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Hundertjähriger (+1) rettet erneut die Welt

Der Hundertjaehrige der zurueckkam um die Welt zu retten von Jonas Jonasson. Cover: Randomhouse, Bertelsmann

Der Hundertjährige der zurückkam um die Welt zu retten von Jonas Jonasson. Cover: Randomhouse, Bertelsmann

Neue, haarsträubende Abenteuer des schwedischen Chaos-Seniors Allan Karlsson

Der Hundertjährige ist zurück – ist aber nun 101 Jahre alt, was ihn nicht daran hindert, sich mit Donald Trump anzulegen, mit Angela Merkel um Uran zu feilschen, die Menschheit vor einem atombombenversessenen Diktator und unfähigen schwedischen Neonazis zu bewahren. Kurz gesagt: Mit dem Roman „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ hat der schwedische Autor Jonas Jonasson neue, ebenso aberwitzige wie kurzweilige Abenteuer seines Chaos-Seniors Allan Karlsson vorgestellt.

Allan Karlsson grast auf seiner Reise um die Welt 100 Jahre Geschichte ab. Abb.: Jonasson

Allan Karlsson graste im ersten Roman auf seiner Reise um die Welt 100 Jahre Geschichte ab. Abb.: Jonasson

Was bisher geschah (Kurzfassung: Der 100-Jährige stieg aus dem Fenster)

Wir erinnern uns: In seinem – inzwischen auch verfilmten – Erfolgsroman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ hatte Jonasson vom schwedischen Ex-Sprengmeister und Atombombenbauer Karlsson erzählt, den ein langes, turbulentes Leben durch die ganze Welt geführt und mit Stalin, Kim Il Sung und anderen Großnasen persönlich bekannt gemacht hatte. Kein Wunder also, dass sich dieser vielgereiste Kosmopolit von der anberaumten Feier zu seinem 100. Geburtstag so angeödet fühlte, dass er sich per Fensterausstieg aus seinem Altersheim absetzte und auf verschlungenen Wegen von Gangstern einen Koffer voller Geld erbeutete. Mit diesen Gaunermillionen und dem Spargel-Betrüger Julius setzte er sich schließlich nach Bali ab.

Jonas Jonasson. Foto: Brandt

Jonas Jonasson. Foto: Brandt

Langeweile im Luxushotel auf Bali löst globale Kettenreaktionen aus

Im neuen Buch ist Langeweile erneut der Auslöser für bizarre Domino-Fallketten, die der Hunderteinsjährige rund um den Globus auslöst: Er hat nämlich nun ein Tablet und auf dem liest er soviele aufregende Nachrichten, dass es ihn auf der Urlaubsinsel kaum noch hält – mal abgesehen davon, dass ihm auch langsam die Millionen ausgehen. Also setzen er und Julius sich mit einem Ballon ab, werden durch ein nordkoreanisches Schmuggelschiff aufgelesen, werfen Kim Jong Uns Nuklearprogramm zurück, streiten sich mit dem US-Präsidenten und landen schließlich in einem Esoterik-Massencamp in Afrika.

Auch eine Wasserstoffbombe ist in der Spionage-Ausstellung zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt

Foto: Heiko Weckbrodt

Fazit: Schwedische Episoden sind die besten

Das klingt wild und durchgedreht und ist es größtenteils auch – zumindest lesen sich die 448 Seiten schnittig durch. Allerdings erreichen die neuen Abenteuer des Hundertjährigen nicht durchgängig die Eleganz des Erstlingswerkes: Gerade in den Passagen, die sich um Trump, Putin, Merkel und die große internationale Bühne drehen, wirken etwas bemüht, schimmert dort doch allzu stark der Wunsch des Autors zu eigenen politischen Bekenntnissen durch. In die skurrile Leichtigkeit seines Romandebüts fällt Jonasson immer dann zurück, wenn er über Handlungsstränge in seiner Heimat Schweden schreibt. Köstlich sind da etwa die Stories über das verkorkste Nazi-Begräbnis oder über die kurze Karriere der Protagonisten als Bestattungsunternehmer.

Kurzüberblick:

  • Autor: Jonas Jonasson
  • Titel: „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“
  • Originaltitel: Hundraettåringen som tänkte att han tänkte för mycket Hundraettåringen som tänkte att han tänkte för mycket
  • Originalverlag: Piratförlaget, Stockholm 2018
  • Übersetzung: Wibke Kuhn
  • Genre: Roman / Polit-Krimi/Globalabenteuer
  • Umfang: 448 Seiten
  • Deutsche Erstausgabe: C. Bertelsmann, München 2018
  • Preis: 20 Euro (gebundene Ausgabe)
  • ISBN: 978-3-570-10355-5
  • Leseprobe: hier

 

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt

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