Alle Artikel mit dem Schlagwort: Rezension

Werfen ihre Ideale über Bord, als sie versuchen, die Bank ihrer Familie vor einer feindlichen Übernahem zu retten: Simon und Amanda Absalonsen. Abb.: Bildschirmfoto von "Follow the Money 2"

„Follow the Money 2“: Den Brankrottmachern auf der Spur

Neue Staffel von den „Borgen“-Machern auf DVD erschienen Nachdem sie in der ersten Staffel den Ökostrombetrügern von „Energreen“ den Garaus gemacht haben, nehmen die „Borgen“-Macher diesmal andere Wirtschaftskriminelle ins Visier: In der nun auf DVD erschienenen zweiten Staffel von „Follow the Money“ erzählen sie die Geschichte einer kleinen Privatbank, deren Eigner genossenschaftliche Crowdfunding-Ideale predigen, die sie aber rasch auf dem Alter der größten dänischen Bank. Und mittendrin sind wieder die – mittlerweile vorbestrafte – Finanzjuristin Claudia Moreno (Natalie Madueño), den Polizisten Mads Justesen (Thomas Bo Larsen) und Alf Rybjerg (Thomas Hwan) von der Wirtschaftskripo sowie der schwedische Killer-Opa (Claes Ljungmark) aus dem ersten Teil.

Da will man doch gleich knuddeln: Tiermodell in der "Boden"-Ausstellung. Foto (freigestellt): Heiko Weckbrodt

Senckenberg-Schau in Dresden über „Die dünne Haut der Erde“

Durch vier Kammern zum Boden der Dinge Dresden, 11. April 2019. Wir trampeln darauf herum, schimpfen ihn „Dreck“, schütten Teer darüber – doch all das hat er nicht wirklich verdient: Der Boden, auf dem wir stehen, ist unser Fundament im Leben, er nährt uns, schützt unser Erdklima, hat die frühen Hochkulturen vom Nil bis zum Indus erst ermöglicht und ist Heimstatt für Billionen von Lebewesen. Jetzt endlich bekommt er die Aufmerksamkeit, die er längt verdient hat: In einer Wanderausstellung „Die dünne Haut der Erde – unsere Böden“ würdigt die Senckenberg-Gesellschaft ab dem 13. April 2019 in ihren „Naturhistorischen Sammlungen“ im Japanischen Palais Dresden diese natürliche und endliche Ressource.

Endlich raus aus den Metrohöhlen im verstrahlten Moskau. Abb.: Bildschirmfoto aus: "Metro Exodus"

„Metro Exodus“: Russland im Griff von Eiferern und Kannibalen

Im 3. Teil der Metro-Reihe entflieht Artjom dem verstrahlten Moskau Moskau ist nach einem Atomschlag zerstört. Nur ein paar Hundert Passagiere, die während des Krieges gerade in der U-Bahn waren, haben den Angriff überleben. Sie fristen nun ein dunkles Leben in den Schächten der Metro, vor Mutanten und Aggressoren bewacht von einer Spartanergarde. Doch der Krieger Artjom glaubt nicht recht den Beteuerungen seines Obersten, die ganze Welt sei verstrahlt. Gemeinsam mit Anna und weiteren Kameraden macht er sich auf eine lange Reise… Mit „Metro Exodus“ hat das ukrainische Entwicklerstudio „4A“ nun eine lang erwartete Fortsetzung seiner dystopischen Ego-Shooter-Spielereihe vorgestellt, die lose auf dem Roman „Metro 2033“ von Dimitri Gluchowski beruht.

Die Matrosen Karl Artelt (Lucas Prisor), Werner Riedel (Andreas Dobberkau) haben sich bewaffnet und erzwingen von der Reichsbahn-Aufsicht eine Auskunft, wann der Zug mit Soldaten in Kiel eintrifft. Sie wollen erreichen, dass sich die Soldaten mit den Matrosen verbünden statt auf sie zu schießen. Abb.: Absolut Medien

Dokudrama „1918“: Warum meuterten die Matrosen?

Seine Kriegsflotte war Kaiser Wilhelms ganzer Stolz – und doch zündete gerade dort die Revolution Die Kriegsmarine war des Kaisers ganzer stolz: Immer wieder warb Wilhelm II. im Reichstag um Geld für seine Flotte, immer wieder besuchte er die Panzerkreuzer und Linienschiffe. Und diese Begeisterung steckte an: Matrosenanzüge gehörten vor dem Ersten Weltkrieg zur Top-Mode für deutsche Buben. Warum waren es dann ausgerechnet die Matrosen, die gegen Kriegsende meuterten und den Funken für die Revolution zündeten, die schließlich Kaiser und maritime Gloria hinwegfegten? Dieser Frage geht Regisseur Jens Becker in seinem Doku-Drama „1918 – Aufstand der Matrosen“ nach, das nun auf DVD erschienen ist.

Zeit der Angst von Christoffer Carlsson. Cover: Randomhouse, Bertelsmann

Krimi „Zeit der Angst“: Tote Huren und brutale Polizisten

Der Schwede Christoffer Carlsson hat das letzte Puzzle seines zerrütteten Ermittlers Leo Junker veröffentlicht Im schwedischen Krimi „Zeit der Angst“ taucht beim Stockholmer Kripo-Ermittler Leo Junker ein Geist aus seiner Vergangenheit auf: Sein krimineller Jugendfreund Grim bittet ihn, einen fünf Jahre alten Fall noch einmal aufzurollen – den ungeklärten Mord an der Hure Angelica Reyes. Seine Recherchen stürzen Junker in einer Labyrinth der Zweifel: Er rätselt nicht nur an den Grims Interesse an diesem alten Fall, sondern schließlich auch an der Integrität der ganzen Polizei. Dabei spielen Spitzel, Passfälscher, vermeintliche Terroristen und Polizisten mit zuviel Machtanmaßung wichtige Rollen.

Die Dresdner Tanzsinfoniker 1955 im Dresdner Schillergarten. Foto: Richard Peter jun. SLUB, Deutsche Fotothek, Titelabbildung aus: S. Bretschneider: Tanzmusik in der DDR

Buch „Tanzmusik in der DDR“: Warum die Kulturfunktionäre in Dresden zunächst scheiterten

Kulturwissenschaftler Bretschneider beleuchtet in seinem Buch, wie sozialistische Kulturpolitik funktionierte – oder eben auch nicht Für die kommunistischen Kulturpolitiker waren Jazz und ähnliche westliche Tanzmusik-Stile, die in der deutschen Nachkriegsjugend in Ost wie West zu populär waren, ein einziger Graus. „Die politischen Hintergründe sind klar“, ereiferte sich beispielsweise DDR-Musikjournalist Reginald Rudorf in der Zeitschrift „Musik und Gesellschaft“ im Jahr 1954 über die Jazzer: „Der sich entwickelnde amerikanische Faschismus will die einfachen Menschen durch chaotische Machwerke für die Verwirklichung seiner Weltherrschaftspläne reif machen.“ Überschrieben hatte er seine Kampfschrift übrigens mit dem Titel „Die Tanzmusik muss neue Wege gehen.“ Tatsächlich aber brauchten die kommunistischen Kulturpolitiker nach dem Zweiten Weltkrieg noch mindestens 20 Jahre, bis sie ihre „neuen Wege“ schrittweise durchgesetzt und eine „eigene“, eine „sozialistische“ Tanzmusik-Tradition in der DDR etabliert hatten.

Hinweis: Verdeckte Ermittlungen unter religiösen Eiferern können tödliche Nebenwirkungen haben - auch für Polizistin Camille Delaunay (Erika Sainte). Foto: Edel:Motion

DVD-Box „Die purpurnen Flüsse“: Das dunkle Frankreich

Kommissar Niémans ermittelt wieder gegen alte Seilschaften 18 Jahre, nachdem erstmals Jean Reno als Kriminalist Pierre Niémans gegen eugenische Akademiker in den Alpen ermittelt hat, haben die Franzosen den ruppigen Polizisten zurück auf die Bildschirme gebracht: In der Serie „Die purpurnen Flüsse“, deren erste Staffel nun auch in Deutschland auf DVD erschienen ist, löst diesmal Olivier Marchal als Kommissar Niémans aus Paris die ganz schwierigen Fälle, in denen die Provinzpolizisten nicht weiter kommen. Ihm zur Seite recherchiert nun die junge, aber mit allen Wassern gewaschene Kriminalistin Camille Delaunay (Erika Sainte) an vorderster Front.

Gerard Depardieu als Vidocq. Szenenfoto aus "Vidocq" (Tobisfilm), Repro: hwGerard Depardieu als Vidocq. Szenenfoto aus "Vidocq" (Tobisfilm), Repro: hw

DVD “Vidocq”: Visuelles Kleinod unter den Krimis

Ex-Geheimpolizist ermittelt mit Krimi-Hightech von 1830 Paris im Jahr 1830: Zwei angesehene Bürger, umringt von Leibwächtern, werden durch einen Blitz erschlagen. Beide zur gleichen Zeit, beide hatten geschäftlich miteinander zu tun, beide brennen bei dem “Unfall” völlig aus. Das kann kaum Zufall sein, meint Detektiv Vidocq (Gerard Depardieu), einst Chef der Geheimpolizei, und ermittelt mit den modernsten Methoden seiner Zeit: Blitzexperimente, ballistische Tests, Karteikarten-System etc. Rasch findet er Beweise für eine Mordserie, doch das “Warum” dahinter führt ihn auf die Spur einer scheinbar unglaubwürdigen Legende: Die Mär vom ewigen Alchimisten, einem gesichtslosen Mörder, der seit Jahrhunderten junge Mädchen aus den Pariser Armenvierteln fängt…

Jagen einen besonders unbarmherzigen Mörder, der auch Kinder nicht verschont: Saga Norén (Sofia Helin) und Henrik Sabroe (Thure Lindhardt) ermitteln wieder. Foto: Jens Juncker, Filmlance International AB

Die letzte „Brücke“: Gesteinigt, vergast, geröstet

Finale Staffel der grandiosen Krimiserie fürs Heimkino erschienen Die Schwedin und der Däne ermitteln ein letztes Mal zusammen: Mit „Die Brücke IV – Das Finale“ ist nun die vierte und letzte Staffel der skandinavischen Erfolgskrimiserie auf DVD erschienen. Darin sind die Schwedin Saga Norén (Sofia Helin) und der Däne Henrik Sabroe (Thure Lindhardt) einem besonders brutalen Mörder auf der Spur, der zunächst die Chefin der Ausländerbehörde steinigt und dann jedes weitere Opfer anders tötet. Wie schon in den vergangenen Staffeln steigert sich die Spannung und Dunkelheit dabei von Folge zu Folge.

War als Teil eines Ensembles von acht sowjetischen Wolkenkratzern in Moskau geplant, von denen nur sieben realisiert wurden: der Neubau der Lomonossow-Universität auf den Sperlingsbergen. Abb. aus: "Paläste des Volkes", Absolut Medien

DVD „Paläste des Volkes“: Der Pomp realsozialistischer Gottkönige

Doku-Reihe beleuchtet Monnumental-Architektur im Ostblock Schon zu Stalins Lebzeiten wurde dessen Vorliebe für gigantomanische Spitztürmchen-Komplexe als Zuckerbäckerarchitektur belächelt und als minderwertig abgetan. Ähnlich abfällig waren vor allem im Westen die Urteile über die pompösen Bauwerke anderer realsozialistischer Gottkönige – von Ceaușescus persönlichem Volkspalast in Bukarest bis zu Honeckers „Lampenladen“ in Ostberlin. Mit der Doku-Reihe „Paläste des Volkes“, die nun auf DVD erschienen ist, haben Boris Missirkov und Georgi Bogdanov die Genese, die Ideen und das postsozialistische Nachleben von vier dieser steinernen Zeitzeugnisse unter die filmische Lupe genommen: Stalins Neubau für die Lomonossow-Uni in Moskau, Titos jugoslawischen Regierungspalast in Belgrad, Todor Schiwkows „Nationaler Kulturpalast“ in Sofia und Nikolae Ceaușescus „Haus der Volkes“ in Bukarest.

Tja, was wollten uns die Künstler damit sagen? Steinzeit-Monolithen alias Hinkelsteine in der Bretagne. Abb. aus: "Rätsel der Steinzeit", Absolut Medien

DVD „Rätsel der Steinzeit“: Die Krieg kamen erst mit der Bronze

Doppel-Doku beleuchtet, wie und warum die Menschen vor etwa 8000 Jahren in die Monumental-Architektur einstiegen Steinzeit-Menschen gelten uns in vielen Redensarten heute als Primitivlinge. Tatsächlich aber gelang unseren Vorfahren vor rund 8000 Jahren ein enormer Zivilisations- und Technologiesprung. Davon künden bis heute Steinkreise, Säulen, Palast- und Tempelreste quer durch Europa, deren Zweck wir oft nicht bis zum Letzten verstehen, die uns aber Respekt einflößen: Diese oft viele Tonnen schweren Monolithen und “Hinkelsteine” zu bewegen und gar übereinander zu wuchten, und das ganz ohne Kran und Traktor, war eine enorme Leistung, die ein gewachsenes Verständnis von Werkzeugen, Hebelkraft und elementarer Physik spiegelt. Auf einer nun erschienenen DVD geht die Filmemacherin Barbara Puskas in zwei Dokumentationsstreifen diesen „Rätseln der Steinzeit“ nach.

Der Hundertjaehrige der zurueckkam um die Welt zu retten von Jonas Jonasson. Cover: Randomhouse, Bertelsmann

Hundertjähriger (+1) rettet erneut die Welt

Neue, haarsträubende Abenteuer des schwedischen Chaos-Seniors Allan Karlsson Der Hundertjährige ist zurück – ist aber nun 101 Jahre alt, was ihn nicht daran hindert, sich mit Donald Trump anzulegen, mit Angela Merkel um Uran zu feilschen, die Menschheit vor einem atombombenversessenen Diktator und unfähigen schwedischen Neonazis zu bewahren. Kurz gesagt: Mit dem Roman „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ hat der schwedische Autor Jonas Jonasson neue, ebenso aberwitzige wie kurzweilige Abenteuer seines Chaos-Seniors Allan Karlsson vorgestellt.

Anne Clark im Konzert. Ausschnitt aus: Anne Clark – I’ll Walk Out Into Tomorrow“, Neue Visionen Filmverleih

Bluray über Anne Clark: Wo die Punk-Poetin der 80er heute steht

Biografische Doku fürs Heimkino erschienen In den 1980er Jahren galt die englische Künstlerin Anne Clark als poetische Ikone des Synthie-Pops, nahe am Kreuzungspunkt zu New Wave und Punk. Dann verschwand sie mehr oder minder plötzlich, um als Rezitatorin übersetzter Rilke-Poesie auf die Bühnen zurückzukehren. Wie das alles kam, versucht Regisseur Claus Withopf „Anne Clark – I’ll Walk Out Into Tomorrow“ zu ergründen. Der biografische Dokfilm ist nun fürs Heimkino auf Bluray und DVD erschienen.