Alle Artikel mit dem Schlagwort: DDR

Die neue "Coool Case"-Fabrik von außen. Foto: Heiko Weckbrodt

Cooolcase will Gehäusefabrik in Dresden-Reick ausbauen

Auftragsfertiger gehört zu den Robotron-Nachfolgebetrieben und wird nun 30 Jahre alt Dresden, 23. September 2023. Der Gehäusebauer „Cooolcase“, der 1993 aus den Überresten des Robotron-Computerkombinats hervorging, will seine Fabrik in Dresden-Reick mittelfristig ausbauen. Das hat Geschäftsführer Christian Michel zum 30-jährigen Firmenjubiläum angekündigt. Die Auftragslage sei gut, viele neue Projekte rings um die Energiewende haben in jüngster Zeit die Auftragsbücher gefüllt. Allein in den vergangenen zwei Jahren sei das Unternehmen um 20 Prozent gewachsen.

Arndt Göbel war vor der Wende Testfeld-Designer im ZFTM Dresden. Hier zeigt er einen Entwurf mit seinem stilisierten Fuchs (unter den schrägen rosa Elementen). Foto: Heiko Weckbrodt

Frosch, Fuchs & Storch: Die „Steinmetzzeichen“ der DDR-Chips

Gewohnheit aus dem Mittelalter im Digitalzeitalter: Individuelle Tier-Signets der Entwickler sind in vielen Schaltkreisen versteckt Dresden, 11. September 2023. Was haben ein Frosch, eine Eule, ein Hammer und eine Rakete gemein? Sie alle sind eine Art „Steinmetzzeichen“ des Digitalzeitalters. Denn ähnlich wie mittelalterliche Handwerker ihre ganz besonderen Zeichen in gotische Kathedralen gemeißelt haben, um sich für nachfolgende Generationen zu verewigen, bürgerte sich Ähnliches auch in vielen Mikroelektronik-Schmieden weltweit spätestens seit den 1970er Jahren ein. Auch in der DDR hinterließen die Dresdner Schaltkreis-Entwerfer heimlich kleine Kennungen zwischen mikroskopisch kleinen Schaltern und Leiterbahnen in „ihren“ Chips.

Aluminium-Guss in einem norwegischen Hydro-Werk. Foto: Hydro

Alu-Werke von Norsk Hydro in Rackwitz wachsen

Norweger investieren Millionen in Ausbau von Aluminium-Gießerei und Presswerk Rackwitz, 9. September 2023. „Hydro“ baut seine Alu-Fabriken im nordsächsischen Rackwitz mit Millionenaufwand aus. Dadurch entstehen Dutzende neue Jobs. Auch sichern die Investitionen auch den Aluminium-Nachschub für die Autoindustrie und weitere Branchen in Deutschland besser ab. Das geht aus Meldungen des norwegischen Aluminium- und Energie-Unternehmens sowie des sächsischen Regionalministeriums (SMR) hervor.

Auch die deutschen Versuche, einen Jäger-Raumgleiter zu bauen, sind in der Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz ein Thema - und ein Element des Raumspielplatzes neben dem Museum. Foto: Heiko Weckbrodt

Raumfahrtmuseum in Sachsen wächst

8,7 Millionen Euro für Anbau mit Raum-Kino und Erlebnisausstellung Morgenröthe-Rautenkranz, 1. September 2023. Die „Deutsche Raumfahrtausstellung“ in Morgenröthe-Rautenkranz wird größer: In den kommenden Monaten entsteht an der Dr.-Sigmund-Jähn-Straße ein Museums-Anbau für 8,7 Millionen Euro. Das hat die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) angekündigt, die heute dafür im Heimatort des ersten deutschen Raumfahrers Sigmund Jähn eine Förderzusage an die Museumsleitung übergeben hat. Bund und Land werden sich in die Finanzierung hineinteilen.

Bernd Junghans (rechts) bei der Arbeit am Megabit-Projekt. Foto: privat

Im Dresdner Megabit-Chip steckten 50:50 DDR- und Westtechnologie

Projektleiter: Ohne Embargo-Technik ging’s nicht – doch von Siemens haben wir nicht abgekupfert Dresden, 17. August 2023. Der ostdeutsche Megabit-Chip aus dem Jahr 1988 war in wesentlichen Teilen eine DDR-eigene Entwicklung und nicht etwa ein Klon geklauter West-Schaltkreise. Das haben der damalige Mega-Projektleiter Bernd Junghans und Chefdesigner Jens Knobloch im Oiger-Gespräch erklärt. Etwa die Hälfte der Fertigungsanlagen, die kompletten Schaltpläne, viele Materialien wie auch die Reinraumtechnik seien ostdeutsche Lösungen gewesen. Sie widersprachen damit seit 35 Jahren kursierenden Behauptungen, das staatliche „Zentrum Mikroelektronik Dresden“ (ZMD) habe die Baupläne und Belichtungsmasken nur durch die Stasi aus dem Westen klauen lassen und dann einen Siemens-Megabit-Chip schlicht abgekupfert.

ORWO Net will die ostdeutsche Marke "ORWO" im Fotogeschäft wiederbeleben. Foto: ORWO Net GmbH

ORWO reaktiviert ORWO

Fotodienstleister will mit altbekannter Marke punkten Wolfen, 27. Juni 2023. Künftig gibt es wieder ORWO-Fotos: Die Firma „ORWO Net“ belebt die aus DDR-Zeiten und der Weimarer Republik weit bekannte Marke „ORWO“ (steht für „Original Wolfen“) wieder. Dafür will das Mutterunternehmen am 25. Juli 2023 die Fotodienste „PixelNet“, „myFOTO“ und „Foto Quelle“ unter dem neuen, alten Namen zusammenführen. Das geht aus einer Mitteilung von ORWO Net hervor.

Ein moderner Nachfolger des vor 60 Jahren bei Carl Zeiss Jena entwickelten Analyse-Gerätes "Specord". Foto: Analytik Jena

DDR-Erfindung „Specord“ durchschaut heute die Güte von Wein und Bier

Analytik-Firma baut auf eine 60 Jahre alte Entwicklung aus dem VEB Carl Zeiss Jena Jena, 11. Mai 2023. Manche Innovationen aus DDR-Zeiten sind in weiterentwickelter Form bis heute im Einsatz und gelten immer noch als Hightech. Und vieles davon hatte seinerzeit im Kombinat Carl Zeiss Jena (CZJ) seinen Ausgangspunkt. Ein Beispiel sind Multispektralkameras für die Ostblock-Raumfahrt, die in die heutige Hyperspektral-Technologie eingeflossen sind. Ein weiteres Beispiel ist das Spektralphotometer „Specord“: Labore und Fabriken weltweit setzen diese automatischen Inhaltsermittler aus Thüringen ein, um die Güte von Weinen zu bestimmen, Biere zu analysieren, Abwässer zu überwachen und dergleichen mehr. Vor 60 Jahren im im VEB Carl Zeiss Jena entwickelt, sind die Specords, stetig modernisiert, immer noch einer der zentralen Umsatzbringer der CZJ-Nachwende-Ausgründung „Analytik Jena“. Darauf hat das Messtechnik-Unternehmen hingewiesen.

Der schwedisch-sächsische Halbleiterexperte und Chemiker Jonas Sundqvist reist mit seiner Familie gern und oft. Auf seiner persönlichen Weltkarte zeigt er, wo er besonders gern ist. Foto: Heiko Weckbrodt

Ein Schwede in Sachsen: „In Deutschland steht immer gleich der Weltuntergang bevor“

Seit fast zwei Dekaden lebt der Mikroelektroniker Jonas Sundqvist in Dresden – und hat sich sogar an die direkte Art der Sachsen gewöhnt Ein Leben im Zeichen von Chips, Stollen und Klassik-Volvos: Jonas Sundqvist wurde 1974 Jonas Sundqvist in Helsinki als „Schwedenfinne“ geboren, wuchs als Schwede in Schweden auf und promovierte dort als Chemiker in Uppsala. 2003 folgte er dem Ruf von Infineon und zog nach Dresden um. Seither lebt er – mit Unterbrechungen – in Sachsen und arbeitete in der Mikroelektronik, unter anderem für Infineon, Qimonda und Fraunhofer. Inzwischen hat er mit „Alixlabs“ ein eigenes Halbleiter-Unternehmen in Lund gegründet, das er von Dresden aus leitet. Oiger-Reporter Heiko Weckbrodt hat ihn in der inoffiziellen „Schweden-Siedlung“ nahe am Wachwitzer Fernsehturm besucht und ihn ausgefragt, wie er das Leben hier im Vergleich zu seiner Heimat empfindet, was er an den Sachsen mag und was nicht – und warum er immer wieder hierher zurückgekehrt ist. Auf Facebook postest Du gerne Bilder von Deinem Uralt-Volvo, der aussieht, als ob er für die Ewigkeit gebaut wurde. Ein Bekenntnis zu Deiner …

Designer-Leuchten mit Novaled-Oleds. Foto: Heiko Weckbrodt

Ostdeutsche Industrie schließt Design-Lücke

Dresdner Designingenieur Wolfram: Nach der Wende haben hier viele Betriebe die Produktform vernachlässigt, diesen Wettbewerbsnachteil machen sie nun wett Dresden, 19. Mai 2022. Hier ein kleiner Extraschwung, da eine abgeschrägte Verkleidung oder ein schicker Farbstreifen – und schon wirkt die Nachttischlampe, die Uhr oder gar die Fräsmaschine gleich viel eleganter und erstrebenswerter. Man sieht es den Produkten menschlichen Tuns eben doch an, ob das Auge eines professionellen Designers darauf geruht hat, bevor sie die Werkhalle verlassen. Design als Verkaufsargument haben viele ostdeutsche Gründer nach der Wende allerdings lange unterschätzt, ist Sebastian Wolfram überzeugt: „Noch vor 15 Jahren war das Thema in der hiesigen Industrie kaum angekommen“, sagt der Chef der Dresdner Kreativschmiede „Wolfram Designer und Ingenieure“, die in der Vergangenheit viele prestigeträchtige Technologieprojekte mitgestaltet hat. „Die haben sich dann gewundert, warum die potenziellen Kunden trotz vergleichbarer technischer Werte bei der Konkurrenz gekauft haben. Inzwischen ist den Unternehmern auch hier klar geworden, wie man sich durch besonderes Design einen Wettbewerbsvorteil verschafft.“

Šejla Kamerić: PAPILLONS D’EIDOMENE, 2018, Foto: Šejla Kamerić - Farbfotografie mit Text auf Papier

Kunst statt Jägerschnitzel: Robotron-Kantine Dresden wieder geöffnet

Zum Auftakt stellt die bosnische Künstlerin Šejla Kamerić in der ehemaligen Betriebsgaststätte des DDR-Computercombinats ihre Werke aus Dresden, 15. April 2022. Längst ist das alte Computerkombinat Robotron Geschichte – doch jüngst erst herrschte in dessen ehemaliger Kantine mehr Leben als im nahe gelegenen Skaterpark in der Lingnerallee. Grund: Die Stadt hat die Robotron-Kantine wiedereröffnet, allerdings nicht als kulinarisches, sondern kulturelles Haus. Sie soll ab sofort und künftig zu einem Ort des künstlerischen Dialogs werden.

Manfred von Ardenne. Foto: Mittelstädt, ADN, Bundesarchiv, Wikipedia, CC3-Lizenz

Warum Honecker Ardennes Enteignung revidierte

Der neue SED-Chef wollte das größte Privatinstitut der DDR vor 50 Jahren eigentlich auch verstaatlichen – und wählte dann doch die bequeme Lösung Dresden, 8. März 2022. Als eines von ganz wenigen größeren privaten Unternehmungen in der DDR und im ganzen Ostblock entging die Dresdner Forschungseinrichtung von Manfred von Ardenne der letzten großen Verstaatlichungswelle vor 50 Jahren. Und das hatte weniger mit den guten Kontakten des „roten Barons“ nach Moskau zu tun, wie lange vermutet, sondern mit Zuordnungsrangeleien hinter der den Kulissen, wie der frühere Technikdirektor des Instituts, Peter Lenk, nach jahrelangen Recherchen herausbekommen hat. Zwar sei dem Institut schon 1972 der Privatisierungsbefehl erteilt worden. Doch dann habe das Gerangel darum, wer das Institut übernimmt, schier kein Ende genommen. „Das Politbüro hat dann letztlich die bequeme Lösung gewählt“, berichtet Lenk. „Erich Honecker persönlich hat dann unter die Akte geschrieben: Alles bleibt so wie es ist.“

Die Steckenpferd-Lilienmilch-Seife war ein Verkaufsschlager, die Nachfrage kaum zu befriedigen. Repro (hw)) aus: H. Pfeil: Welch ein reichtum!

Per „Steckenpferd-Kampagne“ Valuta für die Staatskasse

Im Buch „Welch ein Reichtum!“ skizziert Hartmut Pfeil die Radebeuler Industriegeschichte Radebeul. Gummistiefelweitwurf, Luftgitarrespielen, Frauentragen – die Finnen haben einige bizarre Sportarten erfunden, die sie mit aller Leidenschaft betreiben. Neueste Innovation: Steckenpferdreiten, was heißt, dass die Pferde, mit denen man bei Meisterschaften einen Hindernisparcours bewältigt, aus Holz, Stoff und Wolle bestehen. Deutlich prosaischer waren die Beweggründe, weshalb zu DDR-Zeiten eine „Steckenpferd“-Kampagne ins Leben gerufen wurde. Um Überseehandel zu treiben, fehlte es an Schiffen, denn was man in den eigenen Werften an der Ostsee produzierte, ging als Reparation in die Sowjetunion. Also wurde 1957 ein „Valuta- und DM-Fond“ gegründet, um gebrauchte Handelsschiffe aus dem Westen ankaufen zu können, die allerdings nur für Devisen zu haben waren. Erster Ansprechpartner des Außenhandelsministeriums der DDR war der VEB Steckenpferd aus Radebeul.

Klaus Hermann hat die deutsche Tochter von Indie Semiconductor in Dresden gegründet. Foto: Heiko Weckbrodt

Wächter über die Chipqualität

Statt in Rente zu gehen, gründet der ostdeutsche Mikroelektronik-„Blicker“ Klaus Hermann in Dresden noch eine Autoelektronik-Schmiede Dresden, 16. Dezember 2021. Während andere seines Alters in Rente gehen, baut Klaus Hermann eine neue Autoschip-Schmiede auf: Er hat 2020 in Dresden einen deutschen Ableger des US-Halbleiterunternehmens „Indie Semiconductor“ gegründet. „Mir gefiel die Herausforderung“, erklärt er zwischen zwei Videokonferenzen mit den Kollegen in Schottland und in Amerika. Bis 2023 möchte er seine Mannschaft auf etwa 60 Beschäftigte verdreifachen, in aufwendige neue Labortechnik investieren und dann in ein größeres, eigenes Domizil umziehen.

Silizium-Leistunstransistoren aus dem VEB Mikroelektronik "Karl Liebknecht" Stahnsdorf. Foto: Drahtlos, Wikipedia, CC4-Lizenz, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en

Stahnsdorf: Die vergessene Leistungselektronik-Schmiede der DDR

Noch vor dem AME Dresden entstand 1960 ein Halbleiter-Forschungsinstitut bei Berlin Stahnsdorf/Dresden, 28. November 2021. Kommt heute die Rede auf die Anfänge der ostdeutschen Mikroelektronik, dann wird meist vor allem an Professor Werner Hartmann erinnert, der 1961 in Dresden die „Arbeitsstelle für Molekularelektronik“ gründete, aus der später die Chipschmiede ZMD hervorging. Bevor die sächsischen Ingenieure die ersten „Integrierten Schaltkreise“ der DDR entwarfen, gab es allerdings auch schon andere Elektronikproduzenten im Land – nur dass die eben einzelne Bauelemente und noch keine kompletten Chips herstellen konnten. Einer dieser inzwischen fast vergessenen Betriebe war das Halbleiterwerk Stahnsdorf bei Berlin, das sich vor allem auf Leistungselektronik für die ostdeutsche Industrie spezialisierte.

ILK-Gründungsdirektor Günter Heinrich mit seiner Ehrenmedaille in der Hand steht neben dem heutigen ILK-Direktor Uwe Franzke. Foto: Institut für Luft- und Kältetechnik

Der Professor, der aus der Kälte kam: ILK-Veteran Günter Heinrich wird 90

Gründungsdirektor formte das Institut für Luft- und Kältetechnik ab 1964 Dresden, 3. November 2021. Ein Pionier der ostdeutschen Kälte- und Ökoenergietechnik wird 90: Das private „Institut für Luft- und Kältetechnik“ (ILK) in Dresden hat nun mit einer Feier seinen Gründungsdirektor Professor Günter Heinrich geehrt und ihn mit der ILK-Ehrenmedaille ausgezeichnet – gefertigt im hauseigenen Prototypenbau. Das hat das Institut, das zur „Sächsischen Industrieforschungsgemeinschaft“ (SIG) und der Zuse-Gemeinschaft gehört, nun mitgeteilt.