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Robotron-Kantine Dresden bekommt Sanierungsgeld vom Bund

Blick vom Rathausturm Dresden auf die Robotron-Kantine links und das Hygienemuseum (Mitte). Foto: Diana Petters für die LHD
Blick vom Rathausturm Dresden auf die Robotron-Kantine links und das Hygienemuseum (Mitte). Foto: Diana Petters für die LHD

Komplex wird als Beispiel der Ostmoderne und zur Erinnerung an das DDR-Computerkombinat erhalten

Dresden, 19. Juni 2025. Nach vielen Hin und Her sieht es nun doch danach aus, als ob die ehemalige Kantine des DDR-Computerkombinats „Robotron“ als Beispiel der Ostmoderne und als Denkmal an einen der größten Rechnerhersteller des Ostblocks erhalten und renoviert wird: Die Bundesregierung hat nun vier Millionen Euro für die Sanierung zugesagt. Darüber hinaus hatte die – einst von den Nationalsozialisten aus Dresden vertriebene – Familie Arnhold bereits eine Spende von 1,5 Millionen Euro versprochen. Und die Stadt Dresden will restlichen 600.000 Euro, die für die erste Sanierungsphase gebraucht werden, auch auftreiben. Das geht aus einer Mitteilung der Stadtverwaltung Dresden hervor.

„Nationales Projekt des Städtebaus“

Als „eine wunderbare Nachricht für Dresden“ begrüßte Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) die Förderzusage aus Berlin. „Die Neubelebung der Robotron-Kantine ist definitiv ein nationales Projekt des Städtebaus, das über Dresden hinausstrahlen wird.“ Der Komplex könne zu einem echten Magneten für Kunst und Kultur, zu einem Ort der Begegnung für Jung und Alt im Herzen der Stadt“ werden.

Ursprünglich sollte das Kombinat ins Kurfürstenschloss

Hintergrund: Nachdem die ostdeutschen Wirtschaftslenker im April 1969 das Kombinat für „Robotron“ (kurz für Roboterelektronik) formten, geriet bald Dresden als Hauptsitz in den Fokus der Pläne. Zunächst stand das zerbombte Residenzschloss der Wettiner als Kombinatszentrale zur Debatte, doch dann fiel die Entscheidung für einen großen Neubaukomplex im Stadtkern nahe am Rathaus.

Speisepavillon für hungrige Computerbauer

Dort entstand dann auch bis 1972 ein Flachbau für die leiblichen Bedürfnisse Tausender Computerwerker, Kombinatsbürokraten, Rechnerdesigner und Software-Architekten: Die Architekten Herbert Zimmer, Peter Schramm und Siegfried Thiel entwarfen die Betriebsgaststätte als Solitärbau aus industriell gefertigten Betonplatten mit zahlreichen Zusatzelementen. „Das pavillonartige Gebäude wirkt dank seiner hervorstehenden Brüstungen aus Strukturbeton, dessen Matrizen Friedrich Kracht gestaltet hat, leicht und schwebend“, heißt es in einem Exzerpt der Stadtverwaltung. Die Fassade zur Lingnerallee wurde mit türkis-blauen Keramikfliesen verkleidet. „Im Inneren befanden sich an den großen Fensterfronten zwei Speisesäle mit insgesamt 800 Sitzplätzen, der dazwischenliegende Gebäudeteil diente als Küche und Essensausgabe“, heißt es weiter im Exzerpt. „Jeder der Säle erhielt eine Formsteinwand, die von Bildhauer Eberhard Wolf speziell für diesen Ort geschaffen wurde. Ebenfalls zeittypisch war die Ausstattung mit einer ,Moki-Decke, aus Gips und einem Terrazzo-Boden.“

Verfall nach der Wende – Ostrale setzte Kontrapunkt

Nach der Wende befanden sich zeitweise eine Disko, ein Yoga-Studio und Firmenlager im Gebäude – dann verfiel die Robotron-Kantine nach und nach. Zeitweise stand bereits ein Abriss zur Debatte. Dagegen regte sich jedoch Widerstand: Enthusiasten, Künstler und Kunsthistoriker wollten die Kantine als Beispiel für ostdeutsche Architektur der 1960er und 70er Jahre erhalten, wünschten sich außerdem einen Raum für Ausstellungen, Performances und andere künstlerische Formate. So war die Robotron-Kantine zuletzt auch mehrfach ein Veranstaltungsort der modernen Kunstschau „Ostrale“. Auf der anderen Seite standen jene, die das architektonische Schöpfungsniveau des Flachbaus als weniger hervorragend einstuften, zudem stand immer die Frage im Raum, wer eine Sanierung bezahlen könnte. Dennoch kaufte die Stadt das Gebäude letztlich an.

Wurde und wird gern für Kunst und Kultur genutzt: die Robotron-Kantine in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Wurde und wird gern für Kunst und Kultur genutzt: die Robotron-Kantine in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Erste Sanierungsphase kostet 6,1 Millionen Euro

Mit der nun gefundenen Mischfinanzierung kann zumindest der weitere Verfall gestoppt werden: Für insgesamt rund 6,1 Millionen Euro sollen Arbeiter die Gebäudehülle und das Dach reparieren, bereits eingetretene Bauschäden beseitigen sowie moderne Haustechnik für Strom, Wasser und Heizung verlegen. Die Arbeiten sollen 2027 starten und Ende 2028 abgeschlossen sein.

Stadträtin hofft auf neuen touristischen Magneten

„Die Robotron-Kantine ist ein einzigartiges Zeugnis ostdeutscher Baukultur und zugleich ein Zukunftsort für moderne städtische Kultur“, betonte die grüne Dresdner Stadträtin Ulla Wacker. „Mit der nun gesicherten Förderung schaffen wir die Grundlage, um dieses Potenzial nachhaltig für die Dresdner Innenstadt zu erschließen“. Und sie prognostiziert: „Die Reaktivierung der Robotron-Kantine bedeutet eine klare Bereicherung des Stadtzentrums – kulturell, architektonisch und gesellschaftlich. Dresden erhält damit nicht nur ein Gebäude zurück, sondern einen Raum für die Zukunft. Die Stadt gewinnt auch einen weiteren touristischen Magnet.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: LHD, Oiger-Archiv, grüne Stadtratsfraktion Dresden, ostmodern.org

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger