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Nvidia kauft ARM-Prozessorschmiede

Nvidia will mit der ARM-Übernahme seine Führungsposition beim KI-Chip-Entwurf - hier Jetson-Platine in einem Isaal-Roboter - weiter ausbauen. Abb.: Nvidia
Nvidia will mit der ARM-Übernahme seine Führungsposition beim KI-Chip-Entwurf – hier Jetson-Platine in einem Isaal-Roboter – weiter ausbauen. Abb.: Nvidia

Mit dem Milliarden-Geschäft will der Grafikchip-Konzern seine Spitzenposition in der KI-Elektronik ausbauen

Cambridge/Santa Clara, 14. September 2020. Das ist ein Paukenschlag für die globale Mikroelektronik-Branche: Der kalifornische Grafikchip-Konzern Nvidia kauft die englische Smartphone-Prozessor-Firma „ARM“ aus Cambridge. Das haben Nvidia in Santa Clara und ARM in Cambridge nun angekündigt. Der bisherige Eigentümer Softbank bekommt dafür rund 33,5 Milliarden Dollar (28,2 Milliarden Euro), der größere Teil davon in Form von Nvidia-Aktien. Nvidia-Gründer Jensen Huang will damit nach eigenem Bekunden „das führende Unternehmen für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz schaffen“.

Worauf ist Nvidia spezialisiert?

In der Tat haben beide Unternehmen einige Gemeinsamkeiten, ergänzen sich dennoch und sind auf ihre Weise Schwergewichte in der Halbleiter-Branche. Beide verfügen über keine eigenen Fabriken, sondern haben sich auf das Chipdesign konzentriert – die Produktion übernehmen dann andere. Nvidia gehört zusammen mit Intel und AMD zu den technologisch und führenden Anbietern von Grafikprozessoren für Computer. Außerdem gehört Nvidia zu den führenden Anbietern von Chips, die für besonders anspruchsvolle „Künstliche Intelligenzen“ (KI) benötigt werden, zum Beispiel für das autonome Fahren.

Worauf ist ARM spezialisiert?

Die englische Firma ARM wiederum entwirft spezielle Prozessoren, die mit vergleichsweise geringem Energieaufwand anspruchsvolle Rechenoperationen realisieren können. Diese Prozessoren, die auf der der RISC-Architektur beruhen, sind heutzutage die Herzstücke der meisten Smartphones, Tablett-Computer sowie anderer mobiler Geräte und eingebetteter Elektronik.

ARM-Technik diffundiert in Supercomputer und Künstliche Intelligenz

Mittlerweile gibt es auch erfolgreiche Versuche, spezielle Varianten der ARM-Prozessoren für Supercomputer, KI-Anwendungen und neuronale Netze einzusetzen. Der vermutliche weltweit größte siliziumbasierte „Nachbau“ einer Gehirnstruktur, der „Spinnaker 2“, der derzeit an der TU Dresden und bei Globalfoundries Dresden entsteht, basiert letztlich auch auf ARM-Architekturen.

Forschungszentrum in Cambridge angekündigt

Nvidia will ebenfalls nun mehr KI-Leistung aus den ARM-Designs herauskitzeln. Das Unternehmen hat versprochen, in Cambridge ein „Weltklasse-KI-Forschungszentrum“ einzurichten. Die Wissenschaftler sollen dort in Kooperationen mit internationalen Forscherkollegen und der Industrie an der KI-Ausbildung und an der Konstruktion von KI-Supercomputern arbeiten, die auf ARM- und Nvidia-Technologien basieren.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Nvidia, ARM, Oiger-Archiv

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Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger