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Gründerwelle durch 5G-Mobilfunk erwartet

Gerhard Fettweis von der TU Dresden und Vodafone-Innovationschef Michael Reinartz in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Gerhard Fettweis von der TU Dresden und Vodafone-Innovationschef Michael Reinartz in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Vodafone-Innovationschef Reinartz und TU-Mobilfunkguru Fettweis im Interview über Start-ups, kalte Duschen und das nächste Google

Auf der Investorenkonferenz „Hightech Venture Days“ in Dresden betonen Unternehmer und Politiker fast gebetsmühlenartig, wie wichtig junge Technologie-Unternehmen („Tech-Start-ups“) für die deutsche Wirtschaft im Ganzen seien. Oiger-Redakteur Heiko Weckbrodt hat den Vodafone-Innovationschef Michael Reinartz und den erfahrenen Startup-Unterstützer Prof. Gerhard Fettweis von der TU Dresden über die Gründe befragt.

Wozu brauchen wir so viele Startups?

Fettweis: An den Unis arbeiten wir an Themen, die in etwa fünf bis zehn Jahren oder noch später zu Produkten werden. Dabei entstehen auch ganz verrückte Ideen. Wenn man damit zu einem großen etablierten Unternehmen geht, bauen die Manager oft Riesenhürden auf, sind zögerlich, Ideen von außen umzusetzen…

Reinartz: Das ist der „Not invented here“-Effekt: Was nicht im eigenen Hause erfunden wurde, ist erst mal suspekt.

Fettweis: Und gerade deshalb ist es gut, dass es Start-ups gibt: Manchmal brauchen die Konzern-Entwicklungsabteilungen auch mal eine kalte Dusche von einem neuen Marktteilnehmer, um umzudenken. In einem neugegründeten Unternehmen sitzt oft das ganze Team ununterbrochen daran, eine disruptive Idee zu realisieren. Dieses besondere Engagement kann entscheidend für den Erfolg eines Projektes sein.

Was hat ein Konzern wie Vodafone von solchen verrückten Gründern? Päppelt er sich da nicht unter Umständen Konkurrenz hoch?

Reinartz: Wir bieten kein Venture Capital, unterstützen Start-ups aber, wenn wir ihre Ideen für gut halten – zum Beispiel dürfen sie unser Testzentrum, unsere Vertriebskanäle und Kontaktnetze nutzen. Solche junge Firmen zu unterstützen, nutzt auch uns: Sie bringen neue Ideen und frische Herangehensweisen ins Haus.

Und wie wählen Sie unterstützenswerte Gründer aus?

Reinartz: Wir nehmen nur Start-ups, die wenigstens schon einen Prototypen vorweisen können.

Die Signalion-Ingenieure entwickeln in Dresden Testgeräte und -umgebungen für LTE und andere Mobilfunklösungen. Abb.: Signalion

Ausgründungen wie Signalion haben der TU Dresden und deren Vodafone-Lehrstuhl einiges Ansehen eingebracht. Abb.: Signalion

Fettweis: Und ein gewisser „Stallgeruch“ öffnet auch Türen. Bisher haben wir aus meinem Laden* schon 15 Firmen ausgegründet. Erst gestern habe ich wieder bis tief in den Abend mit einem Team von der Uni zusammengesessen, um eine neue Gründung vorzubereiten. Jedes neue Start-up von hier kann auf diese Herkunft verweisen – das schafft Vertrauen bei Investoren und Unterstützern.

TU und Vodafone entwickeln derzeit auch gemeinsam den Mobilfunk der fünften Generation, „5G“. Der soll nicht nur mehr Ladetempo bringen, sondern auch viel reaktionsschneller und sicherer als die Vorgänger-Standards sein. Können Sie sich aus dieser Entwicklung heraus eine neue Gründerwelle vorstellen?

Fettweis: Sogar sehr gut. Wenn wir jeden Blumentopf, jede Kaffeemaschine, jedes DHL-Paket, jeden Quadratmeter Straße mit Mobilfunk-Chips vernetzen, die kaum Strom verbrauchen, eröffnet das Türen zu neuen Geschäftsmodellen, zu coolen Sportsachen, zu automatischen Parkplatz-Meldern und raffinierter Telemedizin. Und das bietet Riesenmöglichkeiten, dass dabei neue Unternehmen vom Kaliber eines Googles oder Facebooks entstehen. Da Dresden in der 5G-Entwicklung die Nase vorn hat, hoffe ich doch sehr, dass diese Facebooks und Googles diesmal in Europa und am besten in Dresden entstehen.

*Vodafone-Stiftungslehrstuhl für Mobilfunktechnik an der TU Dresden – Fettweis leitet zudem das 5G Lab Germany

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