News, Wasserstoffwirtschaft, zAufi

Plasmareaktoren aus Sachsen sollen Elektrosprit-Preis auf 1 Euro drücken

Die "Refuel-Green"-Gründer Olaf Schacht und Sebastian Becker (r.). Foto: Refuel.green GmbH

Michael Haid und Sebastian Becker (r.). Foto: Refuel.green GmbH

„Refuel.green“ Dresden bekommt 1,2 Millionen Euro Risikokapital

Dresden, 12. Januar 2023. Das Dresdner Wasserstofftechnologie-Unternehmen „Refuel.green“ will mit ökostrom-gespeisten Plasmakatalyse-Reaktoren den Preis für Synthese-Kraftstoffe mehr als halbieren und unter die heutigen Preise von Diesel und Benzin drücken. Dafür bekommt das zehnköpfige Ingenieursteam nun 1,2 Millionen Euro Anschubfinanzierung von privaten und staatsnahen Kapitalgebern. Das geht aus einer Mitteilung des „Technologiegründerfonds Sachsen“ (TGFS) aus Leipzig hervor. Derweil arbeiten auch Teams in Freiberg an ähnlichen Reaktoren.

Geld soll in Technologie und neue Jobs fließen

„Dank der Kapitalerhöhung können wir nun die Entwicklung unseres Produktes mit unseren aktuellen sowie neuen Partnern und Kunden weiter vorantreiben“, erklärte „Refuel.green“-Chef Sebastian Becker. „Sie ermöglicht uns zudem die Erweiterung unseres Teams.“

Alternative zur Fischer-Tropsch

Das Unternehmen ist im Jahr 2021 entstanden und residiert am Manfred-von-Ardenne-Ring im Dresdner Norden. Während Wasserstoff heute meist entweder aus Erdgas mit sogenannten Dampfreformern oder mit großen Elektrolyseuren elektrisch aus Wasser gewonnen und dann beispielsweise in Fischer-Tropsch-Anlagen zu elektrischem Kraftstoff („e-Fuel“) weiterveredelt werden kann, hat sich das Kollektiv um Sebastian Becker und Michael Haid auf eine etwas andere Technologie spezialisiert: Sie geben Kohlendioxid und Wasserstoff in einen Reaktor und zünden darin ein Plasma – also eine Mischung aus Atomrümpfen und Elektronen. Durch einen zugefügten Katalysator entsteht daraus synthetische Kohlenwasserstoffe, die sich dann beispielsweise zu Diesel, Benzin oder Kerosin weiterveredeln lassen.

Investoren loben „innovativen Lösungsansatz“

Die Gründer sind optimistisch, mit ihrer Plasmakatalyse den e-Fuel-Preis von derzeit etwa 2,50 bis 5 Euro auf etwa einen Euro je Liter drücken zu können. Und damit haben sie nun die TGFS-Risikokapitalgeber sowie zwei „Unternehmensengel“ („Business Angels“) zu einer Anschubfinanzierung bewogen. „Der innovative Lösungsansatz, mit welchem Power-to-X bzw. die Produktion von e-Fuels auf ein wettbewerbsfähiges Preisniveau gebracht werden kann, sowie das komplementäre Gründerteam aus Innovationstreibern, Entwicklern und Anlagenbauern haben uns überzeugt“, betonte TGFS-Manager Nils Lang.

Reaktor-Serienproduktion soll 2025 starten

Mit dem Geld wollen die Gründer weitere Fachleute anheuern und ihre Technologie vom Labormaßstab bis zur Vorserienreife treiben. Ihr Plan: 2023 soll ein Prototyp des Dresdner Unternehmens in einer europäischen Raffinerie die ersten Liter e-fuels produzieren. 2024 sollen dann größere Prototypen folgen und 2025 die Serienproduktion der sogenannten „NextGen-PtX Reactor Unit“.

Freiberger Gründung verfolgt ähnlichen Pfad

„Refuel.green“ ist allerdings bei weitem nicht das einzige Team, das an einem Durchbruch für elektrisch erzeugte Kraftstoffe arbeitet. Neben vielen großen Industriekonzernen arbeitet daran beispielsweise auch Sunfire Dresden, die sich allerdings vorerst wieder auf Elektrolyseure spezialisiert haben, also die ökostrom-getriebene Spaltung von Wasser in Wasser- und Sauerstoff. Zudem verfolgen auch weitere sächsische Akteure den Pfad der Plasmakatalyse, zum Beispiel das junge Freiberger Unternehmen „Enadyne“.

Links ist ein Hochtemperatur-Stapel von Sunfire Dresden zu sehen, der für die Elektrolyse und den Brennstoffzellen-Betrieb genutzt werden kann. In der Flasche rechts ist eCrude zu sehen - künstlich erzeugter Kraftstoff. Foto: Heiko Weckbrodt

Links ist ein Hochtemperatur-Stapel von Sunfire Dresden zu sehen, der für die Elektrolyse und den Brennstoffzellen-Betrieb genutzt werden kann. In der Flasche rechts ist eCrude zu sehen – künstlich erzeugter Kraftstoff. Foto: Heiko Weckbrodt

E-Fuels bisher zu teuer und kaum frei verfügbar

Bisher ist dem elektrischen Synthese-Kraftstoff kein Marktdurchbruch gelungen. Das lag einerseits an den hohen Produktionskosten, die allerdings inzwischen schon auf besagte 2,50 Euro pro Liter geschrumpft sind und die sich zudem durch die aktuell sehr hohen Preise für erdöl-basierten Diesel relativiert haben. Eine zweite Hürde sind die bisher eher homöopathische Mengen, in denen e-Fuels bisher auf dem Markt verfügbar sind.

Großes Marktpotenzial in Luftfahrt, Schifffahrt und Lkw-Speditionen

Wer auch immer als Unternehmen in beiden Punkten demnächst einen technologischen beziehungsweise betriebswirtschaftlichen Vorsprung erlangt, kann auf ein hohes Marktpotenzial spekulieren: Die EU und vor allem die deutsche Ampel wollen aus ökologischen Gründen so schnell wie möglich Verbrenner-Autos verbieten und auch den Einsatz von fossilen Laser- Schiffs- und Flugzeugtreibstoffen einschränken. Zudem zeichnet sich bei Volkswagen als größtem Autokontern der Welt gerade eine neuerliche strategische Wende an: Das Akku-Auto gilt dem Nachfolger von Herbert Diess nicht mehr als alleiniger Königsweg. Vielmehr rechnet der neue VW-Konzernchef Oliver Blume mit einer längeren Ko-Existenz von Stromern und Verbrennern. Dies dürfte wiederum die Elektrospritz-Nachfrage deutlich steigern, da die Autokonzerne anders gar nicht die EU-Flottengrenzen für Kohlendioxid-Emissionen schaffen können.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: HGFS, Refuel.green, Oiger-Archiv