Autor: Heiko Weckbrodt

Sind vielleicht auch Film, Fernsehen und Videoströme mit ihren Klischees vom IQ-150-Nerd mitschuld daran, dass sich zu wenige junge Menschen - insbesondere auch Mädchen - für ein Physikstudium entscheiden? Illustration: Dall-E

Die Physiker-Lücke wächst

Auch wegen Film-Klischees, Corona und demografischem Wandel bildet Deutschland nicht genug Nachwuchs-Physiker aus Dresden, 21. März 2023. Die Physiker-Lücke in Deutschland wächst – davor hat Vizepräsident Dr. Lutz Schröter von der „Deutschen Physikalischen Gesellschaft“ (DPG) am Rande der beiden DPG-Frühjahrstagungen des Jahres 2023 in Dresden gewarnt. Pro Jahr bildet Deutschland demnach rund 1000 bis 1500 Physiker weniger aus, als in Forschung, Lehre und Wirtschaft gebraucht werden – Tendenz steigend.

Blick auf das Hörsaalzentrum und den Beyerbau-Turm der TU Dresden. Foto: Foto: TUD/Eckold

Immer mehr Gasthörer an Sachsens Uni

Geschichte, Informatik und Religion sind die Favoriten der bildungshungrigen Senioren Kamenz, 21. März 2023. Immer mehr Sachsen bilden sich als Gasthörer an Unis weiter: 822 Menschen jenseits der regulären Studentenschaft – darunter viele Senioren – hörten sich im Wintersemester 2022/2023 Vorlesungen in Geschichte, Informatik, Religionswissenschaften und anderen Disziplinen an, haben die Landesstatistiker heute in Kamenz mitgeteilt. Dies seien 42,5 Prozent mehr als im Vorjahr gewesen.

Zecke unterm Mikroskop. Foto: Heiko Weckbrodt

Physiker wollen mehr feste Stellen – warnen aber vor Überregulierung

DPG: „Wir wollen belastbare Entfristungsperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs“ Dresden/Bad Honnef, 20. März 2023. Mehr langfristige Stellen für Nachwuchswissenschaftler hat die „Deutsche Physikalische Gesellschaft“ aus Bad Honnef gefordert, zugleich aber vor einer Überregulierung gewarnt. Insbesondere die nun vom Bund vorgeschlagene dreijährige Maximaldauer für befristete Stellen sei zu kurz und werde den verschiedenen Wegen junger Forscher hin zur Professor und anderen Karriereentwürfen nicht gerecht, erklärte die DPG zum Auftakt ihrer diesjährigen Frühjahrtagungen in Dresden.

Supraleiter sind besondere Materialien, die im tiefgekühlten Zustand Strom widerstandsfrei leiten. Würden solche Supraleiter bereits bei Raumtemperatur funktionieren, könnten die Energieverluste von Maschinen und Strom-Kabeln drastisch gesenkt werden. Die Physiker streiten aber noch darüber, wie nah oder fern wir von diesem Durchbruch sind. Foto: Heiko Weckbrodt

Größte Physiktagungen Europas starten in Dresden

Nach Corona-Pause erwartet die DPG ab heute rund 7300 Forscher in der Stadt Dresden, 20. März 2023. Können neue Supraleiter, die nun doch schon bei Zimmertemperatur allen Strom verlustfrei leiten, uns bald enorme Energie-Ersparnisse bescheren? Ist Großforschung ohne „Künstliche Intelligenz“ in Zukunft überhaupt noch machbar? Wo hat sich die Dunkle Materie versteckt? Wie können Kernphysiker im Kampf gegen das Verbrechen helfen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigen sich zwei aufeinanderfolgende Tagungen der „Deutschen Physikalischen Gesellschaft“ (DPG), die ab heute insgesamt rund 7300 internationalen Forschern und Studenten nach Dresden locken.

Die Greifswalder Leibniz-Physiker setzten kaltes Plasma ein, um Wunden zu heilen. Foto: Heiko Weckbrodt

Kaltes Plasma schließt Wunden rascher

Untersuchung: Behandlungstempo steigt, Kosten halbieren sich Greifswald, 20. März 2023. Kaltes Plasma kann die Wunden von chronischen Zuckerkranken und anderen Patienten schneller schließen, die Behandlungskosten halbieren und viele Verbände sparen. Das haben zwei Studien ergeben, auf die der Greifswalder Kaltplasma-Geräteanbieter „Neoplas med“ hingewiesen hat.

In der Cloud-Nebelkammer am Cern erforschen Wissenschaftler den Einfluss galaktischer Strahlung aufs Erdklima. Foto: Maximilien Brice für das Cern

Wolkenkammer im Cern untersucht Einfluss der Galaxis auf Erdklima

Cloud-Experiment simuliert, wie hochenergetische Teilchen auf die Atmosphäre wirken Genf/Leipzig, 17. März 2023. Vermeintliche „Gottesteilchen“, Higgs-Bosonen und extreme Energiespitzen kommen vielen in den Sinn, wenn sie an das „Cern“ bei Genf denken. Doch das europäische Physik-Großforschungszentrum schleudert nicht nur Protonen und Blei-Atome nahezu mit Lichtgeschwindigkeit aufeinander, sondern geht auch dem kosmischen Einfluss auf unser Wetter und Weltklima nach – im sogenannten „Cosmics Leaving Outdoor Droplets“-Experiment („Cloud“).

Was von außen wie Holland aussieht, ist innerlich oft China. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

IfW: Deutsche Produktion weniger abhängig von China als gedacht

Bei ausgewählten Zulieferungen geht allerdings nichts ohne das Reich der Mitte Kiel, 16. März 2023. Deutschland ist bei ausgewählten Hochtechnologie-Produkten wie Laptops, PCs, Mobiltelefonen und Monitoren hochgradig abhängig von China – doch insgesamt ist die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von chinesischen Zulieferungen geringer als oft angenommen. Das hat das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel ausgerechnet. Die Ökonomen raten aber nicht zu einer kompletten Abkoppelung vom Reich der Mitte, sondern vielmehr dazu, mehr Lieferquellen für solche Importgüter zu erschließen.

Der große Hadronenbeschleuniger LHC unter dem Cern-Komplex. Foto: Samuel Joseph Hertzog für das Cern

Cern plant noch größere Weltantwortmaschine

Milliardenteure Higgs-Fabrik soll drei bis vier Mal größer als der LHC sein Genf, 15. März 2023. Seit der Entdeckung des Higgs-Bosons – unsinnigerwiese manchmal auch als „Gottesteilchen“ bezeichnet – vor reichlich zehn Jahren ist es etwas ruhig um das europäische Teilchenphysik-Zentrum „Cern“ bei Genf geworden. Deshalb wollen die Forscher mit Milliardeninvestitionen für einen neuen Paukenschlag sorgen: Zwar haben sie mit dem „Large Hadron Collider“ (LHC), oft auch als „Weltantwortmaschine“ gelobt, bereits den weltweit größten Teilchenbeschleuniger. Doch den wollen sie noch mal massiv ausbauen, hat Cern-Finanzchef Florian Sonnemann angekündigt. Die Forscher wollen mit der neuen, verbesserten Weltantwortmaschine um die Grenzen der heute bekannten Physik weiter hinauszuschieben – oder gar darüber hinausschauen.

Prof. Joachim Ragnitz ist Stellvertretender Leiter der ifo-Niederlassung Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Ifo: Fachkräftemangel ist nicht nur Gefahr, sondern auch eine Chance

Demografischer Mangel könnte überfälligen Modernisierungsschub auslösen Dresden, 14. März 2023. Der demografische Wandel und der daraus folgende Fachkräftemangel in Deutschland muss nicht zwingend zu einem Wohlstandsverlust führen, sondern kann auch längst überfällige Modernisierungen erzwingen. Darauf hat der Dresdner Ifo-Wirtschaftsforscher Prof. Joachim Ragnitz hingewiesen.

Blick ins Cern-Rechenzentrum. Foto: Robert Hradil, Monika Majer/ProStudio22.ch für das Cern

Kaum noch Großforschung ohne Automatisierung

„Cern“ filtert mit mehrstufigen Systemen die Datenfluten aus dem weltweit größten Beschleunigerring Genf, 14. Februar 2023. Moderne Grundlagenforschung spielt sich in Teilen bereits hochautomatisiert ab. Darauf hat Dr. Erik Butz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit Blick auf die Arbeit am europäischen Teilchenphysik-Forschungszentrum „Cern“ bei Genf hingewiesen. Gefragt ist dabei auch nahe Rechentechnik („Edge Computing“), um die Datenfluten moderner Experimentieranlagen am weltweit größten Teilchenbeschleuniger, dem „Large Hadron Collider“ (LHC) unterm Cern, überhaupt bewältigen zu können.

Dresdner Designlabor gegründet

Dresden, 11. März 2023. Schöne Formen, nutzerfreundliche Schnittstellen und Ergonomie sollen künftig auf dem weg vom Forschungsprojekt zum markreifen Produkt bereits früher als bisher eine zentrale Rolle spielen. Um dies zu ermöglichen, haben Fraunhofer und die Dresdner Exzellenz-Uni nun ein gemeinsames „Designlab for Applied Research“ gegründet. Das hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) mitgeteilt, das gemeinsam mit den Fraunhofer-Instituten für Verkehr (IVI) und Werkzeugtechnik (IWU) sowie der TU zu den Gründern des neuen Desihnlabors in Dresden gehört.

Der Finanzierungsbedarf junger Unternehmen in Deutschland steigt. Foto: Heiko Weckbrodt

Mehr Geld für Elektromotor-Tester in der Lausitz

Gigahertz-Geschäftsengel investieren in „Next Automotive“ Senftenberg/Dresden, 10. März 2023. Das Senftenberger Technologie-Unternehmen „Next Automotive“ bekommt über 100.000 Euro Kapitalzuschuss von der Dresdner Beteiligungsgesellschaft „Gigahertz Ventures“. Eine genaue Summe nennen die sogenannten „Business Angels“ (Geschäftsengel) nicht. Die Rede ist von einem „sechsstelligen Betrag“. Den wollen die Lausitzer Ingenieure verwenden, um ihre Testprozesse für neu entwickelte Elektromotoren und andere Elektroauto-Komponenten zu verbessern.

Fraunhofer-Experten forschen am THM in Freiberg auch an elektrochemischen Verfahren für das Rohstoffrecycling von Batteriematerialien. Foto: Fraunhofer IKTS

Energy Saxony lädt zum Energiespeicher-Gipfel

Freiberg als Standort für Akku-Recycling im Fokus Freiberg, 10. März 2023. Wie speichere ich Energiespitzen am besten? Können Künstliche Intelligenzen (KI) ausgemusterten Elektroauto-Akkus zu einem „zweiten Leben“ verhelfen? Was tun, wenn der wasserstoff-betriebene Bagger zu havarieren droht? Diese und weitere Fragen wollen Fachleute aus Sachsen und ganz Deutschland auf der „Energy Saxony“-Jahreskonferenz am 22. Juni 2023 in Freiberg erörtern. Das geht aus einer Ankündigung des sächsischen Energietechnologie-Vereins hervor. Im Mittelpunkt sollen innovative Akku- und Wasserstofftechnologien aus Sachsen sowie fortschrittliche Recyclingverfahren für Energiespeicher stehen.