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So etwa stellen sich die Kreativwirtschaftler eine Zukunft der Robotron-Kantine Dresden als Open Future Lab vor. Der Umbau würde allerdings (mindestens) 14,5 Millionen Euro kosten. Visualisierung: wir-gestalten-dresden.de

4 Zukunftsoptionen für Robotron-Kantine Dresden

Kreativwirtschaftler stellen ihr „Open Future Lab“-Konzept vor Dresden, 4. Februar 2018. Die Kantine des früheren DDR-Computerkombinats Robotron in der Dresdner Innenstadt soll für 14,5 Millionen Euro zum „Open Future Lab“ umgebaut werden. Einen entsprechenden – allerdings unfinanzierten – Vorschlag wollen Vertreter des „Branchenverbands der Dresdner Kultur- und Kreativwirtschaft“ morgen im Kraftwerk Mitte vorstellen. Die Kantine soll demnach Veranstaltungssäle, Labore und Ausstellungsräume bekommen, in denen sich Forscher, Künstler, Jungunternehmer und Dresdner Bürger austauschen können.

Pol Pot nach seiner Gefangennahme (links) und als "Bruder Nummer 1" (links auf dem rechten Bild). Abb.: Absolut Medien

Charmante Mörder: Doku über Pol Pot auf DVD

Wie die Roten Khmer Kambodscha in eine idealisierte Steinzeit zurückzuwerfen versuchten Zwischen 1975 und 1979 errichteten die „Roten Khmer“ ein steinzeit-kommunistisches Terrorregime in Kambodscha: Sie entvölkerten die großen Städte, erschlugen Lehrer und andere Intellektuelle, löschten ganze Familien aus, schafften das Geld ab, sie schlossen Schulen, Krankenhäuser und Banken. Aus Pagoden machten sie KZs. Die volle Bilanz des Schreckens wurde erst offenbar, als die Vietnamesen einmarschierten und die Führungsclique um den „ersten Bruder“ Pol Pot vertrieben: Die roten Khmer hatten bis dahin schätzungsweise 1,7 Millionen von einst sieben Millionen Kambodschanern ermordet oder verhungern lassen. Der Filmemacher Adrian Maben hat den Aufstieg, den Fall und die Nachwehen des Pol-Pot-Regimes in einer dreiteiligen Dokumentation “Pol Pot und die Roten Khmer” festgehalten, die nun auf DVD erschienen sind.

Das Bildschirmfoto zeigt das Suchportal des Stadtarchivs Dresden. Hier zu sehen ist die Basteibrüce in der Sächsischen Schweiz in einer digitalisierten Ansicht von einer Postkarte, die wiederum auf einer um 1930 entstandenen Radierung von Artur Henne basiert. Gewissermaßen handelt es sich hier also um die Kopie der Kopie. Screenshot: hw

Stadtarchiv Dresden stellt Archivgut ins Netz

Als erstes gehen die Findbücher online, dann schrittweise mehr und mehr digitalisierte Karten, Fotos und Unterlagen Dresden, 26. Januar 2018. Das Stadtarchiv Dresden hat einen Teil seiner Findbücher und Archivalien für die Volltextsuche im Internet freigegeben. Historiker, Heimat- und Familienforscher und andere Nutzer können über das Portal archiv.dresden.de die Fundstellen – und teilweise auch Voransichten – von rund 170 000 Archivalien aus der über 800-jährigen Geschichte Dresdens recherchieren. „Darüber hinaus sind die ersten 5200 digitalisierten Archivalien kostenfrei abrufbar, darunter viele historische Landkarten“, informierte die Archivleitung.

Vor allem die modernen 300-mm-Fabriken von TSMC sind stark ausgelastet. Foto: TSMC

Chip-Aufholprogramm à la DDR gefordert

Deutsche Leitindustrien machen sich von USA und Taiwan zu abhängig, warnt der frühere Megabit-Entwickler Prof. Junghans Dresden, 26. Januar 2018. Sachsen, die Bundesregierung und die EU sollten ein großes Mikroelektronik-Programm auflegen, damit Europa und Deutschland endlich den Anschluss an die Weltspitze schafft. Das hat der Unternehmer und ehemalige Megabitchip-Entwickler Prof. Bernd Junghans bei einer Diskussionsrunde über die DDR-Mikroelektronik in Dresden gefordert, unterstützt von weiteren Altgranden der Dresdner Mikroelektronik. „Dafür muss man aber Mittel, Willen und gute Leute konzentrieren.“

Da ist die Freude groß: 1988 drückt Carl-Zeiss-Jena-Chef Wolfgang Biermann (Mitte) Erich Honecker den Megabit-Chip in die Hand. Abb.: ZMD-Archiv

Braucht Deutschland eine neue Halbleiter-Offensive?

Dresdner Entwickler des DDR-Megabitchips laden zur Diskussion über Mikroelektronik in Sachsen Dresden, 24. Januar 2018. Bis heute ist das DDR-Mikroelektronik-Programm umstritten: Zu teuer, sinnlos, eine Überforderung eines kleinen Landes, sagen die Einen. Die Anderen sagen: Megabit-Chip, 32-Bit-Programm und Co. waren für die ostdeutsche Volkswirtschaft im leistungsschwachen Ostblock alternativlos, waren letztlich die Keimzellen für den Aufschwung der sächsischen Halbleiter-Industrie nach der Wende – und auch heute brauche Deutschland eine ähnlich aktive Mikroelektronik-Wirtschaftspolitik. Die Entwickler des DDR-Megabit-Chips wollen über diese und andere Themen am 25. Januar ab 18 Uhr im Haus an der Kreuzkirche Dresden diskutieren. Die öffentliche Podiumsdiskussion widmet sich „Dresdner Lebensleistungen: Die Geschichten hinter der Entwicklung der Mikroelektronik in Sachsen“.

Michael Thieme zeigt Unterlagen, in denen sein Vater Hans Thieme die Experimente in den Deutschen Werkstätten Hellerau an Leichtbau-Furnierholzteilen dokumentiert hat. Foto: Heiko Weckbrodt

Leicht wie Holz

Schon im Krieg experimentierten Hellerauer Technologen mit Furnier-Leichtbau für die V1 und für Kampfflugzeuge Dresden, 23. Januar 2018. Die Studenten der Dresdner Unternehmung „Jungholz” sind nicht die ersten, die freigeformte Leichtbau-Werkstücke aus zahlreichen Lagen von Furnierhölzern herstellen: Die Deutschen Werkstätten Hellerau (DWH) setzten während des Weltkrieges eine Vorstufe dieser Technologie ein, um die Nazi-Flugbombe V1 leichter zu machen, und danach, um besonders elegante Stühle zu bauen. Darauf hat der Chemiker Michael Thieme hingewiesen, dessen Vater Hans Thieme an den damaligen Entwicklungen beteiligt war. Allerdings konnten die DWH-Holzexperten damals nur Furnierholz-Leichtbauteile in zwei Dimensionen frei formen und nicht wie heute in drei Dimensionen: Das Know-how und die Computeroptimierung, die in den jüngsten „Jungholz“-Formteilen stecken, fehlten damals noch.

DDR-Designer Karl Clauss Dietel bei einem Simson-Treffen. Foto: Stop Syling

„Stop Styling“: Vom Würfelradio bis zur S51

Crowdfunding-kofinanzierte Doku über DDR-Designer Dietel gibt’s nun als Video on Demand (VoD) Chemnitz, 8. Januar 2017. Gutes Produktdesign ist die hohe Schule in der Konsumgüter-Industrie: In aller Regel wird ein Radio, ein Auto oder ein Smartphone nur dann durchschlagende Resonanz finden, wenn Form und Funktion gleichermaßen den Käufer überzeugen. In der 45-minütigen Dokumentation „Stop Styling“ porträtieren Gregor Hutz und sein Team den DDR-Produktdesigner Karl Clauss Dietel, der eben diese Antipoden auch in der sozialistischen Mangelwirtschaft zu überbrücken verstand. Die durch den Internetschwarm auf „Startnext“ kofinanzierte Doku ist nun fertig und auf Vimeo gegen Entgelt ausleih- und kaufbar.

Studentenalltag in der DDR. Aus: Zwischen Humor und Repression

Aufrechter Gang war auch in der DDR möglich

Sammelband „Zwischen Humor und Repression“ skizziert in Zeitzeugenberichten den DDR-Alltag an der TUD und anderen Unis Die politisch gesetzten Grenzen und praktischen Spielräume an Universitäten zu DDR-Zeiten versuchen die Herausgeber Rainer Jork und Günter Knoblauch in ihrem neuen Sammelband „Zwischen Humor und Repression – Studieren in der DDR“ auszuloten. Darin schildern 84 ehemalige Studenten und Dozenten ihre Erlebnisse an der Technischen Universität Dresden (TUD) und weiteren ostdeutschen Unis vor der Wende. In verdienstvoller Fleißarbeit haben die Herausgeber diese subjektiven Erinnerungen durch zeitgeschichtliche Anmerkungen, Erläuterungen und einen Anhang über studentische Kultur in der DDR ergänzt.

Der C65-Prototyp mit Disketten-Laufwerk und RAM-Erweiterung. Foto: Enno Coners

Rarität der Heimcomputer-Ära: C65 aufgetaucht

Commodore wollte neues Zugpferd nach dem C64 entwickeln – setzte aber letztlich auf den „Amiga“ Winnenden, 31. Oktober 2017. Eine echte Rarität der Computer-Geschichte versteigert jetzt der Nerdkrimi-Verleger Enno Coners im Online-Auktionshaus „eBay“: einen C65. Den hatte Commodore ursprünglich als Nachfolger seines sehr erfolgreichen Heimcomputers C 64 konzipiert, die Entwicklung dann aber zugunsten des „Amiga“ eingestellt. „Ich wollte den C65 Mitte der 90er unbedingt haben“, erinnert sich Coners. „Damals zum Arbeiten, weil er zwei Soundchips hat. Habe damals gerne Musik auf dem C64 gemacht.“

Rund zehn laufende Kilometer Stasi-Akten verwahrt die Dresdner BStU-Außenstelle. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Geheime Ablage der Stasi

Fehltritte in den eigenen Reihen legte der ostdeutsche Geheimdienst gesondert ab Dresden, 24. Oktober 2017. Fehltritte eigener Agenten galten der ohnehin geheimniskrämerischen Stasi als so brisant, dass sie für ihre Archivierung solcher Vorfälle 1953 eine spezielle „Geheime Ablage“ einrichtete. „Ausschlaggebend dafür waren vermutlich die Erfahrungen der Geheimpolizei während des Volksaufstandes vom 17. Juni, als Aufständische einige MfS-Dienststellen stürmten und ihnen Akten und Karteikarten in die Hände fielen“, mutmaßt die Behörde des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (BStU).

Mit Super-Lasern wie dem Draco und Penelope wollen die Rossendorfer Forscher sehr kompakte Protonenbeschleuniger konstruieren, die zum Beispiel Hirnkrebs-Therapien auch in kleineren Krankenhäusern möglich machen sollen. Foto: HZDR/Jürgen Lösel

Vom DDR-Atomtraum zum planetaren Schutzschild

25 nach dem Neustart: Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf feiert neue Weichenstellung nach der Wende Dresden, 12. Oktober 2017. Was einst als Wiege eines DDR-Atomprogramms gedacht war, ist heute ein deutschlandweit führendes Zentrum für Materialforschung, modernste Krebstherapien, Ressourcen-Wiedergewinnung, Supercomputer-Simulationen und andere Disziplinen: Mit einem Symposium, Vorträgen und Filmvorführungen am 12. und 13. Oktober feiert das heutige Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) seinen Neustart vor 25 Jahren. Damals entstand aus dem Zentralinstitut für Kernforschung (ZfK) der DDR das „Forschungszentrum Rossendorf“ (FZD), das 2011 schließlich in die Helmholtz-Gemeinschaft wechselte. Die Belegschaft hat sich seither auf rund 1000 Mitarbeiter verdoppelt – darunter 30 Professoren. Das Gesamtbudget betrug im Jahr 2016 rund 130 Millionen Euro – inklusive 20 Millionen Euro aus Projekt- und Drittmitteln.

Dieser Leiterwagen steht für viele Tausende seiner Art, mit denen Flüchtlinge aus Pommern und Schlesien das Land Sachsen erreichten. Foto: Peter Weckbrodt

Massenflucht nach II. Weltkrieg im Fokus

Workshop im HAIT Dresden eröffnet Forschungsprojekt Dresden, 9. Oktober 2017. Aus Anlass der aktuellen Flucht- und Wanderbewegungen in Asien, Europa und Afrika wollen Historiker des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung gemeinsam mit Kollegen aus Erfurt und Siegen einen genaueren Blick auf die Massenflucht, Vertreibung und Zwangsmigration im Mitteldeutschland der Nachkriegszeit werfen.

Prof. Thomas Lindenberger. Foto: ZZF Potsdam

Neuer Direktor für Hannah-Arendt-Institut Dresden

Totalitarismus-Forscher Thomas Lindenberger beendet einjährige Vakanz Dresden/Potsdam, 20. September 2017. Der Potsdamer Historiker Thomas Lindenberger leitet ab dem 1. Oktober 2017 das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität (HAIT). Das hat das sächsische Wissenschaftsministerium heute mitgeteilt. Prof. Lindenberger kommt vom Leibniz-Institut für Zeithistorische Forschung (Potsdam/ZZF), wo er seit 2012 die Abteilung „Kommunismus und Gesellschaft“ leitet. Außerdem ist er außerplanmäßiger Professor für „Neuere Geschichte“ an der Universität Potsdam.

Vielen Wismut-Kumpeln war überhaupt nicht bewusst, wie gesundheitsgefährdend ihre Arbeit wirklich war. Dieses Foto entstand um das Jahr 1960 und zeigt einen Wismut-Hauer, der Uran-Erze radiometrisch sortiert. Fotorechte: Wismut GmbH

Atombomben, Strahlung, Altlasten: Was von der Wismut bleibt

Sachsen und Thüringen wollen Geschichte des deutsch-sowjetischen Unternehmens aufarbeiten Dresden, 20. September 2017. Jahrelang baute die Wismut in der DDR für das sowjetische Atombomben-Programm Uran ab. Zurück blieben verstrahlte Böden und eher notdürftig versiegelte Halden. Seit der Wende flossen bereits über sechs Milliarden Euro in die Sanierung der Altlasten. Bevor aber endgültig der Deckel auf die Wismut-Altlasten draufkommt, wollen der Bund sowie die Freistaaten Sachsen und Thüringen die Weichen stellen, um die Geschichte dieses ungewöhnlichen Unterternehmens aufzuarbeiten. Eine entsprechende „Absichtserklärung zum künftigen Umgang mit dem Wismut-Erbe“ haben heute der Wirtschafts-Staatssekretärin Iris Gleicke, der sächsische Finanzminister Georg Unland (CDU), die Thüringer Finanzministerin Heike Taubert SPD) sowie die Wismut.-Chefs Stefan Mann und Rainer M. Türmer auf der Festung Königstein nahe Dresden unterzeichnet. Das hat das sächsische Fiannzministerium mitgeteilt.

DDR-Staatssekretär Karl Nendel sieht sich als "General der Mikroelektronik" - und hat damit seine Autobiografie übertitelt. Repro: hw

„Die Wirtschaft muss man militärisch führen“

Karl Nendel, der ehemalige „General“ der DDR-Mikroelektronik, packt in seiner Autobiografie aus Im eigenen Verständnis ihrer Lenker war die DDR-Ökonomie eine Planwirtschaft, im Verständnis vieler westdeutscher Kritiker war sie eine Kommandowirtschaft. Die neuere Forschung spricht eher von einer Zentralverwaltungswirtschaft. Die Wahrheit liegt sicher irgendwo in der Mitte. Dass das Wort von der „Kommandowirtschaft“ aber mehr als bloße Polemik ist, untermauert nun einer der damaligen Protagonisten und Strippenzieher: Der ehemalige DDR-Staatssekretär Karl Nendel hat unter dem bezeichnenden Titel „General der Mikroelektronik“ aufgeschrieben, wer er Betriebsdirektoren auf Plan-Linie brachte, hoch Aufgestiegene zu Fall brachte und die Entwicklung des Megabit-Chips, des 32-Bit-Prozessors und anderer SED-Prestigeprojekte vorwärtspeitschte.