Alle Artikel mit dem Schlagwort: Roman

Der Hundertjaehrige der zurueckkam um die Welt zu retten von Jonas Jonasson. Cover: Randomhouse, Bertelsmann

Hundertjähriger (+1) rettet erneut die Welt

Neue, haarsträubende Abenteuer des schwedischen Chaos-Seniors Allan Karlsson Der Hundertjährige ist zurück – ist aber nun 101 Jahre alt, was ihn nicht daran hindert, sich mit Donald Trump anzulegen, mit Angela Merkel um Uran zu feilschen, die Menschheit vor einem atombombenversessenen Diktator und unfähigen schwedischen Neonazis zu bewahren. Kurz gesagt: Mit dem Roman „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ hat der schwedische Autor Jonas Jonasson neue, ebenso aberwitzige wie kurzweilige Abenteuer seines Chaos-Seniors Allan Karlsson vorgestellt.

Sudička. Cover: Salomo Publishing

Roman „Sudička“: Dorfmädchen eint Slawen gegen Gefahr aus dem Westen

Dieter Kalka setzt vernichteter sorbischer Kultur ein literarisches Denkmal Mit „Sudička“ hat der Autor und Vielberufler Dieter Kalka der sorbischen Kultur des Mittelalters ein belletristisches Denkmal gesetzt. In seinem sagenhaften Roman schildert er den Aufstieg eines Dorfmädchens zur Königin von Wolin. Und er malt den Untergang dieser stolzen slawischen Händlerstadt unter dem Ansturm der Sachsen, Nordmannen und anderen Westvölker aus – der womöglich die Vorlage für die Ostsee-Sage vom untergegangenen Vineta war.

Porsche, Jung-Tussi oder neuer Job?

Roman „Der Tag, an dem ich feststellte, dass Fische nicht klettern können“ über Arzneien gegen die Mittlebenskrise Max ist Mitte 40 und da bricht der Hurrikan über ihn hinein: Seine Frau verlässt ihn für einen spindeldürren Biker, sein Chef übergeht ihn bei der verdienten Beförderung und seine Teenage-Tochter gibt ihm die Schuld an all dem. Kumpel Bolle schlägt drei Arzneien vor: eine scharfe 25-Jährige aufreißen, einen neuen Job suchen oder ein sauteures Autos kaufen. Max entscheidet sich für den Porsche und doch kann er diesen besonderen Tag nicht recht verdauen: „Der Tag, an dem ich feststellte, dass Fische nicht klettern können.“

Penelope Lively. Foto: Bertelsmann

Wenn eins zum anderen kommt: Dominoeffekt frisst sich durch die Gesellschaft

Britische Autorin Penelope Lively skizziert in ihrem neuen Roman die verästelten Folgen eines Taschendienstahls Wir kennen das Thema vom Domino-Effekt und richtig populär ist es durch den legendären „Chaos-Schmetterling“ geworden, der angeblich in Südamerika mit dem Flügel schlägt und dadurch letztlich einen Orkan in China auslöst (oder wo auch immer). Im Volksmund kennt man das schon länger in der Redewendung „Kleine Ursache, große Wirkung“. Und diesem Pfad folgt auch die britische Autorin und Historikerin Penelope Lively in ihrem neuen Roman „Wenn eins zum anderen kommt“. In dem exerziert sich durch, wie schnell ein kleiner Auslöser eine unerwartete Kette von Ereignissen auslösen und dem Leben ganz verschiedener Menschen eine neue Richtung gibt.

Schon einmal ist Grünhalm durch eine unversehens geöffnete Tür gegangen - mit tödlichen Folgen. Abb.: EDITIA

Grünhalm tippt auf die Weltwaage

Episodenroman von Henning Wenzel verschränkt Lebenslinien über Eck Viola verspeist ein Glas voller Fliegen und verliebt sich in den schüchternen Musiker Björn. Der hat eine Schildkröte, die ihn küssen will, doch Björn küsst lieber Ronyas WG-Genossin. Ronya wiederum raunzt den Musikus an, weil er sich nicht die Hände wäscht. Und über all ihnen im alten Mietshaus, ganz oben, wohnt Grünhalm, der sich an ein altes Verbrechen erinnert – und dessen Vergangenheit und Gegenwart mit dem Fatum all der anderen über viele Ecken verwoben ist… In seinem episodischen Roman „Grünhalm oder Vom Glück der Ahnungslosigkeit“ lässt der Dresdner Autor Henning H. Wenzel den Schicksalswürfel rollen, man kann auch sagen: die Dominokette fallen. Und zwar so, dass keiner seiner Protagonisten davon ahnt, dass die Steine nebenan schon fallen und die Ursache-Folge-Welle nach ein paar Kurven auch ihn oder sie erreichen wird.

Grafix (Helix): Ude, Wikipedia, Montage: h, gemeinfrei

Extinction: Globales Ränkespiel nach Evolutionssprung

Kazuaki Takano haut in seinem Thriller kaum verkappt auf die Folter-Regierung Bush drauf Den Weltuntergang zeichnen Romanautoren gern in den brennendsten Farben: als Atomkrieg, Meteoriten-Einschlag, Pandemie oder Umweltkatastrophe. In „Extinction“ spielt der Japaner Kazuaki Takano ein sonst eher selten diskutiertes Szenario durch: Was passiert, wenn die Evolution einen Sprung macht und ein Wesen geboren wird, das in seiner Intelligenz und seinen Fähigkeiten normalen Menschen weit voraus ist? Das potenziell im Stande wäre, die menschliche Spezies auszurotten? Zumindest US-Präsident Burns reagiert in Takanos Thriller ziemlich allergisch: Er schickt ein Söldner-Kommando um den erfahrenen Veteranen Jonathan Yeager los, um diesen Übermenschen im afrikanischen Busch auszulöschen – samt der ganzen Sippschaft. Doch Burns ist offensichtlich nicht der einzige, der in diesem globalen Schachspiel seine Figuren zieht. Denn zeitgleich bekommt im fernen Japan der Nachwuchsforscher Kento Kago den Auftrag, ein Heilmittel für eine extrem seltene Krankheit zu entwickeln. Dieses Forschungsprojekt hat, wie Kento schließlich erkennt, über drei Ecken mit jenem Überwesen in Afrika zu tun. Und wie es scheint, zieht da eine weitere unbekannte Instanz im Hintergrund ihre Strippen…

Foto: Carls Books

„Die Analphabetin, die rechnen konnte“ und Schweden zur Atommacht machte

Nombeko: „Du bist also nicht böse wegen dieser Geschichte mit der Atombombe?“ „Ach wo“, sagte Holger. „So was kann schon mal passieren.“ Jonas Jonassons verrückte Reise von Sowetos Scheißefabriken zum König von Schweden Nombeko wird 1961 im „Südwestlichen Township“ von Johannesburg geboren, von weißen Rassisten dazu abgestempelt, ein Leben lang als Analphabetin in den Scheißefabriken von Soweto zu schuften. Doch nicht dieses Mädchen: Sie lernt heimlich rechnen, lesen und schreiben, landet in der Schulknechtschaft eines versoffenen Chefingenieurs, macht erst unfreiwillig den Apartheidstaat Südafrika, dann das kernwaffenfreie Schweden zur Atommacht, trickst den Mossad aus und bringt den König dazu, Hühner zu köpfen. Und erzählt wird diese achterbahnartige Geschichte von der „Analphabetin, die rechnen konnte“ von Jonas Jonasson, einem der ganz großen Fabulatoren unserer Zeit.

Abb.: Heyne-Verlag

Clancys „Stunde der Patrioten“: Eine Linie von Nordirland nach Guantanamo

Original-Trailer der Verfilmung (Paramount) Romanvorlage zeigt Wurzeln heutiger US-Antiterrordenke Jack Ryan war einst Marine, jetzt lehrt er Militärgeschichte an der US-Marineakademie. Bei einem Urlaub mit der Familie in London gerät er mitten in den Anschlag einer IRA-Splittergruppe auf den britischen Thronfolger. Er schmeißt sich dazwischen, erschießt einen Terroristen, rettet die Royals – und wird in England als Held gefeiert, von den Iren jedoch fortan gejagt… Viele werden Tom Clancys „Stunde der Patrioten“ aus der Verfilmung mit Harrison Ford kennen, doch ähnlich wie bei „Jagd auf Roter Oktober“ lohnt sich ein Vergleich zwischen Buch und Film. Denn wie schon bei genannter U-Boot-Jagd ist auch hier der nationalistische und US-zentrierte Tenor der Clancy-Bücher fürs globale Filmpublikum etwas gedämpft worden.

Roman-Trilogie „Die Tribute von Panem“: Frisch frisiert in den Tod

Was den Spotttölpel Katniss zur Heldin einer Generation macht Katniss Everdeen ist die Heldin des Castingshow-Zeitalters: In der dystopischen Jugendbuch-Trilogie „Die Tribute von Panem“ zieht sie – stets frisch frisiert – unerschrocken in den Kampf gegen Diktatur und perfide Präsidenten und findet damit ein Millionen-Publikum sowohl in unserer wie in ihrer virtuellen Welt. Und zwar nicht nur unter Teenies, sondern auch Erwachsenen. Irgendwie muss Autorin Suzanne Collins den Nerv der Zeit getroffen haben, wenn eine 16-Jährige mit Fernseh-Verve zur Heroine einer Generation werden kann. Ist es, weil das Mädchen Katniss immer erst in den Kampf zieht, wenn ihr persönliches Stylisten-Team sie mit allem modischen Chic versehen hat? Weil sie unbewusst virtuos auf der Klaviatur der Massenmedien einer pervertierten TV-Welt spielt, die so sehr an das Casting-Show-Unwesen unserer Tage erinnert? Dies allein würde ihr wohl allein die Begeisterung modevernarrter Backfische sichern. Doch haben die Buchtrilogie und die zwei Verfilmungen ein weit breiteres Publikum gefunden.

„Die Tausend Herbste…“: Ehre und Schrecken im Gefängnis Japan

Raffiniertes Intrigenspiel der Edo-Zeit von „Wolkematlas“-Autor David Mitchell Orito Aibagawa: „Der menschliche Verstand ist ein Webstuhl, der unterschiedliche Fäden aus Glauben, Erinnerung und Erzählungen in ein Ganzes verknüpft, das wir gewöhnlich ,Ich’ nennen.“ (in: David Mitchell: „Die Tausend Herbste des Jacob de Zoet“) Der Brite David Mitchell ist ein Virtuose dieses Individualität kreierenden Webstuhls, wie wir erst jüngst in der Verfilmung seines „Wolkenatlas“ auf der Kinoleinwand sehen konnten, wo das das Webschiffchen seiner Fabulierlust rasant zwischen Epochen und Erzählebenen hin und her flog und sie zu einer Weltgeschichte verflochten hat. Auf solche Zeitreisen verzichtet Mitchell in seinem jüngsten Roman „Die Tausend Herbste des Jacob de Zoet“ zwar, verschachtelt darin aber wieder nach dem Matroschka-Prinzip Story in Story, um das zu spiegeln, was menschliche Entscheidungen, was Leben ausmacht: Komplexität.

Roman „Der Wolkenatlas“: Mitchells raffinierte Zeit- und Weltmaschine

Der amerikanische Notar Adam Ewing schließt sich nach einer vergifteten Pazifikreise in San Francisco den Sklavenbefreiern an. 70 Jahre später liest der Dandy Robert Frobisher Ewings Tagesbuch, schreibt in Belgien eine Meisterkomposition und schießt sich eine Kugel durch den Kopf. Weitere 80 Jahre darauf liest Luisa Ray Roberts Briefe an dessen Liebhaber, den Physiker Sixsmith – der die Journalistin auf eine tödliche Bedrohung für San Francisco aufmerksam macht. In unserer Gegenwart bekommt Verleger Tim Cevendish ein Roman-Manuskript mit dem Titel „Luisa Rays erster Fall“, kurz bevor ihn Gier und sein Bruder in die Rentnerklapse einsperren. Rund 200 Jahre später bekommt die geklonte Bedienerin Sonmi 451 im von der Konzernokratie beherrschten Korea ein Filmfragment des „Grausigen Martyrium des Timothy Cavandish“ in die Hände und bricht aus ihrer Sklavenwelt aus. Eine Apokalypse später beten ein pazifistischer Stamm auf Hawai Somni als Göttin untergegangener Moral und Zivilisation an…All diese Menschen verbindet ein feines Gespinst aus Korrelationen über die Äonen und Kontinente hinweg – ein „Wolkenatlas“ aufsässiger Seelen, wie Robert Frobisher seine Meisterkomposition nannte und gleichzeitig Titel von David …

Dan Browns verlorenes Symbol: eine esoterische Wirrnis

Und wieder einmal stolpert Action-Symbologe Robert Langdon durch verschwörungstheoretische Labyrinthe. Für seinen jüngsten Roman “Das verlorene Symbol” dreht Autor Dan Brown diesmal die Freimaurer durch den Fleischwolf Washington. Was anfangs noch leidlich spannend daher kommt, verkommt allerdings Seite für Seite (und derer gibt es fast 800) zu religiösem Kitsch und ermüdenden esoterischen Glaubensbekenntnissen des Autors.