Alle Artikel mit dem Schlagwort: Bergbau

Bergbau-Bakterien saugen Kupfer und Indium aus armen Erzen

Freiberger Forscher gewinnen Bodenschätze mit wenig Energie und Chemie aus fast erschöpften Adern Freiberg, 10. Juli 2024. Um Kupfer, Indium, Zink und anderen wichtige Rohstoffe künftig fast ganz ohne Energie und Chemikalien aus dem Boden zu gewinnen, erproben Freiberger Forscher derzeit im Erzgebirge einen biologischen Bergbau durch Bakterien und andere Mikroorganismen. Im Labor funktioniert das auch schon ganz gut. Nun erprobt ein Team der Bergakademie Freiberg das neue biologische Löse- und Filtertechnologie mit einem unterirdischen Bioreaktor in Pöhla.

Aus Lithium allein - hier eine Probe im sächsischen Industriemuseum - lassen sich noch keine Hauptakkus für Elektroautos bauen. Dafür muss unter anderem das Metall zu Lithiumhydroxid raffiniert werden. Das soll ein Großkonverter in Guben übernehmen, den die Leag dann mit Ökostrom versorgen will. Foto: Heiko Weckbrodt

Sachsen bezuschusst seine Akku-Industrie mit 50 Millionen

Geld fließt in Lithium-Bergwerk und Fabrik für Silizium-Akkumaterialien Dresden/Altenberg/Schwarze Pumpe, 4. Juni 2024. Um die Akku-Industrie in Sachsen anzukurbeln, pumpt der Freistaat demnächst 50 Millionen Euro in zwei Vorstufen-Projekte: den geplanten Lithium-Abbau der „Zinnwald Lithium GmbH“ im Ost-Erzgebirge und eine Fabrik für Silizium-Akkumaterialien, die die „Group14 Silane“ im Industriepark „Schwarze Pumpe“ errichten will.

Blick in die Akku-Produktion im BMW-Werk Leipzig. Hier im Bild werden gerade die Zellen vereinzelt. Foto: BMW

„Zinnwald Lithium“ von Freiberg nach Altenberg umgezogen

Verlagerung des Firmensitzes soll Verankerung im Osterzgebirge verdeutlichen Altenberg/Freiberg, 26. Mai 2024. Ein Signal, dass es nach jahrelangen Erkundungen und Vorbereitungen nun wohl doch ernst wird mit dem Lithium-Abbau im Erzgebirge: Die Zinnwald Lithium GmbH hat im Mai 2024 ihren Firmensitz von Freiberg nach Altenberg verlagert. Das hat das Unternehmen nun mitgeteilt.

Einst war er hier Brikett-Stanzer, nun Museumserklärer: Frank Arnold in der Energiefabrik Knappenrode. Foto: David Brandt via LHD/TSD

Wie aus dem Brikett-Stanzer ein Museumsführer wurde

Sonderschau „Industriegeschichten“ über ein zweites Leben in abgewickelten DDR-Betrieben Dresden, 23. Mai 2024. Über zwei Jahrzehnte rackerte Frank Arnold in der Brikettfabrik Knappenrode, stand Tag und Nacht an der Brikettpresse, im Drei-Schicht-Betrieb. Die Arbeit war sein Leben. Dann, eines Tages nach der Wende, kam er zur Schicht – und da wurde ihm eröffnet: Du wirst nicht mehr gebraucht, die Anlage wird stillgelegt. „Da bin ich zusammengeklappt, geheult… Auf einen Schlag war Schluss.“ So wie Frank Arnold ging es Hunderttausenden in der ehemaligen DDR: Erst die Freude über die errungene Freiheit von den Kommunisten – und dann schlossen die Betriebe reihenweise. Was dieser Transformationsprozess im Zeitraffer für den einzelnen Menschen bedeutete, haben die Kulturwissenschaftlerin Cornelia Munzinger-Brandt und der Fotograf David Brandt in zwei Dutzend biografischen Foto-Filmen aufgenommen, komprimiert – und präsentieren das Ergebnis nun als Sonderausstellung „Industriegeschichten“ in den Technischen Sammlungen Dresden (TSD).

Zwei Ingenieure testen einen "EC 1055"-Rechner im VEB Robotron-Elektronik Dresden. Abb.: Ulrich Häßler, Bundesarchiv, Wikipedia

Zeitzeugen-Wissen als „tragende Säulen der Industriekultur“ sichern

Landesverband Industriekultur Sachsen plädiert für weitere Befragungen Chemnitz/Dresden, 14. Januar 2024. Zeitzeugenberichte aus DDR-Betrieben sollten noch stärker als bisher erfragt und für die Nachwelt dokumentiert werden. Dafür plädiert der „Landesverband Industriekultur Sachsen“ (IKU) in seinem Ausblick für das Jahr 2024.

Um instabile Bergbauhalden oder Verunreinigungen von Böden und Gewässern rechtzeitig zu erkennen, kombinieren die Mosmin-Partner Copernicus-Satelliten, Drohnen-Erkundungsdaten mit erdgebundenen Sensoren und lassen all diese Daten dann durch maschinell lernende Systeme auswerten. Das soll helfen, ökologische Risiken aus Bergbau-Hinterlassenschaften zu mindern und darin verborgene Schätze zu heben. Grafik: Mosmin via HZDR/HIF

Kosmische Augen und Drohnen überwachen künftig Bergbau-Halden

Helmholtz Freiberg startet Internationales „Mosmin“-Projekt Freiberg, 31. Dezember 2023. Copernicus-Satelliten, Drohnen, Bodensensoren und Künstliche Intelligenzen (KI) sollen künftig helfen, alte Bergbau-Halden zu überwachen, darin lauernde Risiken, aber auch Wertstoffe aufzuspüren. Darauf zielt das internationale Projekt „Mosmin“ („Multiscale Observation Services for Mining-related Deposits“). Koordiniert vom „Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie“ (HIF) will ein Dutzend Institute und Montan-Unternehmen gemeinsam Wege finden, um Bergbau künftig effizienter und umweltfreundlicher zu machen.

Was war von der DDR-Wirtschaft - hier ein Blick auf Takraf-Tagebautechnik - zu retten und was nicht? Hätte die Treuhand mit mehr Zeit und anderer Ausstattung mehr Betriebe transformieren können? Die Bilanz ist weiter umstritten. Foto: Heiko Weckbrodt

Archiv für Sachsens Wirtschaftsgeschichte entsteht in Borna

Land und Bund rücken schießen 16,5 Millionen Euro zu Borna, 30. November 2023. In Borna soll ein „Dokumentationszentrum zur Regional- und Wirtschaftsgeschichte Sachsens“ entstehen. Ein besonderer Sammelschwerpunkt soll die Geschichte des mitteldeutschen Bergbaus und speziell des Braunkohle-Tagebaus bilden. Dafür hat das sächsische Regionalministerium nun 16,5 Millionen Euro zugesagt. Es handelt sich um Bundes- und Landeskohle für den Kohleausstieg des mitteldeutschen Reviers.

Steht symbolisch für die Industriekultur in Sachsen: Immer noch funktionsfähige Dampfmaschine im Industriemuseum Chemnitz. Foto: Heiko Weckbrodt

Sachsen wollen Industriekultur stärker für Zukunftsthemen einspannen

Expertenumfrage: Freistaat sollte seine wirtschaftlichen Traditionen für Tourismus, Identitätsstiftung und neue Projekte nutzen Dresden, 11. Oktober 2023. Sachsen sollte seine industriekulturellen Traditionen und Baudenkmäler stärker als bisher für Tourismus, Identitätsstiftung und Zukunftsprojekte nutzen. Das hat eine Expertenumfrage des „Landesverbandes Industriekultur in Sachsen“ ergeben. Dieses Erbe sei „eine Ressource für die Zukunft des Industriestandortes Sachsen“, heißt es in einer Auswertung, die der Landesverband in den Technischen Sammlungen Dresden vorgestellt hat.

Bergparade vor der Faktorei, 1904. Repro: Christian Ruf

Mit Kläubefäusteln und Gezähe zum puren Zinn

Das Bergbaumuseum in Altenberg zeigt, wie rund um das beliebte Metall eine ganze Industrie im Erzgebirge wuchs Altenberg, 21. Mai 2023. Mit den Höhlen von Moria im „Herrn der Ringe“ kann der „Neubeschert-Glück-Stollen“ in Altenberg vielleicht nicht ganz mithalten: In der Fantasiewelt von J.R.R. Tolkien prangt über dem Westtor in fëanorischen Lettern: „Ennyn Durin Aran Moria: pedo mellon a minno. Im Narvi hein echant: Celebrimboro Eregion teithant i thiw hin“, was mit „Die Tür Durins des Herrn von Moria. Sprich Freund und tritt ein. Ich, Narvi, baute sie. Celebrimbor von Hulsten schrieb diese Zeichen“ übersetzt werden kann. Am Mundloch zum unterirdischen Teil des Bergbaumuseums Altenberg hingegen steht nur schlicht in lateinischen Buchstaben „Neubeschert-Glück-Stollen“ und die Jahreszahl 1802. Dafür liegen im Erzgebirge wenigstens keine Zwergen- und Ork-Skelette herum und es lauert auch kein Balrog in den Untiefen. Was heißt: Man kann hier also gefahrlos an einer der Führungen teilnehmen.

Magnetotaktische Bakterien binden Uran in der Zellwand (schematisch rechts dargestellt). Das lässt sich zur Reinigung uranbelasteter Wässer nutzen, indem die beladenen Bakterien mit einem Magneten abgetrennt werden (links dargestellt). Visualisierung: B. Schröder/HZDR

Magnet-Bakterien filtern Uran aus strahlendem Wasser

„Geradezu prädestiniert für eine solche Aufgabe“ Dresden, 9. Mai 2023. Mit speziellen magneto-taktischen Bakterien lässt sich das Uran aus dem Abwasser alter Uranminen herausfiltern. Das haben Forscher vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) vorgeschlagen und die Machbarkeit im Grundsatz auch experimentell nachgewiesen. „Aufgrund ihres Aufbaus sind sie geradezu prädestiniert für eine solche Aufgabe“, sagt Dr. Johannes Raff vom HZDR-Institut für Ressourcenökologie über seine neuen kleinen Freunde.

Vor dem Versuch im Leipziger Land haben die Fraunhofer-Forscher verschiedene "Impfrezepte" für die Erde mit verschiedenen Pflanzen im Labor ausprobiert. Foto: Fraunhofer-IKTS

Pilze lassen menschgemachte Mondlandschaften blühen

Fraunhofer-IKTS Dresden mischt eine Art Champignonsoße mit Klärwerk-Kompost und Tagebau-Erde, um Müllhalden zu begrünen Dresden/Leipzig, 21. September 2022. Forscher, Gartenbauer und Ingenieure aus Dresden und Leipzig haben einen Weg gefunden, um Tagebau-Wüsten und Müllhalden in blühende Landschaften zu verwandeln. Auf einer alten Abfallhalde nahe Leipzig haben sie dafür erfolgreich ein Mischrezept aus Pilzsoße, Kompost, Kohle und einer speziellen Umpflügtechnik eingesetzt. Künftig wollen sie mit ihrer neuen Rekultivierungstechnologie auch Tagebaue und alte Bergbauhalden begrünen – und „ganz nebenbei“ den Energieverbrauch in deutschen Champignon-Zuchtanlagen deutlich senken. Dies geht aus einer Mitteilung des federführenden Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) aus Dresden hervor.

Martin Reiber vom Institut für Technische Chemie sichtet Schlämme am Roten Graben. Foto: TU Bergakademie Freiberg

Freiberger gewinnen Eisen und Betonersatz aus Grubenschlamm

Chemiker wollen Bergbau-Reste verwerten statt sie zu deponieren Freiberg, 27. Mai 2022. Statt Grubenschlamm auf Deponien zu entsorgen, haben Chemiker aus Sachsen ein Membran-System entwickelt, um aus diesen Bergbau-Altlasten Eisen, Zink. Aluminium, natürlichen Zementersatz, klares Wasser und andere Wertstoffe zu gewinnen. Das hat die Bergakademie Freiberg mitgeteilt, die beim neuen Großforschungsprojekt „Recomine-Zauber“ die Federführung hat.

Staub in der Nähe von Bergwerkshalden in Johannesburg, Südafrika. Foto: Angela Mathee, SAMRC

Uran im Haar

Helmholtz-Forscher aus Dresden messen hohe Schwermetall-Werte bei Anwohnern südafrikanischer Goldminen Johannesburg/Dresden, 18. Mai 2022. Menschen, die in der Umgebung von südafrikanischen Minen leben, sind besonders stark durch giftige oder strahlende Schwermetalle gefährdet. Das hat das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf bei Haarproben-Analysen der Minen-Anwohner mit Massenspektrometern festgestellt. Die Ablagerungen in den Haaren deuten darauf hin, dass das Schwermetall auch in die Körper der Betroffenen gelangt ist.

Eine TheiaX-Forscherin mit einer Hyperspektralkamera im Außeneinsatz. Foto: TheiaX

Freiberger Hyperspektral-Titanin sucht nach Bodenschätzen

Helmholtz-Ausgründung „TheiaX“ kartiert mit Fernerkundungs-Sensorik und KI wertvolle Hochtechnologie-Metalle im Erdreich Freiberg, 13. Dezember 2021. Um wichtige Hochtechnologie-Metalle rascher zu finden, ohne überall den Boden zu durchlöchern, setzt das Freiberger Team „TheiaX“ auf Hyperpektral-Augen und Künstliche Intelligenz (KI). Das geht aus einer Mitteilung des „Helmholtz-Instituts Freiberg für Ressourcentechnologie“ (HIF) hervor, aus dem sich das Unternehmen derzeit ausgründet.

Ein 3D-Laserscanner im Tagebau. Bergbauunternehmen setzen ohnehin immer mehr Sensortechnik im Betrieb ein. Wenn man diese vernetzt und die Daten systematisch analysiert, ist ein effizienterer und auch ein umweltgerechterer Bergbau möglich, sind Forscher vom CLMineOpt-Projekt der TU Freiberg überzeugt. Foto: Andreas Geier / TU Bergakademie Freiberg

Wirtschaftsministerium hört neues „Berggeschrey“ in Sachsen

Dulig: Seit 2006 geht es mit dem traditionsreichen sächsischen Bergbau wieder aufwärts Dresden, 30. Dezember 2020. Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sieht im Freistaat eine Renaissance des Bergbaus: „Seit 2006 geht es mit dem Bergbau im Freistaat wieder steil aufwärts“, heißt es in einer Mitteilung seines Ministeriums in Dresden. „Ein regelrechtes Berggeschrey setzte erneut ein, da sich die Preise für Metalle auf dem Weltmarkt nach oben bewegten. Seitdem gibt es fortlaufend zwischen 10 bis 20 aktive Erkundungsprojekte pro Jahr – aktuell sind es 16 Erlaubnisse zur Aufsuchung von Rohstofflagerstätten.“