Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kombinat

Die Robotron-Kantine in Dresden. Foto: Marco Dziallas, ostmodern.org

Ostmodern: Robotron-Kantine soll an DDR-Computerkombinat erinnern

Initiative schlägt Umbau zur „Kulturkantine“ Dresden vor Dresden, 31. Januar 2017. An das Dresdner Hauptquartier des DDR-Computerkombinats Robotron soll in Zukunft wenigstens noch ein kleiner baulicher Rest erinnern. Das haben die Initiativen „Ostmodern“ und „Industrie.Kultur.Ost“ gefordert. Sie warnen davor, das Kombinatsgelände – wie bisher schon teilweise geschehen – vollständig zu Gunsten eines neuen Wohngebiets in der Innenstadt abzureißen. Vielmehr sollte wenigstens die ganz im Stil der Ostmoderne gestaltete Robotron-Betriebskantine erhalten werden. Als „Kulturkantine“ könnte dieses Baudenkmal beispielsweise ein Retro-Café, eine Dauerausstellung über die Mikroelektronik in Sachsen und eine Fotografie-Schau beherbergen, schlagen die Initiatoren vor.

Die Mechatroniker Tom Gerstäcker (inks) und Philipp Pulina richten hier gerade eine Geleebonbon-Verpackungsmaschine ein, die für den export bestimmt ist. Foto: Heiko Weckbrodt

Pactec packt weltweit die Süßigkeiten ein

Metamorphosen eines Maschinenbau-Unternehmen: Pactec-Thegarten hat sich auf altem Nagema-Areal in Dresden runderneuert Dresden, 12. September 2016. An den Wänden wechseln sich künstlerische Lichtbilder und Maschinenfotos ab. Im lichtdurchfluteten Foyer hat jemand einer riesigen Walnuss den Reißverschluss halb aufgezogen – das Unternehmenslogo in 3D als Plastik. Wo vor der Wende Blaumänner zwischen Bergen heißer Stahlspäne umher wuselten, die Werkhallen-Luft stets nach Bohrmilch roch, erahnt man heute kaum noch den Duft heißen Stahls aus den Bearbeitungszentren, sieht alles so picobello aus wie in einem Steuerberatungsbüro.

Der Robotron-Komplex in Dresden. Foto: Immovation AG

Ostmodern: Robotron-Glaskunst droht Zerstörung

Netzwerk appelliert an Investor, bei Abriss im Dresdner Zentrum Bleiglasfenster zu retten Dresden, 1. März 2016. Das Dresdner Netzwerk „Ostmodern“ hat vor einer Zerstörung wertvoller Baukunst in der ehemaligen DDR-Computerschmiede Robotron gewarnt. Das Netzwerk hat heute an den Kasseler Investor „Immovation AG“ appelliert, insbesondere die farbig-abstrakten Bleiglasfenster zu retten, die im Atrium des Robotron-Komplexes an der St.-Petersburger Straße verbaut sind. Dort nämlich werden voraussichtlich in den nächsten Tagen die Hydraulik-Scheren-Bagger anrücken, um das Gebäude abzureißen. Dann drohen auch die Buntglas-Fenster zu Bruch zu gehen.

Das frühere Nagema-Hauptquartier, in dem einst die geschicke des DDR-Verpackungsmaschinenbaus dirigiert wurden, steht seit Jahrzehnten leer und verwildet. Als es errichtet wurde, galt die Bauweise des SchokopackHochhauses als innovativ. Foto: Heiko Weckbrodt

Ex-Nagema-Hauptquartier verwildert vor sich hin

Stadt will auch kein Asylheim im Schokopack-Hochhaus Dresden, 29. April 2015. Immerhin der Stahlzaun ist intakt, ein gelbes Schild warnt Eindringlinge, das zugewucherte Gelände im Dresdner Osten zu betreten. Doch weder Flora noch Abenteuerlustige scheren sich darum: Gestrüpp umrankt das denkmalgeschützte Schokopack-Hochhaus an der Ecke von Breitscheidstraße und Moränenende wie ein Dornröschenschloss. Entschlossenere ungebetene „Gäste“ haben im Entree eine Spur der Verwüstung hinterlassen. „Diese Vandalen“, knurrt Prokurist Andreas Wolf vom Dresdner Immobilien-Unternehmen „Meiag“. „Da stecken wir jedes Jahr ein paar Tausend Euro rein, das wieder zu reparieren.“

Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Fleisch aus der Waffenschmiede: Kuriositäten aus der DDR-Rüstung

Dresden, 1. November 2014: Nach außen taten Stasi und SED-Apparat furchtbar geheim und streng, wenn es um Rüstungsprojekte in der DDR-Industrie ging. Hinter den Kulissen aber spielten sich ähnlich bizarre Verrenkungen ab, wie sie auch anderswo in der kommunistischen “Plan”- und Mangelwirtschaft zu beobachten waren: Autoritätsgläubigkeit, Planübererfüllungs-Farcen, Ressourcen-Rangelei et cetera, wie die ein paar Randnotizen aus Stasi-Akten und Zeitzeugen-Berichten zeigen:

Robotron: DDR-Computerriese im Spagat

Über vier Jahrzehnte ist es nun her, dass einer der größten Computerhersteller des Ostblocks und einer der für den Raum Dresdens prägendsten Arbeitgeber entstand: Am 1. April 1969 gründete die DDR-Wirtschaftsführung das Kombinat Robotron. Es umfasste zuletzt 21 Betriebe mit geografischem Schwerpunkt im Raum Dresden und Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), die eine Industrieproduktion von rund 7,3 Milliarden DDR-Mark erwirtschafteten. Zeitweise hatte das Kombinat über 68.000 Menschen in Lohn und Brot. Mit den Rechnern von Robotron kassierte die DDR bei den sowjetischen Freunden saftige Gewinne, die Westerlöse des Riesen hingen jedoch zu 40 Prozent vom Export mechanischer Schreibmaschinen ab. Mit der Währungsunion 1990 wurde diese Schwäche auf den westlichen Märkten zum Fallstrick: Im September 1990 gingen die letzten Lichter bei Robotron aus und ein wichtiges Kapitel Dresdner Industriegeschichte nahm ein treuhandforciertes Ende. Wie wie kam es dazu?