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Zocken statt lernen: Kinder im Corona-Ausnahmezustand

Die Plattform "Scoolio Web" soll den Hausunterricht ("Home Schooling") in Corona-Zeiten erleichtern. Foto: Scoolio

Foto: Scoolio

Schüler verbrachten im 2. Einschluss nur 4,3 Stunden am Tag mit Hausaufgaben

München, 20. April 2021. Während des zweiten Corona-Einschlusses („Lockdown“) haben die deutschen Schulkinder im Schnitt 4,6 Stunden am Tag mit Fernsehen, Computerspielen und Handys verbracht, aber nur 4,3 Stunden mit schulischen Aufgaben. Das hat das Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut „Ifo“ aus München durch Umfragen unter 2122 Eltern ermittelt. Demnach lernten die Kinder zwar durchschnittlich eine Dreiviertelstunde länger als während der ersten Corona-Schulschließungswelle – aber eben rund drei Stunden weniger als an einem üblichen Schultag vor der Pandemie.

Die Grafik zeigt, wieviel Zeit Schulkinder im 2. Corona-Einschluss (jeweils erster Balken), im 1. Einschluss (zwieter Balken) und vor Corona (3. Balken) mit welchen Beschäftigungen verbracht haben. Grafik: Ifo

Die Grafik zeigt, wieviel Zeit Schulkinder im 2. Corona-Einschluss (jeweils erster Balken), im 1. Einschluss (zwieter Balken) und vor Corona (3. Balken) mit welchen Beschäftigungen verbracht haben. Grafik: Ifo

„Extreme Belastung für die Lernentwicklung“

Die Umfrage offenbarte auch erhebliche Unterschiede zwischen den Bildungsschichten: Nicht-Akademikerkinder haben laut Ifo zu Hause deutlich weniger effektiv und konzentriert gelernt. „Besonders bedenklich ist, dass 23 Prozent der Kinder sich nicht mehr als zwei Stunden am Tag mit der Schule beschäftigt haben“, warnte der Leiter des Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann. „Die Coronakrise ist eine extreme Belastung für die Lernentwicklung und die soziale Situation vieler Kinder.“ Allerdings habe mehr als die Hälfte der Eltern auch angegeben, dass ihre Kinder durch die Schulschließungen besser gelernt hätten, sich selbstständig und auch digital mit Lernaufgaben auseinanderzusetzen.

Prof. Ludger Wößmann. Foto: Ifo

Prof. Ludger Wößmann. Foto: Ifo

Auch nach 1 Jahr Corona bekommt nur eine Minderheit echten Videounterricht

„Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass nach einem Jahr Corona-Pandemie immer noch 39% der Schülerinnen nur maximal einmal pro Woche Videounterricht erhalten“, heißt es in der Ifo-Analyse. Die meisten bekämen nur Aufgabenblätter, die sie selbstständig bearbeiten sollen. Dabei sei interaktiver Videounterricht offensichtlich die bessere Wahl: „Die Teilgruppe der Schülerinnen, die mehr als einmal pro Woche Videounterricht hatten, verbringt pro Tag durchschnittlich 0,7 Stunden mehr Zeit mit schulischen Aktivitäten als jene Teilgruppe, die seltener Videounterricht hatte.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Ifo München

Wissenschaftliche Publikation:

Bildung erneut im Lockdown: Wie verbrachten Schulkinder die Schulschließungen Anfang 2021?“ von Ludger Wößmann, Vera Freundl, Elisabeth Grewenig, Philipp Lergetporer, Katharina Werner, Larissa Zierow in: ifo Schnelldienst 5/2021