Filme, zAufi

„Paradise Hills“: Ein Inselpensionat macht aus Mädchen Aufziehpuppen

Anfangs hat Uma (Emma Roberts) nur eines im Sinn: von der Insel zu fliehen, zurück zu ihrem Unterschichts-Geliebten Markus (Jeremy Irvine). Szenenfoto (Koch Films) aus: "Paradise Hills"

Anfangs hat Uma (Emma Roberts) nur eines im Sinn: von der Insel zu fliehen, zurück zu ihrem Unterschichts-Geliebten Markus (Jeremy Irvine). Szenenfoto (Koch Films) aus: “Paradise Hills”

Dystopisches Märchen mit Milla Jovovich als allmächtige Gouvernante

Mit „Paradise Hills“ legt Regisseurin Alice Waddington ein dystopisches Mädchenmärchen vor. Ins Zentrum stellt sich sie die Frage, wie weit Eltern, Schule und Umfeld einen jungen Menschen verbiegen können, bevor er oder sie zerbricht und alle Individualität aufgibt. Zu sehen ist diese Mischung aus Science-Fiction und Modeinszenierung nun im deutschen Heimkino.

Werbevideo (Koch-Films):

Die Story: Eingesperrt in zuckerglasierter Erziehungsfestung

Uma (Emma Roberts) wacht auf einer Insel in einem Pensionat für Oberschicht-Töchter auf, in dem alles mit Zuckerguss übergossen erscheint: Alles sieht aus wie eine weiß-rosa Jungmädchenvorstellung des Paradieses – mit duftenden Blumen, elaborierten Kleidern, viel Modechic, Himmelbetten, verspielten Gärten voller Springbrunnen, Musik und eilfertigen Dienern. Wie sie dorthin gelangt ist, weiß Uma nicht. Umso rascher erkennt die eigensinnige Göre, dass sich hinter der märchenhaften Fassade eine faschistoide Erziehungsfestung steckt, mit freundlichem Lächeln und grausamer Hand geleitet von der „Herzogin“ (Milla Jovovich). Die sieht es als ihre Mission an, „missratene“ Töchter so zurechtzubiegen, dass sie standesgemäß verheiratet werden können. Doch alle Fluchtversuche aus dieser Welt voller Porzellan-Aufziehpuppen schlagen fehl – bis Uma und ihre Freundinnen erkennen, dass die Paradiesinsel über die Gleichschaltung hinaus ein noch übleres Geheimnis verbirgt.

Die US-Rapperin Awkwafina als Yu, die im Internat oberschichts-konform umerzogen werden soll. Szenenfoto (Koch Films) aus: "Paradise Hills"

Die US-Rapperin Awkwafina als Yu, die im Internat oberschichts-konform umerzogen werden soll. Szenenfoto (Koch Films) aus: “Paradise Hills”

Stil: Inszenierung aus artifizieller Schönheit

Ähnliche Geschichten haben zwar schon – und zwar viel bedrückender – Filme wie „Die Insel“ erzählt. Aber ansehen sollte man und frau „Paradise Hill“ wohl auch nicht so sehr als raffinierten gesellschaftskritischen Science-Fiction, sondern eher als dystopisches Märchen, in dem Inszenierung und Glamour eine zentrale Rolle spielen. Das beginnt schon in der furiosen Auftakt-Ballszene, in der Interieur, Tanz, Ballkleider, Musik und Tanz zu einer faszinierenden Gesamtkompostion zusammenfließen. Leider gleitet die Geschichte später streckenweise in Oberflächlichkeit ab, konzentriert sich eben mehr auf die glamouröse Inszenierung und artifizielle Schönheit als auf die Story-Entwicklung. Die Vermutung liegt nahe, dass Regisseurin Alice Waddington hier vor allem erzählen wollte, wie schwer es Mädchen haben, trotz aller bequemen und schönen Verlockungen ihren Weg zu gehen.

Milla Jovovich mimt die stets lächelnde Gouvernante, von der es kein Entrinnen gibt. Szenenfoto (Koch Films) aus: "Paradise Hills"

Milla Jovovich mimt die stets lächelnde Gouvernante, von der es kein Entrinnen gibt. Szenenfoto (Koch Films) aus: “Paradise Hills”

Fazit: eine Märchenwelt ohne Kanten

Akzeptiert man diese Welt als Märchen, entwickelt sie durchaus einen eigenen Charme. Besonders sticht Milla Jovovich heraus, die hier mal nicht die taffe Heroine wie in „Resident Evil“ oder „Das 5. Element“ mimt, sondern mit zuckersüßer Stimme und eingemeißeltem Dauerlächeln die allwissende Gouvernante mimt – die im Stress aber von einem Moment zum anderen aus der Rolle fallen kann.

Werbung:

Kurzüberblick:

  • Titel: „Paradise Hills“
  • Genre: Dystopisches Sci-Fi-Märchen mit Gothic-Elementen
  • Regie: Alice Waddington
  • Darsteller: Emma Roberts, Milla Jovovich, Awkwafina
  • Produktionsland und -jahr: USA/Spanien 2019
  • Laufzeit: 95 Minuten (Bluray)
  • Altersfreigabe: FSK 12
  • Boni: Drei Kurz-Dokus über die Dreharbeiten iun Spanien, über die Rollen, die aufwendige Kostüme und Frisuren sowie die Spezialeffekte
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Untetitel: Deutsch (BD-Version)
  • Deutscher Vertrieb: Koch Film
  • Preis: Videostrom acht Euro, Bluray 15 Euro, DVD 13 Euro

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

„Die Tribute von Panem“: Schön geschminkt in den Tod

Klongewusel in der Zeitschleife