die 5G-Zukunft

Die Party-Professoren Ellinger und Fettweis singen den Echtzeit-Funk herbei Dresden, 20. März 2018. Um der Menschheit klar zu machen, wie toll der Mobilfunk der 5. Generation (5G) ist, an dem sie gerade forschen, werden Dresdner Technologie-Professoren zu Musikussen: Prof. Frank Ellinger, Prof. Gerhard Fettweis, der Ex-Vodafone-Europachef Hartmut Kremling und weitere Technik-Gurus haben sich als „Partyprofs“ zusammengetan und einen „5G-Song“ einstudiert. Dieses Meisterwerk der Hiphop-Kunst wollen sie am 27. März 2018 erstmals in der Alten Mensa der TU Dresden öffentlich intonieren.

Das Kraszewski-Museum Dresden zeigt vom 7.3. bis 27.5.2018 "Im Rausch der Bewegung". Hier in der Repro: Walter Eberhard Loch: Schülerinnen der Elisabeth Wigman, o. J.

Besucherplus in den Städtischen Museen Dresden

Dresden, 28. Februar 2018. Knapp 217 000 Menschen haben im Jahr 2017 die städtischen Museen Dresden besucht. Das waren acht Prozent mehr als im Vorjahr. 2018 planen die zehn Einrichtungen zahlreiche neue Sonderausstellungen: beispielsweise über das Oevre des Fotografen Fred Stein im Stadtmuseum oder über den “kreativen Vulkan Strawalde” in der Städtischen Galerie.

Die Installation „D.O.C. 2100“ in der Sonderausstellung "Echtzeit" in den Technischen Sammlungen Dresden prophezeit den 3D-Druck von Babys.

Babys bringt nicht der Storch, sondern der 3D-Drucker

Sonderschau in Dresden widmet sich der Frage, wie “Real Time” und unsere Welt verändert Dresden, 6. Januar 2018. Wie sich unsere Welt, aber auch der Mensch durch die wachsende Echtzeit-Fähigkeit von Maschinen und Technologien verändert, diesem Themenkomplex widmet sich eine Sonderschau „ECHTZEIT – Zwischen Millisekunde und Authentizität“, die bis zum 11. März 2018 in den Technischen Sammlungen Dresden (TSD) zu sehen und zu erleben ist. Das “Dresdner Zentrum der Wissenschaft und Kunst” will damit die Kollaboration von Forschern und Künstlern in der sächsischen Landeshauptstadt stärken.

Der Bling blitzt vom Ernemannturm zur Versöhnungskirche und zurück gestrahlt - in Echtzeit natürlich. Abb.: Matthias Lehmann

„Wir nähern uns der globalen Synchronizität“

Sonderschau in den Technischen Sammlungen Dresden thematisiert globale „Echtzeit“ und reflektiert Gedankenblitze Dresden, 16. Dezember 2017. Dem Phänomen der „Echtzeit“ in Technologie und Gesellschaft widmet sich ab heute eine Sonderausstellung in den Technischen Sammlungen Dresden (TSD). Im Fokus steht die Frage, wie sich unsere Welt, ja der Mensch selbst verändert, wenn jedes Geschehnis, das sich irgendwo auf der Erde ereignet, nahezu im selben Moment auf der anderen Seite des Planeten miterlebbar ist – durch Twitter, Facebook, Live-Streaming und andere Technologien. „Mit Echtzeittechnologien nähern wir uns der globalen Synchronizität“, schreiben die Kuratoren der Ausstellung „ECHTZEIT – Zwischen Millisekunde und Authentizität“ in ihrem Geleittext. Dies stoße Transformationen in Kultur und Alltag, Wissenschaft und Gesellschaft an. „Die zunehmende Beschleunigung, in der sich die Menschen seit der „Erfindung“ der Zeit, deren Messung und Rhythmisierung befinden, erzeugen enorme technologische, ökonomische, soziale und auch neurobiologische Veränderungen.“

Dieses "Kettenfahrzeug Polar 2" stellte 1971 der VEB Mechanische Spielwaren Brandenburg her. Foto: Heiko Weckbrodt Stadtmuseum Dresden - Mit Teddy durchs Dresdner Spielzeugland

Stadtmuseum Dresden zeigt DDR-Spielzeug

Weihnachts-Ausstellung „Mit Teddy durchs Dresdner Spielzeugland“: Plaste-Autobahnen, Mini-Waschmaschinen und viele Plüschbären Dresden, 1. Dezember 2017. Können Sie sich noch an den Optik-Spielbaukasten erinnern, mit denen Jungentdecker oder Jungentdeckerinnen in den Kinderzimmern der 1970er und 80er Jahre selber Mikroskope und Teleskope bauten? An das Roulette-Spiel aus Kindertagen? An die durchsichtige Uhr mit den bunten Zahnrädern? Gemeinsam ist diesen Spielsachen, dass sie alle zu DDR-Zeiten in Sachsen gebaut wurden. Ihnen widmet das Stadtmuseum Dresden an der Landhausstraße in diesem Jahr die Weihnachtsausstellung „Mit Teddy durchs Dresdner Spielzeugland“.

Jakob Volkmer führt vor, wie die "Minecraft 4D"-Hütte zum Beispiel Hitze, Sand und Regen aus der virtuellen Klötzschen-Welt von Minecraft auf den Spieler im Stuhl zurückprojiziert. Foto: Heiko Weckbrodt

Computerwelt schwappt in die „Realität“ zurück

„Minecraft 4D“ und weitere prämierte Installationen beim Medienfestival Dresden Dresden, 11. November 2017. Was wäre, wenn Computerspiele die vielzitierte Interaktion plötzlich wörtlich nehmen würden? Also nicht nur auf die Eingaben des Spielers reagieren und sie in der virtuellen Realität, sondern auch in der (mutmaßlich) realen Realität manifestieren würden? Eben dieses Gedankenspiel haben die Teenager Paul Richard und Jakob Volkmer aus dem bayrischen Buchenberg in ihrer Installation „Minecraft 4d“ umgesetzt und dafür nun einen MB21-Preis beim Medienfestival Dresden gewonnen: „Wir haben das Spiel Minecraft um eine weitere Dimension ergänzt: die Interaktivität“, erzählt der 16-jährige Jakob Volkmer. „Wenn der Spieler in ,Minecraft’ in eine Wüste geht, bekommt er Hitze und Sandstürme zu spüren, wenn es regnet, dann fühlt er das auf seiner Haut.“

Über 50 Mitmachstationen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene erwarten die Besucher beim Medienfestival Dresden. Foto: Philipp Baumgarten

Big Dada: Das Medienfestival Dresden und die Datensammelwut

Über 50 Mitmachstationen am Wochenende in den Technischen Sammlungen Dresden, 10. November 2017. Unter dem Motto „Big Dada“ lädt das „Medienfestival Dresden“ am 11. und 12. November 2017 Kinder, junge und ältere Menschen dazu ein, sich spielerisch mit Chancen und Auswüchsen der globalen Datensammelei zu beschäftigen. Über 50 Mitmachstationen warten am Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr in den Technischen Sammlungen Dresden (TSD) an der Junghansstraße.

Die Installation "Bappa 4.0" von Emmanuel Grimault in den TSD.

Robotische Götter

Sonderschau „When Machines Are Dreaming“ in den Technischen Sammlungen Dresden lotet die Grenzen zum Künstlichen Bewusstsein aus Dresden, 21. Oktober 2017. Die göttliche Parvati schuf aus Lehm einen Sohn für Shiva, den Zerstörer. Doch Shiva wusste nichts davon und schlug seinem Sohn Ganesha den Kopf ab. Als er seinen Fehler begriff, setzte der Gott seinem Sohn einen Elefantenkopf auf – und so wird Ganesha seither von den Indern verehrt. Liebevoll auch „Bappa“ genannt. Doch ein paar Tausend Jahre später taucht in einem indischen Dorf ein körperlicher Ganesha auf. Nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Stahl, Gummi und Elektronik. Er spricht zu den Menschen, antwortet auf ihre Fragen. Die Gläubigen zaudern: Einerseits wissen sie, dass dies nur ein technologischer Homunculus sein kann, auf der anderen Seite verkörpert „Bappa 2.0“ soviel von dem, was sie mit dem Göttlichen verknüpfen…