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Meyer Burger will Solarfabrik in Freiberg im Sommer neu starten

Der Meyer-Burger-Standort im schweizerischen Thun. Foto: Meyer Burger

Der Meyer-Burger-Standort im schweizerischen Thun. Foto: Meyer Burger

Eidgenossen bereiten parallel dazu Zellproduktion in Bitterfeld vor

Freiberg/Bitterfeld, 16. April 2021. Der Schweizer Konzern „Meyer Burger“ rüstet derzeit die früheren Photovoltaik-Werke von Solarworld in Freiberg und von Sovello in Bitterfeld neu aus und rechnet dort im Sommer 2021 mit dem Produktionsstart. In der kommenden Woche will der sächsische Umweltminister Wolfram Günther (Bündnisgrüne) die Freiberger Fabrik besuchen, um sich über die Fortschritte zu informieren.

Schweizer fordern Chinesen heraus

Mit den Schweizer Investitionen sind große Hoffnungen verknüpft: Dies ist der erste große Anlauf seit der großen deutschen Solarkrise, der Dutzende Unternehmen und Tausende Jobs zum Opfer fielen, die mitteldeutsche Photovoltaik-Industrie wiederzubeleben . „Mit Meyer Burger gibt es dann wieder einen Anbieter von technologisch führenden Solarzellen Made in Europe“, hatte „Meyer Burger“-Chef“ Gunter Erfurt bereits im Sommer 2020 verkündet. „Fast alle in Europa gefertigten Solarmodule enthalten heutzutage Zellen, die aus Asien kommen.“ Die Chinesen hatten in den vergangenen beiden Dekaden den deutschen Herstellern schrittweise immer mehr Pfründe abgenommen und kommen inzwischen auf rund 90 Prozent Marktanteil bei Solarmodulen und Solarzellen.

Nach Pleitewelle in Mitteldeutschland: Fabrikhallen von Solarworld und Q-Cells-Tochter übernommen

Im sächsischen Freiberg will „Meyer Burger“ nun aber wieder eine der modernsten Solarmodulfabriken etablieren, deren Sonnenenergie-Wandler auch eine besonders hohe Energieausbeute erreichen sollen. Möglich werden soll dies durch die in Bitterfeld selbstproduzierten Zellen, die durch ein besonderes „Smartwire“-Verfahren verknüpft werden. Diese Technologie wurde teilweise im Schweizer Hauterive, teilweise im Technologie- und Produktions-Zentrum von Meyer Burger in Hohenstein-Ernstthal entwickelt. In der Freiberger Fabrik verwenden die Schweizer teils angepasste Solarworld-Anlagen weiter, teils neue Maschinen.

400 Megawatt Startleistung

Für die Zellenproduktion in Bitterfeld hatten sich die Schweizer die Gebäude der pleite gegangenen „Q-Cells“-Tochter „Sovello“ in Ortsteil Thalheim von Bitterfeld-Wolfen vom Insolvenzverwalter gesichert. Hier will „Meyer Burger“ künftig auf 27.000 Quadratmetern besonders effiziente „Heterojunction“-Solarzellen herstellen. Geplant ist zunächst eine Kapazität, mit der sich jährlich Zellen für insgesamt 400 Megawatt Leistung herstellen lassen. Später möchten die Schweizer den Standort auf ein bis fünf Gigawatt erweitern.

Inzwischen ein großer Campus: Solarworld Freiberg. Abb.: Solarworld

Blick auf den früheren Solarworld-Campus in Freiberg. Abb.: Solarworld

Parallel dazu wollen sie auch den Leistungsausbau in Freiberg vorantreiben. Zum Zeitpunkt der Übernahme der 19.000 Quadratmeter umfassenden Hallen hatten die übernommenen Solarworld-Anlagen eine Kapazität von 600 Megawatt.

Was bedeutet „Smartwire“?

Bei der „Smartwire Connection Technologie“ verbinden Folien-Draht-Elektroden die Solarzellen. Sehr dünne Kupferdrähte anstelle breiter Busleitersysteme schaffen auf beiden Seiten der Zelle bis zu 2000 Kontaktpunkte. Durch die dünnen Drähte wird auch weniger Sonnenlicht verschluckt als bei früheren Lösungen, dadurch setzt laut „Meyer Burger“ die Stromerzeugung früher am Tage ein.

Was ist die „Heterojunction-Zelltechnologie (HJT)“?

Dabei werden monokristalline Siliziumscheiben (Wafer) beidseitig sehr dünn mit amorphem (ungeordnetem) Silizium sowie durchsichtigen Ebenen aus leitfähigen Oxiden (TCO) beschichtet. Dadurch arbeitet die Zelle effektiver und kann auf beiden Seiten Licht aufnehmen und in Strom umwandeln. Der Wirkungsgrad dieser Zellen liegt laut Meyer Burger bei 24 Prozent. Durch den Einsatz besonders dünner Wafer kann zudem Reinstsilizium gespart werden.

Formel: Mehr Ausbeute, weniger Transportkosten

Die Schweizer sind offensichtlich überzeugt, dass sie sich bei ihrem Neustart der mitteldeutschen Solarindustrie besser schlagen werden als Solarworld, Q-Cells & Co. Einerseits sei „mit der Heterojunction/SmartWire-Technologie eine dauerhaft konkurrenzfähige Produktion in Deutschland“ möglich, argumentieren sie in einer Analyse über die „Solarproduktion in Deutschland“. Zweitens steige die Nachfrage in Deutschland und Europa nach Solartechnik weiter an. Und drittens, so heißt es in dem Papier, fallen bei einer Produktion in Europa die Transportkosten von China gen Westen weg – sie machen derzeit ein Zehntel der Gesamtkosten für die Module aus. Und nicht zuletzt gehen die Schweizer davon aus, dass neue Generationen von Leistungselektronik aus Europa ebenfalls zu Effizienzsteigerungen bei europäischen Solarmodulen führen werden.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Meyer Burger, Oiger-Archiv

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