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Neue Alasca-Allianz will quelloffene Software und Rechnerwolken fördern

Wer die Rechnerwolken betreibt, verwaltet wertvolle Datenschätze. Die Alasca-Allianz setzt sich daher für quelloffene Cloud-Lösungen und mehr digitale Souveränität für Europa ein. Visualisierung: Dall-E

Wer die Rechnerwolken betreibt, verwaltet wertvolle Datenschätze. Die Alasca-Allianz setzt sich daher für quelloffene Cloud-Lösungen und mehr digitale Souveränität für Europa ein. Visualisierung: Dall-E

7 Techfirmen aus Sachsen und Slowakei gründen in Dresden einen Verbund

Dresden, 11. Januar 2023. Um den Aufbau eigener europäischer Rechnerwolken (Clouds) und den Einsatz quelloffener Computerprogramme (Open Source Software) voranzutreiben, haben sieben Softwareschmieden aus Sachsen und der Slowakei nun in Dresden eine „Alasca“ genannte Allianz für souveräne Cloud-Infrastrukturen gegründet. Das hat das Dresdner Gründungsmitglied „Cloud & Heat“ mitgeteilt.

„Freie digitale Infrastrukturen“ im Fokus

Alasaca werde dem Konzept, freie digitale Infrastrukturen aufzubauen, „neue Stoß- und Strahlkraft verleihen“, hofft „Cloud & Heat“-Operativchef Marius Feldmann. Er und seine Mitstreiter sind überzeugt, dass quelloffenen Programmen und eigenen Rechnerwolken-Lösungen entlang der ganzen Wertschöpfungskette Europas digitale Souveränität erheblich stärken können.

Die Aasca-Gründungsmitglieder (von links nach rechts): Josephine Seifert (secustack), Felix Walter (D3TN), Walter Wolf (Schwarz IT), Michael Sobirey (secunet Security Networks), Marius Feldmann (Cloud&Heat Technologies), Tor Lund-Larsen (Cyberus Technology), Martin Pilka (dNation). Foto: Alasca – Verband für offene, betriebsfähige Cloud-Infrastrukturen

Die Aasca-Gründungsmitglieder (von links nach rechts): Josephine Seifert (secustack), Felix Walter (D3TN), Walter Wolf (Schwarz IT), Michael Sobirey (secunet Security Networks), Marius Feldmann (Cloud&Heat Technologies), Tor Lund-Larsen (Cyberus Technology), Martin Pilka (dNation). Foto: Alasca – Verband für offene, betriebsfähige Cloud-Infrastrukturen

Die 7 Gründer:

Zu den Gründern der neuen Allianz gehören folgende Unternehmen, die teils auch an der Entwicklung der europäischen Rechnerwolke „Gaiax“ mitarbeiten:

  • Cloud & Heat Technologies“ Dresden (heizende und flexibel vernetzte mobile Rechenzentren)
  • Cyberus Technology“ Dresden (Cybersicherheits-Software)
  • D3TN“ Dresden (2015 als „Fuse“ gegründet, spezialisiert auf störungs-unempfindliche Netzwerke für Raumfahrt und Unterwasser-Missionen)
  • dNation“ aus Pezinok in der Slowakei (Cloud-Software)
  • Secunet Security Networks“ aus Essen (Cybersicherheit)
  • Secustack“ aus Dresden (sicherheitsgehärtete Cloud-Lösungen auf Open-Stack-Basis)
  • „Schwarz IT – Stackit“ aus Neckarsulm (Cloud-Unternehmen)

„Wir sehen den besonderen Charme von Alasca darin, dass die Mitglieder das gesamte Spektrum der Cloud abdecken“, sagte Cyberus Technology“-Technikchef Werner Haas über die Gründermannschaft. „Hier treffen Entwickler hardwarenaher Systemsoftware auf Betreiber von tausenden einzelnen Computern, und Experten für die Absicherung der IT-Infrastruktur reden mit Anbietern, die täglich millionenfach Kundenanfragen bedienen müssen.“

Alasca will auch Fachkräfte schulen und zertifizieren

Zugleich wollen sich die Allianz-Mitglieder aber auch als Schulungs- und Zertifizierungsstelle für „Open Source“-Programme im Cloud-Sektor profilieren. Auch Vorträge und andere Informationsangebote für eine breite Öffentlichkeit sind geplant. „Vor dem Hintergrund der steten Zunahme an Rechenleistung schlägt Alasca mit der angestrebten Experten-Zertifizierung eine wichtige Brücke zwischen mangelndem Angebot und der Nachfrage nach Fachkräften im IT-Sektor“, heißt es dazu in der Gründungs-Mitteilung.

Europa sorgt sich um Dominanz amerikanischer und chinesischer Anbieter

Ein Hintergrund für die frisch geschmiedete Allianz ist die starke weltweite Dominanz von Amazon, Microsoft, Google, aber auch von chinesischen Tech-Riesen wie Alibaba und Huawei im Cloud-Sektor. Um den Datenschutz bei der Fernverarbeitung wichtiger Daten zu stärken, Industriespione abzuwehren und sich unabhängiger von den USA zu machen, zimmern staatliche und wirtschaftliche Akteure seit geraumer Zeit die europäische Rechnerwolke „GaiaX“. Die hat bisher allerdings noch nicht viel Boden gewonnen und bietet bisher auch noch nicht das Repertoire, das sich Privat- und Unternehmenskunden so bequem bei AWS, Azure & Co. buchen können.

Parallel halten in Deutschland und Europa die Diskussionen an, nicht mehr so sehr auf US-Software in Verwaltungen und Unternehmen zu setzen, sondern verstärkt auch Open-Source-Programme einzusetzen. Dahinter stecken oft auch Kostenargumente sowie die Befürchtung, durch manch kommerzielle Lösung aus Übersee könnte der eine oder andere „befreundete“ Geheimdienstler mitlauschen. Aber auch diese Open-Source-Anläufe – insbesondere in Behörden – haben bisher nicht zu einem massenhaften Einsatz geführt. Auch von daher wohl hat sich die Alasca-Allianz auch die „Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Bedeutung freier, digitaler Cloud-Infrastruktur“ auf ihre Agenda gehoben.

Autor: hw

Quellen: Cloud & Heat, Alasca, Oiger-Archiv

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