Alle Artikel mit dem Schlagwort: Rezension

Varda und JR reisen in einem Kleintransporter durch Frankreich, der wie eine riesige Kamera aussieht. Szenenfoto aus "Augenblicke": Weltkino

„Augenblicke“: Die Alltags-Gesichter von Frankreich

Regie-Omi und Straßenkünstler frönen in einer Roadmovie-Doku einer vergänglichen Kunst Die 89-jährige Regisseurin Agnès Varda und der 33-jährige Straßenkünstler JR reisen in einem überdimensionalen motorisierten Fotoapparat durch Frankreich, um einer höchst vergänglichen Kunstform zu frönen: Sie palavern mit ganz gewöhnlichen Passanten, mit François und Françoise Normalfranzose gewissermaßen, und überreden sie dazu, sich ablichten zu lassen. Und dann vergrößern sie diese Lichtbilder ins Riesenhafte und kleben sie auf Häuserwände, Wassertürme, Eisenbahnwaggons, Atlantikbunker. Manche bleiben eine ganze Saison lang der Hingucker in irgendeiner französischen Kleinstadt, andere Bilder tilgt die Flut schon nach wenigen Stunden vom Stein. In der bezaubernden Dokumentation „Augenblicke: Gesichter einer Reise“, die derzeit in den deutschen Kinos gezeigt wird, ist eben nichts für die Ewigkeit gedacht.

"Der Denker" von Rodin existiert heute weltweit in mehreren Abgüssen. Abb.: Absolut Medien

DVD „Rodin“: Durchs Höllentor in die Moderne

Doku-Duo porträtiert den französischen Ausnahme-Bildhauer aus faszinierenden Perspektiven Der Franzose Auguste Rodin (1840 – 1917) war einer der bedeutendsten Bildhauer der Neuzeit. Ähnlich wie van Gogh für die Malerei schlug er in der plastischen Kunst die Brücke hin zum Expressionismus und zur Abstraktion. Rodins Schlüsselwerke wie „Der Denker“, „Das Höllentor“, „Der Kuss“ und „Balzac“ haben sich fest ins kulturelle Gedächtnis der Moderne eingeprägt. Der Filmverlag „Absolute Medien“ hat ihm nun eine DVD mit zwei Porträtfilmen gewidmet: „Rodin – Wegbereiter der Moderne“ verfolgt einen biografischen Ansatz, während sich „Divino # Inferno“ mit künstlerischer Wucht auf das „Höllentor“ fokussiert.

"Delete" oder "Ignore" - unter großem Zeit- und Erfolgsdruck müssen die Auftrags-Zensoren alias "Content Moderatoren" entscheiden, welches Bild, welches Video rund um den Globus gelöscht wird. Abb.: Gebrüder Beetz Filmproduktion

Doku „The Cleaners“: Die geheimen Zensoren des Internets

Reportage berichtet, wie Facebook & Co. ihre Zensur in die Dritte Welt ausgelagert haben „Eine Zensur findet nicht statt“, versichert das deutsche Grundgesetz in Paragraph 5. Mit der Wirklichkeit hat dieser fromme Wunsch im Internet-Zeitalter nicht viel zu tun: Längst beschäftigt sich eine ganze Schattenwirtschaft mit Tausenden Zensoren – euphemistisch „Content Moderatoren“ genannt – im Auftrag der sogenannten „sozialen“ Netzwerke damit, ununterbrochen „anstößige“ Bilder, Videos und andere Botschaften aus den Posting-Strömen auf Facebook, Youtube, Twitter & Co. zu löschen. Und als anstößig kann vieles gelten: Terror-Videos und Kinder-Pornos genauso wie unliebsame politische Meinungsäußerungen. Die Regisseure Hans Block und Moritz Riesewieck haben eine dieser Auftrags-Zensurfirmen auf den Philippinen ausfindig gemacht und einige Mitarbeiter teils anonym befragen können. Auf dieser Basis entstand ihre brisante und auch visuell eindrucksvolle Dokumentation „The Cleaners“, die nun in den deutschen Kinos angelaufen ist.

Elisabeth von Sachsen, gemalt von Lucas Cranach dem Jüngeren um 1564. Repro aus: H. Lilienfein: Lucas Cranach und seine Zeit, 1942, Wikipedia, gemeinfrei

Elisabeth von Sachsen: Giftmörderin oder Giftopfer?

Biografie zeichnet das Bild einer unglücklichen Kurfürstentochter, die jung in der Ferne starb Was passiert, wenn man eine eingefleischte Lutheranerin mit einem noch fanatischeren Calvinisten verheiratet? Das kann eine wunderbar inspirierende Verbindung sein – heute. Im 16. Jahrhundert hingegen mündete solch eine Ehe zwischen Elisabeth von Sachsen (1552-1590) und Pfalzgraf Johann Kasimir (1543 bis 1592) in einer Tragödie: Eines Giftmordkomplotts gegen ihren Gatten beschuldigt, starb sie im Alter von nur 37 Jahren fern der Heimat. Hans-Joachim Böttcher hat der unglücklichen Kurfürstentochter nun eine eigene, längst überfällige Biografie gewidmet.

Papi sieht plötzlich so komisch aus: Rick Janssen (Sam Worthington) nach seiner "Optimierung" zum Übermenschen, der den Titan besiedeln soll. Szenenfoto: Eurovideo

Sci-Fi-Bluray „Titan“: Gentech-Turbo für die Evolution

Warum Monde ewig terraformen, wenn man den Menschen viel schneller ummodeln kann? Ist die gentechnologische Beschleunigung der menschlichen Evolution statthaft, um das Überleben unserer Spezies zu sichern – oder doch eher verdammenswerte Nazi-Denke? Dieser Frage widmet sich der starbesetzte Science-Fiction-Streifen „Titan“ – findet dabei allerdings nicht allzu originelle Antworten. Dafür macht der erste Spielfilm des deutschen Nachwuchsregisseurs Lennart Ruff – der bisher vor allem Kurz- und Werbefilme drehte – zumindest optisch durchaus etwa her. Erschienen ist der US-Streifen nun auf DVD und Bluray fürs Heimkino.

Mads Justese (Thomas Bo Larsen, links) arbeitet mit Alf Rybjerg (Thomas Hwan) von der Wirtschafts-Kripo zusammen, um Energreen endlich dranzukriegen. Foto: Christian Geisnæs

DVD-Box „Follow The Money“: Dreckige saubere Energie

Dänische Krimiserie über ein windiges Unternehmen, das Luftschlösser aus Öko-Verheißungen baut Nach Mord, Totschlag und Regierungsintrigen haben sich die Macher von „Borgen“ und „Kommissar Lund“ diesmal auf die Wirtschaftskriminalität verlegt. In der dänischen Krimiserie „Follow the Money“ nehmen sie eine Industrie aufs Korn, die oft und gern zu den „Guten“ gezählt wird: Das Geschäft mit „Erneuerbaren Energien“ skizzieren sie in ihrer fiktiven Geschichte als ein windiges Kartenhaus, das nur Subventionen, Scheinbilanzen und Öko-PR ventiliert.

Grafik: Dresdner Buchverlag / Jörg Hausmann

Roman „Die Schwärmer“: Filterblasen lassen unsere Herzen erkalten

In seinem Debüt-Roman entwirft der Dresdner Autor Willi Hetze eine Zukunft, in der der Schwarm alles ist Moorstedt/Sybaris 7. Das Buch „Die Schwärmer“ erzählt über eine nahe Zukunft, in der sich die Menschen funkende Hirnimplantate einpflanzen, um sich zu einer Schwarmintelligenz zusammenzuschließen. Doch bald kämpfen sie mit bizarren Nebeneffekten ihres kollektiven Bewusstseins. In diesem seinem ersten Roman verarbeitet der Dresdner Autor Willi Hetze drängende Fragen unsere Gegenwart in einem Science-Fiction-Gewand: Wie dicht halten die Filterblasen in vermeintlich „sozialen“ Netzwerken? Warum fürchten wir Fremde? Wie sehr sollten wir unsere Technik vertrauen? Sichtlich sind viele dieser Topoi auf seine Heimat Dresden und Sachsen gemünzt.

Die beiden Hauptdarsteller in "Railroad Tigers": Jackie Chan als Partisan Ma Yuan und im Hintergrund eine der effektvoll inszenierten historischen Dampfloks. Szenenfoto: Koch-Film

DVD „Railroad Tigers“: Action-Eisenbahner machen Invasoren in China die Hölle heiß

Action-Komödie mit Jackie Chan über den Partisanenkampf gegen die japanische Armee Wie gab es uns schon Tolkien zu verstehen? Manchmal sind es die „kleinen“ Leute, die das Schicksal eines Landes wenden. Solch eine Geschichte erzählt der chinesische Regisseur Ding Sheng auch in seiner prominent besetzten Actionkomödie „Railroad Tigers“, die inzwischen in Deutschland fürs Heimkino erschienen ist.

Ganz allein: Seit Jahrzehnten lebt Helena (Clara Lago) in der Enge eines Raumschiffs, in dem die Sauerstoff-Versorgung immer mehr versagt. Abb.: Koch-Film

DVD „Orbiter 9“: Ein Leben lang allein

Science-Fiction über eine Reise: Nichts ist, was es scheint Mit „Orbiter 9“ hat der Spanier Hatem Khraiche einen Science-Fiction-Film vorgestellt, der trotz vergleichsweise aufwendiger Optik näher an einem Indie-Streifen als an einer Weltraum-Oper à la Starwars ist. Darin jongliert er mit Themen wie Wissenschaftsethik, Umweltkatastrophen und dem Zwiebelmodell: Schale um Schale zeigt sich der Kern hinter dem vermeintlich so glänzenden Griff nach den Sternen.

Gauguin Paul (1848-1903). Paris, musÈe d'Orsay. RF1994-2. Repro: Absolut Medien

DVD „Gauguin – Ich bin ein Wilder“

Doku über einen Maler an der Schwelle vom Impressionismus zum Expressionismus fürs deutsche Heimkino erschienen Kommt die Rede auf Paul Gauguin (1848-1903), denken wohl die meisten sofort an van Goghs Ohr und an Gauguins Gemälde braungebrannt-halbnackter Naturschönheiten von Tahiti. Aber wieviel davon war originär, wieviel europäisch verklärt oder gestellt? Und welcher Lebensweg führte den französischen Maler ans andere Ende der Welt? Antworten darauf versucht der faszinierende Dokumentationsfilm „Gauguin – Ich bin ein Wilder“ zu geben, der nun fürs Heimkino erschienen ist.

Ein atemberaubender Anblick. Moderne Flugzeuge kommen selten an die klassische Eleganz einer Constellation heran. Bildschirmfoto (Jan Gütter) aus: Captain of the Ship 049 Constellation. A2A

Fliegen wie in den 50ern: Die Constellation im Flugsimulator

Die „Captain of the Ship 049 “ von A2A im Test Die meisten Hobbypiloten sind im Flugsimulator mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Flugzeugtypen unterwegs, wie man sie heute auch am realen Himmel findet. In aller Regel sind die Boeings und Airbus, die man so durch die virtuellen Lüfte steuert, hoch automatisiert. Das heißt zwar nicht zwangsläufig, dass sie einfach zu bedienen sind, denn die Programmierung der Systeme erfordert, dass man sich ebenso intensiv mit diesen modernen Fliegern auseinandersetzt, aber man entfernt sich zwangsläufig immer weiter von den eigentlichen Grundlagen des Fliegens. Ein einmal programmierter Airbus bewegt sich schließlich wie von Geisterhand entlang der magentafarbenen Linie zum Zielort.

Die Installation „D.O.C. 2100“ in der Sonderausstellung "Echtzeit" in den Technischen Sammlungen Dresden prophezeit den 3D-Druck von Babys.

Babys bringt nicht der Storch, sondern der 3D-Drucker

Sonderschau in Dresden widmet sich der Frage, wie “Real Time” und unsere Welt verändert Dresden, 6. Januar 2018. Wie sich unsere Welt, aber auch der Mensch durch die wachsende Echtzeit-Fähigkeit von Maschinen und Technologien verändert, diesem Themenkomplex widmet sich eine Sonderschau „ECHTZEIT – Zwischen Millisekunde und Authentizität“, die bis zum 11. März 2018 in den Technischen Sammlungen Dresden (TSD) zu sehen und zu erleben ist. Das “Dresdner Zentrum der Wissenschaft und Kunst” will damit die Kollaboration von Forschern und Künstlern in der sächsischen Landeshauptstadt stärken.

Ein Schuss und Ares (Ola Rapace) wird für 5 lange Minuten zum Superman im Ring - mit der Option auf einen Hirnschlag. Foto: Tiberius-Film

Dystopischer „Ares“ wütet gegen die Herrschaft der Doping-Konzerne

Im verslumten Paris der Zukunft gilt nur eines: Siegen Einen düsteren Science-Fiction-Thriller aus jener Zeit, als Paris zu einem konzernbeherrschten Doping-Slum wurde, bringt der Filmverleih „Tiberius“ ab dem 4. Januar 2018 unters deutsche Heimkino-Volk. Regisseur Jean-Patrick Benes erzählt darin vom Boxer Ares (Ola Rapace, „James Bond 007 – Skyfall“), der sich auf ein gefährliches Spiel mit einem mächtigen Pharma-Riesen einlässt.