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200 Millionen Euro Risikokapital in Dresden gesucht

Ein winziger elektrostatischer Lautsprecher auf MEMS-Basis. Um die Massenproduktion anzukurbeln, will Arioso Dresden zehn Millionen Euro von Investoren einwerben. Foto: Arioso

Ein winziger elektrostatischer Lautsprecher auf MEMS-Basis. Um die Massenproduktion anzukurbeln, will Arioso Dresden zehn Millionen Euro von Investoren einwerben. Foto: Arioso

40 junge Unternehmen aus Europa buhlen zu Hightech Ventures Days um Gunst der Investoren

Dresden, 26. Oktober 2021. 40 Jungunternehmen aus ganz Europa, Israel und der Türkei werben derzeit in Dresden um die Gunst und das Geld von Risikoinvestoren: Bis zum 29. Oktober 2021 stellen sie zu den „Hightech Ventures Days“ in der gläsernen VW-Manufaktur ihre Hightech-Gründungen und Projekte vor. Insgesamt wollen sie diesmal über 200 Millionen Euro einsammeln. Zu den Innovationen und Projekten gehören beispielsweise Anlagen, die mit bakterieller Hilfe aus Paperabfällen Flüssiggas für Busse erzeugen, wiederentdeckte DDR-Technologien für die Energiespeicherung in Reinsteisen, Künstliche Intelligenzen, die Krebs erkennen, und neuartige Spitzen-Lautsprecher in Chipgröße.

Thomas Schulz von der Hightech Startbahn organisiert die "Hightech Venture Days" in Dresden. Der Zugang zu Risikokapital hat sich für junge Hochtechnologie-Unternehmen in Sachsen deutlich verbessert, sagt er. Foto: Heiko Weckbrodt

Thomas Schulz von der Hightech Startbahn organisiert die „Hightech Venture Days“ in Dresden. Der Zugang zu Risikokapital hat sich für junge Hochtechnologie-Unternehmen in Sachsen deutlich verbessert, sagt er. Foto: Heiko Weckbrodt

Der Branchentreff schlechthin für Hightech-Risikokapitalisten

Das Veranstaltungsformat haben sich in den vergangenen neun Jahren zu dem Branchentreffen schlechthin in Europa für Hochtechnologie-Investoren entwickelt, schätzt Organisator Thomas Schulz von der Hightech Startbahn GmbH ein, die seit 2013 das Treffen ausrichtet. Dazu hat sicher auch die besondere Ausrichtung beigetragen: Die „Hightech Ventures Days“ richten sich an Investoren, die sich auf junge, hochtechnologie-orientierte Unternehmen aus der Mikroelektronik, Industrie 4.0, Materialforschung, Greentec und Medizintechnik eingeschossen haben. Rund 350 dieser Hightech-Risikokapitalisten gibt es europaweit, schätzt Organisator Schulz. Etwas die Hälfte davon komme regelmäßig nach Dresden, um hier Jungunternehmen mit Potenzial aufzuspüren, sich zu vernetzen und Syndikate für größere Finanzierungsrunden zu finden.

40 von 170 bekommen einen „Pitch“-Startplatz

Die Startups und Jungunternehmen wiederum durchlaufen einen harten Auswahlprozess, bevor sie einen der 40 Plätze für Präsentationen („Pitches“) vor potenziellen Geldgebern ergattern. In diesem Jahr hatten sich 170 junge Firmen aus ganz Europa und darüber hinaus beworben.

Blick in die gläserne Manufaktur von VW während der Hightech-Venture Days, die wegen Corona 2021 hybrid stattfinden - also als Präsenztreffen und im Digitalformat. Foto: Heiko Weckbrodt

Blick in die gläserne Manufaktur von VW während der Hightech-Venture Days, die wegen Corona 2021 hybrid stattfinden – also als Präsenztreffen und im Digitalformat. Foto: Heiko Weckbrodt

Die straffen Bandagen bei den „Pitches“ haben gute Gründe und die lassen sich in Euro bemessen: Gerade Gründungen im Hightech-Sektor brauchen besonders viel Kapital für Sondermaschinen, Spezialanlagen oder Messtechnik. Und dieses Geld rückt der gemeine Risikokapitalist nur ungern heraus, da muss der Gründer gute Argumente parat haben. Vermutlich wird nur ein Teil der jungen Unternehmer „seine“ Kapitalspritze in Dresden bekommen. Aber viele andere haben es vor ihnen schon geschafft: Zwei Dutzend Unternehmen haben bei früheren „Hightech Ventures Days“ Millionensummen eingeworben. Rund 35 Millionen Euro davon flossen an sächsische Jungunternehmen.

Investoren jagen inzwischen die Startups

Insgesamt habe sich die Finanzierungs-Lage für junge Hightech-Firmen spürbar verbessert, schätzt Thomas Schulz ein. Ursprünglich waren die „Hightech Ventures Days“ nämlich entstanden, weil sächsische Gründer im Hochtechnologiesektor immer wieder über einen schlechten Zugang zu Risikokapital geklagt hatten. Seither ist das Branchentreffen internationaler geworden, in diesem Jahr beispielsweise stammen „nur“ noch sieben der 40 eingeladenen Startups aus dem Freistaat. Und auch ganz generell hat sich die Situation verbessert: „Hier ist inzwischen viel Geld im Markt“, meint der Organisator. „Die Investoren jagen nun die Startups.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: HTVD21, Vor-Ort-Besuch, Interviews mit Veranstaltern und Bewerbern