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Digitale Werbesignale sollen nach Corona Gäste nach Dresden zurücklocken

Mit 4,4 Mio. Übernachtungen hat sich Dresden als beliebtestes Städtereiseziel 2014 außerhalb Berlins behauptet. Foto: Sylvio Dittrich, DMG

Blick auf die Dresdner Altstadt vor der Corona-Krise. Foto: Sylvio Dittrich, DMG

Seuche und Ausnahmezustand haben Tourismusbranche 44 % der Übernachtungen gekostet und Umsatz halbiert

Dresden, 26. Februar 2021. Mit internetgestützten Werbe-Kampagnen, Online-Wetterkameras, Sonder-Freiluftfestivals, einem „Schaufenster der Kunst und Kultur“ in der Dresdner Innenstadt, hybriden digital-analogen Kongressangeboten und anderen Instrumenten wollen die Tourismusvermarkter wieder mehr private und Geschäftsreisende ins Dresdner Elbland locken, wenn der Corona-Ausnahmezustand gelockert oder beendet ist. Eine entsprechende „Restart“-Kampagne haben die Dresdner Tourismus-Bürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) und die Chefin der „Dresden Marketing Gesellschaft“ (DMG), Corinne Miseer, angekündigt. Allerdings sei damit zu rechnen, dass frühestens 2023 das Vorkrisen-Niveau wieder erreicht werde.

Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch. Foto: Heiko Weckbrodt

Tourismus-Bürgermeisterin: „Das wirft uns um Jahre zurück“

„2020 war ein bitteres Jahr für den Tourismus in Dresden“, sagte Annekatrin Klepsch über die Wirkungen der Coronakrise. „Das wirft uns um Jahre zurück.“ Im Stadtgebiet Dresden haben die Hotels, Pensionen und Herbergen nur 2,6 Millionen Übernachtungen gezählt. Das waren 44,5 Prozent weniger als im Jahr 2019, informierte DMG-Chefin Miseer. Die Restaurant-Umsätze haben sich laut einer Branchenumfrage halbiert, die Hotelumsätze um 46 Prozent reduziert.

TVD-Chef: „Viele stehen vor den Trümmern ihrer Existenz“

Scharfe Kritik kam von Johannes Lohmeyer, dem Vorsitzenden des Dresdner Tourismusverbands (TVD): Die Situation werde für die Hoteliers immer unerträglicher. Und die kommunikativen Signale aus der Politik seien „desaströs“ – etwa die Ankündigung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU), auch Osterreisen müssten wegen Corona ausfallen. Zudem hinke die Auszahlung der Corona-Hilfen an Unternehmer im Freistaat besonders stark den tatsächlichen Einnahmeausfällen hinterher. „Viele von uns stehen vor den Trümmern ihrer Existenz“, sagte er. Viele Unternehmer hätten inzwischen sogar schon ihre privaten Altersvorsorgen aufgebraucht und keinerlei Reserven mehr – und dies durch willkürliche politische Entscheidungen von Bund und Land. Lohmeyer verwies darauf, dass allein in Dresden rund 25.000 Menschen vom Tourismus leben. „Diese Menschen brauchen eine Perspektive“, forderte er.

Kulturmagneten sollen Innenstadt reanimieren

Lob verteilte der Verbands-Chef hingegen für Hilfen der Kommune: „Die Stadt bemüht uns sehr, uns unter die Arme zu greifen.“ Aktionen wie die „Kulturinseln“ zwischen dem ersten und zweiten Einschluss („Lockdown“) hätten im Sommer 2020 geholfen, die Innenstädte zu beleben. Ähnliches planen Klepsch und Miseer nun auch für die Zeit nach Corona. Dabei sind nicht nur Open-Air-Feste geplant, sondern auch Künstlerauftritte in Geschäften und dergleichen mehr.

Neustart-Choke durch Mikroelektronik-Großinvestitionen erwartet

Für das Geschäftsreisenden-Segmenten gibt es neue Ideen und hoffnungsvolle Signale. Unter anderem wollen die DMG und die kommunalen Wirtschaftsförderer mit der überregionalen und internationalen Kampagne „Dresden. Tomorrow‘s Home“ für den Wirtschaftsstandort werben. Ach TVD-Chef Lohmeyer hofft in diesem Segment auf Erholungsimpulse: „Wir erleben hier wichtige Großinvestitionen in der Dresdner Halbleiterindustrie, beispielsweise durch Globalfoundries und Bosch“, sagte er. „Wir erwarten viele Geschäftsreisende.“

DMG-Geschäftsführerin Corinne Miseer. Foto:  Sven Döring für Dresden Marketing, Lizenz: DML-Namensnennung-Kommerziell

DMG-Geschäftsführerin Corinne Miseer. Foto: Sven Döring für Dresden Marketing, Lizenz: DML-Namensnennung-Kommerziell

Auch die Erfahrungen mit Videokonferenzen, hybriden Kongressen und anderen Formaten während der Corona-Krise werden in die DMG-Standortvermarktung einfließen, kündigte Corinne Miseer an. Für Veranstalter von Messen, Kongressen und Tagungen in Dresden werde es künftig mehr Möglichkeiten geben, auch digitale Formate für diese Ereignisse einzubinden.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: DMG-PK, TVD, LHD