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Roman „Sudička“: Dorfmädchen eint Slawen gegen Gefahr aus dem Westen

Sudička. Cover: Salomo Publishing
Sudička. Cover: Salomo Publishing

Dieter Kalka setzt vernichteter sorbischer Kultur ein literarisches Denkmal

Mit „Sudička“ hat der Autor und Vielberufler Dieter Kalka der sorbischen Kultur des Mittelalters ein belletristisches Denkmal gesetzt. In seinem sagenhaften Roman schildert er den Aufstieg eines Dorfmädchens zur Königin von Wolin. Und er malt den Untergang dieser stolzen slawischen Händlerstadt unter dem Ansturm der Sachsen, Nordmannen und anderen Westvölker aus – der womöglich die Vorlage für die Ostsee-Sage vom untergegangenen Vineta war.

Die Story: Priester orakelt und Prinz sucht das Einheits-Mädchen

Der Weg zu royalen Weihen ist für die Titelheldin indes alles andere als freiwillig: Das Dorfgör führt ein mehr oder minder lustiges Leben weit draußen in der sorbischen Pampa, wo die Welt von Fabelfiguren wie dem Waldgeist Lesovik oder dem Monster Vklodlak bevölkert ist. Von Karl dem Großen, den Franken und Sachsen hat in ihrem Heimatdorf kaum einer jemals gehört. Anders der Hohepriester von Wolin: Der Diener des dreiköpfigen Gottes Triglav ahnt schon, was auf die Wenden, Sorben und anderen Slawen zwischen Ostsee und Lausitz, Elbe und Oder zukommt und hat eine Vision: Der Königssohn von Wolin muss ein Mädchen finden, dass „Jednota“ in sich trägt, die innere Einheit – und damit die Fähigkeit, die zerstrittenen Slawen gegen die westliche Bedrohung zu einen. Und so macht sich Prinz Milegost gemeinsam mit ein paar Vasallen – darunter einem arabischen Berater – auf, um die Prophezeite zu finden…

Gruppenbild mit Krieger-Dame im Bahnhof Dresden-Neustadt: Autor Dieter Kalka (Mitte), umgeben von der streitbaren Sudička (die in ihrem anderen Leben Landschaftsarchitektin ist und Bianca Schöne heißt) und dem Ritter Burchardas de Rabinowe alias Jörg Friedrich Recknagel. Foto: Heiko Weckbrodt
Gruppenbild mit Krieger-Dame im Bahnhof Dresden-Neustadt: Autor Dieter Kalka (Mitte), umgeben von der streitbaren Sudička (die in ihrem anderen Leben Landschaftsarchitektin ist und Bianca Schöne heißt) und dem Ritter Burchardas de Rabinowe alias Jörg Friedrich Recknagel. Foto: Heiko Weckbrodt

Arabischer Rahmen

Umrahmt hat Kalka diese im Stil einer „Herr der Ringe“-Sage erzählte Geschichte mit einer Rahmenhandlung, die auf einem Basar in Damaskus beginnt, und den Bogen ins Heute schlägt. Sie soll erklären, wie die bisher unbekannte Mär vom Mädchen Sudička erst jetzt überliefert wurde, was für etwas Authentizitäts-Patina sorgt.

Arg Blumig

Gerade aber der blumig-ausschweifende Erzählstil, der arabischer Fabulierkunst nachempfunden ist, ist gewöhnungsbedürftig: Ein paar florale Wortgebinde hätten dem Buch sicher gutgetan und den Spannungsbogen verbessert – zudem erst nach etwa zwei Drittel der rund 300 Seiten die richtige Action beginnt.

Dieter Kalka. Foto: Matthias Beck
Dieter Kalka. Foto: Matthias Beck

Der Christen-Bischof ist ein Kinderschlächter

Gar nicht gut kommen in Kalkas Buch die Christen weg: Deren Bischof ist ein Meister der dunklen Magie, der Slawenkinder opfert. Und all die Sachsen, Franken und Wikinger, die Wolin aufmischen, sind bei ihm sowieso mehr auf Beute als auf Seelenheil aus. „Vielen Deutschen sei gar nicht bewusst“, so sagte der Autor kürzlich, „welches Genozid die Christianisierung und die Ostexpansion der germanischen Völker an den Slawen und speziell den Sorben angerichtet haben“. Und vielleicht ist gerade dieser allzu starke Impetus auch ein Problem von „Sudička“: Kalka liegt die Wiedererweckung der sorbischen Alltagskultur sehr am Herzen, streut viele recherchierte Details ein. Doch statt die Story dadurch dichter zu machen, zerfasert sie dadurch. Schade eigentlich: Story, Plot und Konstrukt an für sich sind zweifellos interessant, werden aber doch etwas überfrachtet – zu Lasten von Dramaturgie und Stringenz.

Kurzübersicht:

  • Titel: „Sudička“
  • Autor: Dieter Kalka
  • Verlag: Salomo Publishing
  • Erscheinungsort und -jahr: Dresden 2018
  • Umfang: 320 Seiten
  • Preis: 15 Euro
  • ISBN: 978−3−941757−81−3
  • E-Book: 9 Euro (ASIN: B079MJ158L)

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt

Werbung:

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger