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Bosch erprobt 5G-vernetzte Chipfabriken in Dresden und Reutlingen

Ein Bosch-Mitarbeiter mustert einen Siliziumkarbid-Wafer. Foto: Martin Stollberg für Bosch

Ein Bosch-Mitarbeiter mustert einen Siliziumkarbid-Wafer. Foto: Martin Stollberg für Bosch

In Sachsen entsteht weltweit erste 5G-vernetzte Bosch-Halbleiterfabrik

Dresden/Reutlingen, 6. August 2020. Das neue Halbleiterwerk in Dresden wird als erste Bosch-Chipfabrik mit dem Mobilfunk der 5. Generation (5G) vernetzt sein. Das hat der deutsche Elektronikkonzern Bosch angekündigt. Einsatzfelder seien beispielsweise funkvernetzte autonome Transportsysteme, die durch eine lokale Rechnerwolke („Cloud“) gesteuert werden, der Fernzugriff auf Anlagen und die Kommunikation der Maschinen untereinander.

Bosch-Werbevideo
und Visualisierung
der Chipfabrik Dresden:

Technikchef Bolle sieht im neuen Mobilfunk einen Schlüssel zur flexiblen „Industrie 4.0“.

„Bei Bosch haben wir uns frühzeitig mit 5G in Forschung und Entwicklung beschäftigt und sind überzeugt, dass der neue Mobilfunkstandard für einen Schub bei Industrie 4.0 sorgt“, erklärte Bosch-Technikchef Michael Bolle. Eine schnelle, zuverlässige und sichere Datenübertragung sei das A und O für diese hochautomatisierte und besonders flexible Art des Produzierens. „In Kombination mit 5G werden wir die Produktion in den Fabriken weiter steigern und verbessern“. Daher richte das Unternehmen „in Dresden die weltweit erste 5G-fähige Halbleiterfabrik von Bosch“ ein, betonte Bolle. „Von Tag eins an wird das Werk 5G-bereit sein.“

Industrie 4.0 wird zum wichtigen Wirtschaftsfaktor. 2019 hat Bosch mehr als 750 Millionen Euro Umsatz mit vernetzten Lösungen für Fertigung und Logistik erzielt – ein Wachstum von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Visualisierung und Foto: Bosch

Industrie 4.0 wird zum wichtigen Wirtschaftsfaktor. Visualisierung und Foto: Bosch

Warum ist 5G für die Industrie besser als LTE?

Im Vergleich zum Vorgänger „LTE“ alias „4G“ ist der neue Mobilfunkstandard nicht nur schneller, sondern ist auch zuverlässiger, kann weit mehr Geräte pro Funkzelle koordinieren (“Network Slicing“) und braucht nur noch wenige Millisekunden, um auf neue Signale – etwa eine drohende Kollision von Mensch und Roboter –zu reagieren. Zudem sind Funknetze im Vergleich zu Datenkabeln nach dem LAN-Standard viel flexibler, wenn die Produktion rasch umzustellen ist.

Die 5G-Wellen dürfen nicht zu Ausschuss-Bergen führen

Bevor aber all die Maschinen, Roboter und Sensoren in der neuen Dresdner Großfabrik per 5G vernetzt werden, wollen die Bosch-Ingenieure auf Nummer sicher gehen: Sie testen nun erstmal im alten Halbleiterwerk in Reutlingen, ob sich die 5G-Strahlung mit der empfindlichen und hochkomplexen Halbleiterproduktion verträgt. „Elektromagnetische Wellen können bei der Fertigung Störquellen sein“, erklärte Bosch-Forscher Andreas Müller. „Wir testen, wie sich 5G auf die Produktion auswirkt.“

Blick auf die wachsende Bosch-Chipfabrik in Dresden. Foto: Hasselblad für Bosch

Blick auf die wachsende Bosch-Chipfabrik in Dresden. Foto: Hasselblad für Bosch

Testergebnisse in Reutlingen fließen in Milliardeninvestition in Dresden ein

Geplant sind zunächst Kanalmessungen und ab Herbst 2020 der Aufbau eines 5G-Testnetzes im Werk Reutlingen. Die Erkenntnisse aus Schwaben fließen dann in den Netzaufbau in der Fabrik in Sachsen ein, die Ende 2021 die Massenproduktion starten soll. Dort investiert Bosch bis zu eine Milliarde Euro und will rund 700 Mitarbeiter anheuern.

Autor: hw

Quelle: Bosch

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