Filme, zAufi

„Run Hide Fight“: Die Gedemütigten laufen Amok

Da hat Papi mit seinem Scharfschützengewehr in letzter Sekunde geholfen: Zoe (Isabel May) ist inzwischen etwas mit den Nerven runter. Szenenfoto (Koch Media) aus: "Run Hide Fight"

Da hat Papi mit seinem Scharfschützengewehr in letzter Sekunde nachgeholfen: Zoe (Isabel May) ist inzwischen etwas mit den Nerven runter und hält durch das Einschussloch Ausschau nach Verstärkung. Szenenfoto (Koch Media) aus: „Run Hide Fight“

Selbstjustiz-Thriller aus den USA kommt ins Heimkino

In „Run Hide Fight“ wirft US-Regisseur Kyle Rankin die Frage aus, was erlebte Gewalt aus jungen Menschen macht – und wie dünn die Grenzen zwischen Täter und Opfer manchmal sein können. Sein Teenager-Actionfilm stellt dabei einen Amoklauf an einer Oberschule in den Fokus und ist nach dem „Stirb Langsam“-Konzept gestrickt, allerdings mit reflektiven Untertönen. Statt eines John McClane im Feinripp-Unterhemd räumt bei ihm allerdings ein Mädchen in zerrissenen Jeans mit den Bösewichten auf.

Werbevideo (Koch Media):

Die Story: Schülerin eliminiert in „Die Hard“-Manier ein Mörder-Quartett in der Schule

Drei Jungs und ein Mädchen sind die Demütigungen durch Lehrer und Mitschüler leid, die sie jahrelang geschluckt haben, und laufen Amok: Unter Führung von Tristan Voy (Eli Brown) bahnen sie sich mit einem sprengstoffbeladenen Kleinlaster den Weg in ihre alte Schule. Mit Pistole, Sturmgewehr und Messer töten sie die Nächstbesten, die ihnen über den Weg laufen, und nehmen die restlichen Mitschüler in der Cafeteria in Geiselhaft. Dabei inszenieren sie sich in der Formsprache, die die „Generation Smartphone“ versteht: Ihre Gefangenen müssen das Geschehen mit ihren Handys als Livestream in die Welt übertragen. Doch bei ihren Plan haben die Amokschützen nicht mit der 17-Jährigen Zoe (Isabel May) gerechnet, die von ihrem Vater den Umgang mit der Waffe gelernt hat…

Schon die Eingangsszene spricht Bände, welchen Geistes Kind unsere „Heldin“ ist: Mit Begeisterung schaut Zoe da durch ein Zielfernrohr, wie es Scharfschützen nutzen, um aus großer Entfernung zu morden. Und auch in der besetzten Schule fackelt sie nicht lange, tötet erst eine Geiselnehmerin im Nahkampf, entwaffnet und schaltet einen Amokläufer nach dem anderen aus – bis zum Finale, das sie selbst zur Mörderin macht.

Fazit: Gewaltorgie mit reflektiven Untertönen

Beim Zusehen ist man hin und her gerissen, was man von diesem Streifen halten soll: Der Einsatz von Schrotflinten, Sniper-Waffen und Sturmgewehren auf beiden Seiten wird hier als selbstverständlich inszeniert, regelrecht ikonisiert und wird in keiner Weise hinterfragt. Andererseits geht dieser Film hier eben doch etwas ernsthafter als sein Vorbild „Stirb Langsam“ mit den Themen Selbstjustiz und Amok um und der Frage, wie es dazu kommen kann. Unterm Strich ist „Run Hide Fight“ jedoch trotzdem eher ein besinnungsloser Action-Thriller, der das Faustrecht bejubelt. Recht beeindruckend ist aber die Performance von Hauptdarstellerin Isabel May ausgefallen. Von ihr können wir in Zukunft sicher noch einiges erwarten.

Zu sehen ist der Thriller ab dem 28. Oktober 2021 im Videostrom, auf Bluray und DVD.

Bluray-Hülle von "Run Hide Fight". Foto: Koch Media

Bluray-Hülle von „Run Hide Fight“. Foto: Koch Media

Kurzüberblick

  • Titel: „Run Hide Fight“
  • Genre: Thriller
  • Produktionsland und -jahr: USA 2020
  • Regie: Kyle Rankin
  • Darsteller: Isabel May, Radha Mitchell, Thomas Jane u.a.
  • Altersfreigabe: FSK 16
  • Laufzeit: 113 Minuten

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt