Alle Artikel mit dem Schlagwort: Ostdeutschland

Rüdiger Bernhardt: Essay und Kritik – Literatur im Osten Deutschlands nach 2000“, Abb.: Edition Freiberg

„Mit der DDR verschwand die letzte große Gesamtliteratur“

Essay-Sammlung von Rüdiger Bernhardt veranschaulicht en passant, wie sehr der Einfluss von Literatur und Literaten in Ostdeutschland mit der Wende geschwunden ist Was hat eigentlich die DDR-Literatur ausgemacht? Wie tickten ihre Autoren? Und hat sich daraus eine eigenständische ostdeutsche Literatur entwickelt, die bis heute Bestand hat? Diesen Fragen widmet sich der Band „Essay und Kritik“, der kürzlich im Verlag „Edition Freiberg“ erschienen ist. Statt sie allerdings in einer langen theoretischen Abhandlung zu beantworten, wählt dieses Buch gewissermaßen einen pointillistischen Ansatz, um ein Gesamtbild zu entwerfen: Es enthält Nachrufe, Buchkritiken und Aufsätze, die der ostdeutsche Literaturwissenschaftler Rüdiger Bernhardt über zwei Jahrzehnte hinweg verfasst hat.

"Mein Mann war ein Arbeitstier", erinnert sich seine Witwe Renee Hartmann. Abb.: Archiv R.H.

„Versagtes Vertrauen: Wie die Stasi und ihre Komplizen DDR-Wissenschaftler kalt ausgebootet haben

Neues Werk von Reinhard Buthmann skizziert an vielen Beispielen, wie sehr der ostdeutsche Geheimdienst „bürgerlichen“ Forschern misstraute Wie die Staatssicherheit einst „bürgerliche“ Wissenschaftler argwöhnisch beobachtete, oft auch drangsalierte oder gar kalt stellte, hat der Zeithistoriker und ehemalige Kosmosforscher Reinhard Buthmann recherchiert und in seinem Buch „Versagtes Vertrauen. Wissenschaftler der DDR im Visier der Staatssicherheit“ dargestellt. Auf knapp 1200 Seiten spannt er in diesem – im wahrsten Sinne des Wortes – gewichtigen Werk einen weiten Bogen. Der beginnt mit „Wissenschaft von der Tradition zur Moderne“ (Kapitel 3) und erstreckt sich über die Erwartungen und Anmutungen der Staatspartei SED hinweg bis zu der wachsenden Rolle des Geheimdienstes. Letztere analysiert der Autor akribisch am Beispiel der Hochtechnologien Mikroelektronik, Raumforschung, Kerntechnik und Flugzeugbau (Kapitel 4).

Oliver Köhn ist Geschäftsführer des VDMA Ost. Foto: VDMA

Ostdeutscher Maschinenbau verliert weiter an Dynamik

Industrieverband VDMA Ost sieht Ursachen nicht nur bei Corona Leipzig, 18. Oktober 2020. Die Geschäftslage im ostdeutschen Maschinenbau hat sich weiter eingetrübt – und das nicht nur wegen Corona. Die Auftragslage habe sich bereits 2019 eingetrübt, also vor der Seuche, teilte der Landesverband Ost des „Verbandes der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer“ (VDMA) in Leipzig mit. Schuld daran seien die globalen Handelskriege, die weltweite Konjunkturflaute und der Strukturwandel in Automobilbau und Energiesektor gewesen.

Highvolt-Monteur Andreas Nusch prüft die elektrischen Verbindungen an einer 550.000-Volt-Wechselspannungs-Prüfanlage, die für Toshiba bestimmt ist. Foto. Heiko Weckbrodt

Dresdens Wirtschaftskraft seit 2018 über Bundesschnitt

Landesstatistiker zeichnen Bip-Entwicklung nach Dresden, 6. Oktober 2020. Die Stadt Dresden liegt in puncto Wirtschaftskraft bereits seit dem Jahr 2018 leicht über dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Das hat das statistische Landesamt Sachsen in Kamenz zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung berechnet und nun veröffentlicht. Neuere Zahlen liegen dazu noch nicht vor.

Mitteldeutsche Industriebetriebe beschäftigen 1 Million Menschen im ländlichen Raum. Doch die Infrastruktur dort ist immer noch unterentwickelt, kritisiert der VDMA Ost. Foto: VDMA Ost

Corona bremst weiter ostdeutschen Maschinenbau aus

Zwei von drei Unternehmen beurteilen Lage als schlecht Leipzig, 15. Juli 2020. Die Corona-Virus-Pandemie hinterlässt im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau immer tiefere Spuren. Das hat heute der „Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau – Ost“ (VDMA) aus Leipzig eingeschätzt. Demnach schätzen zwei Drittel von 350 befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als negativ ein. Sie kämpfen vor allem mit ausbleibenden Aufträgen.

Mitteldeutsche Industriebetriebe beschäftigen 1 Million Menschen im ländlichen Raum. Doch die Infrastruktur dort ist immer noch unterentwickelt, kritisiert der VDMA Ost. Foto: VDMA Ost

Ostdeutsche Maschinenbauer stoppen Abschwung

Leipzig, 22. Januar 2020. Obwohl die weltwirtschaftliche Lage weiter angespannt ist, hat sich der Abschwung im ostdeutschen Maschinenbau zuletzt nicht mehr fortgesetzt. Das hat der Landesverbandes Ost des „Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau“ (VDMA) in Leipzig mitgeteilt. Er beruft sich dabei auf eine aktuelle Mitgliederumfrage.

Gehört zur ostdeutschen Millennium-Generation: Julia Buchwitz aus Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

DDR und Wende? Weit, weit weg

Julia Buchwitz wurde eine Dekade nach der Wende geboren – als Ostdeutsche empfindet sich die Geschichtsstudentin nicht. Dresden, 8. November 2019. Für Julia Buchwitz ist „die Wende“ eine jener alten Storys, von denen man vage in der Schule hört oder mit denen immer wieder die Großeltern anfangen. Als sie kurz nach einer lautknallenden Millennium-Silvesternacht schreiend zur Welt kam, war die DDR längst passé. Da bewegten längst Telekom-Aktien und geplatzte Börsenblasen die Dresdner, die Benzinpreise und Harry Potters Feuerkelch, die Infineon-Investitionen in Klotzsche und das neue Großkino am Schillerplatz, die Rinderwahn-Wurst und andere Alltagsaufreger. Der Kampf gegen SED-Schergen war abgehakt.

Seit der Wende verfallen ganze Betriebe in Ostdeutschland - hier ein Beispiel aus der Lausitz. Foto: Heiko Weckbrodt

Ökonomen glauben nicht mehr an Ost-West-Angleichung

Die meisten Wirtschaftsprofessoren sehen auch nach Jahrzehnten keine Chancen dafür München, 9. Mai 2019. Drei Jahrzehnte nach der politischen Wende in der der DDR und der deutschen Wiedervereinigung glauben nur noch wenige Volkswirte daran, dass sich das Wirtschaftsniveau und die Lebensverhältnisse in Ostdeutschland in überschaubarer Zeit an Westdeutschland angleichen werden. Das geht aus einem „Ökonomenpanel“ des Wirtschaftsforschungsinstituts „ifo“ aus München und der „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“ (FAZ) hervor, für das die Forscher 136 Wirtschaftsprofessoren befragt hatten.

Textilmaschinenführerin Heidi Gerber kontrolliert in der Produktion in Wilkau-Haßlau die neuen Garne. Foto: Wolfgang Schmidt

Ostdeutsche Textilindustrie stagniert

Umsatz verharrt bei knapp 1,9 Milliarden Euro Chemnitz, 4. Januar 2019. Die abkühlende Konjunktur der Weltwirtschaft, Handelsstreits und die Probleme der deutschen Autoindustrie gehen auch an der ostdeutschen Textilindustrie nicht spurlos vorbei, die mehr als die Hälfte ihrer Geschäfte mit technischen Textilien realisiert: 2018 verzeichnete die Branche nur noch stagnierende Umsätze. Das geht aus einer vorläufigen Einschätzung des „Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie“ (VTI) in Chemnitz hervor. 2017 hatte die ostdeutsche Textilindustrie ihre Umsätze noch um drei Prozent auf 1,87 Milliarden Euro steigern können.

Seit der Wende verfallen ganze Betriebe in Ostdeutschland - hier ein Beispiel aus der Lausitz. Foto: Heiko Weckbrodt

Ifo-Chef: Ostdeutsche Länder brauchen mehr Spielraum

Wirtschaftsforscher feiern 25 Jahre Ifo in Dresden Dresden, 19. September 2018. Die deutschen Bundesländer sollten mehr Kompetenzen für eine eigene Wirtschafts- und Steuerpolitik bekommen, damit der Aufholprozess Ostdeutschlands endlich wieder an Schwung gewinnt. „Darüber hinaus sollten die Verbindungen zu den mittel- und osteuropäischen Nachbarstaaten ausgebaut werden.“ Das hat ifo-Präsident Clemens Fuest heute bei einer Festveranstaltung in Dresden gefordert, mit der das Wirtschaftsforschungsinstitut das 25. Jubiläum seiner Dresdner Niederlassung gefeiert hat.

IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller . Foto: IWH

IWH: Osten hat zu wenig Spitzenforschung – außer Sachsen

Forscher sieht engen Zusammenhang zum stagnierenden Aufholprozess Ost Halle, 6. Oktober 2017. Mit Ausnahme von Sachsen sind ostdeutsche Bundesländer in der Spitzenforschung unterrepräsentiert. Darauf hat Oliver Holtemöller hingewiesen – er ist Leiter der Abteilung Makroökonomik am Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Dies hänge indirekt auch mit dem schleppenden Aufholprozess Ost zusammen, meint er.

Vietnamesische buddhistische Andachtsstätte „Giac Tue“ an der Großenhainer Straße in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Vietnamesen in Ostdeutschland: Superassimiliert und immer unter dem Radar

Einst kamen sie als DDR-Vertragsarbeiter, heute gelten die Vietnamesen als die wohl bildungshungrigste und anpassungswilligste Minderheit in Dresden Dresden, 24. August 2017. Den Einen gelten sie als immer freundlich Duldende, den Anderen als erbarmungslos Kämpfende. Die Rede ist von einem kleinen, schier unbesiegbaren Volk, das normalerweise 11 000 Kilometer weit weg von Deutschland lebt: Den Vietnamesen, die man wegen ihrer Sekundärtugenden und ihres unbedingten Bildungshungers gelegentlich die „Preußen von Asien“ nennt. Ein Teil von ihnen ist vor über 40 Jahren auf Wunsch der DDR-Führung nach Ostdeutschland gekommen. Die rund 2300 Vietnamesen, die heute in Dresden leben, gelten als die wohl am besten assimilierteste, beliebteste und unauffälligste Einwanderer-Gruppe in der Stadt.

Im ostdeutschen Maschinenbau brummen die Geschäfte derzeit. Hier im Foto sind gerade zwei Mitarbeiter von Niles-Simmons Chemnitz mit der Qualitätskontrolle einer großen Kurbelwelle beschäftigt. Foto: Wolfgang Schmidt, VDMA Ost

Ostdeutscher Maschinenbau im Aufschwung

Gute Geschäftslage, Kapazitäten sind stark ausgelastet Leipzig, 21. Juli 2017. Die ostdeutsche Maschinenbau-Branche ist im Aufwind, hat eine Umfrage des Landesverbandes Ost des „Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau“ (VDMA) aus Leipzig ergeben: Demnach schätzen 88 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut oder als sehr gut ein. Zudem sind ihre Produktionskapazitäten zu durchschnittlich 91,8 Prozent ausgelastet. Dies ist der höchste Wert seit über fünf Jahren.