Alle Artikel in: Bücherkiste

Grafik: Dresdner Buchverlag / Jörg Hausmann

Roman „Die Schwärmer“: Filterblasen lassen unsere Herzen erkalten

In seinem Debüt-Roman entwirft der Dresdner Autor Willi Hetze eine Zukunft, in der der Schwarm alles ist Moorstedt/Sybaris 7. Das Buch „Die Schwärmer“ erzählt über eine nahe Zukunft, in der sich die Menschen funkende Hirnimplantate einpflanzen, um sich zu einer Schwarmintelligenz zusammenzuschließen. Doch bald kämpfen sie mit bizarren Nebeneffekten ihres kollektiven Bewusstseins. In diesem seinem ersten Roman verarbeitet der Dresdner Autor Willi Hetze drängende Fragen unsere Gegenwart in einem Science-Fiction-Gewand: Wie dicht halten die Filterblasen in vermeintlich „sozialen“ Netzwerken? Warum fürchten wir Fremde? Wie sehr sollten wir unsere Technik vertrauen? Sichtlich sind viele dieser Topoi auf seine Heimat Dresden und Sachsen gemünzt.

Gruppenbild mit Krieger-Dame im Bahnhof Dresden-Neustadt: Autor Dieter Kalka (Mitte), umgeben von der streitbaren Sudička (die in ihrem anderen Leben Landschaftsarchitektin ist und Bianca Schöne heißt) und dem Ritter Burchardas de Rabinowe alias Jörg Friedrich Recknagel. Foto: Heiko Weckbrodt

Streitbares Sorbenmädchen und die Hirnimplantate des Schwarm-Zeitalters

Dresdner Buchverlag stellt sein Frühjahrsprogramm 2018 vor Dresden, 7. März 2018. Einen langen Bogen vom frühen Mittelalter bis in unsere womöglich bionische Zukunft schlägt der Dresdner Buchverlag mit seinem Frühjahrsprogramm 2018: Im Roman „Sudička“ setzt der Anthropologe und Ex-Heizer Dieter Kalka den vor-christlichen Sorben ein belletristisches Denkmal. In „Elisabeth von Sachsen und Johann Kasimir von der Pfalz“ porträtiert Historiker Hans-Joachim Böttcher ein tragisches Frauenschicksal in Zeiten religiöser Reformations-Eiferer – die titelgebende Prizessin wurde als Giftmörderin beschuldigt, eingekerkert und starb jung. Und im Roman „Die Schwärmer“ schließlich – rund 1000 Jahre nach „Sudička“ – reflektiert der Soziologe und Lyriker Willi Hetze eine unheilige Allianz aus Biotechnologie. Facebook und Albträumerei, inspiriert auch durch die Debatten um Fakenews und Filterblasen.

Bibliothekendirektor Arend Flemming (links) und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert haben in der Lounge der Zentralbbliothek das neue 3D-Navi-System vorgestellt. Foto: hw

Zentralbibliothek Dresden bekommt 3D-Navi

Regalgenaues Computermodell der Leihbücherei erstellt Dresden, 12. Januar 2018. Die im Mai 2017 eröffnete Zentralbibliothek im Kulturpalast Dresden wird aufgewertet: Sie bekommt sie ein computergestütztes 3D-Navigationssystem „Mapongo“. Darüber haben Bibliothekendirektor Arend Flemming und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) am Freitag informiert.

Umschlag: CSW-Verlag

Buch „Und dann kam Tetris“

Journalist Gehlen erzählt, wie ein Ostblock-Spiel den Westen eroberte und Lizenzkriege auslöste Der russische Mathematiker Alexei Leonidowitsch Paschitnow arbeitete in den 1980er Jahren an der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften. Er mochte Rätsel, Brettspiele – und Computer. Und so setzte er sich 1984 an einen Elektronik-60-Rechner der Akademie und programmierte ein Computerspiel, das sich lose an das Geometriespiel „Pentamino“ anlehnte: Aus jeweils vier Quadraten generierte er Formen, die vom oberen Bildschirmrand hinunterfallen. Am Spieler war es nun, die Formen im Fluge so zu drehen und anzuordnen, dass sich geschlossene Mauerreihen ergaben. Paschitnow nannte sein Spiel „Tetris“. Außerdem bat er seinen Kollegen Wadim Gerasimow, aus der Elektronika-Version eine PC-Variante zu programmieren. Der Rest ist Videospielgeschichte: Erst machte er mit Tetris die Akademiker in Moskau spielsüchtig, dann die ganze Welt. Wie das Ostblock-Spiel auf verschlungenen Wegen in den Westen gelangte, dort Millionen in seinen Bann schlug und einen Lizenz-Krieg auslöste, beschreibt der Journalist Christian Gehlen in seinem unterhaltsamen Taschenbuch „Und dann kam Tetris“.

Noomi Rapace als beinharte Hackerin Lisbeth Salander in der schwedischen Verfilmung von "Verblendung", des 1. Teils der Millennium-Reihe. Foto: Warner

Krimi „Verfolgung“: Salander im Frauenknast

Neues Buch aus der Millennium-Reihe: Hackerin und Journalist jagen alte Eugeniker und junge Islamisten David Lagercrantz hat nun den fünften Teil der schwedischen Krimiserie um die Ausnahme-Hackerin Lisbeth Salander und den Journalisten Mikael Blomkvist vorgelegt: „Verfolgung“ ist nach “Verschwörung” bereits der zweite Band, den Lagercrantz anstelle des früh verstorbenen Stieg Larsson geschrieben hat. Scharfe Kritik übt er darin an schwedischen Behörden, die Gewaltopfern zu wenig helfen, islamistischen Fundamentalisten und alten Eugenikern.

Studentenalltag in der DDR. Aus: Zwischen Humor und Repression

Aufrechter Gang war auch in der DDR möglich

Sammelband „Zwischen Humor und Repression“ skizziert in Zeitzeugenberichten den DDR-Alltag an der TUD und anderen Unis Die politisch gesetzten Grenzen und praktischen Spielräume an Universitäten zu DDR-Zeiten versuchen die Herausgeber Rainer Jork und Günter Knoblauch in ihrem neuen Sammelband „Zwischen Humor und Repression – Studieren in der DDR“ auszuloten. Darin schildern 84 ehemalige Studenten und Dozenten ihre Erlebnisse an der Technischen Universität Dresden (TUD) und weiteren ostdeutschen Unis vor der Wende. In verdienstvoller Fleißarbeit haben die Herausgeber diese subjektiven Erinnerungen durch zeitgeschichtliche Anmerkungen, Erläuterungen und einen Anhang über studentische Kultur in der DDR ergänzt.

Die meisten größerten Bibliotheken haben heute längst eBooks im Bestand. Die Dresdner wollen diese digitalen Medienbestände nutzen, um virtuelle Schulbibliotheken aufzubauen. Foto: Heiko Weckbrodt

eBuch stagniert in Deutschland, Hörbücher boomen

Jeder Vierte liest eBooks, fast jeder Dritte konsumiert Hörbücher Berlin/Frankfurt/Main, 5. Oktober 2017. Etwa jeder vierte Deutsche liest elektronische Bücher (eBooks). Das geht aus einer Umfrage von „Bitkom Research“ unter 2194 Bundesbürgern ab 14 Jahren hervor. Der Anteil der eBuch-Leser stagniert damit seit bereits drei Jahren. Dagegen nutzen immer mehr Deutsche Hörbücher – inzwischen greifen 31 Prozent der Bundesbürger die eingesprochenen Bücher.

Mario Sempf (vorn) und Thomas Zahn auf dem nachgebauten, etwas kleineren Schandesel am Pulverturm am Dresdner Neumarkt. Foto: Heiko Weckbrodt

Gedemütigt, verstümmelt, stranguliert: Die dunkle Seite des Barocks

Dresdner Buchverlags stellt Herbstprogramm mit blutigen Eskapaden Dresden, 14. September 2017. Das grausame Gesicht des vielgepriesenen augusteischen Zeitalters von Sachsen entrollen die Autoren und Experimentalhistoriker Mario Sempf und Thomas Zahn gerade im Dresdner Buchverlag. „Dresden identifiziert sich so gerne mit dem Glanz des Barocks“, weiß Mario Sempf. „Es gab aber auch dunkle Seiten im Barock.“ Die haben sie in den Aufzeichnungen des frühneuzeitlichen Schreiberlings Journalisten Krell vorgefunden, in ihrem neuen Büchlein „Blutiger Barock“ in einen modernen Duktus übertragen, auf 94 Seiten gestrafft und nun im Dresdner Buchverlag veröffentlicht.

DDR-Staatssekretär Karl Nendel sieht sich als "General der Mikroelektronik" - und hat damit seine Autobiografie übertitelt. Repro: hw

„Die Wirtschaft muss man militärisch führen“

Karl Nendel, der ehemalige „General“ der DDR-Mikroelektronik, packt in seiner Autobiografie aus Im eigenen Verständnis ihrer Lenker war die DDR-Ökonomie eine Planwirtschaft, im Verständnis vieler westdeutscher Kritiker war sie eine Kommandowirtschaft. Die neuere Forschung spricht eher von einer Zentralverwaltungswirtschaft. Die Wahrheit liegt sicher irgendwo in der Mitte. Dass das Wort von der „Kommandowirtschaft“ aber mehr als bloße Polemik ist, untermauert nun einer der damaligen Protagonisten und Strippenzieher: Der ehemalige DDR-Staatssekretär Karl Nendel hat unter dem bezeichnenden Titel „General der Mikroelektronik“ aufgeschrieben, wer er Betriebsdirektoren auf Plan-Linie brachte, hoch Aufgestiegene zu Fall brachte und die Entwicklung des Megabit-Chips, des 32-Bit-Prozessors und anderer SED-Prestigeprojekte vorwärtspeitschte.

Bienen informieren ihr Vplk durch tanzsignale über Pestizide in der Nähe. Foto:

Bienentanz warnt in Dresden vor Giften

“Umweltspäher” behält soziale Signale von Immen am Kulturpalast im Sensor-Auge Dresden, 3. Juli 2017. Der Kulturpalast bekommt ein paar flotte Bienen – und die übernehmen einen ganz besonderen Job für die Stadt: Sie werden einen Alarmtanz aufführen, wenn sie Pestizide und andere Gifte in der Umgebung spüren. Ein sogenannter Umweltspäher – ein mit speziellen Sensoren gespickter Kasten – wird die Tanzdarbietungen der Immen im Auge behalten und die Giftalarme an die Behörden weiterleiten. Das haben die Städtischen Bibliotheken Dresden angekündigt.

Die meisten größerten Bibliotheken haben heute längst eBooks im Bestand. Die Dresdner wollen diese digitalen Medienbestände nutzen, um virtuelle Schulbibliotheken aufzubauen. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Rückkehr der Schulbibliotheken

Sachsen wollen gemeinsam virtuelle Schulbüchereien erproben Dresden, 14. Juni 2017. Die Stadt Dresden bekommt wieder ein Netz aus Schulbibliotheken. Das hat Arend Flemming, der Direktor der Städtischen Bibliotheken, auf Oiger-Anfrage angekündigt. Einige dieser Leihbüchereien werden demnach klassische Bibliotheken in Schulgebäuden sein, wie es sie schon zu DDR-Zeiten gab – nur eben moderner. Für die höheren Klassenstufen plant Flemming virtuelle Schulbibliotheken. Diese Konzept könne Pilotcharakter für andere Städte in Sachsen und ganz Deutschland bekommen. „Der Bedarf von Lehrern, Schülern und Eltern ist groß“, sagt er.

Ein Nachbau von Da Vincis Kampf-Panzer mit 18 Kanonen und Pedalantrieb. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Erde als Turnierplatz: Wie Europa die Welt eroberte

US-Wirtschaftshistoriker Hoffman erklärt Expansion der Europäer mit einem Wettbewerbsmodell Wie konnte ein Hasardeur wie Pizarro mit nur 167 Soldaten das mächtige Inka-Reich zu Fall bringen? Wie schafften es vergleichsweise kleine europäische Staaten wie die Niederlande und Portugal, sich ein Weltreich in Asien, Amerika und Afrika zusammenzuraffen? Wie vermochten es eher bescheidene Armeen der Spanier, Engländer, Franzosen und Portugiesen, ganz Amerika zu unterjochen? In seinem faszinierenden interdisziplinären Sachbuch „Wie Europa die Welt eroberte“ geht der US-Wirtschaftshistoriker Philip T. Hoffman eben diesen Fragen nach – und kommt zu teils überraschenden Schlüssen.

Ole und Jule aus Radebeul gefällt die neue Zentralbibliothek . auch wenn die Videokabine noch nicht so recht funktionieren will. Foto: Heiko Weckbrodt

Neue Zentralbibliothek Dresden zwischen Licht und Labyrinth

Bücher-Drache im Wohnzimmer Dresden, 29. April 2017. Ein Drache hockt in der Bibliothek! Der „Alles neu“-Geruch eben erst einsortierter Bücher, frischplatzierter Teppiche und Sitzkissen mag ihn angelockt haben. Das bibliophile Ungeheuer rekelt sich wohlig vor dem Panorama-Fenster, äugt hinaus auf den Altmarkt, auf den Neumarkt – und reißt sein Maul weit auf. Davon lässt sich ein Recke wie Jung-Johann indes nicht beeindrucken. Der Dreijährige greift dem Lindwurm ins Maul und entreißt ihm ein Bilderbuch.

Jussi Adler-Olsen. Foto: Jesper Helbo, dtv

„Selfies“: Kommissar Mørck und die Keulenmorde

In Jussi Adler-Olsens neuem Krimi sind alte Rechnungen und neue Feinbilder eng verwoben In einem Park in Kopenhagen finden Passanten eine einst reiche Frau mit zertrümmertem Kopf. Kurz darauf beginnt ein Autofahrer, Jagd auf junge, selbstverliebte Stütze-Empfängerinnen zu machen. Besteht da ein Zusammenhang? In Ex-Polizeichef Marcus Jacobsen beginnt jedenfalls die Erinnerung an einen alten Fall zu nagen: Auch damals war einer Frau der Hinterkopf ganz ähnlich zertrümmert worden. Und so greift Jacobsen zum Telefon und ruft seinen Mann für die richtig alten, ungelösten Fälle an: Carl Mørck vom Sonderdezernat Q der Kopenhagener Kripo…