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„Verraten“: Dezernat Q am Ende

Zittert die Hand? Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) jagt einen religiös motivierten Verbrecher. Foto: Henrik_Ohsten

Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) in einer früheren Verfilmung der „Dezernat Q“-Krimibücher. Foto: Henrik Ohsten

Jussi Adler-Olsen schickt im finalen 10. Buch seinen Carl Mørck in den Knast

Mit „Verraten“ hat der dänische Krimi-Autor Jussi Adler-Olsen nun den zehnten und letzten Band seiner „Dezernat Q“-Reihe vorgelegt. Darin nimmt er einen alten Fall aus der Vergangenheit des Q-Chefs auf – und kehrt den Spieß um: Carl Mørck ist diesmal kein Jäger, sondern Beute, ist zudem über weite Strecken ganz auf die Hilfe seiner Freunde angewiesen, während er hinter Gittern schmort.

Die Story: „Luftdrucknagler“-Fall holt den legendären Ermittler ein

Es ist der alte „Luftdrucknagler“-Fall, der Carl letztlich einholt. Jene Schreckensnacht, in der er und zwei seiner Kollegen zu einem Toten ausrücken, der mit einer Nagelmaschine hingerichtet wurde. Seither ist sein Freund Hardy querschnittsgelähmt, Carl selbst wurde damals verletzt und der Dritte im Team wurde erschossen. Jahre später finden Polizisten auf Carls Dachboden einen Koffer voller Drogen und Geld, der sichtlich mit dem alten Fall zu tun hat. Die Folge: Der einst hochgefeierte Kommissar wandert in die U-Haft, wo ein Mordanschlag nach dem anderen auf ihn verübt wird. Deshalb schalten sich nun Carls engste Kollegen aus dem Sonderdezernat, aber auch viele vergessene Freunde ein, um die drängende Frage zu klären: Wer zieht hier im Hintergrund die Strippen? Immer mehr kristallisiert sich aber auch heraus: Ein Zurück ins Kripo-Hauptquartier wird es für Carl so oder so nicht geben…

Fazit: solide und spannend, aber eher rührselig als raffiniert

Wer die vergangenen „Dezernat Q“-Bücher und –Filme verfolgt hat, wird sich das Finale natürlich nicht entgehen lassen: Wie der legendäre Polizist, der so viele Uralt-Fälle doch noch gelöst hat, am Ende in die Ecke getrieben und selbst von engen Verbündeten fallen gelassen wird. Wie sein altes Team und jene, denen er einst aus scheinbar ausweglosen Nöten half, nun ihm helfen.

Durch diese Konstellation steht allerdings nicht mehr Carl als Ermittler im Mittelpunkt. Er nimmt diesmal eher die Opferrolle ein, grübelt vor sich hin und hadert an seinem bisherigen Leben. Diese Wandlung vom einsamen Knurrhahn hin zum gefühligen Menschenfreund hatte Adler-Olsen bereits in den jüngeren Büchern der Reihe eingeleitet. Jetzt wirkt sein einst so kantiger Kommissar fast schon rührselig. Auch beim Plot setzt der Autor, der einst so horrende, elegant verwobene und in ihren Zeitebenen zunächst oft schwer zu entschlüsselnde Horrorkrimis fabrizierte, inzwischen eher auf klassische Genre-Sujets – solide, aber nicht gerade exorbitant überraschend. Da hätte man sich etwas mehr Raffinesse fürs Finale gewünscht. Dennoch: Auch „Verraten“ ist spannend geschrieben und liest sich – nach den ersten paar Seiten – sehr flüssig runter.

Umschlag von "Verraten", dem zehnten und letzten Buch der "Dezernat Q"-Krimis von Adler Olsen. Repro: dtv

Umschlag von „Verraten“, dem zehnten und letzten Buch der „Dezernat Q“-Krimis von Adler Olsen. Repro: dtv

Kurzüberblick

  • Titel: „Verraten“
  • Originaltitel: „7 m2 med lås – Afdeling Q nr. 10“
  • Autor: Jussi Adler-Olsen
  • Genre: Krimi
  • Übersetzung: Hannes Thiess
  • Umfang: 608 Seiten
  • Verlag: dtv
  • Erscheinungsort und -jahr der deutschen Ausgabe: München 2024
  • Preis: 26 Euro (gedruckte Ausgabe, ISBN 978-3-423-28352-6) beziehungsweise 22 Euro (E-Buch, ISBN 978-3-423-44257-2)
  • Eine Leseprobe gibt es hier.

Zum Weiterlesen:

Natrium Chlorid: Der 9. Fall des Dezernats Q

„Erwartung“: Düsterer Neustart der Adler-Olsen-Filmreige 

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt