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Wirtschaftsministerium hört neues „Berggeschrey“ in Sachsen

Ein 3D-Laserscanner im Tagebau. Bergbauunternehmen setzen ohnehin immer mehr Sensortechnik im Betrieb ein. Wenn man diese vernetzt und die Daten systematisch analysiert, ist ein effizienterer und auch ein umweltgerechterer Bergbau möglich, sind Forscher vom CLMineOpt-Projekt der TU Freiberg überzeugt. Foto: Andreas Geier / TU Bergakademie Freiberg

Moderne Technologien – hier ein 3D-Laserscanner der Bergakademie Freiberg in einem Tagebau – macht Bergbau in Sachsen wieder interessant. Foto: Andreas Geier / TU Bergakademie Freiberg

Dulig: Seit 2006 geht es mit dem traditionsreichen sächsischen Bergbau wieder aufwärts

Dresden, 30. Dezember 2020. Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sieht im Freistaat eine Renaissance des Bergbaus: „Seit 2006 geht es mit dem Bergbau im Freistaat wieder steil aufwärts“, heißt es in einer Mitteilung seines Ministeriums in Dresden. „Ein regelrechtes Berggeschrey setzte erneut ein, da sich die Preise für Metalle auf dem Weltmarkt nach oben bewegten. Seitdem gibt es fortlaufend zwischen 10 bis 20 aktive Erkundungsprojekte pro Jahr – aktuell sind es 16 Erlaubnisse zur Aufsuchung von Rohstofflagerstätten.“

Silberfunde lösten im Mittelalter erstes Berggeschrey aus

Sachsen hat eine lange Bergbautradition, die auch die Industrialisierung und das Ingenieurwesen im Land seinerzeit stark vorangetrieben hatte. Im Mittelalter gab es mehrfach Ansturmzeiten auf die Silbervorkommen im Erzgebirge. Das erste solche „Berggeschrey“ war im Jahr 1168 – weitere folgten. Zu DDR-Zeiten gehörten die deutsch-sowjetische „Wismut“, die Braunkohle-Industrie und weitere Bergbaubetriebe zu den strukturbestimmenden Arbeitgebern in Sachsen. Bis zur Wende war die DDR mit über 300 Millionen abgebauten Tonnen Braunkohle der weltgrößte Produzent von Rohbraunkohle. Ein großer Teil davon wurde in Sachsen und Brandenburg abgebaggert. Beim Abbau von Uran lag die DDR weltweit auf dem dritten Platz.

Neue Technologien machen tiefe Lagerstätten erreichbar

Nach der Wende schrumpfte der Bergbau-Sektor in Sachsen drastisch. Seit 2006 gehe es aber wieder „steil aufwärts“, so das Wirtschaftsministerium. Ein Grund dafür seien neue, umweltfreundliche Technologien, mit denen sich nun Lagerstätten erkunden und abbauen lassen, die früher unerreichbar schienen oder deren Abbau ineffizient gewesen wäre.

Europas größtes Lithium-Vorkommen immer noch nicht gehoben

Zuletzt hatte das Ministerium vier neue Abbau-Genehmigungen erteilt. So will die „Deutsche Lithium“ beispielsweise in Zinnwald das Metall Lithium abbauen, das unter anderem für den Bau von Elektroauto-Akkus benötigt wird. Laut Wirtschaftsministerium befindet sich auf sächsischem und böhmischem Gebiet die größte zusammenhängende Lithium-Lagerstätte in Europa. Das Unternehmen geht von etwa 125.000 Tonnen Lithium unter der Erdoberfläche aus. Mit dem großformatigen Abbau dieser Lagerstätten hat die „Deutsche Lithium“ aber immer noch nicht begonnen. Denn die Kosten für Bergbau sind heutzutage hoch, das lohnt sich nur, wenn die Weltmarktpreis für Lithium steigen.

Von Kohle bis Flussspat

In Pöhla und im Feld Rittersgrün wiederum hatte das Oberbergamt Sachsen den Abbau von Zinn, Wolfram und Indium genehmigt, in der Region Weißwasser den Bergbau von Kupfer und anderen Erzen. „In Niederschlag wird bereits Flussspat in einem verliehenen Bergwerkseigentum gewonnen“, teilte das übergeordnete Wirtschaftsministerium mit.

Insgesamt gibt es in Sachsen 220 beaufsichtigte Bergbaubetriebe, die 35 Millionen Tonnen Rohstoffe (ohne Kohle) produzieren. Dies sind Unternehmen, welche Felsgesteine, Kiese und Kiessand, Kalkstein, Kaolin, Ton, Lehm, Quarzsand, Flussspat und Schwerspat abbauen.

Autor: hw

Quelle: SMWA