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Der Professor, der aus der Kälte kam: ILK-Veteran Günter Heinrich wird 90

ILK-Gründungsdirektor Günter Heinrich mit seiner Ehrenmedaille in der Hand steht neben dem heutigen ILK-Direktor Uwe Franzke. Foto: Institut für Luft- und Kältetechnik

ILK-Gründungsdirektor Günter Heinrich mit seiner Ehrenmedaille in der Hand steht neben dem heutigen ILK-Direktor Uwe Franzke. Foto: Institut für Luft- und Kältetechnik

Gründungsdirektor formte das Institut für Luft- und Kältetechnik ab 1964

Dresden, 3. November 2021. Ein Pionier der ostdeutschen Kälte- und Ökoenergietechnik wird 90: Das private „Institut für Luft- und Kältetechnik“ (ILK) in Dresden hat nun mit einer Feier seinen Gründungsdirektor Professor Günter Heinrich geehrt und ihn mit der ILK-Ehrenmedaille ausgezeichnet – gefertigt im hauseigenen Prototypenbau. Das hat das Institut, das zur „Sächsischen Industrieforschungsgemeinschaft“ (SIG) und der Zuse-Gemeinschaft gehört, nun mitgeteilt.

Vordenker für den Einsatz von Ökoenergie-Konzepten in der DDR

Schon zu DDR-Zeiten sei Günter Heinrich ein Vordenker für regenerativer Energiequellen gewesen und habe beispielsweise bereits Anfang der 1970er Wärmepumpen sowie energieoptimierte Klima- und Kältetechnik für bedeutende öffentliche Bauten wie die Semperoper Dresden, das Gewandhaus Leipzig und das Schauspielhaus Berlin konzipiert, würdigte der heutige ILK-Direktor Prof. Uwe Franzke seinen Vorgänger. Auch habe er sich für den schnellen Wissenstransfer von der Forschung in die Wirtschaft stark gemacht und nach der Wende Konzepte entwickelt, die den Fortbestand des ILK letztlich gesichert haben.

Zunächst Chef der Kühlschrank-Fabrik Scharfenstein

Heinrich hatte an der Technischen Hochschule Dresden 1957 sein Ingenieurdiplom bekommen. Ab 1959 war er Technischer Direktor der Kühlschrankfabrik DKK Scharfenstein. Etwa zur gleichen Zeit gründete der Dresdner Professor Heinz Jungnickel das Institut für Chemie- und Kälteausrüstung, einen Vorläufer des ILK. 1963 promovierte Heinrich an der TU Dresden über ein „Bewegungselement zur Digitalisierung der Bewegung in der Fertigungstechnik“. Derweil wurde Jungnickels Institut aufgeteilt und die Kältetechnik-Forschung dem neugeschaffenen ILK zugeordnet. 1964 übernahm Günter Heinrich als Gründungsdirektor dieses neuen Institut für Luft- und Kältetechnik. Im selben Jahr gründete er auch die Fachzeitschrift „Luft- und Kältetechnik“. Das ILK agierte fortan unter seiner Regie als Querschnitts-Forschungseinrichtung für die gesamte Kälte- und Klimatechnik-Branche der DDR. Ab 1980 war das namensgebende Institut zugleich Stammbetrieb des Kombinats Luft- und Kältetechnik (ILKA). Zu der Zeit wechselte Heinrich als Ordinarius für Kältetechnik an die TU Dresden.

Das ILK in Dresden-Striesen. Foto: Heiko Weckbrodt

Das ILK in Dresden-Striesen. Foto: Heiko Weckbrodt

Neustart nach der Wende

Er kehrte aber nach zehn Jahren zurück, als die Treuhand das ILKA-Kombinat abwickelte. Der alte, neue Direktor wandelte den Stammbetrieb in eine gemeinnützige GmbH um, die er gemeinsam mit Dr. Peter König und Dr. Ralf Herzig als Geschäftsführer leitete. Von den 460 Mitarbeitern mussten zwei Drittel gehen, 154 wechselten in das neue ILK. Heinrich schmiedete bis 1991 ein Kuratorium aus 28 Akteuren aus der deutschen Kälte- und Klimabranche, die für den Fortbestand des Instituts als Forschungseinrichtung für die gesamte Branche sorgen sollten. Ein Jahr ging daraus der „Verein zur Förderung der Luft und Kältetechnik“ unter der Leitung von Prof. Fritz Steimle hervor, der seitdem als Träger und Besitzer des ILK agiert. In den Folgejahren richtete das Team um Günter Heinrich das ILK neu aus, erweiterte 1995 den Instituts-Altbau an der Bertolt-Brecht-Allee in Dresden um eine neue Versuchshalle und brachte zahlreiche Innovationen hervor. Dazu gehörten alternative Kältemittel, um die umweltschädlichen Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) in Kühlschränken abzulösen, neuartige Vakuum-Wasserdampf-Verdichter, solarbetriebene Kühlcontainer, Helium-Kühltechnik für das CERN sowie die Raumstation ISS und dergleichen mehr. 2000 verabschiedete sich der 69-jährige Günter Heinrich schließlich in den Ruhestand.

Das ILK betreibt in seinem Technikum sowohl wärme- wie auch kältetechnische Versuchsanlagen. Foto: Heiko Weckbrodt

Das ILK betreibt in seinem Technikum wärme- und kältetechnische Versuchsanlagen. Foto: Heiko Weckbrodt

Ein Visionär und Motivator

„Heinrich war nicht nur Visionär und Motivator, sondern vor allem ein umtriebiger Netzwerker und Ideengeber“, würdigte Prof. Uwe Franzke seinen Vorgänger. Dieser habe immer die Philosophie vertreten: „Jeder einzelne Mitarbeiter und alle gemeinsam stehen für das ILK, keiner vertritt nur seine Arbeit.“ Franzke: „Dieses Grundverständnis hat uns stark gemacht und unterscheidet uns von vielen anderen Unternehmen.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: ILK, DKV-Senioren/ HKK e. V., Dr. Peter König / Verein “Historische Kälte- und Klimatechnik, Oiger-Archiv

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