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Marktanteil deutscher Spiele sinkt

Neben den Rätsel-Labyrinthen im Steampunk-Stil durcheilt Leo auch hübsch animierte grüne Landschaften. Abb.: Bildschirmfoto

Abb.: Bildschirmfoto

Anteil fällt unter 6 %

Berlin, 14. August 2018. Seit der Erfindung der Heimcomputer haben digitale Spiele aus deutscher Produktion ohnehin meist nur in wenigen Sparten zu punkten vermocht. Ihr Marktanteil fällt immer mehr. 2017 lag ihr Umsatzanteil an allen in Deutschland verkauften Digitalspielen nur noch bei 5,4 Prozent – im Vorjahr waren es noch 6,4 Prozent. Das geht aus einer Analyse des deutschen Spieleindustrie-Verbandes „Game“ aus Berlin hervor.

Gesamtmarkt für digitale Spiele wächst hingegen

Demnach erlösten deutsche Spiele nur noch 119 Millionen Euro bei einer Marktgröße von über 2,2 Milliarden Euro. Letzteres ist ein Rekordwert. Rechnet man auch Spiele-Hardware ein, hat der deutsche Spielemarkt sogar erstmals die 3-Milliarden-Euro-Umsatzgrenze überschritten.

Während der Gesamtumsatz mit digitalen Spielen (blau, hier: ohne Hardware) in Deutschland wächst, sinkt der Anteil deutscher Spieleproduktionen. Abb.: Game

Während der Gesamtumsatz mit digitalen Spielen (blau, hier: ohne Hardware) in Deutschland wächst, sinkt der Anteil deutscher Spieleproduktionen. Abb.: Game

Game-Verband fordert wirtschaftspolitische Unterstützung

„Der weiter fallende Marktanteil deutscher Spiele-Entwicklungen zeigt, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt“, schätzte Game-Chef Felix Falk ein. „Deshalb sollte der von der Bundesregierung geplante Games-Fonds zur Unterstützung deutscher Entwickler jetzt umgesetzt werden. Positive Beispiele wie ‚Elex‘ oder ‚The Surge‘ zeigen, dass Games ‚made in Germany‘ eine echte Erfolgsgeschichte sein können. Das kulturelle und wirtschaftliche Potenzial ist riesig. Hierfür müssen jedoch die immensen Wettbewerbsnachteile im Vergleich zu anderen Ländern endlich abgebaut werden.“

Deutsche Spiele-Schmieden zeitweise in der Nische recht erfolgreich

In der Frühzeit der Heimcomputerspiele hatten sich deutsche Entwickler vor allem mit Wirtschaftssimulationen (Beispiele: „Ports of Call“, „Mad TV“) und rundenbasierten Rollenspielen auch im internationalen Vergleich gute Erfolge erzielt. Als jedoch die Grafiken, Soundausgaben und der gesamte Entwicklungsaufwand dieser Produktionen dramatisch stiegen, fielen die meisten deutschen Spieleschmieden aus dem Rennen: Neuere Spitzenspiele sind inzwischen ähnlich kapitalintensiv wie Hollywood-Filme.

Die Welt der Zukunft: Zwischen industriellen Raubrittern und Baumkuschlern. Abb. (alle): Ubisoft

Recht erfolgreich: Die Anno-Reihe von Bluebyte. Abb. (alle): Ubisoft

Übrig blieben – teils mit auswärtiger Unterstützung – einige wenige wie Bluebyte mit seiner „Anno“-Simulationsreihe (gehört jetzt zum französischen Ubisoft-Konzern) oder Piranha Bytes mit den „Gothic“-Rollenspielen. In den 1990ern und Nuller Jahren kam es noch einmal zu einer Renaissance deutscher Spiele-Entwicklung: Deadalics erfolgreiche Adventure, die 3D-Action-Shooter von Crytek oder die Physikrätselspiele der sächsischen Fakt-Software sind als Beispiele zu nennen. Der Aufstieg der mobil orientierten Smartphone- und Tablet-Spiele hat dieses Marktsegment allerdings neu gemischt.

Autor: Heiko Weckbrodt