Alle Artikel in: Geschichte

Wirtschaftsgeschichte & Co.

Der VEB Lokomotivbau "Karl Marx" in Babelsberg baute 1956 diese Dampfspeicherlok FLB 146067. Foto: Christian Ruf

Stahl und Dampf in Chemnitz

„Boom“ zeigt im Bahnbetriebswerk Hilbersdorf historische Dampfloks, die ein Stück von Sachsens Geschichte erzählen Chemnitz, 31. Dezember 2020. Die Industriestadt Chemnitz entwickelte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Als es an der Wende zum 20. Jahrhundert notwendig wurde, die Bahnhofskapazitäten zu erweiterten, entstanden zwischen 1896 und 1902 der Rangierbahnhof und das angrenzende Bahnbetriebswerk im Vorort Hilbersdorf. Auf einer 26 Hektar großen Teilfläche dieser Anlage – sie ist mittlerweile zum sächsischen Eisenbahnmuseum mutiert – können noch heute das frühere Bahnbetriebswerk für Güterlokomotiven und eine Seilrangieranlage besichtigt werden. Denkmalgeschützte Gebäude, technische Anlagen und Fahrzeuge geben dem Ort eine authentische Atmosphäre, so dass er auserkoren wurde, im Rahmen der 4. Sächsischen Landesausstellung „Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen“ über das Eisenbahnwesen in Sachsen zu informieren.

V2-Rakete in Peenemünde. Foto: Heiko Weckbrodt

„Vergeltung“: Robert Harris’ neuer Roman über die V2-Raketen der Nazis

Die Geschichte von Kay und Rudi auf beiden Seiten der Weltkriegsfront Wie hoch war der Blutzoll von Hitlers hochstilisierten „Vergeltungswaffen“, wieviele Menschen und Ressourcen haben sie verschlungen und wie groß war überhaupt ihr militärischer Nutzen? Altmeister Robert Harris („Vaterland“) hat in die Tasten gegriffen, um diese Fragen anhand zweier Menschen auf beiden Seiten der Weltkriegs-Fronten zu beantworten. Sein Roman „Vergeltung“ liegt nun auch in deutscher Übersetzung vor.

Fünf Jahre wartete Sachsens Kurfürst August auf seine Uhr

Optische, astronomische und geodätische Geräte aus dem Mathematisch-Physikalischen Salon Dresden im Fokus. Dresden, 9. November 2020. Die Verschlüsselung von Nachrichten ist keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Der römische Biograph Sueton berichtet, Cäsar habe Briefe vertraulichen Inhalts in einer Geheimschrift an Cicero geschickt. Berühmt ist mittlerweile der englische Mathematiker und Kryptoanalytiker Alan Turing, der während des Zweiten Weltkriegs entscheidend dazu beitrug, den Code der deutschen Rotor-Chiffriermaschine „Enigma“ zu entschlüsseln, wodurch einmal mehr klar wurde, dass mitunter nicht nur Kampfgeist, Waffenstärke oder strategisches Denken, sondern manchmal schlicht und ergreifend auch die Überwachung und Enträtselung des feindlichen Nachrichtenverkehrs ein entscheidendes Moment im Krieg sein können. Chiffriermaschinen mit 24 Ringen Zwei Objekte im Mathematisch-Physikalischen Salon in Dresden sind solche Chiffriermaschinen. So ließen sich bei einem solchen Gerät – bis zur massiven Beschädigung im Zweiten Weltkrieg – mit Hilfe von 24 Ringen die Buchstaben einer Botschaft unterschiedlich weit im Alphabet verschieben. Zum Beispiel der erste Buchstabe um eine Stelle, der zweite um zwei und so fort. Aus dem Wort SALON wird damit zum Beispiel die verschlüsselte Buchstabenfolge TCOSS. In den …

Jung gestorben: Etwa 1800 Jahre alte Teenager-Mumie aus Ägypten. Foto: I. Badr, Ägyptisches Museum, Kairo

Mumien durchleuchtet: Kurzes Leben mit Zahn- und Knieschmerz

Computertomografie von Dresdner Mumien zeigen, wie drei Ägypter in römischer Zeit lebten Dresden/Kairo, 5. November 2020. Der für spätantike Verhältnisse recht hohe Lebensstandard im römischen Kaiserreich garantierte selbst für Wohlhabende nicht unbedingt ein langes und angenehmes Leben. Das lassen neue Mumienanalysen in Dresden und Kairo erahnen. Demnach war das Leben der untersuchten Ägypter kurz und wahrscheinlich von ständigen Zahnschmerzen und schmerzenden Knien begleitet.

Diyendo Massilani sucht nach Gen-Spuren an Relikten alter "Mongolen" und "Chinesen". Foto: MPI-Eva

Mongolen waren schon vor 34.000 Jahren Kosmopoliten

Forscher aus Sachsen und Mongolei finden eurasisches Erbgut in altem Fossil Leipzig/Ulan Bator, 1. November 2020. Frühe Menschen haben wahrscheinlich schon vor über 34.000 Jahren den gesamten eurasischen Kontinent mindestens einmal durchquert. Darauf deuten Genanalysen des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (Eva) in Leipzig und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften hin.

Hat 2011 ihren Bachelor für Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig gemacht und weiß Bescheid, wie es in der DDR war: Christina Schwarz. Foto: Greta Hartmann für die uni Leipzig

Nachwuchs-Forscherin: DDR und Corona zu vergleichen ist „neurechts“

Kulturwissenschaftlerin: Nur kleiner Teil der Ostdeutschen fühlt sich bevormundet, Selbstbild als Umstürzler ist letztlich demokratiefeindlich Leipzig, 28. September 2020. Wer sich durch den Corona-Ausnahmezustand, durch Reiseverbote und Demonstrationsverbote, durch Schlangen und leere Regale in den Geschäften und andere Phänomene während der Pandemie an die DDR erinnert fühlt und beides „gleichsetzt“, der liegt nach Meinung der Kulturwissenschaftlerin Christina Schwarz von der Uni Leipzig falsch. Denn: „Solche Gleichsetzungen sind gängige Argumentationsmuster neurechter Akteure bis hin zu Neonazis“, kritisiert sie.

Der Einband von "Wir sind ein Volk! – Oder? Die Deutschen und die deutsche Einheit", herausgegeben von Freya Klier. Abb.: Herder-Verlag

„Die einen wurden Lehrmeister, die anderen Lehrlinge“

Im Sammelband „Wir sind ein Volk! – Oder?“ reflektieren 20 Akteure 30 Jahre deutsche Einheit Herbert Wagner kann sich noch gut an diesen Vorabend der deutschen Wiedervereinigung vor 30 Jahren entsinnen: Der Elektronikingenieur war Oberbürgermeister von Dresden geworden und saß nun in seinem Dienstzimmer und lauschte der neuen Zeit entgegen: „Vor dem Dresdner Rathaus flogen vereinzelte Feuerwerkskörper“, erinnert er sich an den 2. Oktober 1990. „Wer nicht bis Mitternacht warten konnte, ließ bereits die Sektkorken knallen.“

Die Hartmann-Lok Burgk Nr. 239 mit einem Güterwagen. Repro (hw) aus: Jürgen Schubert: Die Hänichener Kohlenbahn“/ Heimatmuseum Burgk

Meisterwerk sächsischer Eisenbahnkunst

Jürgen Schubert legt profunde Darstellung zur Geschichte der von Oberingenieur Guido Brescius konzipierten Hänichener Kohlenbahn vor Dresden. „Meine Verdauung kommt so pünktlich wie ein Zug in Deutschland“ – dieser Ausspruch des genialen Sonderlings und Eisenbahnfreaks Sheldon Cooper aus der US-Fernsehserie „The Big Bang Theory“ beweist einmal mehr, dass Drehbuchschreiber in Hollywood sehr klischeehafte Vorstellungen von Deutschland haben. Einheimische Kunden wissen, dass es mit der Pünktlichkeit bei der Bahn nicht mehr weit her ist.

Regionalgeschichts-Forscher Ivo Saganić in der Mitte August 2020 eröffneten neuen Dauerausstellung zur Öl-Destillerie Linardi. Foto: Magrit Dittmann-Soldičić/ http://stivantango.blogspot.com

Dresdner Destillierapparate am Meeresgrund vor Cres?

Dauerausstellung auf der Adria-Insel berichtet über das Destillier-Unternehmen „Linardi“ Dresden/Cres, 26. August 2020. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte eine Dresdner Firma – Volkmar Hänig & Comp., damals Zwickauer Straße – der Manufakturwirtschaft auf den Inseln der Kvarner Bucht in der Nordadria auf die Beine geholfen, wie unser Gastautor Mathias Bäumel auf unserem Portal Oiger im Sommer 2019 beschrieben hat. Ein Taucher hat nun berichtet, dass er am Grund der Bucht Zylinder entdeckt hat, die womöglich zu einer über 100 Jahre alten Destillier-Anlage aus Dresden gehören.

Entwurf zum Detailabschnitt "Tod des Generals Kraußhaar" für das Dresdner Panorama "Erstürmung von St. Privat am 18. August 1870" von Louis Braun. Repro (hw) aus: Ausstellungskatalog „Krieg. Macht. Nation, Sandstein-Verlag

Das Virtual-Reality-Kino der Kaiserzeit

1883 sorgte in Dresden das Rundbild „Die Erstürmung von St. Privat“ für Furore Dresden, 24. August 2020: Raffinierte 360-Grad-Panoramen mit 3D-Effekten sind keine Erfindung des Digitalzeitalters: Schon zu Kaiser Zeiten erfreuten sich Rundgemälde, auf denen Schlachten gezeigt wurden, großer Beliebtheit. Ein reichliches Jahrzehnt nach der Reichsgründung sorgte beispielsweise in Dresden ein Schlachten-Panorama, das ganz besonders den sächsischen Beitrag zum deutsch-französischen Krieg heraussstreichen sollte, für Furore.

Der Politikwissenschaftler Henry Krause ist seit Sommer 2020 Vorsitzender im Trägerverein der Gedenkstätte in der ehemaligen MfS-Bezirksverwaltung Dresden. Foto: Pawel Sosnowski für den Trägerverein

Neue Spitze für Gedenkstätte in Ex-Stasi-Zentrale Dresden

Der Politologe Krause folgt auf Ex-OB Wagner Dresden, 14. Juli 2020. Der Politologe Henry Krause ist neuer Vorsitzender im Trägerverein der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden. Das hat der Verein „Erkenntnis durch Erinnerung“ mitgeteilt. Krause löst den ehemaligen Dresdner Oberbürgermeister Herbert Wagner ab, der nicht mehr kandidieren wollte.

Dampfmaschine in einer Nussschale von 1893. Foto: Ralph Köhler für die SKD

Vom Berggeschrey zum Chip: 500 Jahre sächsische Industrietradition

Landesausstellung zeigt an sieben authentischen Schauorten die Boomphasen und Talfahrten der Wirtschaft in Sachsen Zwickau, 10. Juli 2020. Eine Dampfmaschine in der Nussschale, eine Maschinengewehr-Kamera und ein vibrierender, unermüdlich webender Textilmanufaktur-Saal sind nur einige der vielen technischen und künstlerischen Attraktionen, mit denen die heute in Zwickau eröffnete 4. Sächsische Landesausstellung „Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen“ aufwartet. Bis zum 31. Dezember 2020 können die Besucher an sieben authentischen Schauorten den industriellen Weg Sachsens vom „Berggeschrey“ bis zur Gegenwart erleben und sehen.

„Ritter der Revolution“, Arad, Rumänien, Dezember 1989, Foto: Mirko Krizanovic, F.A.Z., aus der Ausstellung "1989 Zeitenwende", SLPB

Der Umbruch 1989 im Foto-Fokus

Online-Ausstellung über die Zeitenwende im Ostblock in Aufnahmen des FAZ-Fotografen Mirko Krizanovic Dresden, 28. April 2020. Unter dem Titel „1989 Zeitenwende: Zwischen Friedlicher Revolution und Gewalt“ hat die sächsische Landeszentrale für politische Bildung (SLPB) heute in Dresden eine Fotoausstellung über die Umbrüche vor drei Jahrzehnten eröffnet – wegen der corona-Pandemie allerdings „nur“ als Internet-Schau. Die Exposition fokussiert sich darauf, wie unterschiedlich – mal gewaltlos und mal gewaltsam – der Zusammenbruch des Ostblocks und der kommunistischen Regime in der DDR, in Tschechien, Jugoslawien, Rumänien und anderen Ländern verlaufen ist. Zu sehen sind unter der Adresse slpb.de/zeitenwende insgesamt 43 zeitgenössische Aufnahmen des FAZ-Fotografen Mirko Krizanovic, die die Momente dieser Zeitenwende dokumentieren. Die Texte dazu hat der Dresdner Historiker Tim Buchen verfasst.

Die "Svalbard"-Radaranlage aus dem "Eiscat"-Programm, für das sich schon in den 1980er Jahren die Stasi interessierte. Foto: Togr, Wikimedia, CC3-Lizenz, creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Die Spione, die aus dem Norden kamen

Der finnischer Historiker Kimmo Elo hat mit moderner Datenanalyse alte Netzwerke der Stasi in Skandinavien rekonstruiert – und die Ergebnisse in Dresden vorgestellt. Dresden, 27. Februar 2020. Den ostdeutschen Genossen dabei helfen, den forschungsmäßigen Anschluss ans Westniveau zu finden? Klar: Als ihn dieser DDR-Kollege mit dem Decknamen „Rudolf“ von der Uni Jena 1982 danach fragte, war das für Dr. Onni Mäkinen* eine Frage der Ehre. Und vielleicht, so hoffte der finnische Kommunist und Physiker, würde ihm die legendäre „Hauptverwaltung Aufklärung“ (HVA) sogar dabei helfen, manch reaktionäres Element an seiner Uni zu neutralisieren, das seiner akadamischen Karriere schon seit Jahren im Wege stand. So kam es, dass der Stasi-Abgesandte wenig Mühe hatten, Mäkinen eines Abends alkoholisch abzufüllen und ihn zur Kooperation mit dem ostdeutschen Geheimdienst zu verpflichten. Selbst als der frischgebackene „IM Larsen“ aus seinem Rausch aufwachte, widerrief er die Verpflichtungserklärung nicht – und lieferte fortan bis kurz vor dem Zusammenbruch der DDR allerlei wichtige wie unwichtige Informationen nach Ostberlin… Pekka, Lanze und Larsen spionierten für Ostberlin Der finnische Forscher Dr. Kimmo Elo von der Universität …

Da kam es auf jede Speicherzelle an, die sich mit dem "Poke"-Befehl direkt beschreiben ließ: Der Heimcomputer "Z 9001" von Robotron musste in Kleincomputer KC85/1 umbenannt werden, da das Gerät recht rasch wieder aus dem Handel verschwand und nur noch an "gesellschaftliche Bedarfsträger" berkauft wurde. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

„Für mich war der Computer eine erstaunliche Zauberkiste“

Das Buch „Computer in der DDR“ von René Meyer liefert einen profunden Abriss über die ostdeutsche Rechentechnik und ihre Hypes. In den 1980er Jahren erfasste ein nahezu pandemischer Virus große Teile der ostdeutschen Jugend – ein eher gutartiger indes: Immer mehr Menschen in der DDR wollten auch wie die deutschen auf der anderen Seite der Grenze jene wundersamen Maschinen haben, die man Heimcomputer nannte. Und nachdem die ersten Westgeräte per Intershop und A&V-Laden in das Land einsickerten und schließlich auch Robotron Dresden und der VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ Mühlhausen eigene „Kleinstcomputer“ entwickelt hatten, gab es kein Halten mehr: Große Teile des DDR-Volkes verwandelten sich in Computer-Nerds… Wie das kam und was dahinter steckte, hat der Leipziger Autor René Meyer in „Computer in der DDR“ zusammengetragen. Erhältlich ist dieses sehr informative und gut recherchiere Buch gegen eine Versandpauschale, aber ansonsten gratis bei der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.