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Genanalysen schenken Krebspatienten zusätzliche Lebensjahre

Die Onkologen suchen in den Genanalysen ihrer Patienten nach Hinweisen ("Biomarkern") auf die erfolgversprechendste Therapie. Foto: Philip Benjamin für das NCT Heidelberg
Die Onkologen suchen in den Genanalysen ihrer Patienten nach Hinweisen („Biomarkern“) auf die erfolgversprechendste Therapie. Foto: Philip Benjamin für das NCT Heidelberg

Bei seltenen Tumor-Arten zahlt sich Präzisionsonkologie aus

Dresden/Heidelberg, 15. Juni 2021. Eine molekulare Erbgut-Analyse kann die Überlebenschancen von Menschen mit seltenen Krebsarten deutlich erhöhen. Das hat eine Studie des „Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen“ (NCT) in Heidelberg und Dresden ergeben. Demnach konnten Ärzte mit der sogenannten „Präzisionsonkologie“ zielgenauere und teils auch noch experimentelle Therapien für ihre Patienten einsetzen, die den Kranken in vielen Fällen zusätzliche Lebensjahre geschenkt haben. Das geht aus einer Mitteilung des NCT und des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) hervor.

Hilfe für eine „unterversorgte Patientenpopulation“

„Unsere Daten belegen den Nutzen der sogenannten molekularen Stratifizierung bei seltenen Krebsarten“, schätzte Studienautor Prof. Stefan Fröhling vom NCT Heidelberg ein. „Dies bildet die Basis für neue klinische Studien und erleichtert die Zulassung von Medikamenten in dieser unterversorgten Patientenpopulation.“

„Signifikant verbesserte Überlebensrate“

Bisher hatte kaum ein Krankenhaus fundiert untersuchen können, ob die Molekularanalyse bei seltenen Krebsarten wirklich hilft: Die Fallzahlen waren an den einzelnen Standorten einfach zu niedrig, um zu aussagekräftigen Vergleichen zu kommen. Daher taten sich für die neue Studie onkologische Zentren aus ganz Deutschland zusammen und sammelten die molekularen Profile und klinischen Daten von 1310 Krebspatienten. 75,5 Prozent davon litten an seltenen Tumoren jenseits der „üblichen Verdächtigen“ wie Brust- oder Lungenkrebs. Nach der genetischen Analyse dieser Daten trug ein institutionenübergreifendes molekulares Tumorboard seine Behandlungsvorschläge vor – teilweise neue, experimentelle Therapien. Diese Ratschläge setzten die behandelnden Ärzte in einem Drittel der Fälle um, „was sich in einer signifikant verbesserten Überlebensrate im Vergleich zu Standardtherapien niederschlug“, heißt es in der NCT-Mitteilung.

Autor: hw

Quelle: NCT

Wissenschaftliche Publikation:

P. Horak, C. Heining, S. Kreutzfeldt et al. (2021) Comprehensive Genomic and Transcriptomic Analysis for Guiding Therapeutic Decisions in Patients with Rare Cancers. Cancer Discovery (a journal of the American Association for Cancer Research) DOI: 10.1158/2159-8290. CD-21-0126

 

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger