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Dresden will neben Akademikern mehr Facharbeiter aus dem Ausland anlocken

Ein Integrationszentrum für internationale Fachkräfte soll das "Welcome Center" in Dresden ersetzen. Grafik: Heiko Weckbrodt
Ein Integrationszentrum für internationale Fachkräfte soll das „Welcome Center“ in Dresden ersetzen. Grafik: Heiko Weckbrodt

Neues „Integrationszentrum für internationale Fachkräfte“ ersetzt „Welcome Center“

Dresden, 19. Januar 2023. Neben internationalen Akademikern sollen künftig auch Facharbeiter aus dem Ausland mehr Hilfe beim Umzug nach Dresden bekommen. Daher löst Jan Pratzka (CDU) das „Welcome Center“ an der Schweriner Straße auf und richtet statt dessen in der zweiten Jahreshälfte 2024 ein „Integrationszentrum für internationale Fachkräfte“ in der Ausländerbehörde an der Theaterstraße ein. Das hat der Dresdner Wirtschaftsbürgermeister auf Oiger-Anfrage mitgeteilt. „Wir möchten damit Fachkräfte aus dem Ausland unterstützen, aber auch Unternehmen, die solche Fachkräfte einstellen möchten“, sagte er.

2013 entstand „Welcome Center“ in Dresden

Das bisherige „Welcome Center“ war vor reichlich zehn Jahren auf Initiative des damaligen Wirtschaftsbürgermeisters und heutigen Oberbürgermeisters Dirk Hilbert (FDP) und der TU Dresden in einem Neubau an der Schweriner Straße entstanden. Es sollte Fachkräften aus dem Ausland dabei helfen, in Dresden anzukommen, hier den Behördenkram zu erledigen, Wohnung, Schul- und Kitaplätze zu finden und dergleichen Alltagsherausforderungen mehr zu bewältigen. Ein zweites Welcome Center richtete die Uni auf ihrem Campus ein. Gerade aber das Welcome Center in der Innenstadt war etwas versteckt untergebracht. Zudem wurde es dem Vernehmen nach gelegentlich von Touristen als Stadtinfo oder von Asylbewerbern als Anlaufstelle interpretiert. Hinzu kommt: Durch das deutsche Fachkräfte-Einwanderungsgesetz sind neben den internationalen Wissenschaftlern und Ingenieuren für Dresdner Forschungsinstitute und Chipfabriken inzwischen auch stärker die Nicht-Akademiker in den Fokus der Fachkräfte-Akquise gerückt.

Jan Pratzka. Foto: Heiko Weckbrodt
Jan Pratzka. Foto: Heiko Weckbrodt

Willkommens-Lotsen, Anerkennungs-Berater und Arbeitergeber-Hilfe unter einem Dach

Und eben diese Zielgruppe will Pratzka mit dem neuen Zentrum besser erreichen. Im Altbau an der Theaterstraße lässt er Platz für das Integrationszentrum freiräumen. Dort sollen unter anderem fünf Willkommens-Lotsen die Ankommenden unterstützen – mit ganz ähnlichen Aufgaben, wie sie bisher das „Welcome Center“ erledigt hatte. Zusätzlich sollen im Integrationszentrum mindestens gelegentlich auch Berater der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer Dresden präsent sein, die den Fachkräften bei den oft komplizierten deutschen Anerkennungs-Verfahren für ausländische Berufsabschlüsse helfen sollen. Auch der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur und das Jobcenter sollen vertreten sein. Insofern seien die um Facharbeiter erweiterte Zielgruppe und die Kooperation mit Partner-Organisationen die Neuerungen im Vergleich zum bisherigen „Welcome Center“, erklärte Jan Pratzka.

Altbau wirkt nur wenig einladend

Allerdings ist dem Wirtschaftsbürgermeister durchaus bewusst, dass der neue Standort eine suboptimale Lösung ist. Denn das alte Stadthaus an der Theaterstraße wirkt heute nur noch wenig modern und einladend, vor allem innen. Böse Zungen mögen behaupten, es eigne sich eher als Drehort für eine Kafka-Verfilmung. Das Integrationszentrum soll dort jedenfalls nicht dauerhaft bleiben, sondern 2025 mit der Ausländerbehörde an die Lingnerallee umziehen.

Idee aus Taipeh

Ideengeber war in diesem Falle übrigens Taiwan: „Als ich vor einiger Zeit in Taipeh gelandet bin, habe ich dort gleich auf dem Flughafen solch ein Willkommensangebot gesehen“, erzählt Jan Pratzka. Die Taiwanesen wollen damit offensichtlich einreisenden Fachkräften von der ersten Minute an das Gefühl geben, dass sie willkommen sind und ihnen jemand in der neuen Heimat hilft. Und da Dresden ohnehin im Zuge der TSMC-Ansiedlung engere Beziehungen nach Taipeh knüpft, sind solche Inspirationen aus Fernost gefragt. Das Integrationszentrum letztlich auf den Flughafen Dresden zu verlagern, sei zwar nicht angedacht, sagt der Bürgermeister: „Aber meine Vision ist ein attraktiver Innenstadt-Standort.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Auskünfte Pratzka, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger