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„Deutschland kann es sich nicht leisten, die Arbeitszeit zu verkürzen“

Die historische Uhr mit einem raffinierten Wecker-Uhrwerk aus der Sammlung von Otto Horn. Foto: Peter Weckbrodt
Foto: Peter Weckbrodt

IW-Ökonom: Deutsche müssen mehr statt weniger arbeiten

Köln, 7. Mai 2024. „Deutschland kann es sich nicht leisten, die Arbeitszeit zu verkürzen.“ Darauf hat Ökonom Holger Schäfer vom „Institut der deutschen Wirtschaft“ (IW) in Köln mit Blick auf Debatten um die Rente mit 63 und 4-Tage-Wochen hingewiesen. „Diese Entwicklung gefährdet unseren Wohlstand“, meint er und fordert statt dessen längere Arbeitszeiten.

Nicht nur die „Gen Z“ will weniger arbeiten

Die Unlust zu arbeiten gehe dabei keineswegs nur auf die sogenannte „Generation Z“ zurück, die gerade erst ins Berufsleben einsteigt, sondern alle, hat die IW-Studie „Arbeitszeitwünsche junger Beschäftigter“ ergeben. Demnach sind die subjektiven Arbeitszeitwünsche von Berufstätigen in allen Altersgruppen von 2007 bis 2021 um zwei bis drei Stunden gesunken. Die Über-40-Jährigen möchten am liebsten nur noch rund 32 Stunden pro Woche arbeiten, bei den Menschen zwischen 26 und 40 Jahren sind es etwa 34 Wochenstunden und bei den Unter-25-Jährigen etwa 35 Stunden. Dabei sind die Befragten auch bereit, entsprechende Lohneinbußen hinzunehmen.

Grafik (IW) Arbeitszeitwünsche im Vergleich:

Anreize gefordert

Doch diese Entwicklung ist aus Sicht der IW-Ökonomen fatal, „denn Deutschland altert enorm“. Die Forscher weisen darauf hin, dass in den nächsten Jahren deutlich mehr Menschen das Rentenalter erreichen als Jüngere nachrücken. Ob diese Lücke mit Arbeitskräften aus dem Ausland geschlossen werden könne, bleibe fraglich. „Hier ist die Politik gefragt“, fordert Holger Schäfer: „Sie muss dringend Anreize und Rahmenbedingungen schaffen, um längere Arbeitszeiten zu fördern.“

In diese Richtung zielen bereits mehrere Vorschläge. So hatte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) erst jüngst für Steuerfreiheit bei Überstunden plädiert. Die CDU schlug zusätzlich vor, für Senioren, die übers Rentenalter hinaus arbeiten, höhere Freibeträge einzurichten. Zudem solle das Rentenalter erhöht werden.

Autor: hw

Quellen: IW, CDU, FDP

Wissenschaftliche Publikation:

„Arbeitszeitwünsche von jungen Beschäftigten“ von Hammermann, Andrea und Schäfer, Holger, IW-Kurzbericht, Nr. 24, Köln / Berlin 2024

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger