Alle Artikel mit dem Schlagwort: Rezension

James Holden an Bord seiner "Rosinante" - Szenenfoto aus der Streaming-Verfilmung von Amazon. Foto: Amazon

„Leviathan fällt“: Menschheit hat keine Lust auf Schwarmintelligenz

Neue Abenteuer der „Rosinante“-Crew im 9. Buch des „Expanse“-Zyklus Das epische Sci-Fi-Abenteuer von James Holden und seiner „Rosinante“-Crew nähert sich offensichtlich dem Ende: Nachdem Amazon die Science-Fiction-Serie zu den Romanen von James Corey inzwischen abgesetzt hat erfahren wir nun aber lesend, wie es im Universum von „The“ weitergeht: im 9. Roman des Zyklus erleben wir, wie „Leviathan fällt“.

Auf der echtzeitnahen Ebene von "Dune -Spicewar" gilt es, eigene Basen im Sand zu errichten und die Gewürzproduktion anzukurbeln. Bildschirmfoto: Funcom

„Dune: Spice Wars“ entführt uns zum Wüstenplaneten

Strategiespiel zum Villeneuve-Film erschienen Arrakis, April 2022. Und wieder einmal steht der Wüstenplanet Arrakis im Mittelpunkt des Universum: Passend zu den jüngsten Neuverfilmungen durch Denis Villeneuve haben die Spielestudios „Funcom“ und „Shiro Games“ nun die Strategiesimulation „Dune: Spice Wars“ in einer Vorabversion veröffentlicht. Dem Spieler fällt darin die Aufgabe zu, als Atreiden-Fürst Harkonne oder Freme die Gewürzproduktion („Spice“) auf dem Wüstenplaneten anzukurbeln, um den Imperator und die Navigatorengilde zufrieden zu stellen – und, ach ja, die eigene Macht immer weiter auszudehnen.

Aegon Targaryen und seine Schwesterngemahlinnen auf dem Eisernen Thron. Illustration aus: G. Marzin: Feuer und Blut

„Feuer und Blut“: Wie Aegon mit seinen Drachen Westeros unterjochte

Statt das „Lied von Eis und Feuer“ weiterzuschreiben, hat George Martin eine Art Silmarillion für „Game of Thrones“ geschrieben Was waren das eigentlich für riesige Drachen, die Arya in den Katakomben des Roten Bergfrieds von Königsmund entdeckt hat? Wie konnte Daenerys mit solcher Selbstverständlichkeit den Eisernen Thron beanspruchen, kaum dass nach Westeros übergesetzt war? Und woher kommt es eigentlich, dass die Targaryens so viele fähige, aber auch so viele irre Herrscher hervorgebracht haben? Eben diesen Fragen widmet sich das neueste Werk von George R.R. Martin. Im Stile eines mittelalterlichen Chronisten erzählt der amerikanische Phantastik-Autor in „Feuer und Blut“ die Geschichte des Königshauses Targaryen in der fiktionalen Welt, die er zuvor im „Lied von Eis und Feuer“ – alias „Game of Thrones“ – entworfen hatte.

Umschlag von "Der Mann im Schatten". Abb.: Heyne-Verlag

„Der Mann aus dem Schatten“: Neuer Krimi vom „Millennium“-Vollender

David Lagercrantz setzt ein ungleiches Paar auf einen Schiedsrichtermord an Die Krimigemeinde hat ein neues, natürlich ungleiches Ermittler-Paar bekommen: Nachdem der Schwede David Lagercrantz die Millennium-Serie seines verstorbenen Landsmannes Stieg Larsson vollendet hat, startet er mit „Der Mann aus dem Schatten“ nun eine eigene Detektivromanreihe. Darin klären die junge, ehrgeizige Streifenpolizistin Micela Vargas aus dem chilenischen Einwanderermilieu und der exzentrische Oberschichtschwede Hans Rekke einen kniffligen Fall auf, an dem sich zuvor Vargas’ Kollegen von der Mordkommission die Zähne ausgebissen haben.

Was tun, wenn sich der eigene Sohn als zutiefst diabolisch herausstellt? Szenenfoto aus „Her only living son“. Koch Film

„XX“: Die feminine Seite des Horrors

Grusel-Kurzfilme von vier Regisseurinnen fürs Heimkino publiziert Grausen muss nicht männlich sein: Mit „XX“ hat Koch Media eine faszinierende Heimkino-Kollektion vorgelegt, in der sich vier Regisseurinnen im Horror-Genre austoben. Und die setzen nicht nur auf subtile Gruselei, sondern gelegentlich auch auf Splatter-Effekte. Ein besonderes Schmankerl sind die surrealen Zwischensequenzen in Stop-Motion-Technik, in denen eine bizarre Puppen-Homunkulus-Geschichte erzählen.

Hubschrauber-Oberst Kilgore (Robert Duvall) liebt den Geruch von Napalm am Morgen. Szenenfoto aus: Apocalypse now, Studiocanal

Krieg – der „Vater aller Dinge“

In ihrem jüngsten Buch analysiert die kanadisch-britische Historikerin Margaret MacMillan „Wie Konflikte die Menschheit prägten“ „Der Krieg bleibt, was er immer war: eines der größten Mysterien der Menschheit.“ Diesen Satz hatte die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch in ihrem Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ geprägt. 2015 bekam sie den Nobelpreis für Literatur. Die kanadisch-britische Historikerin Margaret MacMillan hat diese Sentenz aufgegriffen und ihrem eigenen Buch „Krieg. Wie Konflikte die Menschheit prägten“ vorangestellt.

Der Mikroelektronikpionier Werner Hartmann im Jahr 1970. Abb.: Privatarchiv Renee Hartmann/Repro: hw

Aufstieg und Fall des Mikroelektronik-Pioniers Werner Hartmann

Biografie erzählt, warum der parteilose „Spezialist“ in der DDR erst als Star hofiert und dann verfemt wurde Dresden. Er gilt als Vater der ostdeutschen Mikroelektronik, arbeitete an der sowjetischen Atombombe mit, war DDR-Nationalpreisträger 2. Klasse – nur um wenig später in Ungnade zu fallen. Den Rest seines Lebens fristete er verfemt und abgeschoben auf einem drittrangigen Posten in einem Erzgebirgstal. Die Rede ist vom Physiker Werner Hartmann (1912-1988), der vor 110 Jahren in Berlin geboren wurde und kurz vor der Wende in Dresden starb. Aus diesem Anlass hat Gerhard Barkleit eine Biografie des DDR-Halbleiterpioniers verfasst und nun veröffentlicht.

Die Steckenpferd-Lilienmilch-Seife war ein Verkaufsschlager, die Nachfrage kaum zu befriedigen. Repro (hw)) aus: H. Pfeil: Welch ein reichtum!

Per „Steckenpferd-Kampagne“ Valuta für die Staatskasse

Im Buch „Welch ein Reichtum!“ skizziert Hartmut Pfeil die Radebeuler Industriegeschichte Radebeul. Gummistiefelweitwurf, Luftgitarrespielen, Frauentragen – die Finnen haben einige bizarre Sportarten erfunden, die sie mit aller Leidenschaft betreiben. Neueste Innovation: Steckenpferdreiten, was heißt, dass die Pferde, mit denen man bei Meisterschaften einen Hindernisparcours bewältigt, aus Holz, Stoff und Wolle bestehen. Deutlich prosaischer waren die Beweggründe, weshalb zu DDR-Zeiten eine „Steckenpferd“-Kampagne ins Leben gerufen wurde. Um Überseehandel zu treiben, fehlte es an Schiffen, denn was man in den eigenen Werften an der Ostsee produzierte, ging als Reparation in die Sowjetunion. Also wurde 1957 ein „Valuta- und DM-Fond“ gegründet, um gebrauchte Handelsschiffe aus dem Westen ankaufen zu können, die allerdings nur für Devisen zu haben waren. Erster Ansprechpartner des Außenhandelsministeriums der DDR war der VEB Steckenpferd aus Radebeul.

Kommandantin Marina Barnett (Toni Collette, Mitte), Biologe David (Daniel Dae Kim, links) und Medizinerin Zoe (Anna Kendrick) ahnen beim Start nicht, wie desaströs sich ihre Mission entwickeln wird. Szenenfoto aus "Stowaway": Eurovideo

Science-Fiction „Stowaway“: Dramatische Marsmission ohne Happy-End

Werfen wir den blinden Passagier durch die Luftschleuse? Um ethische Dilemmata im All rotiert das Raumschiff MTS42 auf seiner Reise zum Mars: Ist es moralisch vertretbar, in einer womöglich ausweglosen Lage einen Menschen über Bord ins eisige All zu werfen, wenn das den Rest der Mannschaft rettet? Regisseur Joe Penna hat diese Konstellation als Science-Fiction-Drama „Stowaway“ verarbeitet, in Deutschland gedreht und nun auch fürs deutsche Heimkino veröffentlicht.

Umschlag von Jussi Adler Olsen: "Natriumchlorid". Abb.: dtv

„Natriumchlorid“: Neuer „Dezernat Q“-Thriller von Jussi Adler-Olsen

Selbsternannter Racheengel meuchelt sich durch die Dekaden Durch Zufall und Corona gerät das eigentlich für Uralt-Kriminalfälle zuständige „Dezernat Q“ der Kripo Kopenhagen an eine Reihe von nichtnatürlichen Todesfällen, die auf den ersten Blick kaum etwas miteinander zu tun haben und teils wie Suizide oder Unglücksfälle wirken. Doch auf den zweiten Blick entdecken Carl Mørk und sein Team doch einen gemeinsamen Nenner: kleine Salzhäufchen am Ort des Geschehens. Und als sie tiefer graben, graben sie auf einen selbst ernannten Racheengel und eine ganze Serie fast perfekt getarnter Ritualmorde, die bis zu einem Blitzschlag in den 80er Jahren zurückführt. All dies erzählt der dänische Starautor Jussi Adler-Olsen in seinem neuesten Krimi „Natriumchlorid“, der nun auch in Deutschland erschienen ist.

Umschlagbild von: Carl Achleitner: „Das Geheimnis eines guten Lebens, Abb.: Edition a

Trauerredner verrät Rezept für glückliches Leben

Nach über 2900 Begräbnissen hat Carl Achleitner aufgeschrieben, was wirklich zählt Wo könnte man mehr über ein glückliches Leben erfahren als bei den Hedonisten, den lebensfrohen Genießern, mag man im ersten Moment denken. Viel mehr können wir aber von den Toten lernen, findet der Trauerredner und Schauspieler Carl Achleitner. Der Österreicher lässt uns in seinem Buch „Das Geheimnis eines guten Lebens – Erkenntnisse eines Trauerredners“ an seinen Befunden teilhaben. Darin verarbeitet er seine Erlebnisse bei über 2900 Begräbnissen, reflektiert seine Vor- und Nachgespräche mit den Hinterbliebenen und formuliert auf 224 Seiten seine Quintessenz zur Frage, warum über manche Verstorbene nur in den höchsten Tönen gesprochen wird – und andere als Ekel in Erinnerung bleiben.

Wenn Fäuste, messer und Pistolen nicht mehr reichen, greift "H" (Jason Staham) auch mal gern zum Sturmgewehr. Das Finale von "Cash Truck" erinnert etwas an "Heat". Szenenfoto: Studiocanal

„Cash Truck“: Knackiger Rache-Thriller von Guy Ritchie

Statt Gentleman-Kämpfer ist Jason Statham diesmal ein erbarmungsloser Bestrafer Mit „Cash Truck“ hat Guy Ritchie („Snatch“, „Sherlock Holmes„) einen seiner düstersten Filme seit Jahren abgeliefert. Der britische Starregisseur setzt hier auf seine einstige Entdeckung Jason Statham („Crank“, „Redemption„), der in diesem Thriller nur noch wenig Gentleman-Artiges an sich hat, sondern hart und nahezu erbarmungslos nach Rache giert. Erschienen ist der gekonnt inszenierte Streifen nun fürs deutsche Heimkino.

Etwas ahistorisch, aber steampunkisch anzusehen: Miniraketenwerfer auf dem Spielzeug-Schlachfeld des I. Weltkriegs. Bildschirmfoto (hw) aus: "Toy Soldiers"

„Toy Soldiers HD“: Turmverteidigung gegen Spielzeugsoldaten

KI bietet das Militärspielzeug des I. Weltkriegs gegen uns auf Mit „Toy Soldiers HD“ hat „Accelerate Games“ nun ein Turmverteidigungs-Spiel der besonderen Art veröffentlicht: Statt klassische Feuerwerfer, Bogenschützen- oder Kanonentürme wie in so vielen klassischen „Tower Defence“-Titeln platzieren und steuern wir hier Spielzeugsoldaten und –Kanonen. Die sind im Stil der Propaganda-Spielzeuge des I. Weltkriegs gehalten. Viele werden es wissen: Als sich Europa in den ersten großen Maschinenkrieg stürzte, war Kriegsspielzeug noch nicht so verpönt wie heute – die Propagandisten und national gesinnten Unternehmer auf beiden Seiten bestückten massenhaft Kinderzimmer mit derartigen Dingen.

Da hat Papi mit seinem Scharfschützengewehr in letzter Sekunde geholfen: Zoe (Isabel May) ist inzwischen etwas mit den Nerven runter. Szenenfoto (Koch Media) aus: "Run Hide Fight"

„Run Hide Fight“: Die Gedemütigten laufen Amok

Selbstjustiz-Thriller aus den USA kommt ins Heimkino In „Run Hide Fight“ wirft US-Regisseur Kyle Rankin die Frage aus, was erlebte Gewalt aus jungen Menschen macht – und wie dünn die Grenzen zwischen Täter und Opfer manchmal sein können. Sein Teenager-Actionfilm stellt dabei einen Amoklauf an einer Oberschule in den Fokus und ist nach dem „Stirb Langsam“-Konzept gestrickt, allerdings mit reflektiven Untertönen. Statt eines John McClane im Feinripp-Unterhemd räumt bei ihm allerdings ein Mädchen in zerrissenen Jeans mit den Bösewichten auf.

Viele junge Frauen und Männer in der DDR wollten Flugbegleiterinnen oder Piloten bei der Interflug werden. Foto: Interflug Abteilung Werbung, Repro (hw): aus: S. Schmitz: Interflug

„Interflug“-Buch über Aufstieg und Absturz der DDR-Airline

Ostdeutsche Fluggesellschaft stand für den Traum von der Ferne – agierte aber auch als Billigflieger für Westberliner und Billigflieger für Westberliner Die war die Vorzugs-Airlines des Sandmännchens, transportierte Waffen ebenso wie Küken, beförderte, Preisfüchse aus dem Westen und besprühte Felder in der ganzen DDR, unter ihren Farben agierten aber auch die Stasi und die Leibflugzeuge der SED-Oberen: die Interflug. Der westdeutsche Stewart und Autor Sebastian Schmitz hat der staatlichen Fluggesellschaft der DDR ein ausführliches Buch gewidmet, das nun unter dem Titel „INTERFLUG – Die Fluglinie der DDR“ in den Stuttgarter Paul-Pietsch-Verlagen erschienen ist.