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Kein Geld für „Projekthaus Zukunft“ der TU Dresden in Sicht

So etwa soll das "Projekthaus Zukunft" auf dem TU-Campus hinter dem Hörsaalkomplex an der Bergstraße aussehen. Visualisierung: Henn GmbH; in: TUD-Antrag Exzellenzstrategie 2028
So etwa soll das „Projekthaus Zukunft“ auf dem TU-Campus hinter dem Hörsaalkomplex an der Bergstraße aussehen. Visualisierung: Henn GmbH; in: TUD-Antrag Exzellenzstrategie 2028

Das Zentrum war ein Teil des Exzellenzantrages – doch das Land hat bisher keine Mittel dafür bereitgestellt.

Dresden, 11. August 2020. Im Sommer 2019 bewarb sich die TU Dresden (TUD) erfolgreich bei der „Deutschen Forschungsgemeinschaft“ um die Millionenzuschüsse und den Titel einer „Exzellenzuniversität“ – unter anderem mit einem „Projekthaus Zukunft“, das die Uni hinter ihrem Hörsaalzentrum an der Bergstraße errichten wollte. Teilweise aus dem neuen Karbonbeton aus Dresden, teils aus Glas errichtet, sollte dieser Komplex den Platz für ein neues Forschungs-Cluster, für Studentenvertreter sowie für eine Leistungsschau der Uni bieten. Doch bisher ist kein Geld für dieses neue Zentrum in Sicht, geschweige denn ein Baustart.

„Im Stadium der Bedarfsprüfung“

„Das ,Projekthaus Zukunft’ befindet sich noch im Stadium der Bedarfsprüfung“, antwortete das Finanzministerium schriftlich auf eine entsprechende Oiger-Anfrage. „Es ist Gegenstand der laufenden Haushaltsverhandlungen. Ob die Einordnung in den Doppelhaushalt 2021/2022 erfolgt, bleibt dem Ergebnis der Haushaltsverhandlungen und der Beschlussfassung durch das Parlament vorbehalten.“

Uni geht weiter von einem Baustart aus

Die Uni wiederum hält – zumindest offiziell – weiter an dem Bauprojekt fest. „Bei der Begutachtung des Exzellenzkonzepts im Winter 2019 gab es durch den Freistaat die Zusage, dass das Haus gebaut werden soll“, betonte TUD-Pressereferentin Anne Vetter. „Deshalb geht die TUD weiter davon aus, dass sich im kommenden Doppelhaushalt Mittel für den Bau wiederfinden werden.“

Prof. Müller-Steinhagen freut sich auf seine neue Aufgabe als Präsident der Dresden International University. Foto: Kay Herschelmann für die DIU
Prof. Hans Müller-Steinhagen. Foto: Kay Herschelmann für die DIU

Selbstkritik: Dresdner Uni-Campus muss erst zu einem kosmopolitischen, stimulierenden Ort werden

Die Idee für ein „Projekthaus Zukunft“ entstand aus der Erkenntnis heraus, dass die Dresdner Universität das Potenzial ihres Campus „bisher nur unzureichend ausschöpft“, wie es im Exzellenzkonzept „TUD 2028“ heißt. Das Uni-Gelände müsse „zu einem kosmopolitischen, vielfältigen und stimulierenden Ort der Arbeit und der Begegnung“ werden. Als wichtigen Baustein dafür schlugen Rektor Hans Müller-Steinhagen und sein Exzellenzstab vor, einen transparenten Karbon-Glas-Komplex zwischen Hörsaalzentrum und dem Zentrum für Energietechnik zu errichten – dort, wo heute die Baracke de „Studierendenrates“ steht.

Das Exzellenzcluster Ceti an der TU Dresden widmet sich dem intuitiven Miteinander von Mensch und Maschine. Foto: CeTI_Technisches-Design TU-Dresden.
Das Exzellenzcluster Ceti an der TU Dresden widmet sich dem intuitiven Miteinander von Mensch und Maschine. Foto: CeTI_Technisches-Design TU-Dresden.

Ein Forum für neue Projekte, Studentenvertreter und das taktile Internet

Beherbergen sollte dieses Projekthaus laut Konzept unter anderem ein „Centre for Societal Impact of Disruptive Innovations“ (SIDI), das direkt dem Rektor unterstellt ist und die gesellschaftlichen Auswirkungen bahnbrechender Innovationen untersucht. Aktuell steht zur Debatte, dort das Centrum für taktiles Internet (Ceti) unterzubringen. Vor allem aber war und ist das Haus als Forum für fachübergreifende Projekte, Initiativen und Forschungsansätze gedacht: als „fördernder und zentraler Knotenpunkt der Universität, in dem Studierende und Wissenschaftler/innen aller Karrierestufen interdisziplinär und flexibel zusammenarbeiten, um Lösungsansätze für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu erarbeiten“. Ob und wann diese Vision in Stahl, Glas und Karbonbeton geformt wird, ist derzeit allerdings offen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Exzellenantrag TUD 2028, Auskünfte TUD und SMF, Oiger-Archiv, Stange-Interview

Zum Weiterlesen:

TU Dresden bleibt einzige ostdeutsche Exzellenz-Uni

Was geschieht im Lehmannzentrum II?

Was macht eigentlich das Exzellenz-Centrum für taktiles Internet (Ceti)?

Baustart für Karbonbeton-Haus

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger