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Fraunhofer Dresden will Sicherheitslücken in Autochips aufdecken

Materialermüdung kann zu Mikrofrakturen - und damit elektrischen Signalproblemen - in den Lotverbindungen zwischen Chip und Platine führen. Foto: hw

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EAS-Forscher arbeiten im „VE-VIDES“-Verbund an Designregeln für vertrauenswürdige Elektronik

Dresden, 14. September 2021. Um Autoelektronik aus Europa künftig besser gegen Angriffe und Industriespionage zu schützen, arbeitet der Dresdner Fraunhofer-Institutsteil „Entwicklung Adaptiver Systeme“ (EAS) derzeit an neuen Konzepten für vertrauenswürdige Computerchips und -systeme. Dies ist Teil des Projektes „Designmethoden und HW/SW-Co-Verifikation für die eindeutige Identifizierbarkeit von Elektronikkomponenten“ („VE-VIDES“), an dem sich unter Infineon-Führung zwölf Unternehmen und Institute beteiligen.

Den Bedarf an mehr Zuverlässigkeit und Angriffsschutz in europäischen Elektronikprodukten stuft das Konsortium als hoch ein: „In nahezu allen Lebens- und Arbeitsbereichen verlassen wir uns auf elektronische Systeme“, betonte Projektleiter Djones Lettnin von Infineon. „Sie machen unser Leben einfacher, sicherer und umweltfreundlicher. Damit wir uns auch wirklich auf sie verlassen können, brauchen wir vertrauenswürdige Elektronik.“

Hardware soll von Achillesferse zu Fundament der Vertrauenswürdigkeit werden

Das EAS spezialisiert sich innerhalb des Konsortiums laut eigenen Angaben darauf, „Methoden im Elektronikentwurf so zu optimieren, dass sie zukünftig wesentlich dabei helfen, Hardware von einer Achillesferse zu einem Fundament der Vertrauenswürdigkeit zu machen“. Diese Design-Regeln sollen letztlich dafür sorgen, dass europäische Unternehmen am Ende am fertigen Elektronikprodukt ausmessen können, ob ihre Halbleiter-Entwürfe von den Zulieferern und Auftragsfertigern (Foundries) korrekt realisiert worden sind. Das ist insofern besonders wichtig, da sich die Fertigungsketten für Elektronikprodukte heute oft über den halben Erdball erstrecken.

Internationale Fertigungsketten für europäische Unternehmen oft kaum überwachbar

„VE-VIDES“ ziele darauf, „potenzielle Sicherheitslücken systematisch zu identifizieren und Elektroniksysteme mit zuverlässigen Mechanismen vor Angriffen oder IP*-Diebstahl zu schützen“, erklärte EAS-Projektleiter Dr. Christoph Sohrmann. „Und zwar entlang der gesamten internationalen Fertigungsketten, die heute oft noch wenig transparent für europäische Entwickler sind.“ Letztlich wollen die Projektpartner aus den „VE-VIDES“-Resultaten einen neuen Standard in der Industrie einführen.

Bereits beim Entwurf auf der Architekturebene müsse die Vertrauenswürdigkeit eines Systems geplant und für alle Teilkomponenten sichergestellt werden, betonte Konsortialführer Infineon. Daher konzentriere sich VE-VIDES auf „vertrauenswürdige Entwicklungs- und Verifikationsprozesse, die Elektroniksysteme nachprüfbar und nach Möglichkeit quantifizierbar gegen Angriffe wappnen“.

10 Millionen Euro vom Bund

Das Projekt bekommt rund zehn Millionen Euro im Rahmen der Leitinitiative „Vertrauenswürdige Elektronik“ vom Bundesforschungsministerium. Die Ergebnisse sollen im Februar 2024 vorliegen.

*IP = Intellectual property, englisch für „geistiges Eigentum“

Autor: hw

Quellen: EAS, Infineon