Alle Artikel in: Umweltschutz und Ökologie

Stephan Beil (links), Björn Günther und Patrick Wordell-Dietrich (rechts) an einem Isotopen-Massenspektrometer im Chemiegebäude der TU Dresden. Sie koordinieren das neue "Gerätezentrum Umweltanalytik" an der Uni. Foto: Heiko Weckbrodt

Geballte Analysetechnik für Umweltforschung in Dresden

An der TU Dresden erleichtert ein neues „Gerätezentrum Umweltanalytik“ den gemeinsamen Zugriff auf millionenteure Messanlagen Dresden/Tharandt/Pirna, 15. Juli 2021. Für die Umweltwissenschaften an der TU Dresden verbessern sich die Forschungsbedingungen. Dafür entsteht derzeit ein neues „Gerätezentrum Umweltanalytik“. Über diese Plattform können die beteiligten Institute und ihre Partner nun zahlreiche Messgeräte und Anlagen gemeinsam nutzen. Derzeit beteiligen sich daran elf Institute aus Dresden und Tharandt mit zunächst 89 Anlagen, die einen Gesamtwert von rund 6,1 Millionen Euro repräsentieren. Später soll das Zentrum rund 200 Geräte umfassen. Die „Deutsche Forschungsgemeinschaft“ (DFG) fördert die dreijährige Aufbauphase mit rund 590.000 Euro.

Biofabrik-Gründer Oliver Riedel. Foto: Biofabrik

Biofabrik Dresden will Treibhausgas aus der Luft in Treibstoff verwandeln

Unternehmer Oliver Riedel möchte nun zweistellige Millionenfinanzierung von Investoren einwerben Dresden/Rossendorf, 9. Juli 2021. Nach der heißen Verwandlung von Plastemüll in Synthetik-Öl möchte sich Umwelttechnik-Unternehmer Oliver Riedel dem nächsten ökologischen Problem unseres Planeten widmen: „Wir müssen einen Weg finden, um Kohlendioxid aus der Luft zu holen“, hat er heute in Dresden angekündigt. Konkret sollen dies künftige Maschinen aus seiner „Biofabrik“ übernehmen, die das Treibhausgas aus der Luft saugen und es in Kraftstoff verwandeln.

Johanna Bialek von Holypoly mit einem Recyclingschwein. Foto: Holypoly

Holypoly: Welt braucht Plaste-Kreisläufe statt nur Verbote

Dresdner Jungunternehmen zeigt, wie aus alten Flaschen rosa Schweine werden Dresden, 3. Juli 2021. Das Einwegplastik-Verbot, das heute in Kraft getreten ist, ist eine Notbremse, aber auch nur ein Schritt auf dem Weg zu einer umweltverträglichere Kunststoff-Wirtschaft. Das hat Geschäftsführer Fridolin Pflüger vom Dresdner Recycling-Beratungsunternehmen „Holypoly“ erklärt. Es reiche nicht, „einige Regeln zu ändern oder ein paar Verbote auszusprechen. Die Kunststoffbranche muss ein ganz anderes Spiel spielen. Und das heißt Kreislaufwirtschaft“.

Kein Waldweg, sondern eigentlich der hessische Urselbach - aber eben ausgetrocknet. Foto: Babitsch für Senckenberg

60 % der Flüsse trocknen zeitweise aus

Wachsende Wasser-Probleme bringen Lebensräume für jeden zweiten Menschen auf der Erde durcheinander, Tendenz: steigend Frankfurt am Main, 17. Juni 2021. Immer mehr Flüsse trocknen aus – und zwar nicht nur in heißen Erdgegenden, sondern auch in unseren Breiten. Mittlerweile führen weltweit über 60 Prozent der Flüsse an mindestens einem Tag im Jahr kein Wasser. Das geht aus einer Analyse eines internationalen Forschungsteams unter Führung von Mathis Messager von der McGill Universität im kanadischen Montreal ergeben. Demnach lebt über die Hälfte der Weltbevölkerung in der Nähe solcher zeitweise trockener Flüsse. Zukünftig werde dies noch weit mehr Menschen betreffen, prophezeien die Studienautoren.

Der Verband "Energy Saxony" hat eine Denkfabrik für den Aufbau von "Smart Green Factories" gegründet. Grafik: Energy Saxony

Dresdner Denkfabrik will Weg zur grünen Fabrik ebnen

„Energy Saxony“ gründet „Think Tank“ für sächsische Industrie Dresden, 2. Juni 2021. Um den Umbau der sächsischen Industrie hin zu nachhaltigen und umweltfreundlichen Fabriklösungen voranzubringen, hat „Energy Saxony“ in Dresden eine neue Denkfabrik gegründet. Dieser „Think Tank“ soll die Unternehmen auf dem Weg zur „Smart Green Factory“ der Zukunft unterstützen. Dies hat Lukas Rohleder, der Geschäftsführer des sächsischen Energietechnik-Branchenverbandes heute mitgeteilt.

Eine Luftaufnahme des Betzdorfer Sees in der Lausitz. Foto: Julian Nyča, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57620458, Lizenz: CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Heizt die Lausitz bald mit Eis statt Kohle?

Dresdner ILK-Kälteexperten wollen mit Vakuum-Tripelpunkt-Technik die Tagebau-Seen als Wärmequellen anzapfen – dafür gibt’s einen Umweltpreis Dresden/Chemnitz, 28. Mai 2021. Damit die Fernwärme-Netze in der Lausitz auch nach dem Kohleausstieg nutzbar bleiben, haben sich Ingenieure vom „Institut für Luft- und Kältetechnik“ in Dresden gemeinsam mit Partnern ein trickreiches Verfahren namens „Aqva Heat“ ausgedacht. Statt Braunkohle sollen künftig die Tagebau-Hinterlassenschaften als umweltfreundliche Wärmequellen dienen: Mit einem speziellen System aus Vakuumkammern und Wärmepumpen entziehen sie den Lausitzer Seen Wärme für die Fernheizung und gewinnen nebenher auch ein Kältemittel. Vereinfacht gesagt, geht es dabei um „Heizen mit Eis“.

Testanlage für die Rolle-zu-Rolle-Produktion von Polymer-Filtermembranen. Foto: Leibniz-IOM

QCoat aus Leipzig verspricht weniger Schmutz im Wasserfilter

Frisches Kapital für sächsische Leibniz-Ausgründung Leipzig, 3. Mai 2021. Die Leipziger Forscherin Dr. Agnes Schulze vom „Leibniz-Instituts für Oberflächenmodifizierung“ (IOM) hat einen schmutzabweisende Polymermembranen entwickelt, die schmutziges Wasser effizienter säubern sollen. Das Konzept hat auch zwei halbstaatliche Risikokapitalisten aus Sachsen überzeugt: Der „Technologiegründerfonds Sachsen“ (TGFS) und die „Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen“ (MBG) investieren gemeinsam in das junge Unternehmen „qCoat GmbH“. Mit dem Geld will die IOM-Ausgründung nun die Serienproduktion der neuen Polymermembranen ankurbeln. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung des TGFS, der qCoat und des IOM hervor. Die Investitionssumme nannten die Partner allerdings nicht.

Die Agrophotovoltaik-Anlage in Heggelbach am Bodensee. Foto: BayWa r.e.

Mehr Kartoffeln unterm Solarkraftwerk: Sachsen testet Agro-Photovoltaik

Feldversuch am Lehrgut Köllitsch mit Solarmodulen, die Licht von oben und unten sammeln Köllitsch/Freiberg, 29. April 2021. Normalerweise denkt man als Laie, dass unter Solarkraftwerken mangels Licht nichts wachsen kann. Doch Studien und Experimente der Uni Arizona, des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) und anderer Institute haben gezeigt: Die meist „Agrophotovoltaik“ genannte Kombination aus Agrarwirtschaft und Photovoltaik lässt Kartoffeln, Tomaten und Chilis sogar besser wachsen und schützt durch die Schatteneffekte der Solarmodule auch die Böden davor, zu stark auszutrocknen. Nun will das sächsische Umweltministerium auf dem staatlichen Lehrgut Köllitsch nahe Torgau einen eigenen Agrophotovoltaik-Feldversuch starten. Das hat der sächsische Umweltstaatssekretär Gerd Lippold (Bündnisgrüne) bei einem Besuch in der „Meyer Burger“-Solarmodulfabrik in Freiberg angekündigt. Im Fokus des Pilotprojektes soll demnach der Einsatz neuartiger „bifazialer“ („zweigesichtiger“) Solarmodule stehen, die Licht von oben und auch von unten her in Strom verwandeln können, und die „Meyer Burger“ ab Juni 2021 massenhaft im Freistaat produzieren will.

Logo der Denkfabrik "Energy Saxony Think Tank". Grafik: Energy Saxony

„Energy Saxony“ richtet Denkfabrik für „grüne“ Produktion ein

Think Tank soll Sachsens Industriebetriebe bei der Transformation zur „Smart Green Factory“ unterstützen Dresden, 22. April 2021. Der sächsische Energiebranchenverband „Energy Saxony“ hat in Dresden eine neue Denkfabrik eingerichtet. Der „Energy Saxonx ThinkTank“ soll Industrieunternehmen helfen, Klimaschutzziele zu erreichen, umweltfreundlicher zu produzieren, die Digitalisierung im Betrieb voranzutreiben und Energie sowie andere Ressourcen einzusparen. „Das sächsische Cluster für Energie- und Umwelttechnologie unterstützt Industriebetriebe auf ihrem Weg zur ,Smart Green Factory’“, verspricht der Verband.

Bagger reißen die Abstellhallen des Straßenbahnhofs Dresden-Tolkewitz ab. Foto: Peter Weckbrodt

Freiberger schwören Bauschutt mit Elektroschocks aufs Recycling ein

Netzwerk „Recybau“ will Kreislaufquote in der Baubranche erhöhen Freiberg, 16. April 2021. Damit nicht mehr soviel Bauabfälle irgendwo verfüllt wird oder auf Halden landet, wollen Recycling-Experten der Bergakademie Freiberg den Bauschutt durch Hochspannungs-Schocks mit rund 600 Kilovolt zerkleinern und sortieren. Durch diese „elektrodynamische Fragmentierung“ möchten sie vor allem Schuttreste aufspalten, die aus mehreren verschiedenen Materialien bestehen, teilte die Freiberger Uni mit. Dieses Konzept ist ein Teilprojekt des neuen Netzwerkes „Recybau“, in dem 25 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam eine die Kreislaufwirtschaft im Baugewerbe stärken wollen.

Die Archivaufnahme von 1980 zeigt DDR-Bergleute in der Zinngrube Ehrenfriedersdorf. Foto: Eugen Nosko, Deutsche Fotothek, Slub, Wikipedia, CC3-Lizenz, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en

Fraunhofer Dresden säubert Grubenwasser im Erzgebirge

Projekt „Terzinn“: In Ehrenfriedersdorf wollen IKTS-Forscher mit modernen Technologien Wertstoffe aus belastetem Wasser gewinnen Dresden/Ehrenfriedersdorf, 30. März 2021. Das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) Dresden testet mit Partnern aus Forschung und Wirtschaft in Ehrenfriedersdorf im Erzgebirge neue Umwelttechnologien. Das Projekt „Technologieentwicklung und Erprobung für nachhaltiges Wassermanagement und additive Rohstoffgewinnung am Modellstandort Zinnerzgrube Ehrenfriedersdorf“ (Terzinn) setzt sich mit den ökologischen Folgeschäden alter Bergwerke auseinander. Es zielt darauf, wertvolle Rohstoffe zurückgewinnen und letztlich die Lebensqualität in Bergbau-Gemeinden verbessern. Dafür hat sich das Institut nun die Nutzungsrechte an einer stillgelegten Zinngrube in Ehrenfriedersdorf gesichert, teilte das IKTS heute mit.

So etwa sollen die hoch stapelbaren Produktionscontainer für Fisch, Pilz & Co. in den Städten aussehen. Viualisierung: Cubes Circle

Fraunhofer will Steak aus der Proteinfabrik kredenzen

Institute arbeiten bei „Futureproteins“ an Speisen-Massenproduktion aus Kartoffeln, Würmern, Pilzen und Algen, um Tier und Umwelt zu schonen Schmallenberg/Chemnitz, 22. März 2021. In der französischen Komödie „Brust oder Keule“ („L’aile ou la cuisse“) aus dem Jahr 1976 mit Louis de Funes galt die Synthese-Speisen-Fabrik des Bösewichts Tricatel seinerzeit noch als dystopische Warnung. Doch allzu weit weg ist solch Industrieessen nicht mehr: Um Tier und Umwelt zu schonen und die wachsende Menschheit dauerhaft billig zu ernähren, will Fraunhofer nun eine neue Generation von Proteinfabriken entwickeln, die massenhaft künstliche Schnitzel und andere Industriespeisen aus Pflanzen, Würmern, Pilzen und Algen erzeugen. Beteiligt sind an diesem Leitprojekt „Futureproteins“ insgesamt sechs Fraunhofer-Institute. Darunter ist auch das „Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik“ (IWU), das den Kunstnahrungsfabriken vor allem den Energiehunger austreiben will. Das geht aus einer IWU-Mitteilung hervor.

Kühlmatten und -boxen von Easy2cool, die dank einer papierbasierten Lösungen vom Institut für Naturstofftechnik der TU Dresden ohne Styropor auskommen. Foto: Easy2cool

Bioökonomie: Papier verdrängt Kunststoffe

Naturstofftechniker der TU Dresden sehen im Ersatz von Plaste & Co. einen Megatrend Dresden, 19. März 2021. Papier mag ein seit Jahrhunderten bekanntes Material sein – doch sein Potenzial ist längst noch nicht ausgeschöpft. Davon sind die Forscher und Forscherinnen im Institut für Naturstofftechnik der Technischen Universität Dresden (TUD) überzeugt: Statt Knabberchip-Verpackungen, Transportboxen oder Strohhalme aus Plaste zu machen, lassen sich Kunststoffteile in vielen Fällen durch Alternativen auf Papier- beziehungsweise Zellulosebasis ersetzen.

Plastemüll in Deutschland. Foto: Heiko Weckbrodt

Deutschland exportiert weniger Plastemüll

Im Corona-Jahr war es aber noch eine Million Tonnen Wiesbaden, 3. März 2021. Deutschland hat im Corona-Jahr 2020 rund eine Million Tonnen Kunststoff-Abfälle in Ausland „abgeschoben“. Immerhin sinkt der deutsche Plastikmüll-Export langfristig: Zum Vorjahr verringerte sich die Menge um acht Prozent. 2010 hatte die Bundesrepublik sogar noch 1,5 Millionen Tonnen Plastemüll ausgeführt, seitdem sind die Volumina also um ein Drittel geschrumpft. Dies geht aus Angaben des statistischen Bundesamtes (Destatis) aus Wiesbaden hervor. Deutschland ist aber weiter der größte Plastemüll-Exporteur aus dem EU-Raum.

Aus Plastemüll machen die in Containern eingehausten Pyrolyse-Anlagen der "Biofabrik" Dresden synthetisches Öl sowie weitere verwertbare Stoffe. Echter "Abfall" bleibt kaum übrig, versichern die Ingenieure aus Sachsen. Foto: Heiko Weckbrodt

Enespa baut weltgrößte Plastemüll-Pyrolysefabrik in Sachsen

40-Millionen-Euro-Investition: Schweizer wollen mit Dresdner Biofabrik-Anlagen bis zu 60.000 t Abfall pro Jahr in Öl verwandeln Dresden/Spremberg/Appenzell, 2. März 2021. Um die deutschen und Schweizer Plastemüllberge möglichst umweltfreundlich abzutragen, errichten der Anlagenbauer „Biofabrik“ aus Dresden und die Recyclingfirma „Enespa“ aus Appenzell nun gemeinsam in Sachsen die – laut eigenen Angaben – weltweit größte Fabrik für chemisches Recycling. Das Werk im Industriepark „Schwarze Pumpe“ an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Brandenburg soll mit Pyrolyseanlagen aus Dresden pro Jahr bis zu 60.000 Tonnen Kunststoff-Abfälle in synthetisches Rohöl zerlegen. Die Investitionskosten schätzen die Partner auf rund 40 Millionen Euro.