Kommentar & Glosse, Umweltschutz und Ökologie, zAufi

Klimadebatte: Warum wir die Welt und nicht uns selbst retten

Die Aufnahme zeigt aktive Zonen unserer Sonne. Solar Dynamics Observatory, NASA

Falschfarben-Abbildung unserer Sonne. Solar Dynamics Observatory, NASA

Ein Kommentar – und Versuch einer Provokation

„Planet in Gefahr. Der Klimawandel bedroht unserer Welt. Können wir sie noch retten?“ Diese Panik erzeugende beziehungsweise verstärkende Schlagzeile schmückte die Seite 1 der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 15. August 2021. Angesichts der Tatsache, dass diese renommierte deutsche Zeitung über ein Wissenschaftsressort mit durchaus kompetenten Redakteuren verfügt, kann solch ein Aufmacher nur Kopfschütteln hervorrufen. Der reißerischen Frage, ob wir die Welt noch retten können, soll die These entgegengestellt werden, dass es erstens nicht möglich wäre und zweitens auch gar nicht nötig ist.

Zunächst gilt es, sich zu vergewissern, wovon die Rede ist, wenn über das Klima geforscht und debattiert wird. Eine knappe lexikalische Definition des Duden kann hier genügen.[1]

  • Klima: Gesamtheit der meteorologischen Erscheinungen, die den mittleren Zustand der Atmosphäre an der Erdoberfläche kennzeichnen.
    Das Klima ist eine Folge der physikalischen Vorgänge in der Atmosphäre infolge der Sonneneinstrahlung. Es wird durch eine Reihe von Klimafaktoren beeinflusst. Dazu gehören: die geographische Breite, die Verteilung von Festland und Meer, Meeresströmungen, Geländeprofil, Vegetation und Bebauung. Die wichtigsten quantifizierbaren Charakteristika sind Temperatur und Niederschlag.

Der Planet, dessen Klima in ständigem Wandel begriffen ist, ist nicht in Gefahr. Der augenblicklich herrschende Klimawandel bedroht nicht die Welt als solche. Allein mit dem Schulwissen, dass es in der Erdgeschichte Warm- und Kaltzeiten gab, die einander abwechselten, lässt sich Gelassenheit in einer zur Klimahysterie neigenden Gesellschaft bewahren. Das Ende der letzten Eiszeit liegt etwa 12.000 Jahre zurück, weiß der „Normalbürger“. Er weiß auch, dass die Menschen auf das Vordringen der Eismassen reagierten. Sie verließen Regionen, in denen die Voraussetzungen für ihr Überleben nicht mehr gegeben waren, oder passten sich an, wie beispielsweise die Inuit auf Grönland.[2] Sie sicherten erfolgreich ihr Überleben. Das alles hätte auch Greta Thunberg in der Schule lernen können. Stattdessen rief diese Ikone der Klimaaktivisten weltweit dazu auf, in Panik zu verfallen.

Dieses Schulwissen genügt auch, die naiv klingende Frage zu stellen, warum der moderne Mensch offenbar nicht in Lage ist, eine geordnete und zielführende Migration zu organisieren und sich eine Anpassung an die zu erwartenden klimatischen Veränderungen zuzutrauen. Klimaforschung und Klimamanagement vollziehen einen Paradigmenwechsel, wonach es nicht mehr darum gehe, die Existenz des Menschen in einer sich verändernden Umwelt zu sichern, sondern stattdessen die Welt als Ganzes vor dem Untergang zu bewahren. Letzteres gehört in die Kategorie menschlicher Allmachtsphantasien, denn es übersteigt seine materiellen und immateriellen Fähigkeiten.

Geschichte und Zukunft des Klimas dieser Erde

Die moderne Klimaforschung beschäftigt sich mit einem ausgesprochen komplexen Phänomen und nimmt alle Faktoren in den Blick, die auf das Klima einwirken. Über die in der knappen lexikalischen Definition genannte Sonneneinstrahlung hinaus werden auch weitere Energiequellen einbezogen. Die Sonne führt der Erdoberfläche „von außen“ kontinuierlich gewaltige Energiemengen zu. Aus dem Inneren der Erde liefert der flüssige Erdkern durch Wärmeleitung gleichfalls ununterbrochen Energie an die Oberfläche, wenn auch in vergleichsweise bescheidener Menge von etwa 65 Milli-Watt pro Quadratmeter.[3] Darüber hinaus gibt es auch zufällig stattfindende und eruptiv ablaufende Prozesse, die ihre Energie in Form von flüssigem Gestein und Asche freisetzen. Vulkanismus ist an vielen Orten dieser Welt als lokales Ereignis zu beobachten. Auch die mit dem Begriff Plattentektonik beschriebene ständige Veränderung von Lage und Größe der Kontinente und Ozeane führte in der Erdgeschichte mehrfach zu dramatischen Konsequenzen für das Weltklima.

In dem Bemühen, eine Klimageschichte der Erde zu schreiben, bedienen sich die Forscher vor allem der Methoden und Instrumentarien, die von den naturwissenschaftlichen Disziplinen Physik und Chemie entwickelt wurden. Der Energiefluss von außen, also von der Sonne, fällt in den Bereich der Physik. Bei der Deutung der Prozesse in der Atmosphäre, vor allem wenn sie eruptiv „von innen“ ausgelöst wurden, dominiert die Chemie.

Im Zeitalter der Digitalisierung entwickeln die Klimaforscher Computermodelle für Prognosen, wie sich das Klima in der Zukunft gestalten müsste. Auf das generelle Problem solcher Modelle, nämlich die Quantifizierung der relevanten Parameter, soll an dieser Stelle nur hingewiesen werden. Die Messgenauigkeit sowie die daraus folgenden Fehlergrenzen der Ergebnisse werden, so mein Eindruck, in den populärwissenschaftlichen Beiträgen kaum beachtet.

Sonne und Erdkern – die Energiequellen der Erde

  • Als die größte Energiequelle liefert die Sonne pro Jahr eine Energiemenge von etwa 1,5 x 1018 Kilowattstunden (kWh) auf die Erdoberfläche. Diese Energiemenge entspricht mehr als dem 10.000-fachen des Weltenergiebedarfs der Menschheit im Jahre 2010 (1,4 × 1014 kWh/Jahr).

Die von der Sonne auf die Erde treffende Energiemenge ist aus unterschiedlichen Gründen keine Konstante. Zum einen ist die Sonnenaktivität Schwankungen unterworfen (Stichworte: Jahr der aktiven Sonne, Sonnenflecken) und zum anderen ändern sich auch die Umlaufbahn der Erde um die Sonne und die Neigung der Erdachse. Die beiden Letzteren hat der Mathematiker Milutin Milanović untersucht und drei Zyklen identifizieren können:

  1. Die Exzentrizität der Umlaufbahn schwankt in Perioden von ca. 413.000 und ca. 100.000 Jahren.
  2. Die Neigung der Erdachse schwankt in Perioden von ca. 41.000 Jahren zwischen 21,5o und 24,5o.
  3. Die Erdachse taumelt in Perioden von ca. 26.000 Jahren.

Nur die Schwankungen der Exzentrizität haben Einfluss auf die Menge der auf die Erde treffenden Sonnenenergie. Die Neigung der Erdachse hingegen ist verantwortlich dafür, welche Regionen, Nord- oder Südhalbkugel, mehr oder weniger Energie erhalten.

Der Mensch nutzt vor allem die im Laufe der Erdgeschichte, die immer auch eine Klimageschichte war, in der äußeren Erdkruste gebildeten sogenannten fossilen Energieträger. Darüber hinaus gehört neben diesen fossilen Brennstoffen, wie Erdöl, Kohle, Erdgas, und den Kernbrennstoffen Uran und Plutonium auch die sogenannte Biomasse zu den primären Energieträgern.

Energiebedarf der Menschheit

Zum Energieverbrauch der Menschheit findet man im Internet zahlreiche Statistiken. Um die Größenordnung deutlich zu machen sei hier eine dieser Quellen zitiert[4]:

  • Im Jahre 2019 wurde eine Primärenergie von etwa 13,9 Milliarden Tonnen Rohöl-Einheiten (engl. Mtoe) verbraucht, und die Weltbevölkerung betrug 7,7 Milliarden Menschen. Das ergab einen täglichen Energieverbrauch von 58 kWh als Durchschnittswert pro Kopf der Weltbevölkerung.

Die insgesamt im Jahr auf der Welt erzeugte Energie beträgt gegenwärtig etwa 14.000 Mtoe.[5] Das sind, in physikalischen Einheiten ausgedrückt, ca. 1,5 x 1014 kWh. Welche dieser primären Energieträger in den unterschiedlichen Regionen auf der Erde vorrangig genutzt werden, ist für die grundsätzlichen Betrachtungen nicht von Bedeutung.

Klima als Gegenstand der aktuellen Forschung

Wie entsteht bei einem Physiker, der kein Klimaforscher ist, sondern deren Forschungsergebnisse vor allem durch die Medien interessiert bis beunruhigt zur Kenntnis nimmt, der Eindruck einer monokausalen Betrachtungsweise des hochkomplexen Systems Klima? Die Klimaforscher, so der Tenor der öffentlichen Darstellung, postulieren nicht nur einen monokausalen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der mittleren Temperatur nahe der Erdoberfläche und dem CO2-Gehalt der Erdatmosphäre, sondern „erklären“ damit auch einige Katastrophen der letzten Jahrzehnte. Diese Reduktion von Komplexität auf Monokausalität, so die Befürchtung, müsste sich auch auf die Zuverlässigkeit von Computermodellen der Spezialisten niederschlagen.

Jürgen Paeger, Biologe und Berater für betrieblichen Umweltschutz, bricht die Modelle, Thesen und Methoden der Klimaforscher auf eine anschauliche Ebene herunter und erklärt dabei die Klimageschichte der Erde und den gegenwärtigen Klimawandel auf populärwissenschaftlichem Niveau.[6] „Eine entscheidende Rolle bei der Temperaturregulation der Erde spielt der anorganische Kohlenstoffkreislauf“, argumentiert Paeger. Letztlich seien das die sogenannten Treibhausgase, vor allem Methan und Kohlendioxid. Die bereits erwähnte Behauptung eines monokausalen Zusammenhangs zwischen dem CO2-Gehalt der Atmosphäre und der Temperaturverteilung in der Nähe der Erdoberfläche ist die zentrale These der Klimaforscher. Die Quantifizierung dieser Korrelation zwischen einem Parameter, der nur als relative Größe Sinn hat (CO2-Gehalt der Atmosphäre), und der absoluten Größe Temperatur, die nur im Prozentbereich schwankt, nämlich wenige Grad bei einem Wert von etwa 300 Kelvin, sollte in Anbetracht der in Rechnung gestellten Zeiträume von hunderten Millionen Jahren nicht ohne eine sorgfältige Abschätzung der jeweiligen Fehler bei der Messung beziehungsweise Zuordnung dieser Größen sinnvoll sein.

Wie Temperaturreihen für die Zeiten vor dem Thermometer entstehen

Eine gängige Methode der Klimavergangenheits-Forschung zur (indirekten) Temperaturbestimmung ist die Analyse von Eisbohrkernen. Dabei ziehen die Paläoklimatologen Rückschlüsse aus dem Verhältnis der Sauerstoffisotope 18O und 16O aufgrund unterschiedlicher Verdunstungsraten. Eine weitere Methode ist die Messung des Gehalts an Treibhausgasen in eingeschlossenen Luftbläschen. Darüber hinaus wird auch das Sauerstoff-Isotopenverhältnis in den Kalkschalen fossiler Meerestiere in Tiefseesedimenten zur Abschätzung der Temperatur in Zeiträumen benutzt, die bis zu 200 Millionen Jahre zurückreichen. Die Halbwertszeiten von Isotopen der verschiedenen Elemente des Periodensystems als Maß für deren Lebensdauer sind bekannt. Die Altersbestimmung derartiger Proben ist jedoch nur das eine Problem, ein anderes ist die Verallgemeinerung der an einem einzigen Ort der Welt ermittelten Klimaparameter auf die Welt als Ganzes.

Ebenso wie die Halbwertszeiten der in Frage kommenden Isotope sind die temperaturabhängigen Geschwindigkeiten der chemischen Reaktionen des Kohlenstoffkreislaufs im Labor mit hinreichender Genauigkeit zu bestimmen. Innerhalb dieses Kreislaufs, so die Behauptung, finden an mehreren Stellen Rückkopplungen statt.

Zunächst einmal sei eine kleine Zahlenspielerei mit Klimadaten aus dem Wostok-Eisbohrkern[7] eingefügt, auf die sich Jürgen Paeger bezieht:

In den letzten 400.000 Jahren schwankte die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zwischen 200 und 300 Teilchen pro Million (parts per million = ppm), verbunden mit Temperaturänderungen zwischen – 8 und + 4 Kelvin. Das heißt, die CO2-Konzentration schwankte um 100 : 200 = 50 %, die Temperatur um 12 : 300 = 4 %. Als Folge der weltweiten Industrialisierung, so Paeger, sei zwischen 1960 und 2020 die CO2-Konzentration auf dem Mauna Loa auf Hawaii[8] um etwa 140 ppm (ca. 47 %) gestiegen und die Erdoberfläche habe sich um etwa 0,9 K (0,3 %) erwärmt.

Die Behauptung eines monokausalen Zusammenhanges in einem hochgradig komplexen Phänomen konterkariert meines Erachtens den Anspruch eines großen Teils der Klimaforscher, nach den Standards zeitgemäßer Wissenschaft zu arbeiten. Die Prognosen der Klimaforscher, oder des Teiles von ihnen, der den Mainstream bestimmt, stellen, wie gezeigt, einen solchen monokausalen Zusammenhang zwischen dem CO2-Gehalt der Erdatmosphäre und der mittleren Erdtemperatur her – eine Reduktion, die wegen der Tragweite der daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen mehr als waghalsig ist. Wenn noch dazu der Mensch als alleiniger Verursacher einer die Welt an den Rand des Abgrundes führenden Klimawandels identifiziert wird, sollte dieser nun endlich auch in meine Überlegungen einbezogen werden. Nach Auffassung namhafter Paläotologen existiert der Homo Sapiens seit etwa 300.000 Jahren,[9] erlebte also den oben beschriebenen Zeitraum, den der Wostok-Eisbohrkern abbildet.

Auch die vom Inneren der Erde ausgehenden Klima-Anomalien versuchen die Klimaforscher in das Modell des anorganischen Kohlenstoffkreislaufs einzupassen. Dabei gilt es, Mechanismen zu konstruieren, wie diese flüssigen oder staubförmigen Energieträger zur Bildung oder auch Rückbildung von Treibhausgasen beitragen. In der folgenden Tabelle sind einige solcher Klimaanomalien aufgeführt und kurz charakterisiert.

Anomalie Zeitpunkt Ursache (Schlagworte)
Schneeball-Erde

Vereisung der gesamten Erde (bis hin zum Äquator)

Drei Eiszeiten vor 750 bis 580 Millionen Jahren Zerbrechen des Superkontinenten Rodinia;
Zyklen von Abkühlung und Erwärmung werden spekulativ erklärt (Kohlendioxid, Methan, Rückkopplung); Ende infolge Plattentektonik.
Kohlenstoffspeicher Vor 400 bis etwa vor 55 Millionen Jahren Sedimentation mehrzelliger Tiere, Korallenriffe; Wälder und Gräser (Brände) als neuer Regelkreis
Klimawandel Vor 55,8 Millionen Jahren Treibhauseffekt durch Methangas – plötzliche Erwärmung um 5 bis 6 K
Dauerhafte Abkühlung,

Erste Eisschilde auf der Antarktis, später auf Grönland

Beginn vor etwa 35 Millionen Jahren Verwitterung infolge der Kollision der indischen mit der europäischen Kontinentalplatte; Abschwächung des Treibhauseffektes

Fallbeispiel Eiszeiten

Die Geschichte des „Eiszeitalters“, das vor etwa 2,6 Millionen Jahren begann, „wohl durch den Zusammenstoß Nord- und Südamerikas“, sei, wie Paeger argumentiert, „das am besten untersuchte Beispiel für das Verhalten der Erde als komplexes System“. Infolge des Zusammenschlusses dieser beiden Subkontinente bildete sich der warme Golfstrom. Der wiederum bewirkte eine „geänderte Wärmeverteilung“ und „die Entstehung dauerhafter Eisflächen auch auf dem Nordpolarmeer“. Darüber hinaus habe es eine „besonders kalte Stellung der Erde“ infolge der Milanović-Zyklen gegeben.

Zu Beginn einer Kaltzeit spielen vor allem physikalische Faktoren eine Rolle. Durch die sinkende Temperatur kühlt sich das Meerwasser ab und nimmt mehr CO2 aus der Luft auf. Später dann spielen biogeochemische Faktoren (eisenhaltiger Staub als Dünger für das Phytoplankton) eine zentrale Rolle. Geht die Kaltzeit zu Ende, kehren sich diese Prozesse um. So stringent und qualitativ einleuchtend das Wechselspiel von Temperatur und Treibhausgasen (Wasserdampf, Methan, Kohlendioxid) auch immer sein mag, es ist wohl nicht quantifizierbar. Beginn und Ende einer Kaltzeit, und das kann als sicher gelten, werden von der Sonne bestimmt.

Weltklimarat und Politik

Seine Überzeugung, dass der Mensch hinter dem Klimawandel stecke, begründet Paeger mit Fakten und Argumenten des Weltklimarats. Hier ein Auszug aus seinem bereits zitierten Aufsatz: „Im UN-Klimareport 2013/2014 wurde zusammenfassend dargestellt, welchen Einfluss nach heutigem Wissen die verschiedenen vom Menschen verursachten wie auch natürliche Ursachen auf den Klimawandel haben. Vergleichsbasis ist der Strahlungsantrieb, die durch die verschiedenen Faktoren ausgelöste Änderung des Energiehaushaltes der Erde (gemessen in Watt pro Quadratmeter) – ein positiver Strahlungsantrieb führt zu einer Energieaufnahme, also einer Erwärmung der Erde, ein negativer Strahlungsantrieb zu einer Energieabgabe, also einer Abkühlung.“

Die folgende, von Paeger ins Deutsche übertragene und publizierte, tabellarische Übersicht aus dem UN-Klimareport 2013/2014 ist unter anderem deshalb bemerkenswert, weil die letzte Spalte zumindest einen Eindruck davon vermittelt, wie sicher sich die Experten ihrer eigenen Aussagen sind.

Die wichtigsten Faktoren, die den Klimawandel verursachen

Schätzung des Strahlungsantriebs verschiedener Treiber des Klimawandels im Jahr 2011.

Die schwarzen Rauten geben die beste Schätzung an, die Linien stellen die Unsicherheiten dar. Rechts stehen die Zahlenangaben (Unsicherheiten in Klammern) in Watt/m², ganz rechts ist das Ausmaß des wissenschaftlichen Verständnisses (AWV) dargestellt. SH steht für sehr hoch, H für hoch, M für mittel und N für niedrig. Ganz unten ist die Abschätzung der Summe der vom Menschen verursachten Klimaveränderungen für die Jahre 1950, 1980 und 2011 dargestellt.

„Diese Abbildung verdeutlicht“, so Paeger, „zwei wichtige Forschungsergebnisse: Sie zeigt zum einen, wie gering bei der aktuellen Klimaerwärmung der Beitrag natürlicher Faktoren (das umfasst nicht nur Schwankungen der Sonneneinstrahlung, sondern z. B. auch Vulkanausbrüche) im Vergleich zum Einfluss des Menschen ist: Der weitaus größte Teil der Erderwärmung ist vom Menschen verursacht. Sie zeigt aber auch, dass es menschliche Einwirkungen gibt, die die Erderwärmung vermindern: Partikel in der Luft (Aerosole).“[10]

Als Anhang füge ich für diejenigen, die ein wenig tiefer loten möchten, eine vergleichbare Zusammenstellung aus dem Bericht des Weltklimarats von 2021 bei.[11] Aufgrund unterschiedlicher Bezugsjahre (1750 bzw. 1850) und Vergleich der beobachteten Erwärmung der Erde mit den Ergebnissen methodisch unterschiedlich angelegter Studien ist die Bewertung nicht gerade einfach. Spontan neige ich dazu, in den unterschiedlichen quantitativen Werten eine Bestätigung der Unsicherheit von Computermodellen zu sehen, obwohl beide Modelle in den grundsätzlichen Aussagen (qualitativ) übereinstimmen. Dennoch halte ich es für hochgradig spekulativ, 1,5 Grad als gerade noch verkraftbare Obergrenze für die Erwärmung der Erde festzulegen.

Die Panikreaktionen der Öffentlichkeit, befeuert durch die von den Medien geschickt in Szene gesetzten Ängste einer pubertierenden Schwedin, sind in jedem Fall nicht nur übertrieben, sondern auch in keiner Weise gerechtfertigt. An Absurdität kaum noch zu überbieten ist allerdings der deutsche „Atomausstieg“, der Abschied von einer CO2-freien Energiequelle, der sich als deutscher Sonderweg in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit erweisen könnte. Zumindest als bedenklich ist darüber hinaus die Tatsache zu werten, dass trotz des behaupteten Ernstes der Lage im Bericht des Weltklimarats von 2021, auf den 42 Seiten seiner Empfehlungen für die Politik, der Begriff Kernenergie nicht ein einziges Mal auftaucht.

Die deutsche Klimapolitik gehört mit ihrer wechselseitigen Instrumentalisierung von Wissenschaft und Politik in die Lehrbücher der politischen Wissenschaften. So ließ sich die Bundeskanzlerin ihre irrationale Entscheidung zum Ausstieg aus der Kernenergie nach dem Tsunami, der 2011 in japanischen Kernkraftwerken einen nuklearen GAU auslöste, im Nachhinein durch die „Ethikkommission Sichere Energieversorgung“ absegnen, in der kein einziger Kernenergieexperte saß.[12]

Wer die Fragestellung von Wissenschaftlern für sinnvoll hält, ob es Leben auf dem Mars gegeben hat, und Forschungsmittel dafür bereitstellt, impliziert die Einsicht, dass Leben auf den Planeten unseres Sonnensystems nur in einem begrenzten Zeitfenster möglich ist. Ein Fenster, über dessen Öffnung man spekulieren und forschen kann, dessen Schließung aber nicht prognostizierbar zu sein scheint. Die Besiedlung eines bereits abgestorbenen Planeten durch den Menschen gehört unter diesen Gesichtspunkten nicht einmal in den Bereich von Sciencefiction.

Zu guter Letzt folgten auch die obersten deutschen Richter dem Mainstream und forderten den Gesetzgeber zu Nachbesserungen im langfristigen Klimaschutz auf. Mit Beschluss vom 29. April 2021 hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts entschieden, „dass die Regelungen des Klimaschutzgesetzes vom 12. Dezember 2019 über die nationalen Klimaschutzziele und die bis zum Jahr 2030 zulässigen Jahresemissionsmengen insofern mit Grundrechten unvereinbar sind, als hinreichende Maßgaben für die weitere Emissionsreduktion ab dem Jahr 2031 fehlen“.[13] Diesen Beschluss interpretierten die Klimaaktivisten umgehend als Ermächtigungsgesetz.

Fazit

Im Hinblick auf die aufgeheizte und politisch-ideologisch instrumentalisierte Klimadebatte in Deutschland gilt es zwischen den vom Menschen zu beeinflussenden Klimafaktoren und solchen zu unterscheiden, denen er nicht gewachsen ist. An dieser Stelle sei auf den zwar vorhersehbaren, aber nicht zu verhindernden Zusammenprall der Erde mit einem massereichen Kometen verwiesen.

Das hohe Maß an Unsicherheit in den Prognosen der Klimaforscher entbindet die Menschheit allerdings nicht davon, mit aller Konsequenz einen Lebensstil anzustreben, der Rücksicht auf die Endlichkeit derjenigen Ressourcen dieser Welt nimmt, die menschliches Leben in der von uns so geschätzten Art und Weise erst ermöglichen.

„Es ist fünf vor zwölf“, trompeten die Medien und posaunen die Klimaaktivisten. Was soll man tun, wenn der Weltuntergang vor der Tür steht? Sollte man Elektroautos kaufen, sich das Denken abgewöhnen und ergeben an die durch Photovoltaikmodule und Windkraftanlagen geprägte neue Architektur- und Landschaftsästhetik gewöhnen, oder vielleicht doch klamm heimlich die Kernkraftwerke wieder hochfahren?

Abschließend soll noch einmal Jürgen Paegers zu Wort kommen. Die Klimageschichte lehre, so schrieb er 2019, dass Klimaveränderungen sich mit großer Geschwindigkeit vollziehen können. Das sei ein gutes Argument dafür, „den vom Menschen gemachten Klimawandel nicht ungebremst weitergehen zu lassen“.[14] Zwei Jahre später bilanzierte er seine Einsichten über den Anstieg der mittleren Jahrestemperatur so: „Wenn nicht bald entschieden gehandelt wird, könnte es 4 oder 6 Grad wärmer werden. […] Das wäre eine Erde, wie sie die Menschheit noch nicht kennt.“[15] Das klingt nicht nach Apokalypse, auch nicht nach „fünf vor zwölf“.

Ein chinesischer Spruch hat mich vor vielen Jahren durch eine persönliche Krise getragen: „Wenn man unglücklich ist, gibt es zwei Wege, seine Lage zu verändern: entweder man verbessert die Lage oder man verbessert seine Auffassung davon. Das erste kann man nicht immer, das zweite steht immer in unserer Macht.“ Ich verstehe das immer noch als Ermutigung, besonnen und nicht kopflos durchs Leben und die Welt zu gehen. Eine Welt, um die ich mir keine Sorgen mache, wohl aber um den Menschen, der glaubt, sie retten zu müssen.

Anhang:

Die beobachtete Erwärmung wird durch Emissionen aus menschlichen Aktivitäten
angetrieben, wobei die Erwärmung durch Treibhausgase teilweise durch die
Abkühlung durch Aerosole überdeckt wird.

Spalte a) Beobachtete Erwärmung 2010-2019 im Vergleich zu 1850-1900
Spalten b und c: Beiträge zur Erwärmung auf der Grundlage zweier komplementärer Ansätze, wobei
Spalte b) Aggregierte Beiträge zur Erwärmung 2010-2019 im Vergleich zu 1850-1900, ermittelt aus Zurechnungsstudien enthält, und Spalte c) Beiträge zur Erwärmung 2010-2019 im Vergleich zu 1850-1900, bewertet aus Studien zum Strahlungsantrieb.

Tafel a): Beobachtete globale Erwärmung (Anstieg der globalen Oberflächentemperatur) und ihr sehr wahrscheinlicher Bereich.
Tafel b): Beweise aus Attributionsstudien[16], die Informationen aus Klimamodellen und Beobachtungen zusammenfassen. Die Tafel zeigt die Temperaturveränderung, die dem gesamten menschlichen Einfluss zugeschrieben wird, Änderungen gut gemischter Treibhausgaskonzentrationen, andere menschliche Einflüsse aufgrund von Aerosolen, Ozon und Landnutzungsänderungen (Landnutzungs-Reflexion), solare und vulkanische Einflüsse und interne Klimavariabilität. Die „Schnurrhaare“ zeigen die wahrscheinlichen Bereiche.

Tafel c): Beweise aus der Bewertung des Strahlungsantriebs und der Klimasensitivität. Die Tafel zeigt Temperaturveränderungen durch einzelne Komponenten des menschlichen Einflusses, einschließlich der Emissionen von Treibhausgasen, Aerosolen und ihren Vorläufern, Landnutzungsänderungen (Landnutzungsreflexion und Bewässerung) und Kondensstreifen aus der Luftfahrt. Die „Schnurrhaare“ zeigen sehr wahrscheinliche Bereiche an. Die Schätzungen berücksichtigen sowohl die direkten Emissionen in die Atmosphäre als auch deren Auswirkungen, so vorhanden, auf andere Klimatreiber. Bei Aerosolen werden sowohl direkte (durch Strahlung) als auch indirekte (durch Wechselwirkungen mit Wolken) Wirkungen berücksichtigt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Duden – das neue Lexikon in 10 Bänden, Mannheim 1996, S. 1821.
  2. Die Besiedelung Grönlands im Mittelalter geht zeitlich mit der Mittelalterlichen Warmzeit zwischen 950 und 1250 n. Chr. einher. Es folgte die von 1550 bis 1850 dauernde „Kleine Eiszeit“.
  3. https://www.geothermie.de/geothermie/einstieg-in-die-geothermie/terrestrischer-waermestrom-und-geothermischer-gradient.html.
  4. https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=Weltbev%C3%B6lkerung+Energieverbrauch (aufgerufen am 20.8.2021).
  5. Mtoe: Eine Megatonne Öleinheiten (Mtoe) ist die Energiemenge, die im Durchschnitt in einer Million Tonnen (Mt) Rohöl steckt, das sind 41,868 Petajoule (PJ = 1015J).
  6. Paeger, Jürgen: Die Klimageschichte der Erde [https://www.oekosystem-erde.de/html/klimageschichte.html], Der Klimawandel [https://www.oekosystem-erde.de/html/klimawandel.html#ausblick]; beide aufgerufen am 23.8.2021.
  7. In der zentralen Ostantarktis wurde 1998 der 3623 m lange Wostok-Eisbohrkern gewonnen, der den Klimaforschern zufolge 420.000 Jahre in die Vergangenheit zurückreicht.
  8. Mauna Loa ist der größte aktive Vulkan der Erde. Sein überseeischer Teil erreicht eine Höhe von 4170 Metern, sein Durchmesser beträgt 120 Kilometer.
  9. https://www.br.de/wissen/homo-sapiens-evolution-geschichte-moderner-mensch-referat-100.html.
  10. http://www.oekosystem-erde.de/html/klimawandel.html#ausblick.
  11. Die Übertragung der Erläuterungen ins Deutsche wurde vom Autor vorgenommen.
  12. Vgl. Thess, Andreas D.: Zehn Jahre zu spät – Scharfe Kritik am Bericht der Ethikkommission zum Kernenergieausstieg. Offener Brief an Matthias Kleiner und die Professoren der Ethikkommission Atomkraft vom 30.5.2021, KTG-Fachinfo 09/2021 vom 31.5.
  13. https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/bvg21-031.html.
  14. http://www.oekosystem-erde.de/html/klimawandel.html#ausblick.
  15. https://www.oekosystem-erde.de/html/klimageschichte.html.
  16. Attributionsforschung beinhaltet innerhalb der Klimawissenschaft die Bewertung des Beitrags des menschengemachten Klimawandels auf extreme Wetterereignisse.

Autor: Gerhard Barkleit