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Alu-Werke von Norsk Hydro in Rackwitz wachsen

Hydro-Mitarbeiterin in einer Elektrolyse-Linie im norwegischen Alu-Werk Årdal. Foto: Hydro

Hydro-Mitarbeiterin in einer Elektrolyse-Linie im norwegischen Alu-Werk Årdal. Foto: Hydro

Norweger investieren Millionen in Ausbau von Aluminium-Gießerei und Presswerk

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Rackwitz, 9. September 2023. „Hydro“ baut seine Alu-Fabriken im nordsächsischen Rackwitz mit Millionenaufwand aus. Dadurch entstehen Dutzende neue Jobs. Auch sichern die Investitionen auch den Aluminium-Nachschub für die Autoindustrie und weitere Branchen in Deutschland besser ab. Das geht aus Meldungen des norwegischen Aluminium- und Energie-Unternehmens sowie des sächsischen Regionalministeriums (SMR) hervor.

Aluminium-Guss in einem norwegischen Hydro-Werk. Foto: Hydro

Aluminium-Guss in einem norwegischen Hydro-Werk. Foto: Hydro

Neue Gießlinie soll mehr Alu-Schrott aufbereiten

Einerseits ergänzt Hydro sein Aluminiumrecycling-Werk in Rackwitz nahe Leipzig um eine weitere Gießlinie. Dort werde eine eigens entwickelte Technologie in Betrieb genommen, um vor allem die Autoindustrie zu beliefern, berichtet das SMR. Die Jahresproduktion soll von aktuell 95 000 Tonnen auf ca. 120 000 Tonnen steigen. Regionalminister Thomas Schmidt will die neue Gießerei-Straße Mitte September 2023 gemeinsam mit Hydro-Vertretern in Betrieb nehmen. Das Werk könne dann mehr Verbraucherschrott verarbeiten und 25.000 Tonnen zusätzliche Schmiedebolzen liefern, hieß es von Hydro.

11 Millionen Euro für 3. Strangpresse

Andererseits baut Hydro für elf Millionen Euro eine dritte Aluminium-Strangpresse im benachbarten Presswerk. Dies schafft 40 zusätzliche Arbeitsplätze und erhöht die Strangpresskapazität des Werks um 12.000 Tonnen pro Jahr. Die Strangpresse produziert Profile für Kunden in Bauwirtschaft, Transportwesen, Maschinenbau sowie Elektroindustrie und eloxiert diese Profile bei Bedarf auch selbst. Ende 2023 soll die dritte Strangpresse in Betrieb gehen.

Video von Hydro über
die neue Strangpresse:

Neue Linie auf wenig Energieverbrauch getrimmt

Der Einsatz eines „kontinuierlichen Auslagerungsofens“ soll den Energieverbrauch in der neuen Linie im Vergleich zu den älteren Strangpressen um 20 Prozent reduzieren. „Darüber hinaus ist der Strangofen der Presse mit einer energiesparenden Anlage ausgestattet“, heißt es von Hydro. „Die Abgase des Ofens werden zur Erwärmung von Wasser genutzt, das dann auf den Bolzen getropft wird und das Metall erhitzt.“ Zur Erinnerung: Betriebe, die Leichtmetalle wie Aluminium oder Magnesium herstellen, schmelzen oder verarbeiten, gelten als besonders energiehungrige Unternehmen – auf die unter anderem die Strompreis-Subventionspläne von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zielen.

Alu-Schrottaufbereitung im VEB Leichtmetallwerk Rackwitz im Jahr 1988. Foto: Friedrich Gahlbeck, ADN. Bundesarchiv, Wikipedia, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-1988-0812-011,_Leichtmetallwerk_Rackwitz,_Schrottaufbereitung.jpg?uselang=de, CC3-Lizenz, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de

Alu-Schrottaufbereitung im VEB Leichtmetallwerk Rackwitz im Jahr 1988. Foto: Friedrich Gahlbeck, ADN. Bundesarchiv, Wikipedia, CC3-Lizenz

In der DDR stellte Rackwitzer Industriezulieferer nebenher Zuckerdosen und Alu-Folie her

Rackwitz hat lange Traditionen in der Metallverarbeitung: 1925 richtete der Rüstungsunternehmer Bernhard Berghaus hier eine erste Gießerei auf dem heutigen Hydrogelände ein. Er ließ dort Aluminium und Magnesium für Flugzeuge verarbeiten. Nach dem Krieg wurde die „Leipziger Leichtmetallwerke Rackwitz Bernhard Berghaus & Co. KG“ verstaatlicht. Daraus entstand dann der VEB Leichtmetallwerk Rackwitz. Das benachbarte Strangpresswerk wiederum entstand ebenfalls im Jahr 1925 als Forschungszentrum für Alu-Formung mit damals neun Mitarbeitern. Gießerei und Presswerk gehörten zu DDR-Zeiten zum Mansfeld-Kombinat „Wilhelm Pieck“. Der Rackwitzer VEB setzte ab 1978 auch das Extrusions-Verfahren ein. Der eine oder andere Ostdeutsche wird das Unternehmen durch die Metall-Zuckerdosen und die Alu-Folien kennen, die der VEB im Rahmen seiner Konsumgüter-Produktionspflichten herstellte.

Kapazität steigt durch jüngste Ausbau-Projekte

Nach der Wende wurde der Betrieb verstaatlicht, seit 1997 gehört er zu Norsk Hydro. Die Norweger haben seitdem mehrfach in das Werk investiert. Wenn die neue „Hyforge“-Anlage in Betrieb geht, wird die Hydrogießerei 90 Beschäftigte haben. Sie schmilzt pro Jahr etwa 85.000 Tonnen Aluminiumschrott für die Wiederverarbeitung ein. Die Jahreskapazität ist für 97.000 Tonnen Strangpressbolzen und 25.000 Tonnen Schmiedebolzen ausgelegt. Das Strangpresswerk nebenan beschäftigt reichlich 250 Menschen. Es verfügt über ein eigenes Eloxier-Werk und hat eine Jahreskapazität von 28.000 Tonnen stranggepressten Alu-Profilen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Norsk Hydro, SMR, Wikipedia, designundklassiker.de, zvab.com