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Sachsen fördert Spielgedanken in der Industrie

Wirtschaftsminister Martin Dulig testet in Dresden eine AR-Digitalbrille „HoloLens“ von Microsoft. Mit solchen und ähnlichen Systemen will die T-Systems MMS einen großen Flugzeughersteller ausstatten, damit dessen Dispatcher zum Beispiel Notfall-Übungen, den Einsatz von Technikern und von Robotern per „Erweiterter Realität“ (Augmented Reality = AR) koordinieren können. Foto: Heiko Weckbrodt

Von Videospielen lernen heißt leichter lernen: Das Archivfoto zeigt Wirtschaftsminister Martin Dulig, wie er in Dresden eine AR-Digitalbrille „Hololens“ von Microsoft in der Softwareschmiede „Telekom MMS“ testet. Foto: Heiko Weckbrodt

Wirtschaftsförderer sehen großes Potenzial im Trend zur „Gamification“

Dresden/Leipzig, 1. April 2024. Damit Lernen leichter wird, gerade auch mit Blick auf neue Technologien in der Industrie, im Bildungssektor und im Gesundheitswesen, will Sachsen den Trend zur Spielifikation („Gamification“) in der Wirtschaft im Freistaat unterstützen. Das haben der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) und der Chef der „Wirtschaftsförderung Sachsen“ (WFS), Thomas Horn, angekündigt. Deshalb wollen sie die rund 200 sächsischen Akteure in diesem Sektor vernetzen und zu Spielemessen im In- und Ausland schicken.

Minister hofft auf spielerische Lösungsansätze für Robotik, Training und Schulung

„Die Games-Branche zählt gemeinsam mit der Softwareindustrie zu den wachstumsstarken Teilmärkten der sächsischen Kreativwirtschaft und besitzt großes Potential insbesondere an der Schnittstelle zu anderen Branchen“, meint Minister Dulig. „Mittels Gamification etwa können innovative und spielerische Lösungsansätze für verschiedene Herausforderungen gefunden werden. Angefangen von der Verbesserung der Mensch-Maschine-Interaktion im Bereich der Robotik, der Nutzung zu Trainings- und Simulationszwecken in der Luft- und Raumfahrtindustrie bis hin zur Mitarbeiterschulung und Qualifizierungsprogrammen.“

Auftritte auf Spielemessen Caggtus und Gitex geplant

Auch Horn ist überzeugt: „Diese Branche hat enormes Zukunftspotenzial, gerade hier in Sachsen“, betont er. Eine bessere Kooperation sei durch Netzwerke wie dem Verein „Games & XR Mitteldeutschland“ möglich. „Mit Fokus auf Gamificationanwendungen und Interaktive Technologien werden wir jetzt auf der Caggtus in Leipzig sein sowie sächsisches Know-How mit einem Gemeinschaftsstand auf der gamescom in Köln und im Rahmen einer Gemeinschaftspräsentation auf der Gitex in Dubai vorstellen.“

Vom Digitalen Zwilling bis zur 3D-Schule

Wirtschaftsministerium und WFS haben auch einige Beispiele zusammengetragen, in denen das wirtschaftliche Potenzial spielerischer Benutzerführung deutlich werde:

  • Kooperationspotential Digitale Zwillinge und IoT: Die Entwicklung von digitalen Zwillingen, die in der Games-Branche gebräuchlich sind, kann in der Industrie für die Überwachung von Anlagen und die Vorhersage von Wartungsbedarf genutzt werden.
  • Synergiebranchen Gesundheitswesen und Medizin: Extended Reality unterstützt bei der präzisen chirurgischen Planung und ermöglicht Ärzten die Navigation durch den menschlichen Körper. Virtuelle Therapiesitzungen werden zur Behandlung von Phobien, posttraumatischen Belastungsstörungen und zur Schmerztherapie eingesetzt.
  • Ausbildung und Schulung: Extended Reality ermöglicht immersive Lernerlebnisse, bei denen komplexe Konzepte in einer interaktiven 3D-Umgebung erlebbar werden. Virtuelle Schulungssimulationen sind in Branchen wie Medizin, Luftfahrt und Bergbau weit verbreitet, um die Beherrschung gefährlicher Szenarien ohne unmittelbare Gefahr zu trainieren und die sichere Bewältigung zu üben.

3D-Modelle sollen Lehrlingen zeigen, was in Maschinen passiert, in die man im Betrieb sonst nicht hineinschauen kann. Visualisierung (bearbeitet, freigestellt): Konsortium Digi-Kunst

3D-Modelle sollen Lehrlingen zeigen, was in Maschinen passiert, in die man im Betrieb sonst nicht hineinschauen kann. Visualisierung (bearbeitet, freigestellt): Konsortium Digi-Kunst

Digikunst und Quantenkatze schulen angehende Plasteformer und Physiker

Zu den konkreten Gamification-Beispielen in Sachsen gehört das Projekt „Digikunst“: In der Regie der Dresdner Visualisierungs-Firma und des Leichtbauinstituts ILK der TU Dresden entwickelten Programmierer, Gestalter, Pädagogen und andere Experten einen interaktiven digitalen Zwilling einer Spritzgießmaschine, an dem sich Lehrlinge und Studenten spielerisch die Vorgänge in der Kunststoff-Produktion erschließen können. Auch hatte die Fachhochschule Dresden bereits 2018 eine „Conference of Game Based Learning“ ausgerichtet. Die „Katze Q“ in der gleichnamigen Quantenphysik-Lern-App vom Exzellenz-Cluster „Ct.qmat“ ist ein weiteres Beispiel für den Trend hin zum spielerischen Lernen.

Die App "Katze Q" soll Mädchen für eine Quantenkarriere begeistern. Foto: qt.mat

Die App „Katze Q“ soll auch Mädchen für eine Quantenkarriere begeistern. Foto: qt.mat

„Caggtus“ reanimiert Tradition der Digitalspiele-Messen in Leipzig

Und auch das Digitalspiele-Festival „Caggtus“ verweist letztlich auf längere Traditionen in Sachsen: 2002 hatten Veranstalter der Leipziger Messe mit Branchenvertretern mit der „Games Convention“ Deutschlands erste große Computerspielemesse aus der Taufe gehoben. Die Branche erwirkte 2008/09 einen Umzug nach Köln. Die Leipziger experimentierten danach mit verschiedenen Ersatzformaten, darunter der „Dreamhack“. Seit 2023 richten sie erstmals die „Caggtus“ aus, eine Mischung aus Spielefest und Messe für digitale Spielformate.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMWA, WFS, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt