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Chipauftragsfertiger legen um 20 % zu

Blick in einer der 300-mm-Chipwerke von Foundry-Primus TSMC in Taiwan. Foto: TSMC

Blick in einer der 300-mm-Chipwerke von Foundry-Primus TSMC in Taiwan. Foto: TSMC

Marktforscher rechnen weiter mit starkem Wachstum für Foundries

Scottsdale, 8. März 2022. Der Weltmarkt für Halbleiter-Auftragsfertiger („Foundries“) wird in diesem Jahr um 20 Prozent wachsen – und auch in den Folgejahren kräftig zulegen. Das hat das US-Marktforschungsunternehmen „IC Insights“ aus Scottsdale in Arizona prognostiziert. Umsatztreiber waren dabei zuletzt vor allem 5G-Mobilfunkchips für Smartphones und anwendungsspezifische Prozessoren.

Die weltweiten Umsätze der 25 führenden Halbleiter-Foundries in Milliarden Dollar (rote Balken) und die jährliche Wachstumsrate dazu (Dreiecke). Grafik: IC Insights

Die weltweiten Umsätze der 25 führenden Halbleiter-Foundries in Milliarden Dollar (rote Balken) und die jährliche Wachstumsrate dazu (Dreiecke). Grafik: IC Insights

Foundry-Sektor auf der Überholspur

„Wenn der jetzt prognostizierte Anstieg für den Gießereimarkt im Jahr 2022 eintrifft, würde der Zeitraum 2020-2022 die stärkste dreijährige Wachstumsspanne für den gesamten Foundry-Markt seit 2002-2004 markieren“, heißt es in einer Zusammenfassung von IC Insights. Da Automobilbauer wie auch generell viele Industriebranche derzeit viele Aufträge wegen Chip-Engpässen nicht abarbeiten können, viele diese Schaltkreise aber letztlich bei Auftragsfertigern wie TSMC, UMC oder Globalfoundries hergestellt werden, ist auch auf absehbare Zeit mit vollen Auftragsbüchern in der Foundry-Sparte zu rechnen.

Dämpfer durch russischen Angriff auf Ukraine möglich

Dämpfer könnte es allerdings durch den russischen Angriff auf die Ukraine geben. Denn Donald Trumps Handelskriege und Corona hatten die weltwirtschaftlichen Verflechtungen bereits empfindlich geschwächt. Wladimir Putins Krieg gegen Kiew könnte die Weltmärkte weiter ins Straucheln bringen. Dies würde wahrscheinlich auch die Foundries treffen, die derzeit viel Geld in den Kapazitätsausbau stecken.

Asien dominiert den Markt

Schaut man sich die geografische Gliederung der Foundry-Märkte an, so bleibt Asien weiter unangefochtener Spitzenreiter: Neun der zwölf größten Halbleiter-Auftragsfertiger haben in asiatischen Ländern ihren Hauptsitz. Mit der ostdeutschen X-Fab ist ein Europäer vertreten, Globalfoundries ist ein US-Konzern und „Tower“ sitzt in Israel – wobei letztere Foundry von Intel übernommen werden soll. Auch Intel arbeitet daran, seine Foundry-Sparte massiv auszubauen. Wenn dies dem US-Konzern gelingt, wäre im Foundry-Segment auch endlich wieder ein neuer Akteur im Highend-Sektor verfügbar. Bisher können nur TSMC aus Taiwan und Samsung aus Südkorea Aufträge für Spitzenchips der Sub-10-Nanometer-Klasse annehmen.

China verharrt um die 8 %

Weiter vor sich hin dümpelt vorerst der chinesische Foundry-Markt: Zwar buttert Peking seit Trumps Handelskriegen weit mehr als früher in seine einheimische Mikroelektronik hinein, um sich von Westimporten unabhängiger zu machen. Auch hat der chinesische Primus SMIC ordentlich zugelegt: Im Jahr 2020 legte dort der Umsatz um 25 Prozent zu, 2021 sogar um 39 Prozent. Auch die Huahong-Gruppe habe im vergangenen Jahr hohe Umsatzwachstumsraten erreicht, berichten die „IC Insights“-Analysten. Dennoch stagniere der Anteil chinesischer Unternehmen am weltweiten Foundry-Markt seit Jahren zwischen sieben und neun Prozent.

Trumps Embargo gegen SMIC wirkt weiter

„Obwohl die in China ansässigen Foundries planen, von der enormen Menge an staatlichen und privaten Investitionen zu profitieren, die in die chinesische Halbleitertinfrastruktur fließen, ist es unwahrscheinlich, dass sie in der Lage sein werden, um das führende Foundry-Geschäft zu konkurrieren“, schätzen die US-Analysten ein. Dies gelte umso mehr, als Chinas führende Foundry SMIC auf den US-Embargolisten („Entity List“) für Chipfabrik-Ausrüstungen stehen.

Weckt Taiwans Spitzen-Mikroelektronik zu viel Begehrlichkeiten in Peking?

Damit kommen die Chinesen zum Beispiel vorerst auch nicht an die Extrem-Ultraviolett-Belichter (EUV) vom niederländischen Ausrüster „ASML“ heran. Ohne solche ohne ähnliche Anlagen lassen sich aber allerneuste Prozessoren kaum herstellen. Das heißt: China bleibt da weiter auf das Wohlwollen des Klassenfeindes angewiesen. Angesichts dieser Abhängigkeiten bleibt zu hoffen, dass die Wiedervereinigungs- und Kriegsrhetorik von Staatslenker Xi und die Enthaltung bei der jüngsten Ukraine-Abstimmung in der UN-Generalversammlung kein Vorgeplänkel für einen Angriff auf Taiwan ist…

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IC Insights, Oiger-Archiv