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„Geister Exodus“: Lars von Trier finalisiert nach fast 30 Jahren seine Gruselserie

Die Mutter sucht hinter den Fundamenten nach ihrem entstellten Kind alias "Brüderchen". Szenenfoto: Henrik Ohsten via Plaion

Die Mutter sucht hinter den Fundamenten nach ihrem entstellten Kind alias „Brüderchen“. Szenenfoto: Henrik Ohsten via Plaion

3. Staffel nun fürs deutsche Heimkino erschienen

Darauf haben Freunde der gepflegten dogmatisch-dänischen Filmkunst lange warten müssen: Fast drei Jahrzehnte nach den ersten beiden Staffeln hat Star-Regisseur und „Dogma 95“-Miterfinder Lars von Trier seine gefeierte Gruselserie „Hospital der Geister“ („Riget“) eine dritte, finale Staffel veröffentlicht. In der erfährt der geneigte Zuschauer noch mehr düstere Geheimnisse des Reichskrankenhaus, kann über dänisch-schwedische Ressentiments grinsen und in ein bizarres Bad der Bilder eintauchen.

Werbevideo (Plaion):

Die Story: Schlafwandlerin, Hacker und Chauvinisten entringen dem „Reich“ die letzten Geheimnisse

Nachdem die Schlafwandlerin Karen die DVD mit den ersten beiden Staffeln von „Hospital der Geister“ angeschaut hat, ist sie frustiert über das offene Ende. Sie beschließt, sich selbst ins Reichskrankenhaus einzuweisen, um all die unbeantworteten Fragen doch noch zu beenden. Dabei helfen ihr ein Krankenpfleger und eine Hackerin im Keller. Ihre Suche gilt vor allem dem monströsen „Brüderchen“ (Udo Kier, „Iron Sky„), das sich inzwischen tief in die maroden Fundamente des Hospitals eingegraben hat.

Schwedischer Dänenhasser im dänischen Reichskrankenhaus: Mikael Persbrandt als Helmer Jr. Szenenfoto: Henrik Ohsten via Plaion

Schwedischer Dänenhasser im dänischen Reichskrankenhaus: Mikael Persbrandt als Helmer Jr. Szenenfoto: Henrik Ohsten via Plaion

Unterdessen bekommt die neuropsychologische Abteilung einen neuen schwedischen Oberarzt: keinen anderen als Helmer Jr. (Mikael Persbrandt, „Stockolm Ost„, „Der kleine Hobbit„). Und der setzt chauvinistischen Traditionen seines Vaters Stig Helmer (Ernst-Hugo Järegård) aus den ersten beiden Staffeln auch gleich fort, brüllt regelmäßig „Dänischer Abschaum“ in die Nacht hinaus und setzt sich an die Spitze eines schwedischen Untergrundzirkels, der sich unter seiner Führung bald in eine Art RAF-Terrororganisation gegen alle Dänen verwandelt… Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Ein Frühvergreister und eine Roboterin kommentieren beim Abwasch die Geschehnisse im "Twin Peaks"-Stil. Szenenfoto: Henrik Ohsten via PlaionSzenenfoto: Henrik Ohsten via Plaion

Ein Frühvergreister und eine Roboterin kommentieren beim Abwasch die Geschehnisse im „Twin Peaks“-Stil. Szenenfoto: Henrik Ohsten via Plaion

Finale Staffel verzögerte sich durch Tod zweier Hauptdarsteller erheblich

Eigentlich wollte Lars von Trier seine dritte Staffel gleich an die ersten beiden andocken, die 1994 und 1997 erschienen waren. Dann starb jedoch wichtige Darsteller, darunter Ernst-Hugo Järegård als schwedischer Fanatiker und Kirsten Rolffes, die „Frau Drusse“ gespielt hatte. Damit war das bereits geschriebene Drehbuch erst mal obsolet. Für den neuen Anlauf fürs Finale hat von Trier nun die Geschichte um drei Dekaden in die Gegenwart verlagert, viele Rollen neu geschrieben und besetzt. Dazu gehört der herrlich hochmütig agierende Mikael Persbrandt , der hier sehr komödiantisch aufgelegte Lars Mikkelsen („1864“) als sein dänischer Widerpart und Nikolaj Lie Kaas (Dezernat Q) als cholerischer Neurochirurg. Und die Küchengesprächs-Intermezzi haben diesmal ein früh Vergreister (Jesper Sørensen) und eine Roboterin übernommen.

Die Mutter sucht hinter den Fundamenten nach ihrem entstellten Kind alias "Brüderchen". Szenenfoto: Henrik Ohsten via Plaion

Die Mutter sucht hinter den Fundamenten nach ihrem entstellten Kind alias „Brüderchen“. Szenenfoto: Henrik Ohsten via Plaion

Fazit: Bizarr, surrealistisch, durchgeknallt – und gelegentlich etwas repetiv

Aus all diesen neuen Fäden hat Lars von Trier erneut ein unheimliches, düsteres, bizarres und oft auch amüsantes Gespinst gesponnen. Dabei setzt er teils auf die eher puristischen Kameramethoden der Dogma-Charta, aber auch auf viele surrealistische Einstellungen im Stil von David Lynch. Da und dort wiederholt er vielleicht etwas oft Motive der ersten beiden Staffeln. Aber wenn beispielsweise Helmer Jr. genauso wie sein Vater jeden Tag die Radkappen seines Volvos abmontiert und durchs Krankenhaus schleppt, hat das eben zu verlockend komische Züge. Auf jeden Fall macht von Trier keinen Hehl aus seiner Distanz zum Ärztestand: Die Damen und Herren Doktoren des Reichskrankenhauses sind bei ihm größtenteils inkompetente, selbstüberhebliche und durchgeknallte Möchtegern-Halbgötter, die auf dem Rücken ihrer Patienten ihren privaten Projekten nachgehen. Auf jeden Fall ist dem gealterten Wunderkind der dänischen Filmszene, das sich diesmal nur hinter einem Vorhang äußert, wieder mal ein herrlich exaltiertes Werk gelungen, das uns mal gruseln, mal grinsen lässt.

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"Geister Exodus", Bluray-Hülle: Plain Pictures

„Geister Exodus“, Bluray-Hülle: Plain Pictures

Kurzüberblick

  • Titel: „Geister – Exodus“
  • Originaltitel: „Riget: Exodus“
  • Genre: Gruselkomödien-Serie
  • Regie: Lars von Trier
  • Darsteller: Bodil Jørgensen, Lars Mikkelsen, Mikael Persbrandt, Nicolas Bro, Udo Kier, Willem Dafoe u. a.
  • Produktionsjahr: 2022
  • Produktionsland: Dänemark
  • Umfang: 3 Blurays mit insgesamt 307 Minuten in 5 Folgen (Staffel 3 von „Königreich der Geister“)
  • Sprachen: Dänisch und Deutsch
  • Untertitel: Deutsch
  • Altersfreigabe: FSK 16
  • Preis: DVD 25 Euro, Bluray 28 Euro

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt

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Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt