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Wolfram-Bergeschrey im Erzgebirge

Wolfram, Alchimist HP, Wikipedia, CC2-Lizenz https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en

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SME fördert Legierungswerkstoff in Plöha – Wertstoffe für 700 Millionen Euro untertage erwartet

Mittweida/Pöhla, 12. Oktober 2019. Im Erzgebirge, das vielen schon als ausgelaugt galt, wird wieder Wolfram geschürft: Die „Saxony Minerals & Exploration AG“ (SME) fördert oberhalb von Pöhla aus einem Erkundungsschacht in 175 Tiefe Wolfram-Erz, der nun waagerecht erweitert wird. Daraus löst das Unternehmen in einer Pilot-Aufbereitungsanlage in im Mittweidaer Gewerbegebiet Lauenhain nun Wolfram und Flussspat heraus. Parallel dazu installiert die SME im Pöhlaer Luchsbachtal eine größere Aufbereitungsanlage. Um den großformatigen Abbau zu finanzieren, wirbt die AG nun um Investoren für eine Unternehmensanleihe im Umfang von bis zu 30 Millionen Euro, die die SME Mitte Oktober auflegen will.

AG sucht nach umweltfreundlicheren Aufbereitungsstoffen anstelle der DDR-Säure

„Es ist definitiv eine gute Entscheidung, dass wir die Erzaufbereitung erst einmal in einer Pilotanlage umfassend durchspielen“, betonte SME-Technologie-Vorstand Klaus Grund. „Die Ermittlung der perfekten Aufbereitungsmethode ist aufwändig, da in Deutschland zuletzt 1988 polymetallisches Gestein aufbereitet wurde.“ Anders als in der DDR werde die SME aber keine starken Säuren einsetzen, um Wolfram und andere Wertstoffe aus dem Erzgestein herauszulösen, sondern natürlich abbaubare Stoffe, versprach Klaus Grund. „An der genauen Rezeptur der Reagenzien feilen wir derzeit.“

Berggeschrey: Ausschnitt vom Annaberger Bergaltar. Abb.: H. Hesse/Wikipedia

Berggeschrey: Ausschnitt vom Annaberger Bergaltar. Abb.: H. Hesse/Wikipedia

Erstes Berggeschrey im 12. Jahrhundert

Das Erzgebirge gilt als alte Bergbau-Region, in der Bergleute zunächst Silber förderten – das Edelmetall hatte ab dem 12. Jahrhundert mehrere Bergwerk-Booms ausgelöst, die „Berggeschrey“ genannt wurden. Als diese Adern erschöpft waren, verlegten sich die Schürfer auf Zinn und andere Metalle. Aber auch diese Lagerstätten galten schließlich als so erschöpft, dass ein gewinnbringender Bergbau nicht mehr möglich erschien.

Neues Berggeschrey durch Technologie-Wandel und steigende Weltmarktpreis-

Inzwischen gibt es aber ertragreichere Abbau-Technologien, zudem haben sich die Weltmarktpreise verändert. Die Nachfrage aus der Glühlampenindustrie für Wolfram ist zwar in Europa erloschen. Doch das Metall ist auch ein hochwertiger Legierungs-Werkstoff und wird in der Elektronikindustrie gebraucht. Die meisten Vorräte China, das aber als aufstrebendes Industrieland selbst einen großen Eigenbedarf hat. Von daher hat sich der Weltmarktpreis für Wolfram seit 2005 von etwa 90 Dollar pro Tonne inzwischen verfünffacht – auf 440 Dollar pro Tonne.

Von daher lohnt sich der Wolfram-Abbau auch wieder. Bereits zu DDR-Zeiten hatten Ingenieure die Lagerstätte bei Plöha erkundet. Laut neueren Analysen gibt es dort „beträchtliche Reserven an Wolfram, Fluorit und Zinn mit einem Wert von über 700 Millionen Euro“. Dies hat auch die SME auf den Plan gerufen.

Autor: hw

Quellen: SME, Mining-Scout, Wikipedia, Oiger-Archiv