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ILK Dresden will Ökostromspitzen als Flüssigeis abfangen

Kältetransfers mit pumpbarem Flüssigeis gelten als interessanter Ansatz, um Ökostromspitzen sinnvoll zu verwerten. Foto: Heiko Weckbrodt

Kältetransfers mit pumpbarem Flüssigeis gelten als interessanter Ansatz, um Ökostromspitzen sinnvoll zu verwerten. Foto: Heiko Weckbrodt

Pumpfähiges Eis soll Großküchen, Fischlager und Klimaanlagen mit Kälte versorgen

Dresden, 4. November 2020. Statt Windräder abzuschalten, wenn sie die Netze mit ihrem Strom-Überangebot zu überlasten drohen, könnte man die überschüssige Energie auch als Kälte („Power-to-Cold“). zwischenspeichern. Die so erzeugte Kälte könne man dann als Flüssigeis durch Rohrsysteme zu an weiter entfernte Abnehmer pumpen. Das will das „Institut für Luft- und Kältetechnik“ (ILK) Dresden auf der digitalen Konferenz „Energy Saxony Summit“ vorschlagen.

Durch Zusatzstoff lässt sich Gefrierpunkt manipulieren

Entscheidend sei es dabei, „Kälteerzeugung und -verbrauch zeitlich zu entkoppeln“, betonen die ILK-Ingenieure. Dann könnten Ökostromspitzen auch gut abgefangen und später verwerten werden. besonders hilfreich ist es da, wenn sich die Kälte – sprich: das Eis – über weite Strecken möglichst preiswert transportieren lässt. Pumpfähiges flüssiges Eis („Ice Slurry“) lässt sich zum Beispiel als Mischung aus Wasser, kleinen Eispartikeln und einem gefrierpunktsenkenden Zusatzstoff („Additiv“) erzeugen.

Auch interessant für Supermärkte und Brauerein

Einsetzbar wäre solches pumpfähiges Flüssigeis zum Beispiel in Kühlräumen für Großküchen, Brauereien oder Fischlager, für Klimaanlagen, in Supermärkten oder für die Erzeugung von Kunstschnee, skizziert das ILK mögliche Anwendungen. Wie das konkret funktionieren könnte, wollen die Dresdner Ingeniere zunächst am 2. und 3. November 2020 auf dem digital-analogen Fachkongress “East – Energy and Storages Technologies” in Erfurt vorstellen und dann auch zum „Energy Saxony Summit“ am 12. November 2020 in Dresden.

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Über das ILK Dresden

Das ILK ist ein privates, außeruniversitäres Forschungsinstitut in Dresden und gehört dem gemeinnützigen Förderverein zur Förderung der Luft- und Kältetechnik. Zugleich ist es Mitglied der Zuse-Gemeinschaft. Es beschäftigt rund 150 Mitarbeiter. Seine Wurzeln gehen auf das 1959 von Dresdner Professor Heinz Jungnickel gegründete „Forschungsinstitut für Chemie- und Kälteausrüstungen“ zurück. Später wurde es zum Stammbetrieb und zentralen Forschungsinstitut des DDR-Kältetechnik-Kombinats Ilka. Die Treuhand privatisierte das Institut 1990, danach gründeten Forscher und Industrievertreter aus der Kältetechnik-Branche einen Trägerverein, um das Institut dauerhaft abzusichern.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: ILK, Energy Saxony, Oiger-Archiv