Alle Artikel mit dem Schlagwort: Dystopie

Die Welt ist kaputt. In Nach der Rückkehr auf die Erde findet Kosmonaut "Kosmos" einen verödeten, traurigen Planeten vor. Bildschirmfoto aus: "The Great Perhaps" leuchtet der Spieler in die Vergangenheit, um den Auslöser der Katastrophe zu verstehen. Visualisierung: Caligari

„The Great Perhaps“: Reise in die Zeit vor der Katastrophe

In dem russischen Indie-Spiel leuchtet der letzte Kosmonaut mit einer Zeitreise-Laterne in die Vergangenheit Russische und sowjetische Kreative haben einige Erfahrungen damit, dystopische Stimmung zu verbreiten: Man denke nur an das „Picknick am Wegesrand“ der Strugazki-Brüder oder die „Stalker“- und „Metro“-Spiele als jüngere Beispiele. In diese Linie gehört auch das nun veröffentlichte „The Great Perhaps“ des russischen Indie-Studios „Caligari Games“: eine Mischung aus Adventure und Sidescroll-Jump’n’Run, die uns in eine parallele prä- wie postapokalyptische Welt entführt.

Roboter rotten auf Geheiß der KI die Menschheit aus. Szenenfoto: Eurovideo

Bluray „Singularity“: Die KI erwacht – und knipst uns aus

Dystopischer Science-Fiction fürs Heimkino erschienen Was passiert, wenn einer unserer Computer eines Tages echte Intelligenz, echtes Bewusstsein entwickelt? Für die Menschheit kann dieses einzigartige Ereignis, diese Singularität, nicht gut ausgehen, meint Regisseur Robert Kouba in seinem dystopischen Science-Fiction „Singularity“. Der ist nun fürs Heimkino erschienen.

KI soll Straftaten vorhersagen

Die meisten Deutschen sind für den Einsatz Künstlicher Intelligenz für die Polizeiarbeit Berlin, 23. Februar 2018. Der eine oder andere mag sich noch an „Minority Report“ erinnern: Jene Erzählung von Philip K. Dick und deren Verfilmung mit Tom Cruise, in der hellseherische Polizei-Homunkuli Verbrechen vorhersagen und damit verhindern sollen. Auch eine Mehrheit der Deutschen könnte sich mit ähnlichen Formen der Polizeiarbeit anfreunden: 61 Prozent der Bundesbürger halten es für sinnvoll, Straftaten durch eine „Künstliche Intelligenz“ (KI) zu prognostizieren und so eine bessere Polizeipräsenz an potenziellen Tatorten zu ermöglichen. Das hat eine Umfrage von Bitkom Research unter 1008 Deutschen ergeben. Auch der Einsatz von Polizeirobotern sei vorstellbar.

Der Weg zum Präsidentenpalast ist für Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und ihre Mitstreiter mit tödlichen Fallen gespickt. Abb.: Studiocanal

Der Weltuntergang hat Konjunktur

Filmforscherin Gertrud Koch: Angst vor Chaos, Überwachung und Versklavung lässt Dystopien blühen Dresden, 29. Juni 2016. Leben wir inmitten einer globalen Vertrauenskrise in die soziale, ökologische und ordnungspolitische Zukunft der Menschheit? Dies ist durchaus anzunehmen, wenn man sich die Flut zukunftspessimistischer, also „dystopischer“ Filme anschaut, die sich seit einigen Jahren wieder durch die Kinos wälzt. Da sind an die Stelle der hoffnungsfrohen Utopien des frühen Raumfahrzeitalters die Dystopien getreten, in denen die Natur zurückschlägt, eine kleine Elite die Masse der Menschen versklavt und totalüberwacht oder inmitten des Weltuntergangs nur die überleben, die sich auf „die guten alten“ Werte rückbesinnen.

Gezeichnet von einem Autounfall, an den er sich nur noch vage erinnert, sucht "Secret Service".Agent Ethan Burke (Matt Dillon, rechts), Hilfe beim Sheriff von Wayward Pines. Doch der erweist sich bald als ausgesprochen feindselig. Szenen-Foto: Fox

Kein Entkommen aus Wayward Pines

Starke US-Mystery-Serie über totalitär überwachtes Provinznest ist nun fürs Heimkino erschienen Mit „Wayward Pines“ ist nun eine ganz außergewöhnliche US-Serie in Deutschland auf DVD und Bluray erschienen. Stark besetzt und atmosphärisch dicht erzählt sie über ein totalitär überwachtes Kaff in den Vereinigten Staaten, in dem Seltsames vor sich geht – und aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.

Thomas (Dylan O’Brien) verewigt sich auf den Labyrinth-Wänden. Foto: Fox

DVD „Maze Runner“: Labyrinth riesiges Experimentallabor

Auf einer Lichtung eingepfercht, begründen Teenies ihre eigene dystopische Mikrogesellschaft Der 16-jährige Thomas (Dylan O’Brien) wacht in einem Lastenaufzug auf, der ihn auf eine Lichtung befördert, und die ist von einem riesigen steinernen Labyrinth umgeben. Erinnern kann er sich an kaum mehr als seinen Namen, doch seine ganze Biografie, seine Vergangenheit scheint wie weggewischt aus seinem Gedächtnis. Und so geht es all den Teenagern auf der Lichtung: Keiner von ihnen weiß, warum er inmitten dieses Irrgartens, in dem es von tödlichen Kreaturen nur so wimmelt, eigentlich gelandet ist. Rasch bildet sich in der Jungen-Mikrogesellschaft auf der Lichtung eine Hackordnung aus Führern, Baumeistern, Gärtnern und Labyrinth-Erkundern heraus – bis Thomas, der Neue, die „althergebrachte“ Ordnung über den Haufen wirft und entdeckt, dass all diese Teenager kaum mehr als Laborratten in einem zynischen Experiment sind…

Welt-Controller Mustapha Moon (Christian Erdmann, l.) führt John (André Kaczmarczyk) den Liebreiz der Stabilität vor Augen. Foto: David Baltzer, Staatsschauspiel Dresden

Huxleys „Schöne Neue Welt“ als multimediale Kapitalismuskritik im Schauspiel Dresden

„Mit Delta-Kindern spiele ich nicht!“ Hat uns „das System“ von Kindesbeinen an auf Konsum und Genusssucht konditioniert? Und zwar in einem Maße, dass wir gar nicht anders können und wollen, als in der uns zugewiesenen, nur scheinbar selbstgewählten Arbeit aufzugehen, in unserer Kaste zu verharren („Mit Delta-Kindern spiele ich nicht!“) und ziellos konsumierend durchs Leben zu irren? Der britische Autor Aldous Huxley warnte davor 1932 in seinem kapitalismus- wie sozialismuskritischen Dystopie-Klassiker „Schöne neue Welt“ sehr bedrückend und nachdrücklich. Und auch die leicht auf unsere Zeit adaptierte Fassung, die nun das Staatsschauspiel Dresden multimedial auf die Bühne gebracht hat, legt diesen Schluss nahe.

Die Hüter von Recht und Gesetz in der radioaktiven Zukunftswelt von "Wasteland 2" wirken selbst eher wie Gesetzlose. "Mad Max" lässt grüßen! Abb.: BSF

„Wasteland 2“: Retro-Rollenspielerei in der verstrahlten Zukunft

Rundenbasierte Kämpfe in „Mad Max“-Tradition Postapokalyptische Szenarien sind derzeit wieder ziemlich en vogue, wenn man nur an die Erfolge der Zombie-TV-Serie „The Walking Dead“, die dystopischen „Tribute von Panem“, die tschernobylischen „Metro“-Spiele oder die „Silo“-eBooks denkt. In dieses Kerbholz hauen nun auch die „InXile“-Studios mit „Wasteland 2“. Und das ist in vielerlei Hinsicht ziemlich retro: Spieletechnisch im Genre des klassischen Rollenspiels angesiedelt, stilistisch erinnert es an die „Mad Max“-Endzeit-Filme der 1980er Jahre.

Abb.. Hugh Howey/ Amazon

Sci-Fi-eBuch „Dust“: Jetzt wird abgerechnet

Im Finale der dystopischen „Silo“-Trilogie bekommen die Fascho-Senatoren ihr Fett weg Gibt es eine bewohnbare Welt über den Bunkern? Wird sich die kleine Rest-Menschheit je aus dem Würgegriff der IT-Abteilungen befreien können? Steckt in der Matroschka aus immer neuen Lügen in der Lüge aus „Silo 1“ vielleicht doch noch ein Stück Wahrheit über die Welt da draußen? Fragen über Fragen, die der US-amerikanische Independent-Autor Hugh Howey in seinem Sci-Fi-Roman „Dust“ („Staub“), mit dem er nun seine dystopische „Silo“- Reihe abgeschlossen hat, auseinander druselt. Fans dieser eBuch-Serie kommen hier noch einmal voll auf ihre Kosten: Die letzten Fäden im Euthanasie-Komplott faschistischer US-Senatoren werden enthüllt, die heldische Mechanikerin Juliette baggert sich durch die Silos und es wird zum Finale noch einmal ziemlich action-reich.

Abb.: Piper-Verlag

Die Welt ist ein unterirdischer „Silo“

US-Autor Hugh Howey entwirft in seiner Sci-Fi-Dystopie eine Diktatur auf 150 Etagen Die Welt ist ein Silo, 150 Stockwerke tief in die Erde gegraben. Ein paar Hundert oder Tausend Menschen leben darin, wer weiß das schon genau? Die Bürgermeisterin vielleicht oder der Silo-Sheriff ganz oben, in der obersten Etage, direkt unter der Erdoberfläche. Oder die IT-Abteilung mit ihren immer brummenden Servern im 34. Sub-Stockwerk. Die Mechaniker, Versorgungsarbeiter und Hydroponik-Gärtner in den unteren Etagen, die so gut wie nie in ihrem Leben den mühsamen Aufstieg über die schier endlose Wendeltreppe wagen, bestimmt nicht. Juliette ist eine von ihnen – und sie ist anders. Sie beginnt Fragen zu stellen, fragt, woher die IT-Abteilung ihre allesbeherrschende Macht im Silo bezieht. Wozu die tödlichen „Reinigungen“ gut sind, bei denen aufmüpfige Silosklaven in nutzlosen Schutzanzügen in den Tod auf die Oberfläche geschickt werden. Warum Menschen sterben, die Fragen stellen, so wie sie. Erzählt wird diese klaustrophobisch-dystopische Sci-Fi-Story über die Menschheit nach der Apokalypse von Hugh Howey. Und sein Buch „Silo“ ist in mehrerer Hinsicht etwas ganz Besonderes.

Wieder mal in schönster Riefenstahl-Ästhetik: Peeta und Katniss werden als tragisches TV-Liebespaar inszeniert. Foto: Lionsgate

DVD „Catching Fire“: Neue Todesspiele für Katniss

Filmmärchen über Widerstand – und die Macht der Selbstinszenierung Im ersten Teil der „Tribute von Panem“ bot die junge Jägerin Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) mit ein paar dunklen Beeren in den „Hungerspielen“ der Zukunfts-USA der Macht des Kapitols die Stirn – und überlebte. Und was hat sie davon? Nun äffen die Unterdrückten dieser Erde die Widerstandskämpferin wider Willen nach. Trotzige Graffiti-Sprayer malen ihre Spotttölpel-Brosche an alle Wände, kleine Mädchen ahmen ihre Zopffrisur nach, Verzweifelte rebellieren in den unterdrückten Distrikten, mit Katniss’ Lied auf den Lippen. Insofern ist auch „Catching Fire“, der nun auf auf DVD erschienene zweite Film zu Suzanne Collins’ dystopischer Jugendroman-Reihe, gleichermaßen Widerstands- wie Modemärchen, ganz ein Produkt unsere Casting-Show-Zeit: die verfilmte These, man könne mit schicken Mode-Accessoires, Selbstinszenierungen und Showauftritten Diktaturen zu Fall bringen.

Bluray „Die Tribute von Panem 1“: Opulent-begradigtes Kindersterben in der Arena

Töten statt Partys Statt lustige Facebook- oder Pyjama-Partys zu feiern, schlagen sich die Kinder von übermorgen in den TV-Arenen der „Hungerspiele“ gegenseitig die Köpfe ein. Auf Geheiß des tyrannischen Präsidenten Snow, der die zwölf Distrikte Amerikas mit eiserner Faust und Legionen von „Friedenswächtern“ beherrscht. Im 74. Jahr nach der großen Rebellion fällt das Gladiatorenlos, das einem Todesurteil gleich kommt, auf die zwölfjährige Prim Everdeen – und so tritt deren 16-jährige Schwester Katniss vor und meldet sich freiwillig für die Arena, als einer der „Tribute von Panem“.

Oigers Nerd-Plausch auf Youtube: Wider die NSA-Schnüffelanten

Videodebatte über “Prism”, Überwachung und Verschwörungstheorien Dresden, 19. August 2013: Zum Auftakt der neuen Videoserie „Oigers Nerd-Plausch“ diskutieren die Oiger-Redakteure Heiko Weckbrodt und Ronny Siegel über NSA-Schnüffelanten, selbsterfüllende „Big Brother“-Paranoia, die Zukunft des Cloud-Hypes in Zeiten von „Prism“ – und stellen ein paar der besten Überwachtungs-Filme aller Zeiten vor. Seht und hört selbst: Für die volle Überwachungsdröhung:

DVD „Fahrenheit 451“: Truffauts Interpretation einer brennenden Dystopie

Die brandschatzenden Feuerwehrmänner erinnern in ihren schwarzen Uniformen an SS-Männer, das Denunzianten-Auto hat auf dem Dach einen Grammofon-Schalltrichter für Durchsagen – nein, der Franzose François Truffaut hat in seiner Verfilmung von Ray Bradburys Klassiker „Fahrenheit 451“ gar nicht erst versucht, mit aufwendigen Spezialeffekten eine hochtechnisierte Zukunftswelt zu erschaffen. Seine Version einer Gesellschaft, in der Feuerwehrmänner Bücher verbrennen, statt Brände zu löschen, setzte eher auf Symbole statt Hightech – auch nach den Maßstäben von 1966.

„Fahrenheit 451“: Bradburys Warnung vor Kulturzerstörung ist aktueller denn je

Guy Montag ist Feuerwehrmann. Statt Brände zu löschen, legt er sie. Der Duft von Kerosin ist sein liebstes Parfüm, auf seiner Uniform trägt er stolz die „451“ – die Temperatur in Grad Fahrenheit, aber der Bücher zu brennen beginnen. Denn genau das ist Montags Job, ganz offiziell: Er befreit die Welt von Büchern, von Sartre, Schopenhauer, Dostojewski, denn die machen – anders als das Fernsehen – die Menschen nur unruhig, unglücklich. Doch eines Tages beginnt Montag selbst aus Neugier zu lesen… „Fahrenheit 451“ war Ray Bradburys (1920-2012) dystopische Verneigung vor dem Lesen. Formal ist der 1953 erstmals verlegte Roman Science-Fiction, doch im Kern ist er eine düstere Zukunftswarnung, die in einer Tradition mit Samjatins „Wir“, Huxleys „Schöner Neuer Welt“ oder Orwells „1984“ steht.