Alle Artikel in: Filme

Videorezensionen

Mia (Victoria Schulz) verwandelt sich schrittweise in die Anime-Superheldin Kimiko, die gegen Elektromonster ankämpft. Foto: NiKo-Film, Hannes-Hubac

„Electric Girl“ im Kino: Anime-Heldinnen mögen’s schrill

Hamburger Dramakomödie um eine Synchro-Sprecherin, die sich zu sehr mit ihrem filmischen alter ego identifiziert „Electric Girl“ ist eine skurrile, oft knallbunte Parabel auf unsere Sehnsüchte und Fantasien: inmitten dieser schnöden Welt einmal ein Superheld sein, von allen bejubelt. Zu sehen ist die deutsch-belgische Mischung aus Realfilm und Anime nun im Kino.

Die Morde und privaten Schicksalsschläge schleudern den Polizisten Peder Rydh (Alexej Manvelov) immer mehr aus der Bahn. Foto: Glücksstern

„Stockholm Requiem“ auf DVD: Kindermörder und Sterntaler

Schwedische Thrillerserie fürs Heimkino erschienen Die Polizei findet zwei jüdische Kinder, den Jungen sind Papiertüten mit aufgemalten Gesichtern über den Kopf gestülpt. Das Werk brutaler Antisemiten? Oder hat diese Papierjungen-Staffierung etwas mit der Vergangenheit der Eltern in einem israelischen Kibbuz zu tun? Ein knifflige Frage, auf die die Stockholmer Polizeichefin ein gemischtes Ermittlerteam ansetzt: Alte Hasen wie die Ermittler Alex Recht (Jonas Karlsson) und Peder Rydh (Alexej Manvelov), aber eben auch die Kriminologin Fredrika Bergman (Liv Mjönes), die zunächst recht frostig in der Truppe aufgenommen wird…

Angelino (rechts) hängt als ewiger Looser mit seinen Ghetto-Freunden Vinz und Willy ab - bis ein Unfall ihn die ganze Niedertracht "des Systems" erkennen lässt.- Szenenfoto:_ Eurovideo

Comicverfilmung „Mutafukaz“: Pizzabote durchschaut das System – und das jagt ihn

Abgedrehter, surrealer Animations-Thriller aus Frankreich „Mutafukaz“ ist ein abgedrehter, anarchistisch anmutender Comic aus Frankreich. Regisseur Guillaume „RUN“ Renard erzählt darin von einem Pizza-Boten, der nach einem Mopedunfall das ganze Ausmaß einer Verschwörung erkennt – und ins Kreuzfeuer des Systems gerät. Erschienen ist dieser wilde Animationsfilm nun auf DVD und Bluray.

Mörder Monte (Robert Pattinson) hatte sich auf der langen Reise durchs All zur Masturbation-Askese entschlossen - doch ide listige Dr. Dibs entrang ihm doch den Samen und erzeugte damit das einzig überlebende Baby im Raumschiff. Szenenfoto: Pandora

Sci-Fi „Highlife“: Schiff voller Triebtäter auf dem Weg ins Schwarze Loch

Finsteres, klaustrophobisches Kammerspiel über Sex, Einsamkeit und Mordlust mit Juliette Binoche, Robert Pattinson „Highlife“ mit Juliette Binoche („Chocolat“, “Godzilla“) Twilight.-Vampir Robert Pattinson (“Harry Potter“), das kürzlich in den Kinos anlief, ist kein ganz klassischer Science-Fiction-Film: Regisseurin Claire Denis hat hier vielmehr ein Stück über Sex und Einsamkeit vorgelegt, komprimiert auf ein im All fliegendes Gefängnisschiff, das dem sicheren Untergang entgegenrast.

Gerät bald selbst ins Kreufeuer: Der ehemalige (und leicht vereinsamte) Stockholmer Kommissar Erik Bäckström (Rolf Lassgård). Foto: Edel-Motion

Krimserie „Jäger“ auf DVD: Blutiges Gold im Samenland

Schwedischer Thriller mit Rolf Lassgård Mit „Jäger – tödliche Gier“ haben die Schweden wieder mal eine packende und erdverbundene Krimserie der Oberklasse abgeliefert. In der Hauptrolle agiert als pensionierter Kommissar: Rolf Lassgård („Wallander“). Der hatte bereits in den Vorgänger-Spielfilmen wie „Nacht der Jäger“ den kantigen Ermittler Erik gespielt, der überall aneckt – und auch in der Serie wieder einmal zu Höchstform aufläuft. Erschienen ist die erste Staffel der Jäger-Serie nun auf DVD.

Werfen ihre Ideale über Bord, als sie versuchen, die Bank ihrer Familie vor einer feindlichen Übernahem zu retten: Simon und Amanda Absalonsen. Abb.: Bildschirmfoto von "Follow the Money 2"

„Follow the Money 2“: Den Brankrottmachern auf der Spur

Neue Staffel von den „Borgen“-Machern auf DVD erschienen Nachdem sie in der ersten Staffel den Ökostrombetrügern von „Energreen“ den Garaus gemacht haben, nehmen die „Borgen“-Macher diesmal andere Wirtschaftskriminelle ins Visier: In der nun auf DVD erschienenen zweiten Staffel von „Follow the Money“ erzählen sie die Geschichte einer kleinen Privatbank, deren Eigner genossenschaftliche Crowdfunding-Ideale predigen, die sie aber rasch auf dem Alter der größten dänischen Bank. Und mittendrin sind wieder die – mittlerweile vorbestrafte – Finanzjuristin Claudia Moreno (Natalie Madueño), den Polizisten Mads Justesen (Thomas Bo Larsen) und Alf Rybjerg (Thomas Hwan) von der Wirtschaftskripo sowie der schwedische Killer-Opa (Claes Ljungmark) aus dem ersten Teil.

Die Matrosen Karl Artelt (Lucas Prisor), Werner Riedel (Andreas Dobberkau) haben sich bewaffnet und erzwingen von der Reichsbahn-Aufsicht eine Auskunft, wann der Zug mit Soldaten in Kiel eintrifft. Sie wollen erreichen, dass sich die Soldaten mit den Matrosen verbünden statt auf sie zu schießen. Abb.: Absolut Medien

Dokudrama „1918“: Warum meuterten die Matrosen?

Seine Kriegsflotte war Kaiser Wilhelms ganzer Stolz – und doch zündete gerade dort die Revolution Die Kriegsmarine war des Kaisers ganzer stolz: Immer wieder warb Wilhelm II. im Reichstag um Geld für seine Flotte, immer wieder besuchte er die Panzerkreuzer und Linienschiffe. Und diese Begeisterung steckte an: Matrosenanzüge gehörten vor dem Ersten Weltkrieg zur Top-Mode für deutsche Buben. Warum waren es dann ausgerechnet die Matrosen, die gegen Kriegsende meuterten und den Funken für die Revolution zündeten, die schließlich Kaiser und maritime Gloria hinwegfegten? Dieser Frage geht Regisseur Jens Becker in seinem Doku-Drama „1918 – Aufstand der Matrosen“ nach, das nun auf DVD erschienen ist.

Hinweis: Verdeckte Ermittlungen unter religiösen Eiferern können tödliche Nebenwirkungen haben - auch für Polizistin Camille Delaunay (Erika Sainte). Foto: Edel:Motion

DVD-Box „Die purpurnen Flüsse“: Das dunkle Frankreich

Kommissar Niémans ermittelt wieder gegen alte Seilschaften 18 Jahre, nachdem erstmals Jean Reno als Kriminalist Pierre Niémans gegen eugenische Akademiker in den Alpen ermittelt hat, haben die Franzosen den ruppigen Polizisten zurück auf die Bildschirme gebracht: In der Serie „Die purpurnen Flüsse“, deren erste Staffel nun auch in Deutschland auf DVD erschienen ist, löst diesmal Olivier Marchal als Kommissar Niémans aus Paris die ganz schwierigen Fälle, in denen die Provinzpolizisten nicht weiter kommen. Ihm zur Seite recherchiert nun die junge, aber mit allen Wassern gewaschene Kriminalistin Camille Delaunay (Erika Sainte) an vorderster Front.

Gerard Depardieu als Vidocq. Szenenfoto aus "Vidocq" (Tobisfilm), Repro: hwGerard Depardieu als Vidocq. Szenenfoto aus "Vidocq" (Tobisfilm), Repro: hw

DVD “Vidocq”: Visuelles Kleinod unter den Krimis

Ex-Geheimpolizist ermittelt mit Krimi-Hightech von 1830 Paris im Jahr 1830: Zwei angesehene Bürger, umringt von Leibwächtern, werden durch einen Blitz erschlagen. Beide zur gleichen Zeit, beide hatten geschäftlich miteinander zu tun, beide brennen bei dem “Unfall” völlig aus. Das kann kaum Zufall sein, meint Detektiv Vidocq (Gerard Depardieu), einst Chef der Geheimpolizei, und ermittelt mit den modernsten Methoden seiner Zeit: Blitzexperimente, ballistische Tests, Karteikarten-System etc. Rasch findet er Beweise für eine Mordserie, doch das “Warum” dahinter führt ihn auf die Spur einer scheinbar unglaubwürdigen Legende: Die Mär vom ewigen Alchimisten, einem gesichtslosen Mörder, der seit Jahrhunderten junge Mädchen aus den Pariser Armenvierteln fängt…

Jagen einen besonders unbarmherzigen Mörder, der auch Kinder nicht verschont: Saga Norén (Sofia Helin) und Henrik Sabroe (Thure Lindhardt) ermitteln wieder. Foto: Jens Juncker, Filmlance International AB

Die letzte „Brücke“: Gesteinigt, vergast, geröstet

Finale Staffel der grandiosen Krimiserie fürs Heimkino erschienen Die Schwedin und der Däne ermitteln ein letztes Mal zusammen: Mit „Die Brücke IV – Das Finale“ ist nun die vierte und letzte Staffel der skandinavischen Erfolgskrimiserie auf DVD erschienen. Darin sind die Schwedin Saga Norén (Sofia Helin) und der Däne Henrik Sabroe (Thure Lindhardt) einem besonders brutalen Mörder auf der Spur, der zunächst die Chefin der Ausländerbehörde steinigt und dann jedes weitere Opfer anders tötet. Wie schon in den vergangenen Staffeln steigert sich die Spannung und Dunkelheit dabei von Folge zu Folge.

War als Teil eines Ensembles von acht sowjetischen Wolkenkratzern in Moskau geplant, von denen nur sieben realisiert wurden: der Neubau der Lomonossow-Universität auf den Sperlingsbergen. Abb. aus: "Paläste des Volkes", Absolut Medien

DVD „Paläste des Volkes“: Der Pomp realsozialistischer Gottkönige

Doku-Reihe beleuchtet Monnumental-Architektur im Ostblock Schon zu Stalins Lebzeiten wurde dessen Vorliebe für gigantomanische Spitztürmchen-Komplexe als Zuckerbäckerarchitektur belächelt und als minderwertig abgetan. Ähnlich abfällig waren vor allem im Westen die Urteile über die pompösen Bauwerke anderer realsozialistischer Gottkönige – von Ceaușescus persönlichem Volkspalast in Bukarest bis zu Honeckers „Lampenladen“ in Ostberlin. Mit der Doku-Reihe „Paläste des Volkes“, die nun auf DVD erschienen ist, haben Boris Missirkov und Georgi Bogdanov die Genese, die Ideen und das postsozialistische Nachleben von vier dieser steinernen Zeitzeugnisse unter die filmische Lupe genommen: Stalins Neubau für die Lomonossow-Uni in Moskau, Titos jugoslawischen Regierungspalast in Belgrad, Todor Schiwkows „Nationaler Kulturpalast“ in Sofia und Nikolae Ceaușescus „Haus der Volkes“ in Bukarest.

Tja, was wollten uns die Künstler damit sagen? Steinzeit-Monolithen alias Hinkelsteine in der Bretagne. Abb. aus: "Rätsel der Steinzeit", Absolut Medien

DVD „Rätsel der Steinzeit“: Die Krieg kamen erst mit der Bronze

Doppel-Doku beleuchtet, wie und warum die Menschen vor etwa 8000 Jahren in die Monumental-Architektur einstiegen Steinzeit-Menschen gelten uns in vielen Redensarten heute als Primitivlinge. Tatsächlich aber gelang unseren Vorfahren vor rund 8000 Jahren ein enormer Zivilisations- und Technologiesprung. Davon künden bis heute Steinkreise, Säulen, Palast- und Tempelreste quer durch Europa, deren Zweck wir oft nicht bis zum Letzten verstehen, die uns aber Respekt einflößen: Diese oft viele Tonnen schweren Monolithen und “Hinkelsteine” zu bewegen und gar übereinander zu wuchten, und das ganz ohne Kran und Traktor, war eine enorme Leistung, die ein gewachsenes Verständnis von Werkzeugen, Hebelkraft und elementarer Physik spiegelt. Auf einer nun erschienenen DVD geht die Filmemacherin Barbara Puskas in zwei Dokumentationsstreifen diesen „Rätseln der Steinzeit“ nach.

Anne Clark im Konzert. Ausschnitt aus: Anne Clark – I’ll Walk Out Into Tomorrow“, Neue Visionen Filmverleih

Bluray über Anne Clark: Wo die Punk-Poetin der 80er heute steht

Biografische Doku fürs Heimkino erschienen In den 1980er Jahren galt die englische Künstlerin Anne Clark als poetische Ikone des Synthie-Pops, nahe am Kreuzungspunkt zu New Wave und Punk. Dann verschwand sie mehr oder minder plötzlich, um als Rezitatorin übersetzter Rilke-Poesie auf die Bühnen zurückzukehren. Wie das alles kam, versucht Regisseur Claus Withopf „Anne Clark – I’ll Walk Out Into Tomorrow“ zu ergründen. Der biografische Dokfilm ist nun fürs Heimkino auf Bluray und DVD erschienen.

Ob das ein Mars-Skorpion ist? Foto: Koch

Sci-Fi „Unternehmen Capricon“ auf DVD: Der große Marsschwindel

Verschwörungs-Klassiker aus dem Jahr 1978 erfährt im Fake-Zeitalter eine Neuauflage auf DVD und Bluray Das Misstrauen gegen Regierungen und das, was manche Menschen diffus als „das System“ wahrnehmen, ist im Internet-Zeitalter groß: Heute wirft jeder jedem vor, „Fake News“ zu verbreiten und die Überzeugung, dass Politiker sowieso nur lügen, ist weitverbreitet. Doch dieses Grundmisstrauen ist nicht erst mit dem Internet entstanden: Schon in den 1960ern und 1970ern erlebte die westliche Welt eine Renaissance des Zynismus. Kaum hatten amerikanische Astronauten den Fuß auf den Mond gesetzt, kursierten gleich Gerüchte, Washington habe die Mondlandung nur gestellt. Dieses Motiv hat Regisseur Peter Hyams („2010 – Das Jahr in dem wir Kontakt aufnehmen“) im Jahr 1978 in seinem Science-Fiction „Unternehmen Capricorn“ („Capricorn One“) verarbeitet: Darin erzählt er von einer angeblichen Mars-Landung der NASA, die sich schließlich als großer Schwindel entpuppt. Passend zum zynisch-paranoiden Geist unserer Zeit hat der Multimedia-Verlag „Koch“ diesen Science-Fiction-Klassiker neu fürs Heimkino veröffentlicht.