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Tot-lebendige Quantenkatze lockt Kinder in Dresdner Physik-Irrgarten

Auch in der Küche hat die Quantenkatze allerlei Physikaufgaben gestreut. Foto: Heiko Weckbrodt
Auch in der Küche hat die Quantenkatze allerlei Physikaufgaben gestreut. Foto: Heiko Weckbrodt

Exzellenzzentrum „Ct.qmat“ hat in Technikmuseum Deutschlands 1. Quanten-Escape-Room gebaut

Dresden, 25. April 2024. Vor 90 Jahren steckte der Physiker Erwin Schrödinger eine Quanten-Katze in eine gefährliche Box mit einer Höllenmaschine darinnen. Seither fragte er sich immer wieder, ob seine Katze noch lebt und tot ist. Da er keine vollendeten Tatsachen schaffen wollte, indem er die Kiste öffnete, blieb sie verschlossen. Und so machte es sich die gleichermaßen tote wie lebendige Katze darin gemütlich, richtete sich Wohnzimmer, Küche, Bad und Garderobe ein. Nun, neun Dekaden später, ist Schrödingers übermannsgroße Box in den Technischen Sammlungen Dresden wieder aufgetaucht. Dort lädt die „Katze Q“ nun Mädchen und Jungs ein, einen Fluchtweg aus ihren Quantenreich zu finden….

Und täglich grüßt die Quantenkatze... in den Technischen Sammlungen Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Und täglich grüßt die Quantenkatze… in den Technischen Sammlungen Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Schrödingers Katze stand Pate für Rätselspaß

Dies ist freilich nur die halbe Geschichte: Tatsächlich handelte es sich um einen neuen Irrgarten (neudeutsch: „Escape Room“) mit Physikspielen, den das Exzellenz-Centrum für „Komplexität und Topologie in Quantenmaterialien“ (Ct.qmat) aus Dresden und Würzburg gemeinsam mit Spiele-Designern und Museums-Experten erdacht hat. Die Macher haben sich dabei lose an einem Gedankenexperiment von Erwin Schrödinger aus dem Jahr 1935 orientiert, mit dem dieser zeigen wollte, wie sehr die Gesetze der Quantenphysik unserem Alltagserfahrungen widersprechen können.

Auch Puzzle gehören zu den Aufgaben im neuen Quantenphysik-"Escape Room" in den Technischen Sammlungen Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Auch Puzzle gehören zu den Aufgaben im neuen Quantenphysik-„Escape Room“ in den Technischen Sammlungen Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

17 Physikaufgaben führen zum Finale mit Katze und Spaßmacher

Das Ct.qmat-Team hat aus Schrödingers Katze zunächst eine vielgelobte Spiele-App gemacht – und nun eben zusammen mit Partnern den „ersten Escape Room zur Quantenphysik in Deutschland“ gezimmert. Sie möchten damit vor allem Schülerinnen (auch deshalb die Katze als Leittier), aber auch Schüler zu einer Karriere in den Naturwissenschaften animieren. Der Fluchtraum selbst enthält vier Zimmer mit insgesamt 17 Rätseln rund um die geheimnisvolle Welt der Quanten. Dazu gehören beispielsweise Energieniveau-Geschicklichkeitsübungen, Wellenspiele, Doppelspalt-Experimente, einsteinsche Langzungen und dergleichen mehr. Hat eine Gruppe binnen einer Stunde alle Aufgaben gelöst, verraten die Katze und ihr Begleiter, der sächsische Spaßmacher Olaf Schubert, ihr großes Geheimnis. Erforschbar ist die neue Attraktion im Striesener Technikmuseum aber auch im Einzelbesucher-Modus.

Eine Klasse der Universitätsschule Dresden schaut sich zusammen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (rechts), Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (mitte-links) und TU-Rektorin Ursula Staudinger das Wohnzimmer der Quantenkatze an. Foto: Heiko Weckbrodt
Eine Gruppe der Universitätsschule Dresden schaut sich zusammen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (rechts), Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (mitte-links) und TU-Rektorin Ursula Staudinger das Wohnzimmer der Quantenkatze an. Foto: Heiko Weckbrodt

„Dresden ist die weltweite Hauptstadt der Festkörperphysik“

„Dresden ist die weltweite Hauptstadt der Festkörperphysik“, meint „Ct.qmat“-Sprecher Prof Matthias Vojta. Andererseits gehöre für viele junge Menschen aber „Physik zu den weniger beliebten Schulfächern, in den Physik-Studiengängen sind zudem Frauen unterrepräsentiert.“ Der Irrgarten der Quantenkatze soll dies ein Stück weit ändern und Neugier wecken für die spannenden Grundlagenthemen, an denen wir forschen.“

Professor Matthias Vojta ist Sprecher für das Exzellenz-Cluster "Komplexität und Topologie in Quantenmaterialien" in Dresden Foto: Heiko Weckbrodt
Professor Matthias Vojta ist Sprecher für das Exzellenz-Cluster „Komplexität und Topologie in Quantenmaterialien“ in Dresden Foto: Heiko Weckbrodt

Neue Mitmach-Attraktion neben Mathe-Land, Chip-Schau und Schülerlabor

Für Museumsdirektor Roland Schwarz wiederum ist der „Escape Room“ im zweiten Stock des Ernemann-Baus vor allem eine zusätzliche Attraktion neben dem „Erlebnisland Mathematik“, der „CoolX“-Mikroelektronikschau, dem DLR-Schülerlabor und den anderen familienorientierten Mitmach-Ausstellungen in seinem Hause. Und Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) hofft darauf, dass die Quantenkatze viele Touristen dazu animiert, Dresden öfter und länger zu besuchen – und zwar auch jenseits von barocken „Klassikern“ wie Zwinger und Frauenkirche in der Innenstadt.

Besuchertipp:

  • Zum Eröffnungswochenende am 27. und 28. April 2024 bieten die Technischen Sammlungen Dresden an der Junghansstraße Kurzführungen durch die Quantenwohnung, App-Spielereien mit der Katze Q, ein Quantenkino und Jingle-Kurse an. Ab dem 30. April ist der Quanten-„Escape Room“ dann regulär geöffnet.
  • Weitere Infos und Anmeldungen für „Escape“-Gruppen: Internet: tsd.de, Telefon: 0351/4887272, E-Mail: service@museen-dresden.de

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Besuch, Auskünfte M. Vojta/ct.qmat, R. Schwarz/TSD, A. Klepsch/LHD, MP Michael Kretschmer, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger