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Sachsen gewinnen Lithium-Verbindungen aus alten Kühlanlagen

Zu sehen sind hier alte Lithiumbromidlösungen aus Absorptions-Kälteanlagen, die mit dem neuen Verfahren aus Sachsen für die Wiederverwertung gereinigt werden. Foto: ILK Dresden

Zu sehen sind hier alte Lithiumbromidlösungen aus Absorptions-Kälteanlagen, die mit dem neuen Verfahren aus Sachsen für die Wiederverwertung gereinigt werden. Foto: ILK Dresden

Neues Verfahren von Luxchemtech, ILK Dresden und Johnson Control sorgt dafür, dass Kühlmittel nicht mehr als Sondermüll endet

Dresden/Freiberg, 15. Januar 2022. Forscher und Ingenieure aus Sachsen haben einen Weg gefunden, Lithium-Verbindungen aus Kühlanlagen zurückzugewinnen. Im Mai bekommt der federführende Projektpartner „Luxchemtech“ aus Freiberg dafür den „Eku-Zukunftspreis“ des sächsischen Umweltministeriums. Das haben das Ministerium sowie das private Institut für Luft- und Kältetechnik (ILK) aus Dresden mitgeteilt, das die Technik für das Recyclingverfahren entwickelt hatte.

Leichtmetall nicht nur für Akkus, sondern auch für Kühlung wichtig

Lithium ist vielen vor allem als Rohstoff für die Akkus von Elektroautos und Smartphones bekannt. Doch das leichte Metall wird zum Beispiel auch im Kühlanlagenbau gebaut. In Verbindung mit Brom als Absorptionskältemittel für Rechenzentren, Krankenhäuser, Chemiefabriken und Büros.

Der Chemiker Dr. Steffen Feja hat das Rückgewinnungsverfahren für Lithiumbromid am ILK zunächst im Labormaßstab entwickelt. Foto: ILK Dresden

Der Chemiker Dr. Steffen Feja hat das Rückgewinnungsverfahren für Lithiumbromid am ILK zunächst im Labormaßstab entwickelt. Foto: ILK Dresden

Bisher tonnenweise als Sondermüll entsorgt

Dabei zirkulieren pro Anlage teils einige Hundert Kilogramm, teils sogar mehrere Tonnen einer 54-prozentigen Lithiumbromidlösung, die mit teils krebserzeugenden Rostschutzmitteln versetzt sind. Die Lithiumbromidlösungen selbst muss Deutschland größtenteils importieren. „Bei einer Wartung, Havarie oder Demontage der Anlagen fallen sie als verschmutzte Sole als Abfall und teils toxischer Sondermüll an. Sie waren nicht wieder nutzbar und wurden tonnenweise entsorgt“, erklärt ILK-Projektleiter Dr. Steffen Feja.

Aufbereitungstechnik trennt auch giftigen Rostschutz ab

Um diese wichtigen Materialien künftig zurückzugewinnen, taten sich das ILK, das Freiberger Recycling-Unternehmen Luxchemtech und die Dresdner Tochter des irischen Haussteuertechnik-Konzerns „Johnson Control“ zusammen. Zunächst in den Chemielaboren des ILK Dresden und dann im industriellen Maßstab bei Luxchemtech entwickelten sie ein Reduktions-Verfahren, um die Lithiumbromidlösung wiederverwendbar zu machen. Dabei sei es den Projektpartnern gelungen, „die in den Absorptionslösungen vorhandenen, gesundheitsschädlichen Korrosionsschutzadditive auf Basis von krebserzeugenden Chromatverbindungen ungiftig zu machen und vollständig herauszulösen“, informierte das ILK.

Eku-Preis ist ehemaliger sächsischer Umweltpreis

Das sächsische Ministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft vergibt jährlich Zukunftspreise für besondere Ideen und Leistungen in den Sektoren „Energie, Klima, Umwelt“ (Eku). Die Preise sind mit bis zu 20.000 Euro dotiert. Empfänger sind Kommunen, Institute, Unternehmen und Organisationen. Bis 2019 hieß die Auszeichnung „Sächsischer Umweltpreis“.

Das ILK in Dresden-Striesen. Foto: Heiko Weckbrodt

Das ILK in Dresden-Striesen. Foto: Heiko Weckbrodt

Das Institut für Luft- und Kältetechnik in Dresden hat zwar die gleiche Abkürzung „ILK“ wie das TU-Leichtbauinstitut, gehört aber nicht zu Uni, sondern ist als gemeinnützige GmbH organisiert. Es ging aus dem gleichnamigen Dresdner Kombinats-Stammbetrieb hervor und agiert als industrienaher Forschungspartner für die Luft- und Kältetechnikbranche in Sachsen und Deutschland. Das ILK ist Teil der Zuse-Gemeinschaft und beschäftigt rund 140 Mitarbeiter.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: ILK, Smul, Johnson Control, Luxchemtech

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