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Schweizer Raumfahrtfirma „Ruag“ investiert in Sachsen

RUAG Space produziert in Coswig liegt hochpräzise Mechanismen für Raumfahrt und Industrie. Foto: Mechanisms HTS

RUAG Space produziert in Coswig hochpräzise Mechanismen für Raumfahrt und Industrie. Foto: Mechanisms HTS

Neue Jobs und neues Kompetenzzentrum in Coswig

Coswig, 8. April 2020. Die „Ruag Space“ baut ihren Standort in Coswig bei Dresden aus. Das hat die Raumfahrttochter des Schweizer Technologiekonzerns Ruag heute mitgeteilt. „Wir wollen in Coswig mit Weltraumelektronik weiter wachsen“, kündigte Vizepräsident Peter Guggenbach von „Ruag Space“ an.

Ariane-Raketenmodel bei Ruag Coswig. Foto: Heiko Weckbrodt

Ariane-Raketenmodell bei Ruag Coswig. Foto: Heiko Weckbrodt

HTS 2016 komplett von Schweizer Technologie-Konzern übernommen

Die Schweizer hatten im Mai 2016 das 1996 gegründete sächsische Raumfahrt-Unternehmen „Hoch Technologie Systeme GmbH“ (HTS) mit 32 Mitarbeitern übernommen. Spezialisiert waren die Coswiger damals vor allem auf mechanische Bauteile für die Luft- und Raumfahrt. Ab 2018 firmierte die HTS als „Ruag Space Germany“ und erweiterte seine Entwicklungs- und Produktionskapazitäten auf dem ehemaligen Glaswerk-Areal in Coswig. Seitdem ist die Belegschaft auf 50 Mitarbeiter gewachsen. Parallel dazu haben die neuen Chefs mehrere Millionen Euro in einen neuen Standort investiert: “Es handelt sich dabei um einen ca. 25-jährigen Bau. Dort sind wir Mieter”, teilte Ruag-Space-Sprecher Philipp Bircher mit. “Wir investieren einen tieferen siebenstelligen Betrag in den Ausbau des Gebäudes.” Dorthin soll Ruag Space Germany im September 2020 vollständig umziehen. “Am alten Standort am Glaswerk arbeitet noch rund die Hälfte der Belegschaft”, berichtete Bircher. “Der andere Teil arbeitet bereits am neuen Standort.” Das ausgebaute Mietobjekt ist für 80 Beschäftigte ausgelegt – und diese Personalstärke will „Ruag Space Germany“ in Coswig bis 2023 erreichen.

In Coswig spezialisiert sich das neue Kompetenzzentrum für Weltraum-Mikroelektronik von RUAG Space auf Navigationsempfänger und Signalprozessoren für viele kleine kommerzielle Satelliten. Foto: RUAG Space, Noe Flum

In Coswig spezialisiert sich das neue Kompetenzzentrum für Weltraum-Mikroelektronik von Ruag Space auf Navigationsempfänger und Signalprozessoren für viele kleine kommerzielle Satelliten. Foto: Ruag Space, Noe Flum

Fabrik Coswig spezialisiert sich auf Navis und Prozessoren für Satelliten

Die ursprünglich auf mechanische Raumfahrt-Komponenten fokussierte Fabrik in Coswig ist durch die Weichenstellungen der vergangenen Jahre zu einem „Kompetenzzentrum für Weltraumelektronik“ gewachsen, schätzte die Schweizer Mutter ein. Die Sachsen sollen sich künftig noch stärker auf Navigationsempfänger und Signalprozessoren konzentrieren. „Diese werden für eine Vielzahl kleiner Satelliten kommerzieller Telekommunikationsunternehmen verwendet, damit die Position der Satelliten auf wenige Zentimeter genau bestimmt werden kann“, hieß es von Ruag Space.

Ruag Coswig stellt unter anderem solche Antennen-Ausrichtungsmechanismen für Satelliten her. Foto. Heiko Weckbrodt

Ruag Coswig stellt unter anderem solche Antennen-Ausrichtungsmechanismen für Satelliten her. Foto. Heiko Weckbrodt

Sachsen sollen aber auch weiter Satelliten-Mechaniken entwickeln

Die zweite Kernkompetenz in Coswig neben der Mikroelektronik soll aber weiter auch die Produktion von Präzisions-Mechanismen für die Raumfahrt und die allgemeine Industrie bleiben. Die Sachsen fertigen beispielsweise Mechaniken, die Satelliten-Solarpanele im Weltraum besonders genau ausrichten. Diese Bauteile müssen besonders zuverlässig sein, weil selbst bei kleinsten Fehlern an diesen Energie-Sammlern ein kompletter Satellit strom- und nutzlos werden kann. Daneben konstruiert Ruag Space auch irdische Produkte. Dazu gehören Aktuatoren (Mikroantriebe) für Fotolithografie-Anlagen in der Halbleiterindustrie.

Peter Guggenbach ist Vizepräsident von Ruag Space. Foto: Ruag Space

Peter Guggenbach ist Vizepräsident von Ruag Space. Foto: Ruag Space

Ruag: Sachsen ist ein prima Standort für den „New Space“-Markt

Der Raum Dresden sei ein guter Standort, um die eigenen Positionen in einem Weltraumtechnik-Markt auszubauen, der durch neue Akteure wie Elon Musks „SpaceX“ gründlich umgekrempelt wurde, hieß es von den Schweizern. „Die Region Sachsen bietet für uns ein ideales Umfeld, um neuartige Produkte für den ‚New Space‘-Markt zu entwickeln“, betonte Vizepräsident Guggenbach. „Wir haben Kooperationsmöglichkeiten mit der in Sachsen ansässigen Automobilindustrie, können das akademische Umfeld mit bestens qualifizierten Forschern und Absolventen nutzen sowie von frischen Ideen und Partnerschaften mit Unternehmen im ‚Silicon Saxony‘ profitieren.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Ruag Space, Oiger-Archiv