Alle Artikel mit dem Schlagwort: DDR

Die Weide kämmt Nexö in Dresden das Haar

Mit einer „Dresdner Literatour“ erinnerten Literaturfreunde an den Dänen Dresden. Martin Andersen-Nexö liebte die Wärme, den Süden, die Sonne, die Menschen und die Bäume auch. An seinem 150. Geburtstag am 26. Juni wäre ihm bestimmt das Lutherwort in den Sinn gekommen: „Schlag’ den Baum nicht ab, von dem du Schatten hast.“ Mit einer „Literatour“ gedachten Dresdner Literaturfreunde des dänischen Schriftstellers. Sie fanden sich an diesem heißen Junitag zu einer kleinen Gedenk- und Geburtstagsfeier – mit Lesung unter freiem Himmel – am Martin Andersen-Nexö-Denkmal in der Dresdner Haydnstraße ein.

Die Kosmonauten Kosmonauten Waleri Bykowski (l.) und Siegmund Jähn nach ihrer Rückkehr aus dem All am 3. September 1978. Im Hintergrund ist die Rückkehrkapsel des Raumschiffs Sojus 29 zu sehen. Foto: Klaus Franke, ADN, Bundesarchiv, Wikipedia, CC3-Lizenz

DDR-Kosmonauten wiedervereinigt

Zunächst galten 7 NVA-Offiziere als potenzielle DDR-Raumfahrer. Nach Bykowskis Tod haben sich Sigmund Jähn und die anderen Anwärter von damals wieder getroffen. Dresden/Moritzburg, 4. April 2019. Sein Kommandant ist tot. Die gemeinsame Vorbereitung und der epochale Raumflug von Waleri Bykowski und Sigmund Jähn Ende August bis Anfang September 1978 schweißten beide Raumfahrer fest aneinander. Eine tiefe Freundschaft entstand. Bykowski, am 2. August 1934 geboren, starb vor wenigen Tagen – am 27. März 2019. Jähn und seine ehemaligen Kameraden aus der DDR-Kosmonautengruppe haben sich nun wieder getroffen.

Das Archivbild zeigt einen Taxtifahrer, der das Taxameter Botax 80 aus dem WTZK Dresden testet. Foto: WTZK / VEB Taxi Dresden, Repro: Heiko Weckbrodt

WTZK Dresden: Vom Militär-Fahrtrainer bis zum Taxi-Bordrechner

Ein Forschungsbrüter für den DDR-Kraftverkehr im Überblick Dresden, 29. Januar 2019. Die Forschungslandschaft der DDR war weit weniger monolithisch, als sie gelegentlich im Rückblick erscheint: Zwischen der Grundlagenforschung in den Unis und in der Akademie der Wissenschaften auf der einen Seite und den anwendungsnahen Entwicklungsabteilungen der Kombinate gab es mit den „Wissenschaftlich-technischen Zentren“ eine Zwischenschicht. Diese Zentren erledigten jeweils für eine ganze Branche der DDR-Wirtschaft Forschungsprojekte, für die die einzelnen Betriebe keine Ressourcen hatten. Zu diesen besonderen Einrichtungen gehörte auch das „Wissenschaftlich-Technisches-Zentrum des Kraftverkehrs“ (WTZK) in Dresden, das als Volkseigener Betrieb (VEB) organisiert war. Dessen Arbeit haben Andreas Kretschmer und Eberhard Treufeld inzwischen dokumentiert, auf diese Ausarbeitungen sowie Zeitzeugenberichte stützt sich auch dieses Kurzporträt.

Das rekonstruierte Dienstzimmer von Stasi-General Horst Böhm in der Gedenkstätte Bautzner Straße in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Rollenspiele in der Zonenstadt Raststatt

Trägerverein will die Gedenkstätte Bautzner Straße modernisieren und vom allzu engen Themenkreis „Stasi“ lösen Dresden, 2. Oktober 2018. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis auch der letzte Ostdeutsche die Nase gestrichen voll hat von der eigenen Vergangenheit, das Kürzel „DDR“ nicht mehr hören kann? Bis jeder Schüler nur noch die Augen verdreht, wenn der Lehrer verkündet: „Und heute gehen wir in den Stasi-Knast“? Herbert Wagner und Uljana Sieber von der „Gedenkstätte Bautzner Straße“ sehen diesen Tag schon kommen. Nachdem sie zuletzt ihre Energie darauf konzentriert hatten, die ehemalige Stasi-Bezirksverwaltung als Museum umzubauen und zu sanieren, steht daher nun eine inhaltliche Modernisierung auf ihrer Agenda.

Im IHD werden Boards mit 3D-Textilfasern verstärkt. Foto: IHD

Zuse-Institute zeigen ihre Leistungskraft

“Leuchttürme und Hidden Champions“: Über 60 Privatinstitute an 30 Standorten präsentieren sich Dresden, 20. September 2018. Über 60 Institute der Zuse-Gemeinschaft zeigen heute in regionalen Leistungschauen an 30 Standorten in Deutschland Regionaltagen, wie leistungsstark die Privatinstitute jenseits der Unis und etablierten großen Forschungsgemeinschaften sind. „Die Forschungslandschaft in Deutschland hat Leuchttürme und Hidden Champions“, betonte Annette Treffkorn, die Geschäftsführerin dieser Vereinigung. „In beiden Welten ist die Zuse-Gemeinschaft zu Hause.“

DDR-Designer Karl Clauss Dietel bei einem Simson-Treffen. Foto: Stop Syling

„Stop Styling“: Vom Würfelradio bis zur S51

Crowdfunding-kofinanzierte Doku über DDR-Designer Dietel gibt’s nun als Video on Demand (VoD) Chemnitz, 8. Januar 2017. Gutes Produktdesign ist die hohe Schule in der Konsumgüter-Industrie: In aller Regel wird ein Radio, ein Auto oder ein Smartphone nur dann durchschlagende Resonanz finden, wenn Form und Funktion gleichermaßen den Käufer überzeugen. In der 45-minütigen Dokumentation „Stop Styling“ porträtieren Gregor Hutz und sein Team den DDR-Produktdesigner Karl Clauss Dietel, der eben diese Antipoden auch in der sozialistischen Mangelwirtschaft zu überbrücken verstand. Die durch den Internetschwarm auf „Startnext“ kofinanzierte Doku ist nun fertig und auf Vimeo gegen Entgelt ausleih- und kaufbar.

Dieses "Kettenfahrzeug Polar 2" stellte 1971 der VEB Mechanische Spielwaren Brandenburg her. Foto: Heiko Weckbrodt Stadtmuseum Dresden - Mit Teddy durchs Dresdner Spielzeugland

Stadtmuseum Dresden zeigt DDR-Spielzeug

Weihnachts-Ausstellung „Mit Teddy durchs Dresdner Spielzeugland“: Plaste-Autobahnen, Mini-Waschmaschinen und viele Plüschbären Dresden, 1. Dezember 2017. Können Sie sich noch an den Optik-Spielbaukasten erinnern, mit denen Jungentdecker oder Jungentdeckerinnen in den Kinderzimmern der 1970er und 80er Jahre selber Mikroskope und Teleskope bauten? An das Roulette-Spiel aus Kindertagen? An die durchsichtige Uhr mit den bunten Zahnrädern? Gemeinsam ist diesen Spielsachen, dass sie alle zu DDR-Zeiten in Sachsen gebaut wurden. Ihnen widmet das Stadtmuseum Dresden an der Landhausstraße in diesem Jahr die Weihnachtsausstellung „Mit Teddy durchs Dresdner Spielzeugland“.

Praktica-Konstrukteur Siegfried Böhm (Mitte) mit Laborleiter Werner Kühnel (links) und der wissenschaftliche Mitarbeiter Gerhard Jehmlich erproben eine Praktina, etwa im Jahr 1953. Foto: Privatarchiv, aus: Gerhard Jehmlich: Der VEB Pentacon Dresden

Die Treuhand gilt vielen als Zerstörer schlechthin

Studie beleuchtet Sicht der Ostdeutschen auf die Nachlasswalter der DDR-Wirtschaft Berlin/Bochum, 26. November 2017. Auch 27 Jahre nach der Wende gilt die Treuhandanstalt für viele – insbesondere ältere – Ostdeutsche als Inbegriff für die misslungenen Seiten der deutschen Wiedervereinigung. Die Treuhand habe sich vom „vereinigungspolitischen Blitzableiter“ zu einer „erinnerungskulturellen Bad Bank“ entwickelt, heißt es in der Studie „Wahrnehmung und Bewertung der Arbeit der Treuhandanstalt“, die die Ruhr-Universität Bochum im Auftrag der Ost-Beauftragten der Bundesregierung, Iris Gleicke, erstellt hatte. In diese Bank der schlechten Erinnerung hätten demnach „viele einstmals direkt oder indirekt betroffene Ostdeutsche ihre weitgehend unverarbeiteten Umbruchserfahrungen mental auslagern können, um die Vorzüge der neuen Zeit ungestört anerkennen und genießen zu können.“

Studentenalltag in der DDR. Aus: Zwischen Humor und Repression

Aufrechter Gang war auch in der DDR möglich

Sammelband „Zwischen Humor und Repression“ skizziert in Zeitzeugenberichten den DDR-Alltag an der TUD und anderen Unis Die politisch gesetzten Grenzen und praktischen Spielräume an Universitäten zu DDR-Zeiten versuchen die Herausgeber Rainer Jork und Günter Knoblauch in ihrem neuen Sammelband „Zwischen Humor und Repression – Studieren in der DDR“ auszuloten. Darin schildern 84 ehemalige Studenten und Dozenten ihre Erlebnisse an der Technischen Universität Dresden (TUD) und weiteren ostdeutschen Unis vor der Wende. In verdienstvoller Fleißarbeit haben die Herausgeber diese subjektiven Erinnerungen durch zeitgeschichtliche Anmerkungen, Erläuterungen und einen Anhang über studentische Kultur in der DDR ergänzt.

AG Geige, L'autre Allemagne hors les murs, La Villette, 1990 Paris. Foto: Dieter Wuschanski, Archiv Frank Bretschneider AG Geige, L'autre Allemagne hors les murs, La Villette, 1990 Paris. Foto: Dieter Wuschanski, Archiv Frank Bretschneider

„Geniale Dilletanten“: Der Normbruch von unten

Sonderschau im Albertinum beleuchtet die Subkultur der 80er in Ost und West Dresden. „Ich Scheusal, ich!“ Wer zu DDR-Zeiten öfter das „Parocktikum“ auf dem Jugendsender DT64 verfolgt hat, wird sich an diesen Ausruf noch erinnern: Eine seltsame Band aus Karl-Marx-Stadt mit dem irrenführenden Namen „AG Geige“ führte dort dadaistisch anmutende Musik auf, begleitet von abenteuerlicher Instrumentalisierung und monoton-elektrisierendem Sprechgesang. Heute zählen das Goetheinstitut und die Staatlichen Kunstsammlungen diese und andere Indie-Künstler zu den „Genialen Dilletanten“ (sic) und hat ihnen eine Ausstellung im Albertinum Dresden gewidmet.

DDR-Staatssekretär Karl Nendel sieht sich als "General der Mikroelektronik" - und hat damit seine Autobiografie übertitelt. Repro: hw

„Die Wirtschaft muss man militärisch führen“

Karl Nendel, der ehemalige „General“ der DDR-Mikroelektronik, packt in seiner Autobiografie aus Im eigenen Verständnis ihrer Lenker war die DDR-Ökonomie eine Planwirtschaft, im Verständnis vieler westdeutscher Kritiker war sie eine Kommandowirtschaft. Die neuere Forschung spricht eher von einer Zentralverwaltungswirtschaft. Die Wahrheit liegt sicher irgendwo in der Mitte. Dass das Wort von der „Kommandowirtschaft“ aber mehr als bloße Polemik ist, untermauert nun einer der damaligen Protagonisten und Strippenzieher: Der ehemalige DDR-Staatssekretär Karl Nendel hat unter dem bezeichnenden Titel „General der Mikroelektronik“ aufgeschrieben, wer er Betriebsdirektoren auf Plan-Linie brachte, hoch Aufgestiegene zu Fall brachte und die Entwicklung des Megabit-Chips, des 32-Bit-Prozessors und anderer SED-Prestigeprojekte vorwärtspeitschte.

Im Innern der goldenen Medaille befindet sich ein Miniaturbildnis des jungen Herzogs Johann Georg. Foto: Stadtmuseum Dresden

Geraubter Sophienschatz kehrt stückeweise zurück nach Dresden

Geraubter Sophienschatz: Goldmedaillon kehrt zurück nach Dresden Dresden, 28. Juli 2017. Ein goldenes Medaillon ist nach Dresden zurückgekehrt. Es erzählt von einem Bogenschützensieg eines längst gestorbenen Herzogs – und vom größten Kunstraub der DDR-Geschichte. Das Medaillon ist nämlich ein Teil des vor 40 Jahren aus dem Stadtmuseum Dresden geraubten Sophienschatzes. „Nun fehlen von der Bogenschützenkette noch ein letzter Anhänger, die goldene Schützenkette selbst sowie 14 weitere Schmuckstücke aus den Gräbern der Sophienkirche“, hieß es heute vom Stadtmuseum.

Letztlich konnten die Kommunisten die Konsumversprechen nicht einlösen - und fielen. Hier die Aufnahme einer Kaufhalle in Dresden im Jahr 1974. ADN-ZB Häßler, Bundesarchiv - Wikipedia, CC3-Lizenz, tinyurl.com/j73l388

„Halt’s Maul, dann geht’s Dir gut!“

Politologe: „Realsozialisten“ beherrschten Mitteleuropa auch durch Konsumverträge Dresden, 4. Juni 2017. Die Kommunisten haben Mitteleuropa nicht nur durch ihre Geheimdienste und dank sowjetischer Panzer so lange beherrschen können. Vielmehr transformierten sie die Tschechoslowakei, die DDR, teils auch Ungarn und Polen beizeiten in Konsumgesellschaften. Diese Ansicht hat der ostdeutsche Politikwissenschaftler Dr. Dirk Dalberg in einem Vortrag „Der reale Sozialismus als Konsumgesellschaft“ im Dresdner Hannah-Arendt-Institut (HAIT) vertreten. Dabei stützt sich der 40-jährige Forscher auf zeitgenössische Gesellschaftsanalysen tschechischer und slowakischer Dissidenten wie Egon Bondy, Milan Šimečka und Miroslav Kusý.

Direktor Joachim Breuninger präsentiert die Station über die Kettenelbschifffahrt im Verkehrsmuseum Dresden. Foto. Peter Weckbrodt

Arche landet im Verkehrsmuseum Dresden

Designer Schreyer platziert Schifffahrts-Ausstellung – in einem Schiff! Dresden, 1. Mai 2017. Eher „Leinen fest“ statt „Leinen los“ müsste die neue Dauerausstellung Schifffahrt heißen, die ab 2. Mai 2017 im Verkehrsmuseum besucht werden kann. Es war die ebenso geniale wie kühne Idee des Nürnberger Designers Marius Schreyer: Er platzierte all jene Verkehrsmittel, die sich im nassen Element bewegen, in einer den gesamten Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss ausfüllenden Arche.

Herbert Schneider entwarf um 1955 einen turmartiges Kulturhaus für Dresdens Innenstadt. Studenten der TU Dresden haben das Modell im Jahr 2017 im Maßstab 1 zu 200 gebaut. Foto: Heiko Weckbrodt

Ulbricht wollte einen Turm

Stadtmuseum widmet dem Kulturpalast Dresden eine Sonderschau Dresden. 20. April 2017.Wer heute als architekturinteressierter Tourist Dresden besucht, steuert sicher zuerst den barocken Zwinger, die Frauenkirche oder das Residenzschloss mit seinen Renaissance-Fassaden an. Doch auch die sozialistische Nachkriegsmoderne prägt die Innenstadt wesentlich mit – und da vor allem der Kulturpalast zwischen Altmarkt und Schloss. Der im Volksmund „Kulti“ genannte Komplex soll nach einem – stark umstrittenen – dreieinhalbjährigen Generalumbau Ende April 2017 wieder eröffnen. Das Stadtmuseum Dresden widmet diesem Zeugnis der DDR-Architektur vom 21. April bis zum 17. September 2017 die Sonderausstellung „Der Kulturpalast Dresden. Architektur als Auftrag“. Und die zeigt: Heftige Diskussionen rankten sich von Anfang an um den „Kulti“.