Alle Artikel in: Medizin & Biotech

Die Semeco-Partner wollen in Dresden die Innovationszyklen von neuer und dennoch sicherer Medizinelektronik deutlich verkürzen. Foto/Montage: H. Ostermeyer für das UKD

Neue Semeco-Zentrum für Medizinelektronik in Dresden

Innovations-Konsortium bekommt bis zu 45 Millionen Euro Cluster-Geld vom Bund Dresden, 20. Juli 2022. In Dresden entsteht unter dem Namen „Secure Medical Microsystems and Communications“ (Semeco) ein neues Zentrum für Medizinelektronik. Dafür bekommt ein Verbund aus Ingenieuren und Medizinern bis zu 45 Millionen Euro Fördergeld aus dem Bundesprogramm „Clusters4Future“. Das hat die TU Dresden mitgeteilt. Damit sei „Semeco eines von sieben Clustern aus ganz Deutschland, das in der zweiten Runde des Clusters4Future-Wettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aus 117 Bewerbungen ausgewählt wurde.“

Krebspatienten profitieren in Dresden von einer hochgenauen Planung der Protonentherapie. Wissenschaftler nutzen hierfür die Vorteile einer innovativen Bildgebungsmethode. Quelle: NCT Dresden/ Philip Benjamin, OncoRay

Protonenkanone gegen Krebs bekommt „Echtzeit-Auge“

Oncoray Dresden will mit Partnern aus Belgien und Schweden im „Protonart“-Verbund die Teilchentherapie präziser machen Dresden, 27. Juni 2022. Um besonders heimtückische, tiefsitzende Tumore im Gehirn oder im Bauch zu bekämpfen, setzen Mediziner gerne Protonenstrahlen ein – wenn sie einen der noch recht teuren Protonenbeschleuniger zur Hand haben: Anders als Röntgen- oder Gammastrahlen setzen nämlich diese auf hohe Geschwindigkeiten beschleunigten Kernteilchen ihre Energie ziemlich genau im Krebsgeschwür frei, ohne das gesunde Gewerbe dahinter mit zu zerstören. Mediziner und Physiker aus Sachsen, Schweden und Belgien haben nun mit „Protonart“ ein Konsortium gegründet, das die Protonentherapie echtzeitfähig und auf eine Stufe heben soll. Das geht aus einer Mitteilung des Dresdner Strahlenforschungszentrums „Oncoray“ und der TU Dresden hervor.

Die CRTD-Forscher haben Mäusen menschliche Zapfenphotorezeptoren (grün)in die degenerierte Netzhaut eingepflanzt. Unterstützende Zellen in der Wirtsnetzhaut (orange) interagieren eng mit dem Transplantat. Abb.: JCI

Dresdner Forscher geben halbblinden Mäusen die Tagessicht zurück

Photorezeptoren brauchten allerdings 6 Monate, um sich zu vernetzen Dresden, 18. Juni 2022. Um Blinden das Tagessichtzurückzugeben, experimentieren Regenerationsforscher um Prof. Marius Ader vom Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) der TU Dresden mit künstlich gezüchteten Netzhautzellen. Die haben nun Mäusen solche Zellen erfolgreich eingepflanzt: Die Zellen vernetzten sich binnen eines halben Jahres und funktionierten dann auch korrekt, teilte das CRTD mit. Dahinter steht die Hoffnung, dass später einmal auch blinde Menschen durch solch eine Methode wieder sehen lernen.

Blick auf das Tian Shan-Gebirge. Anhand von Analysen alter Pest-Genome konnten Forschende den Ursprung des Schwarzen Todes in Zentralasien, in einem Gebiet nahe des Yssykköl-Sees im heutigen Kirgisistan, verorten. Foto: Lyazzat Musralina

Planck-Forscher: Schwarzer Tod kam aus Zentralasien

Pest verbreitete sich aus der Goldenen Horde nach Europa – und raffte dort Millionen Menschen dahin Leipzig, 15. Juni 2022. Der Schwarze Tod, der 1346 und 1353 jeden dritten Europäer dahinraffte, wurde vermutlich über Handelswege von Zentralasien eingeschleppt – aus dem Herrschaftsbereich des mongolischen Reichs „Goldene Horde“. Zu dieser Schlussfolgerungen sind Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (MPI-Eva) in Leipzig, der Uni Tübingen und der University of Stirling in Großbritannien nach Erbgut-Analysen gekommen.

Triantafyllos Chavakis. Foto: UKD

Warum sich Paradontitis-Patienten oft auch Gelenkschmerzen haben

Team aus Dresden und Philadelphia vermutet, dass einmal antrainierte Strategie gegen Entzündungen später teils zu falscher Immunantwort führt Dresden/Philadelphia, 1. Juni 2022. Verwechselt unser angeborenes Immunsystem ganz verschiedene Entzündungen wie Paradontitis und Arthritis – und macht dadurch alles nur noch schlimmer? Befunde einer internationalen Forschungsgruppe des Uniklinikums Dresden (UKD)und der University of Pennsylvania in Philadelphia deuten zumindest darauf hin. Das geht aus einer Mitteilung der Dresdner Hochschulmediziner hervor.

Die menschliche Leber besteht aus Zellen mit unterschiedlichen Mengen an DNS. Die meisten Zellen haben nur zwei Erbgut-Sätze, wie die mit einem weißen Pfeil markierte Zelle. Einige Zellen haben mehr DNS-Sätze, wie die mit gelben Pfeilen markierten Zellen. Diese verschiedenen Zelltypen in der Leber erneuern sich unterschiedlich schnell. Mikroskopfoto (bearbeitet): Paula Heinke für das DRTD der TU Dresden

Wenigstens unsere Leber bleibt ewig jung

Dresdner Regenerationsforscher: Organ erneuert sich alle drei Jahre Dresden, 31. Mai 2022. So sehr unser Körper auch altert: Unsere Leber hält sich über Jahrzehnte jung und wird nie älter als drei Jahre – solange wir es mit unserem Lebenswandel nicht übertreiben. Das hat ein Team um Dr. Olaf Bergmann vom „Zentrum für Regenerative Therapien Dresden“ (CRTD) herausgefunden. Demnach regeneriert sich dieses Organ stetig wieder, auch im fortgeschrittenen Lebensalter, hieß es von der TU Dresden. „Egal, ob man 20 oder 84 Jahre alt ist, die Leber bleibt im Durchschnitt unter drei Jahre alt“, erklärte Dr. Bergmann.

In der Sprachanalyse sehen Mediziner aus Dresden einen guten Ansatz, um Multiple Sklerose zu diagnostizieren. Grafik: Phil Hubbe für das UKD

Multiple Sklerose soll durch Sprachtest-App erkennbar werden

Uniklinik Dresden will neue Diagnosemethode nun durch Studie überprüfen Dresden, 29. Mai 2022. Verwaschene Sätze, eine monotone Sprachmelodie oder besonders kurzatmige Sprechweise können Indizien für eine „Multiple Sklerose“ (MS) sein. Denn bei dieser neurodegenerativen Krankheit entstehen viele Entzündungsherde im Gehirn, die direkt und indirekt die Sprachfähigkeiten des Patienten stören können. Ein Forschungsteam der Uniklinik Dresden (UKD) hat gemeinsam mit Programmierern ein darauf spezialisiertes Spracherkennungssystem entwickelt und will es nun in einer Studie auf seine praktische Diagnose-Tauglichkeit untersuchen. Das haben die Dresdner Mediziner aus Anlass des morgigen Welt-Multiple-Sklerose-Tages angekündigt.

Seit 2018 sind Online-Sprechstunden in Deutschland erlaubt - und seitdem steigt auch - wenn auf noch kleinem Niveau - die Resonanz bei den Patienten. Grafik: Bitkom

Immer mehr holen sich Rat vom Arzt per Video-Sprechstunde

18 Prozent haben digitale Sprechstunde schon genutzt, Ausbau ist erwünscht Berlin, 23. Mai 2022. Immer mehr Menschen nutzen Video-Sprechstunden, um gesundheitliche Probleme mit ihrem Arzt zu besprechen: Waren es im Jahr 2019 erst fünf Prozent der Deutschen, ist der Anteil jener, die mindestens schon einmal Videopatient waren, inzwischen auf 18 Prozent gestiegen. Das hat der deutsche Digitalwirtschaftsverband „Bitkom“ aus Berlin durch eine „Bitkom Research“-Erhebung erfragt.

Ein Schuh, ein Teddy, ein Rosenkranz - manchmal lösen Gegenstände vergessen geglaubte Erinnerungen aus. Wer sie aktiv verdrängt, beschleunigt die Löschprozesse im Gehirn. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Verdrängte Erinnerungen verblassen schneller

Leipziger Planck-Forscher messen Gedächtnisspuren nach gewollter Unterdrückung Leipzig, 13. Mai 2022. Wenn jemand ungeliebte Erinnerungen verdrängt, gilt das gemeinhin als schlecht. Tatsächlich aber ist dieses aktive Verdrängen ein recht effektiver Schutzmechanismus des Gehirns, damit schmerzhafte Momente im Leben schneller verblassen. Wer später doch daran zurückdenkt – angeregt zum Beispiel durch einen damit verbunden Gegenstand – der erinnert sich weniger lebhaft an das Erlebte. Das haben Ann-Kristin Meyer und Roland G. Benoit vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI-CBS) in Leipzig in Experimenten ermittelt.

Regenerationsexpertin forscht nun in Dresden an selbstheilende Fischen

Catherina Becker nimmt Humboldt-Professur an der TU Dresden an Dresden, 12. Mai 2022. Auf der Spur der selbstheilenden Zebrafische wechselt die Regenerationsforscherin Prof. Catherina G. Becker von Schottland nach Sachsen: Im Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) will sie im Zuge einer Humboldt-Professur erforschen, wie genau sich Zebrafisch-Gehirne selbst heilen, wie sie selbst nach schwersten Verletzungen neue Verknüpfungen zum Rückenmark wieder herstellen können – und wie sich das Ganze vielleicht doch noch irgendwann auf Menschen mit Hirnschlag oder nach einem Unfall gelähmte Menschen übertragen lässt. Das geht aus einer Mitteilung der TU Dresden hervor, zu der das CRTD gehört.

Regnerationswürmer unterm Mikroskop. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresden will zweites Biotech-Zentrum 2025 fertig haben

Auf dem großen Lebenswissenschaften-Campus in der Johannstadt fehlen seit Jahren ausreichend Flächen für Ausgründungen und Ansiedlungen Dresden, 9. Mai 2022. Die Dresdner Wirtschaftsförderer wollen eine alte Wachstumsbremse für die Lebenswissenschaften in der Stadt lösen – und nach jahrelangem Warten soll nun alles möglichst schnell gehen: Anfang 2023 sollen an der Fiedlerstraße gegenüber vom Uniklinikum die Abrissbagger anrücken, ein altes Schulverwaltungs-Gebäude abreißen und dort ein zweites Bioinnovationszentrum (Bioz 2) errichten. 2025 soll sich dort die ersten Biotech-, Pharma- und Gesundheitsfirmen einmieten können. Diesen Zeitplan hat heute Wirtschaftsförderungs-Chef Robert Franke vorgestellt.

Die Nanokugeln aus Eisenoxiden (links unten) werden zunächst mit silizium-organischen Haft-Molekülen beschichtet (links oben), die dann mit den Krebsmedikamenten beladen werden (rechts oben). Wenn sie in eine leicht säuerliche Umgebung mit dem pH-Wert 5,5 gelangen, wie sie für Krebszellen (rechts unten) typisch sind, setzen sie das Medikament frei. Grafik: Heiko Weckbrodt

Magnet-Nanokugeln sollen beim Kampf gegen Lungenkrebs helfen

Forscher aus Sachsen und Indien schleusen mit selbstorganisierenden Nanokugeln Krebsmedikamente zielgenauer zum Tumor Chemnitz/Kolhapur, 25. April 2024. Magnetische Nanoteilchen, die sich selbst organisieren, können die Wirkung von Krebsmedikamenten verbessern. Das haben Halbleiterphysiker und Nanotechnologen der TU Chemnitz und der indischen Shivaji University aus Kolhapur nachgewiesen. Diese Entdeckung ist auf große Resonanz gestoßen, teilte die Chemnitzer Uni mit: Der entsprechende Fachartikel gehöre zu den international meistgelesenen Beiträgen in seiner Sparte.

Gerade während der Ausgangssperren und staatlich verordneten sozialen Distanzierungen in der Corona-Zeit sind viele Menschen in Depressionen abgeglitten. Foto: Stephan Wiegand ​für die Hochschulmedizin Dresden

Depressionen stören Immunsystem

Verformbare Blutzellen bei chronisch niedergeschlagenen Menschen könnten Ursache für Erschöpfung sein Dresden/Zürich, 8. April 2022. Lange anhaltende Depressionen können dazu führen, dass die Blutzellen der Betroffenen leichter verformen lassen – und dies könnte wiederum ihr Immunsystem stören. Das geht aus einer Studie der TU Dresden, der Uni Zürich und des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts in Erlangen hervor.

Professor Christian Thomas, Direktor der Klinik für Urologie am DaVinci Xi. Foto: Kirsten Lassig für das UKD

Bessere OP-Roboter für Dresdner Urologen

„Da Vinci Xi“ ermöglicht komplexere Operationen im Bauch Dresden, 5. April 2022. Die Urologen am Uniklinikum Dresden bekommen eine neue Generation von OP-Robotern: Der „Da Vinci Xi“ ergänzt die Vorgängermodelle und ermöglicht nun komplexere und teils auch kürzere schonende Operationen im Bauraum. Das geht aus einer Mitteilung des Uniklinikums hervor.

Professor Lorenz Hofbauer und Professorin Martina Rauner. Fotos: Andy Göbel für das UKD

Mediziner wollen Knochenbruch-Risiko von Diabetikern senken

Uniklinik leitet Projekt „Fidelio“, das die Zusammenhänge zwischen Zuckerkrankheit und Knochengesundheit untersucht Dresden, 23. Februar 2022. Damit die Knochen von Zuckerkranken künftig nicht mehr so leicht brechen, könnten womöglich Medikamente helfen, die eigentlich für die Altersmedizin entwickelt werden. „Tatsächlich hat man im Rahmen einer neuen Studie festgestellt, dass besonders Diabetes mellitus Typ 2 als ein Modell des beschleunigten Alterns bezeichnet werden kann“, schätzt Professorin Martina Rauner, die das Forschungslabor im Dresdner Universitätszentrum für Gesundes Altern (UCGA) leitet. „Dieses Konzept ist die Grundlage für die Entwicklung neuartiger Medikamente, den sogenannten „Senolytika“, die speziell auf die Eliminierung alternder Zellen abzielen.“